Appell an die Politik: Anpassung des Hausärzte-Honorarkataloges als Akutmaßnahme zur Sicherung der kompetenten Pflege zu Hause

Verfolgt man die Schlagzeilen und Presseaussendungen der der vergangenen Tage und Wochen, so wird klar, dass die Politik die Bedeutung des Themas Pflege erkannt hat – nicht nur in Österreich. Das Thema ist in der Tat brisant und erzeugt ein hohes Maß an Betroffenheit: Fast jede/r kennt jemanden aus dem Familien- und Freundeskreis, für den das Thema Pflege Aktualität besitzt. Und wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass immer mehr Menschen mit Beunruhigung dem eigenen Alter entgegensehen, weil sie nicht wissen, wie das gegebenenfalls mit der Pflege aussehen wird. Dass also die Politik sich dieses Themas annimmt, ist für sie wohl von existentieller Bedeutung. Und weil immer mehr Menschen immer älter werden, wird sich dieses Thema nicht – wie die Politik das in Österreich oft so schätzt – irgendwie „von selbst erledigen“.

Es sind also von der Politik geeignete Maßnahmen – u. a. gegen den Hausärzte-Mangel zu fordern – allerdings wären viele davon nur von mittel- bis langfristiger Wirksamkeit (wenn sie denn ergriffen würden).

Und weil viele Menschen, wenn sie alt und immobil werden, sich nicht in ein Pflegeheim oder ein Spital „verpflanzen“ lassen möchten, hat die Pflege und Betreuung zu Hause einen hohen Stellenwert – von sozialpolitischen und finanziellen Aspekten abgesehen, denn Betreuung zu Hause ist bekanntlich viel kostensparender, als wenn jemand Pflegebedürftiger ohne medizinischen Grund ein Spitalsbett belegt.

Und hier sind wir beim Stellenwert der Hausärzte bei der Betreuung und Pflege immobiler Menschen zu Hause: Wer soll Krankheiten diagnostizieren, Krankheitsverläufe beobachten und bewerten, Medikamente verschreiben, Therapien anpassen und die Pflege instruieren, wenn nicht eine Ärztin oder ein Arzt? Eine sehr aufwändige und für Ärzte oft ausgesprochen belastbare, aber extrem wichtige Tätigkeit. Auf den Punkt gebracht: Ohne den Einsatz und die Expertise von Hausärztinnen und Hausärzten ist eine kompetente Betreuung immobiler Menschen zu Hause de facto nicht möglich.

Tatsächlich sind aber die wichtigen ärztlichen Leistungen, die in diesem Zusammenhang erbracht werden, im Honorarkatalog der Krankenkassen und im Honorierungssystem der Gemeinden nicht realistisch abgebildet. Viele Hausärzte sind aufgrund zunehmender Patientenzahlen und üppiger Bürokratie schon jetzt überlastet, und für eine geradezu unzumutbar niedrige Honorierung wird man von ihnen nicht erwarten können, die aufwändigen Zusatzleistungen in der Pflege zu Hause zu leisten.

Mein Appell an Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen: Als Akutmaßnahme müssen die Honorare für ärztliche Tätigkeiten für die Pflege zu Hause präzise definiert und auf ein Niveau angehoben werden, das dem tatsächlichen Aufwand entspricht. Die „Kassenreform“ und die Umwandlungen der GKK in die Österreichische Gesundheitskasse bietet dafür einen geeigneten Anlass und Rahmen.

Diese Anpassung der Honorare ist die Voraussetzung dafür, dass sich mehr Hausärzte zu dieser Tätigkeit bereit erklären. Wenn die Politik das Thema Pflege tatsächlich ernst nimmt, wird sie auch die finanziellen Mittel dafür aufstellen können.

