Etwas Nachhilfe für Patientenanwalt Bachinger: Arzt-Wartezeiten sind Folge von unnötigen Beschränkungen durch Krankenkassen

Bachinger soll Missstände bekämpfen und nicht Ärzten zum wiederholten Male den Schwarzen Peter zuschieben

Für lange Wartezeiten auf einen Termin bei Kassenärztinnen und -ärzten sind in allererster Linie die von den Sozialversicherungen gewünschten Deckelungen ärztlicher Leistungen verantwortlich. Der Um- und Missstand, dass die Kassen dem Arzt nur eine bestimmte Anzahl von Leistungen honorieren, und zwar unabhängig vom realen Bedarf der Patienten, gehört ersatzlos abgeschafft.

Dem Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger, der im heutigen KURIER zu diesem Thema ein Interview gegeben hat, sind diese Bestrebungen der Kassen, aus Kostengründen einen künstlichen Flaschenhals herzustellen, natürlich sehr wohl bekannt. Es ist deshalb umso bedauerlicher, dass er hier keine seriöse Ursachenforschung betreibt und brauchbare Lösungen anbietet, sondern den Schwarzen Peter einmal mehr den Ärzten zuschiebt.

Ein aktuelles Beispiel: Im März 2017 wurde wegen der medizinisch unzumutbaren Wartezeiten auf einen MRT- oder CT-Termin die Aufhebung der Deckelungen für diese Untersuchungen beschlossen. Und was tut zum Beispiel die Wiener Gebietskrankenkasse? Sie führt per 1. Juni 2017 die Chefarztpflicht für CT und MRT wieder ein. Eine sinnlose bürokratische Schikane, die wohl einzig dem Zweck der Zugangsbegrenzung zu solchen Untersuchungen führt: Eine Deckelung NEU also. Dazu waren kritische Worte des Patientenanwalts wie gewohnt nicht zu vernehmen.

Hier gilt die Forderung der Ärztekammer„weg mit der Deckelung“. Maßstab für die Honorierung von Untersuchungen und Behandlungen durch die Kassen kann einzig der Patientenbedarf sein, und nicht eine Rationierungs-Vorgabe von Kassenbürokraten.

Auch der Hinweis des Patientenanwaltes, dass es in Österreich mit seiner angeblich international höchsten Ärztedichte keine langen Wartezeiten auf einen Arzttermin geben dürfe, geht ins Leere. Viele Ärzte haben dem öffentlichen Gesundheitswesen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und überbordender Bürokratie schlichtweg den Rücken gekehrt. Es liegt in der Verantwortung der Gesundheitspolitik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Arztberuf wieder attraktiv machen, damit die für eine ausreichende niedergelassene Ärzteversorgung erforderlichen 1.300 zusätzlichen Kassenarztstellen auch besetzt werden können. Es wäre schön, wenn Patientenanwalt Bachinger solche Forderungen unterstützen würde. Dann würde der „Anwalt der Patienten“ diesem Titel auch gerecht.

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