10 Jahre E-Card und die Lehren für die Zukunft

Gestern Abend fand die „E-Card Gala“ statt, ein Festakt mit Bunter-Abend-Elementen, der den 10jährigen Bestand der E-Card  feierte. Frage der Moderatorin an mich als Ärztevertreter: „Die Ärzteschaft war zu Beginn der Einführung nicht begeistert von der E-Card. Wahrscheinlich kann sich aber auch kein Mediziner ein System ohne e-card mehr vorstellen, oder?“

Sicherlich, die E-Card ist in den vergangenen 10 Jahren wohl zu einem insgesamt bewährten Instrument geworden, das die Abwicklung erleichtert. Wenn wir heute von bisher mehr als einer Milliarde E-Card-Konsultationen sprechen, dann ist das schon quantitativ eine eindrucksvolle Bilanz. Dazu gibt es freilich noch einiges anzumerken, was in der Feierstimmung eines Jubiläums nicht übersehen werden sollte. Diese Zahlen veranschaulichen nämlich auch, welchen enormen bürokratischen Aufwand die Ärzteschaft durch das Akzeptieren und Anwenden der e-card den Krankenkassen erspart hat: zum Beispiel mehr als 400 Millionen Krankenscheine und andere Formulare.

E-Card hat Ärzte 85 Millionen gekostet

Für die Ärzteschaft hingegen hat die Einführung der E-Card eine Investition von rund 85 Millionen Euro bedeutet: 45 Millionen davon gingen an Telekom-Unternehmen, 40 Millionen an Ärztesoftware-Unternehmen. Auf ein Wort der Anerkennung seitens der Gesundheitspolitik oder der Sozialversicherungen warten wir noch immer vergeblich.

Es darf auch nicht übersehen werden, dass die E-Card in ihren Anfängen alles andere als ein ausgereiftes Produkt war. Die Ärztekammer befürchtete damals Probleme in Bezug auf Kostentransparenz und technischen Fragen. 75 Prozent der Ärzte im Burgenland gaben einen erhöhten administrativen Aufwand durch die E-Card an. In den Folgejahren kam es dann zum Beispiel in Wien zu massiven Problemen bei der E-Card-Abrechnung. Weitere Probleme waren die zu kurzen Nachsteckfristen und Nachverrechnungs-Möglichkeiten.

Ungelöste Probleme

Viele der ursprünglichen Probleme wurden aus Ärztesicht inzwischen gelöst, aber leider nicht alle: Seit Jahren wünscht sich Ärzte E-Cards mit einem Foto der versicherten Person, um zumindest die gröbsten Fälle von Missbrauch verhindern zu können. Diese Fotos gibt es bis heute nicht.

Immer wieder hören wir aus der Kollegenschaft Klagen, dass e-cards defekt sind, gereinigt und mehrfach gesteckt werden müssen, bis sie gelesen werden können. Bei Bankomatkarten hingegen passiert so etwas ausgesprochen selten.

Ärzteschaft hat zur Usability maßgeblich beigetragen

Eine Lehre, die aus all dem zu ziehen ist: Dass die E-Card heute als ein im wesentlichen erfolgreiches Produkt bezeichnet werden kann, hat auch damit zu tun, dass die Ärzteschaft im vergangenen Jahrzehnt eine maßgebliche Rolle dabei gespielt hat, die Patienten-, Ärzte- und Anwendungsfreundlichkeit der E-Card auf ein entsprechendes Niveau zu heben – auch  gegen politischen Widerstand. Das sollte auch bei den aktuellen und künftigen Überlegungen nicht übersehen werden, die ein weit größeres Datenspeicherungs- und Datenkommunikations-System im Gesundheitsbereich betreffen.

Und vor allem: Man sollte nicht so tun, als lasse sich von einer letztlich erfreulichen Bilanz des ersten E-Card-Jahrzehnts automatisch die Konsequenz ableiten, dass ELGA in Zukunft zwangsläufig dasselbe positive Ergebnis beschieden sein wird. Die ungelösten Probleme bei ELGA sind wesentlich komplexer und sehr folgenschwer, und vertretbare Lösungen dafür sind noch keine in Sicht.

Mehr gemeinsame Firmen mit dem Hauptverband?

Bei der Gala wurde mir von der Moderatorin dann auch die Frage gestellt, ob die Peering Point Gesellschaft ein Zusammenarbeitsmodell ist, das auch auf andere Themen übertragbar wäre. (Anm.: Ärztekammer und Hauptverband sind gemeinsam Eigentümer der PPG, deren Ziel die Vermarktung des Gesundheits-Informations-Netzes und des Peering Point als das Basisnetzwerk für die sichere Kommunikation zwischen den Teilnehmern im Gesundheitswesen ist.)

Es ist sicherlich richtig, dass der Hauptverband und die Österreichische Ärztekammer in der  PPG allmählich zusammen gefunden haben. Der Weg zueinander war nicht immer einfach und unkompliziert. Grundsätzlich bin ich aber aus mehreren Gründen von solchen unternehmerischen Kooperationen zwischen Institutionen wie der Ärztekammer und wie dem Hauptverband nicht begeistert.

Besonders in den vergangenen Jahren war die Zusammenarbeit mit dem Hauptverband im Allgemeinen bekanntlich oft von sehr unterschiedlichen Positionen geprägt und deshalb sicherlich keine ideale Basis für weitere gemeinsame unternehmerische Projekte. Ich gehe davon aus, dass sich die Kooperation mit Präsident Mag. Peter McDonald in Stil und Inhalt zum Besseren wenden wird. Aber deshalb halte ich es noch lange nicht für ein vielversprechendes Erfolgsprinzip, in Zukunft auf gemeinsame Firmengründungen zu setzen. In qualifizierten Ausnahmefällen mag das durchaus sinnvoll sein, aber eben nur dann.

Die Ärztekammer sollte sich als Standesvertretung und als Anwältin der Gesundheits-Interessen von Bürgern und Patienten um eine insgesamt gute Versorgungslage kümmern, die nicht von „Kostendämpfungspfaden“ und Einsparungsphantasien bedroht wird. Das sehe ich als unsere vorrangige Aufgabe, und nicht die Gründung neuer Unternehmen mit dem Hauptverband.

Ärzte lassen sich keine Mitverantwortung für einen ELGA-Flop zuschanzen

Nehmen wir das Beispiel ELGA: Diese ist unter anderem ein Kind von Gesundheitsminister Stöger und dem Hauptverband. ELGA ist nicht nur aus Ärztesicht noch immer ein unfertiges Konzept mit vielen ungelösten Problemen in zentralen Bereichen. Natürlich werden wir so etwas niemals zustimmen. Und schon gar nicht wird sich die Ärztekammer ins Boot holen lassen, indem wir womöglich irgendein gemeinsames ELGA-Unternehmen mit dem Hauptverband gründen, damit man uns die Mitverantwortung für einen ELGA-Flop zuschanzen kann. Man mache sich hier keine Illusionen.

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