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Hausärzte-Knappheit und Unterfinanzierung gefährden Betreuung zu Hause – Sonderprogramm der Regierung soll Problem lösen

Der Hausärzte-Mangel, auf den unser Gesundheitssystem derzeit mit hohem Tempo zusteuert, wird, wenn nicht schnell etwas Wirksames unternommen wird, voraussichtlich nicht nur die bewährte niedergelassene und wohnortnahe ärztliche Versorgung in Arztpraxen gefährden. Er hat schon heute Auswirkungen auf einen oft zu wenig beachteten Bereich: die Betreuung immobiler Menschen zu Hause. Ohne den systematischen Einsatz von Hausärzten ist eine kompetente Betreuung zu Hause nicht möglich. Dabei geht es schließlich auch um medizinische Diagnosen, um das Beobachten von Veränderungen des Gesundheitszustandes und um das Verschreiben und Anpassen von Medikationen – wer sonst als Ärzte sollte das tun?

Eine mögliche Alternative zur Pflege zu Hause ist in der heutigen Versorgungsrealität die Betreuung in einem Krankenhaus – was schon aus Kostengründen unvernünftig ist, Menschen um ihr angestammtes häusliches Umfeld bringt, und für Krankenhäuser eine oft unbewältigbare Zusatzbelastung bedeutet.

Schon heute ist es schwierig, ausreichend viele Hausärzte – in den Arztpraxen stehen immer weniger Kassen-Allgemeinmedizinern immer mehr Patienten gegenüber – zu Hausbesuchen bei zuhause gepflegten Menschen zu motivieren. Zum Zeit- und Ressourcenproblem kommt hier zusätzlich noch die Unterhonorierung solcher Hausbesuche, die sehr oft immens zeitaufwändig sind und durch bürokratischen Aufwand zusätzlich belastet werden. Und schließlich sind die Leistungen im Honorarkatalog der Kassen bzw. der Länder nicht realistisch abgebildet, wodurch vieles unhonoriert bleibt.

Die Mangelsituation wird sich, wenn nicht wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergriffen werden, in Zukunft weiter verschärfen: Von den heute aktiven Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag wird in 10 Jahren mehr als jeder 2. das Pensionsalter erreicht haben, und der Nachwuchs bleibt weit hinter dem zahlenmäßig Notwendigen zurück.

Wir stehen also auch hier vor einem dramatischen Versorgungsproblem und einer sozialpolitischen Zeitbombe. Altenpflege wurde völlig zu Recht als ein potenzielles Krisenthema erkannt, und unsere Gesellschaft hat ein Recht darauf, dass die Gesundheits- und Sozialpolitik hier die Weichen richtig stellt und geeignete Maßnahmen ergreift. Das bedeutet:

  • Wir brauchen in Zukunft mehr Allgemeinmediziner. Hier sind Bildungspolitik und MedUnis gefordert, geeignete Schritte zu setzen.
  • Allgemeinmediziner müssen endlich ihrem Stellenwert entsprechend honoriert werden, sonst werden sich immer weniger Studierende für diesen Berufsweg entscheiden.
  • Hausärztliche Leistungen im Rahmen der Krankenhaus-ersetzenden Hauskrankenpflege sowie der nicht Krankenhaus-ersetzenden Hauskrankenbetreuung müssen im Honorierungssystem präziser und realitätsnäher geregelt sein, als dass derzeit der Fall ist.
  • Hausärztliche Leistungen im Rahmen der Betreuung und Pflege zu Hause müssen attraktiv honoriert werden und außerdem von überflüssigen bürokratischen Bürden befreit werden.
  • Wir brauchen ein Sonderprogramm der Regierung, um den Finanzierungsbedarf für diese Maßnahmen zu decken. Die Euro-Milliarde, die sich die Regierung von der Kassenreform erwartet, kann eine wichtige Finanzierungsquelle sein.

Diese Maßnahmen müssen sofort beginnen, weil es bei diesem Problem leider schon deutlich später ist als „fünf vor zwölf“. Wenn nichts Wirksames passiert ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der letzte Hausarzt aus der Hauskrankenbetreuung verabschiedet. Das hätte dramatische Konsequenzen für die zu Pflegenden, denn ohne Hausärzte geht es nicht.

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Alles Gute für 2019: Ein Ausblick zum Jahreswechsel!

Zum Jahresende liegt es nahe, einen standespolitischen Ausblick ins nächste Jahr zu riskieren. Es wird, das lässt sich mit Sicherheit sagen, nicht frei von Herausforderungen sein. Viele davon lassen sich wohl zum Teil noch nicht abzuschätzen bzw. betreffen Details, die aber sehr folgenreich sein können. Darüber werde ich Sie natürlich auf dem Laufenden halten.

Was aber werden aus heutiger Sicht 2019 die größten Herausforderungen für uns Ärztinnen und Ärzte werden? Lassen Sie mich hier drei Themen hervorheben.

Zusammenlegung der GKKs für Ärzte verträglich gestalten

Eine unmittelbare Herausforderung wird die Zusammenlegung der GKKs zur Österreichischen Gesundheitskasse sein, und es gilt, diese für Ärzte verträglich zu gestalten. Bei der Umsetzung der Sozialversicherungsreform müssen regionale Gegebenheiten ausreichend berücksichtigt werden. Ich erwarte mir einen Bürokratieabbau und erhoffe mir weniger Ideologie und mehr Pragmatismus. Dass von den Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag in den nächsten zehn Jahren 55 in Pension gehen, und von den Fachärzten 60 Prozent, muss von der Politik unbedingt ernst genommen werden. Schluss mit faulen Ausreden und Apperzeptionsverweigerung im Stil von wir hätten in Österreich ja eh eine hohe Ärztedichte und bloß ein „Verteilungsproblem“. Vielmehr müssen die Rahmenbedingungen für die niedergelassene ärztliche Tätigkeit wieder so attraktiv werden, dass sich möglichst viele Jungmediziner für die Niederlassung entscheiden.

Zum Dauerbrenner-Thema Ärztemangel mit Politik ins Gespräch kommen

Zweitens müssen wir zum Dauerbrenner-Thema Ärztemangel mit der Politik ins Gespräch kommen. In den nächsten 10 Jahren erreichen etwa 50 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte das Pensionsantrittsalter und der ärztliche Nachwuchs bleibt zahlenmäßig weit hinter dem Notwendigen zurück. Wenn da nichts sehr schnell sehr wirksame Maßnahmen ergriffen werden, sind wir in ein paar Jahren mitten drin in einem fatalen ärztlichen Versorgungsmangel – hier laden wir die Bildungs- und Gesundheitspolitik, die Sozialversicherungen und alle involvierten Interessensvertretungen zu einem lösungsorientierten Dialog ein, der möglichst umgehend beginnen sollte.

Digitalisierung im Gesundheitsbereich muss von Ärzten mitgestaltet werden

Und drittens natürlich müssen wir die Digitalisierung im Gesundheitsbereich im Auge behalten. Die Entwicklungen in Richtung Digitalisierung und Online-Medizin müssen unbedingt von uns Ärzten mitgestaltet werden, weil da auch massive Geschäftsinteressen von Anbietern solcher Technologien im Spiel sind, und dabei nicht immer der Vorteil für Ärzte und Patienten maßgeblich ist. Wir müssen aufpassen, dass sich der E-Health-Prozess nicht verselbstständigt und auf Kosten der Behandlungsqualität und der Arzt-Patient-Beziehung geht. Entscheidend ist, dass bei Diagnosen und Therapien immer eine Ärztin oder ein Arzt die Letztentscheidung hat. Ärzte müssen diese Prozesse begleiten, Ergebnisse interpretieren und im Rahmen unserer Freiberuflichkeit und der ärztlichen Verantwortung vorgehen können. Fazit: E-Health soll uns Ärzte unterstützen, aber keinesfalls ersetzen.

Der Arztberuf muss ein Freier Beruf bleiben!

Bitte unterstützen Sie die Ärztevertretung bei ihren Bemühungen, die Gegenwart und Zukunft unseres Berufs positiv zu beeinflussen und u. a. Bürokratisierung, Konzernisierung und Kommerzialisierung in der Medizin einen Riegel vorzuschieben. Der Arztberuf muss ein Freier Beruf bleiben!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Nächsten ein gutes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2019!

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Neue Zahlen: Ärztemangel verschärft sich in Österreich von Jahr zu Jahr

 

Der Ärztemangel in Österreich verschärft sich spürbar und messbar von Jahr zu Jahr. Leider wird diese Tatsache von vielen Gesundheitspolitikern, Kassenfunktionären und Gesundheitsökonomen noch immer geleugnet. So viel Weltfremdheit verblüfft angesichts der harten aktuellen Zahlen.

Wir haben die aktuelle Altersstatistik (Stand Dezember 2018) aller 18.287 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Hinblick auf den Ärztemangel ausgewertet. So können wir zeigen, wo wir heute stehen, in welchem Umfang sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen wird, und wie hoch der mittel- und längerfristige Nachbesetzungsbedarf bei Ärztinnen und Ärzten ist.

Die Situation der niedergelassenen Ärzteschaft 

Heute haben wir in Österreich die höchste Alters-Konzentration bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit einem Lebensalter um die 56-58. In 10 Jahren werden die meisten aus dieser Gruppe bereits in Pension sein. Konkret werden dann 48 Prozent aller niedergelassenen Ärzte, also fast die Hälfte, das Pensionsantrittsalter erreicht haben.

Verschiebt sich die Altersverteilung in Richtung Pensionsalter, so gehen jedes Jahr Stellen verloren, die aber bei weitem nicht mit jungen Ärztinnen und Ärzten nachbesetzt werden können, weil die Entwicklung insgesamt deutlich rückläufig ist. Die gegenwärtigen Zahlen bei den niedergelassenen Ärzten, die schon jetzt nicht mehr für alle nötigen Nachbesetzungen ausreichen, werden wir allerdings aus heutiger Sicht nie wieder erreichen.

Den mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf haben wir mit 938 Ärztinnen und Ärzten errechnet. Das ist die Anzahl zusätzlicher niedergelassener Ärzte, die wir zur Aufrechterhaltung des Status quo in 5 Jahren benötigen, um die pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren.

Allerdings sind wir weit davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können. 2017 gab es an den öffentlichen Universitäten 1.665 Absolventen eines Medizinstudiums, und wir wissen, dass um die 40 Prozent davon nicht in Österreich als Ärzte arbeiten werden. Rein rechnerisch müssten also alle in Österreich verbleibenden Absolventen niedergelassene Ärzte werden, um den Bedarf zu decken.

Verschärfend kommt zu diesen Berechnungen noch dazu, dass der Ärztebedarf in Zukunft steigen wird, weil die Bevölkerung voraussichtlich wächst und älter und somit betreuungsintensiver wird. Außerdem gibt es bei jüngeren Ärzten einen Trend zur Teilzeittätigkeit, was bei künftigen Planungen berücksichtigt werden muss.

Die Situation bei den Ärzten mit GKK-Vertrag

Betrachten wir die 7.099 Ärztinnen und Ärzte mit einem GKK-Vertrag, die für die niedergelassene Versorgung auf e-Card bedeutsam sind, so sind wir mit einer besonders dramatischen Situation konfrontiert. Die Altersverteilung hat hier eine deutliche Zacke nach oben bei den heute 61- und 62jährgen, in 10 Jahren haben 55 Prozent aller Ärzte mit GKK-Vertrag das Pensionsalter erreicht. Besonders alarmierend ist das sukzessive Ausbleiben des Nachwuchses. Das steht in einem scharfen Kontrast zum mittelfristigen Nachbesetzungsbedarf von 434 GKK-Ärzten pro Jahr.

Von den Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag wird mehr als jeder 2. in 10 Jahren das Pensionsalter erreicht haben, bei den GKK-Fachärzten sind es 60 Prozent.

 

Diese düstere Perspektive bekräftigt einmal mehr unsere Forderungen, dass die Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit deutlich attraktiver werden müssen, damit sich junge Ärzte wieder für einen Kassenvertrag entscheiden.

Die Situation bei den Wahlärzten

Von den heute 10.099 Wahlärzten erreichen in den nächsten 10 Jahren fast 42 Prozent das Pensionseintrittsalter, und bei den Jüngeren sind die Zahlen rückläufig.

Grundlage für wirksame Gegenmaßnahmen

Diese alarmierenden Daten und Fakten sollen der Politik eine konkrete Grundlage für wirksame Gegenmaßnahmen bieten und gewinnen vor dem Hintergrund der „Kassenreform“ und der zu gründenden „Österreichischen Gesundheitskasse“ zusätzliche Aktualität.

Mögliche Gegenmaßnahmen kann man sich zum Beispiel von unserem Nachbarland Deutschland abschauen, wo das Problem Ärztemangel politisch weitgehend unbestritten ist und wo zahlreiche Lösungsversuche im Gange oder in Vorbereitung sind.

  • Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ sieht in Deutschland eine Erhöhung der Zahl der Medizinstudenten vor.
  • Zahlreiche deutsche Bundesländer vergeben Landarztstipendien – wer eines bekommt, verpflichtet sich, einige Jahre in der jeweiligen Region zu arbeiten.
  • Einige Spitäler vergeben Stipendien, wenn Studierende nach dem Studium eine Zeitlang dort arbeiten.
  • Jungärzte werden von ländlichen Regionen mit Geld und sonstigen attraktiven Zusatzleistungen geködert.
  • Immer mehr deutsche Ärztekammern – zuletzt in Niedersachsen – befürworten als Reaktion auf den Ärztemangel die Online-Betreuungen von Patienten auch ohne vorangegangenen persönlichen Kontakt.

Wie immer man zu solchen Maßnahmen auch stehen mag: in Deutschland ist jedenfalls auf breiter Basis Bewegung in die Sache gekommen. Auch in Österreich sind einige Bundesländer bereits aktiv geworden, für einen nachhaltigen Erfolg bedarf es allerdings auch wirksamer Aktivtäten auf Bundesebene.

Entscheidend wird sein, dass die Arbeitsbedingungen von Ärzten in Österreich nicht weniger attraktiv sind als im Ausland, insbesondere im deutschsprachigen, sondern möglichst noch besser. Und hier besteht noch Nachholbedarf, will man die ärztliche Abwanderung erfolgreich stoppen. Das ist nicht nur eine Frage der angemessenen Honorierung ärztlicher Leistungen, sondern auch von flexiblen Arbeitsmöglichkeiten, die den individuellen Vorstellungen entsprechen. Und von weniger Bürokratie, die derzeit Kassen- und Spitalsärzten das Leben schwer macht.

Zu überlegen ist auch, wie sinnvoll Altersbegrenzungen für niedergelassene Kassenärzte angesichts der Ärzte-Altersstatistik noch sind.

Lösungsorientierter politischer Gipfel zur Behebung des Ärztemangels

Dringend nötig sind also gemeinsame Anstrengungen aller betroffenen Ministerien und Interessensvertretungen: Es muss ein Paket geschnürt werden, das dafür sorgt, dass nicht nur ausreichen viele Ärzte ausgebildet werden, sondern dass diese auch in Österreich bleiben.

Wir brauchen also dringend einen konstruktiven und lösungsorientierten politischen Gipfel zur Behebung des Ärztemangels und seiner dramatischen Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung. Die Ärztekammer ist dabei sehr gerne ein Teil der Lösung.

 

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Sinkende SV-Beiträge: Kann sich unsere Gesundheitsversorgung das leisten?

Die jüngsten Überlegungen der Politik, die Sozialversicherungsbeiträge zu senken, lassen einige wesentliche Fragen offen. Dass der Bundeskanzler überlegt, im Rahmen der geplanten Steuerreform auch die SV-Beiträge zu senken, ist zur Kenntnis zu nehmen. Allerdings fehlt mir die Aufklärung darüber, wo genau dann das Geld für unsere Gesundheitsversorgung künftig herkommen soll. Die Menschen werden immer älter, neue Therapieformen langfristiger und kostenintensiver, dazu muss auch noch die von der Politik zugesagte „Patientenmilliarde“, die angeblich bei der Kassenreform frei werden soll,  erwirtschaftet werden – wie soll das alles bei sinkenden SV-Beiträgen finanziert werden?

Es sei denn, es kommt eine Co-Finanzierung aus dem Steuertopf. Dazu wüssten wir aber gerne die Details.

Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich, dass die Kassen ihre zum Teil sehr üppigen Rücklagen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen, ins laufende Geschäft einfließen lassen. Schließlich gilt nach wie vor: Krankenkassen sind keine Sparkassen, sie sollen Versicherungsgelder nicht bunkern, sondern diese sollen der Gesundheitsversorgung zugute kommen.

Klar muss allerdings eines sein: Sparen auf Kosten der Qualität der Gesundheitsversorgung darf nicht in Frage kommen.

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Weckruf für Impf-Müde!

„Stell Dir vor es ist Influenzaimpfungs-Saison, und keiner geht hin.“ Der hier etwas abgewandelte Anti-Kriegs-Slogan der Friedensbewegung der 1970er-Jahre beschreibt leider sehr zutreffend die Grippeimpfungs-Malaise in Österreich, mit einer Durchimpfungs-Rate von zuletzt etwa sechs Prozent. Ein geeigneter Anlass um die Öffentlichkeit daran zu erinnern, dass Impfprogramme bekanntlich wie wohl keine andere Präventionsmaßnahme zum Abwenden von Volkskrankheiten und zur höheren Lebenserwartung beigetragen haben.

Die zunehmende Impfmüdigkeit stellt uns Ärztinnen und Ärzte vor große Herausforderungen. Und das in zweierlei Hinsicht: Wir sind aufgefordert, Impfmythen und Impfmüdigkeit in der Bevölkerung konsequent entgegenzuwirken. Und wir sollten mit dem guten Beispiel vorangehen und uns selbst impfen lassen – auch gegen die Influenza. Gerade Menschen, die aufgrund ihres Berufes häufige und intensive Patientenkontakte haben, sollten das tun. Das dient nicht nur dem Selbstschutz, sondern schützt auch Patienten vor einer Infektion durch Ärzte und Pflegepersonen. Das Motto der diesjährigen Europäischen Impfwoche lautete aus gutem Grund: „Impfung ist ein individuelles Recht und eine gemeinsame Verantwortung.“

Das gilt natürlich nicht nur für die Grippe-Impfung. Die Botschaft, dass es nur bei hohen Durchimpfungsraten möglich sein wird, einzelne Krankheitserreger regional und vielleicht sogar global zu eliminieren, ist leider noch nicht bei allen Bürgern angekommen.

Gefordert ist also Aufklärung – sowohl auf breiter Basis durch geeignete Kampagnen, als auch durch systematische Arzt-Patient-Gespräche. Wir müssen – am Beispiel der Influenza – Patienten konsequent darüber aufklären, dass die echte Grippe eine ernste Krankheit ist, und weitaus gefährlicher als der zum Verwechseln ähnlich klingende „grippale Effekt“. Und wir müssen das personen- und zielgruppenspezifisch tun: Nicht nur alte Menschen und Patienten mit chronischen Krankheiten sind besonders gefährdet und müssen gezielt informiert werden. Sondern – in ganz anderer Weise – zum Beispiel Selbstständige und Kleinunternehmer. Ein mehrwöchiger Arbeitsausfall durch eine Influenza bzw. Komplikationen, wenn diese übergangen wird, kann auch sehr ernste wirtschaftliche Konsequenzen haben.

Treten wir also den Fake News der Impfgegner ebenso entgegen wie den Bedenken der Impfskeptiker, und wecken wir die Impfmüden auf. Niemand kann das besser und glaubwürdiger tun als wir Ärztinnen und Ärzte – ganz besonders dann, wenn wir mit dem guten Beispiel voran gehen.

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Was tut Statdtrat Hacker eigentlich für Wiens Gesundheitsvesrorgung?

Seit etwa einem halben Jahr ist Peter Hacker Wiens  Gesundheits-Stadtrat. Zeit also, eine Zwischenbilanz aus der Perspektive eines Ärztevertreters zu ziehen. Was ist seither in der Wiener Gesundheitspolitik passiert, was nicht und was steht an? Stimmt die Richtung?

Selbstverständlich darf man fairer Weise von einem Gesundheitspolitiker, die seit gerade einmal einem halben Jahr sein neues Amt ausübt, und der ein schweres Erbe übernommen hat, keine Wunder erwarten. Die Situation, von der ausgehend Stadtrat Hacker sein Amt angetreten ist, war und ist nicht beneidenswert: Ein krisengeschüttelter KAV, die skandalösen Entwicklungen rund um das Krankenhaus Wien Nord, überfüllte Spitalsambulanzen, Gangbetten in KAV-Spitälern, viel zu wenig Kassenarztpraxen mit zum Teil monatelangen Wartezeiten auf einen Termin, etc.

Es ist Stadtrat Hackers politische Aufgabe, diesen von seinen Vorgängerinnen geerbten Fehlentwicklungen gegenzusteuern. Doch mit der Ausnahme des Wiener KAV mit besonderer Berücksichtigung des Desaster-Projektes Wien Nord, ist von Stadtrat Hacker zu Fragen der Gesundheitsversorgung nicht viel zu hören. An welchen Konzepten auch immer er arbeiten mag –  das Licht der Öffentlichkeit erblickten diese bis dato eher nicht.

Mit seiner Vorgängerin und mit WGKK-Obfrau Mag. Ingrid Reischl haben wir ein Dreijahres-Paket geschnürt, das hohe Erwartungen an eine neue Wiener Gesundheitspolitik zu rechtfertigen schien: Stichworte sind hier Tarif-Erhöhungen, Einmalzahlungen und weitere Innovationen, wodurch die Rahmenbedingungen der Arbeit von Kassenvertragsärzten nachhaltig positiv beeinflusst werden sollten. Für die Jahre 2018 und 2019 war bzw. ist die Finanzierung unter Beteiligung der Stadt gesichert. Was aber wird mit der Finanzierung 2020? Wird Stadtrat Hacker zu Frauenbergers Zusicherung stehen und die dringend benötigten öffentlichen Gelder bereitstellen? Ärzte und Patienten wüssten das gerne. Doch aus dem Stadtratbüro ist zu diesem Thema nichts zu hören.

Positiv zu vermerken ist an dieser Stelle, dass der Ton der bisherigen politischen Gespräche mit Stadtrat Hacker ein durchaus wohltuender ist. Inhaltlicher gibt es jedoch leider hauptsächlich Lippenbekenntnissen.

Wir wünschen uns von Stadtrat Hacker endlich konkrete Konzepte  zur Behebung der allseits bekannten Mängel in der Wiener Gesundheitsversorgung. Die Stadt Wien verhandelt jetzt mit der WGKK den neuen Regionalen Strukturplan Gesundheit. Hier rufe ich die die Forderung der Ärztevertretung nach mehr Planstellen – es müssen in Wien mindestens 300 sein, um die Krankenhäuser wirksam zu entlasten – nachdrücklich in Erinnerung. Ich erinnere an den Bedarf an Gruppenpraxen, deren Bewilligungen aber noch ausstehen. Und ich wiederhole unsere Forderung nach einer Trennung zwischen den Betreibern von Gesundheitseinrichtungen und den „Zahlern“.

Natürlich ist die Ärztevertretung bereit, sich an diesen Entwicklungen aktiv und produktiv zu beteiligen.

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E-Card mit Foto: Endlich Erfüllung jahrelanger ÖÄK-Forderung – erhoffe einfachere Überprüfung und Sicherheits-Plus

Mit der Ausgabe einer neuen Generation von E-Cards ab 2020 wird endlich eine langjährige Forderung der Österreichischen Ärztekammer erfüllt. Schon seit Anfang des Jahrzehntshat sich die Ärztekammer immer wieder E-Cards mit einem Foto der versicherten Person gewünscht.

Die Identitätsprüfung, die Ärzten vorgeschrieben ist, ist ein erheblicher Zeitfresser im Alltag. Die Ausstattung der E-Card mit Foto wird Ärztinnen und Ärzten in dieser Hinsicht eine Erleichterung bringen. Zudem verspricht die neue E-Card-Generation auch ein deutliches Plus an Sicherheit. Das Foto sollte zumindest die gröbsten Fälle von Missbrauch verhindern können.

Es gibt aber auch Grund zur Besorgnis, und zwar im Hinblick auf die Überlegungen, dass Ärztinnen und Ärzte künftig Patienten ohne Foto auf ihrer E-Card informieren sollen, wie sie zu einem Foto kommen und wie lange sie dafür Zeit haben. Schon jetzt ist der administrative Aufwand für die niedergelassenen Ärzte viel zu hoch und wirkt abschreckend auf den Mediziner-Nachwuchs. Da wäre es höchst kontraproduktiv, uns Ärzten noch mehr Administrations-Fesseln anzulegen.

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Ausreichend Ärzte und Pflegekräfte: eine Bringschuld der Politik

Die gute Nachricht der neuen „Global Burden of Desease“-Studie: Die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich seit 1950 weltweit um über 20 Jahre erhöht. Österreicher werden heute statistisch 79,4 Jahre alt, Österreicherinnen 84.

Die schlechte: fast die Hälfte aller 195 untersuchten Länder hat mit einem Mangel an medizinischem Personal zu kämpfen.

Auch wenn laut Studie Österreich zu den Ländern mit dem meisten medizinischen Personal gehört, muss man hinzufügen: noch! Denn dass wir in eine dramatische Ärzte- und Pflegeknappheit hineinsteuern und zum Teil schon mitten drin sind, ist dramatisch und eines wohlhabenden Landes unwürdig.

Hier ist die Politik seit Jahren gefordert, allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse, und wir werde sie auch in Zukunft mit Nachdruck immer wieder an ihre Bringschuld erinnern.

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Online-Behandlung auf dem Vormarsch – ÖÄK-Veranstaltung „Dr. Digi Rob“ am 13. 11.

Im Bereich E-Medizin ist vieles in Bewegung. Zuletzt hat – nach Bayern – auch die Ärztekammer von Sachsen-Anhalt die ausschließliche Beratung oder Behandlung von Patienten über Kommunikationsmedien befürwortet. In der Schweiz gibt es das schon länger. Wann ist auch Österreich an der Reihe? Das Thema E-Medizin ist jedenfalls im Kommen, dafür sorgen schon die wirtschaftlichen Interessen der Anbieter. Auch politisch wird es wohl Vorstöße geben, so steht es ja auch in der Regierungserklärung. Umso wichtiger ist es, dass die Ärztevertretung Entwicklungen in Richtung Online- und Algorithmen-Medizin sehr aufmerksam verfolgt, sich positioniert und den Fortschritt mitgestaltet, damit er Ärzte und Patienten nicht überrollt.

Deshalb haben wir am Dienstag, 13. November die Veranstaltung „Dr. Digi Rob: Der bessere Arzt? Chancen und Risiken der Heilkunst in einer digitalen Welt“ organisiert, um Orientierungswissen anzubieten und zur Standpunktfindung beizutragen. Wir freuen uns auf möglichst viele Teilnehmer. (ORF Radio Kulturhaus; 1040 Wien, Argentinierstrasse 30a; Einlass ab 15h30; Anmeldung bitte unter anmeldung@in-fusion.at)

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