Die ärztliche Hausapotheke und ihre Feinde

Auf den Punkt gebracht: Österreich braucht deutlich mehr ärztliche Hausapotheken und ein duales System in ländlichen Regionen, und die  Liberalisierungs-Vorschläge der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) sollten im Interesse der Medikamentenversorgung zügig politisch umgesetzt werden

Das Lamentieren der Apothekerkammer über die berechtigte Forderung nach mehr ärztlichen Hausapotheken, zuletzt heute in einer eigens einberufenen Pressekonferenz,  macht eines überdeutlich: Hier geht es einer Standesvertretung offensichtlich nicht um die bestmögliche Patientenversorgung, sondern primär um finanzielle Eigeninteressen. Auf der Pressekonferenz beklagten führende Funktionäre, dass vor allem außerhalb der Ballungszentren der Fortbestand vieler Apotheken und damit die Arzneimittel-Versorgung zunehmend gefährdet sei. Der aktuelle Bericht der BWB, der sich sehr klar für eine Liberalisierung und mehr ärztliche Hausapotheken ausspricht, drohe diese Situation noch zu verschärfen, argumentierte die Apothekerkammer.

Das ist jedoch eine rein betriebswirtschaftliche Argumentation, für die Patientenversorgung gilt genau das Gegenteil. Ärztliche Hausapotheken sind überall sinnvoll, weil Patienten beim niedergelassenen Arzt alles aus einer Hand bekommen und sich oft unnötige Wege ersparen. Ganz besonders gilt das aber in entlegenen Regionen im ländlichen Raum, wo es nur wenige öffentliche Apotheken gibt. Hier sind ärztliche Hausapotheken die richtige und einfache Lösung für ein zunehmendes Versorgungsproblem. Leider gibt es davon viel zu wenige.

Versorgungslücken füllen

In Österreich wurden in den vergangenen zehn Jahren 155 öffentliche Apotheken neu eröffnet, jedoch gingen in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 100 ärztliche Hausapotheken verloren – heute gibt es nur noch rund 840. Da sich öffentliche Apotheken vorzugsweise in vergleichsweise dicht besiedelten und deshalb potenziell profitablen Standorten niederlassen, geht diese Entwicklung voll auf Kosten der ländlichen Bevölkerung, und dort ganz besonders der älteren und kranken Menschen. Hier können ärztliche Hausapotheken die Versorgungslücken am besten füllen. Außerdem kommen hier neben dem Serviceaspekt auch ökologische Gesichtspunkte zum Tragen, weil der Straßenverkehr mit Millionen Kilometer pro Jahr weniger belastet wird, wenn man Medikamente auch beim Arzt beziehen kann, und nicht extra zur nächsten öffentlichen Apotheke fahren muss.

Doch offensichtlich fühlt sich die in den vergangenen Jahren rasch gewachsene Apothekenbranche inzwischen nicht zuletzt aufgrund zahlreicher neuer Apotheken auch an unprofitablen ländlichen Standorten in Bedrängnis, und wehrt sich mit Nachdruck gegen die grundvernünftige Forderung nach einem liberaleren Apothekenmarkt und mehr Hausapotheken.

Patientenversorgung in den Mittelpunkt stellen

Jetzt attestiert mit der BWB eine unabhängige Behörde der Ärztevertretung, dass unsere Forderung nach mehr Hausapotheken ebenso berechtigt ist wie unsere Warnung vor einer Verschlechterung der ärztlichen und medikamentösen Versorgung in ländlichen Regionen. Es ist zu hoffen, dass die Apothekerkammer ihren Widerstand gegen liberalere Lösungen endlich einstellt und die Patientenversorgung in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet ein duales System in ländlichen Regionen, aber insgesamt ein neues, an unsere Zeit und ihre Bedürfnisse angepasstes Apothekengesetz.

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Neue Studie vergleicht Gesundheitsausgaben in D-A-CH: Klarer Nachholbedarf für Österreich!

Ich bin sehr froh über diese neue Studie, weil sie einen nüchternen und sachlichen Vergleich zwischen Österreich und unseren beiden Nachbarländern ermöglicht.(https://www.wu.ac.at/fb/news). Wir brauchen dringend solche präzisen und belastbaren Zahlen als Grundlage für sinnvolle gesundheitspolitische Entscheidungen. Hier appelliere ich auch an die künftige Bundesregierung, sich in der Gesundheitspolitik von seriösen Zahlen und harten Fakten leiten zu lassen, und nicht von Vorurteilen und Ideologien.

Welche Konsequenzen ergeben sich also aus der Sicht der Ärzteschaft aus den vorgestellten Studienergebnissen?

Ärztemangel verschärft sich von Jahr zu Jahr

Beim Ärztebedarf wurde über viele Jahre in den OECD-Statistiken mit Zahlen operiert, die keinen tragfähigen internationalen Vergleich ermöglichten. Das führte zu dem verbreiteten Fehlurteil, wir hätten – trotz aller von den Patienten erlebbaren Versorgungsengpässe – keine Ärzteknappheit, sondern bloß ein „Verteilungsproblem“. Dieser Irrtum ist eine der Ursachen von vielen gesundheits- und bildungspolitischen Versäumnissen der vergangenen Jahrzehnte.

Heute haben wir in Österreich die höchste Alters-Konzentration bei Ärztinnen und Ärzten mit einem Lebensalter von 56-58 Jahren. In 10 Jahren werden bereits 37,9 Prozent aller Ärzte, in absoluten Zahlen sind das 14.449 Ärzte, dieses Alter erreicht haben. Somit gehen jedes Jahr Stellen verloren, die bei weitem nicht mit jungen Ärztinnen und Ärzten nachbesetzt werden können, weil die Entwicklung der Ärztezahlen insgesamt deutlich rückläufig ist.

Den mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf haben wir mit mindestens 1.450 Ärztinnen und Ärzten pro Jahr errechnet. Das ist die Anzahl zusätzlicher Ärzte, die wir zur Aufrechterhaltung des Status quo benötigen, um die pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren. Allerdings sind wir weit davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können: An den öffentlichen und privaten Universitäten gibt es jährlich etwa 1.400 Absolventen für Humanmedizin, und wir wissen, dass etwa 40 Prozent davon nicht in Österreich als Ärzte arbeiten werden. Es gibt also ein reales Potenzial von etwa 840 Absolventen pro Jahr, und das sind um 610 zu wenig, um den Bedarf zu decken. Die Privatuniversitäten werden aus heutiger Sicht auch in Zukunft diese Differenz nicht kompensieren können, weil diese keine Quoten für Ausländer haben.

Hier ist nicht nur die Gesundheitspolitik gefordert, sondern auch die Bildungspolitik und die Spitäler.

Es muss bereits bei der Ausbildung angesetzt werden. Dazu gehören neben einem Ausbau der Basisausbildungsstellen auch Ausbildungskoordinatoren in allen Krankenhäusern. Außerdem muss die Allgemeinmedizin in Spitälern strukturell verankert werden.

Rezepte gegen den perspektivischen Ärztemangel sind bekannt: Man kann die Zahl der Medizinstudenten erhöhen. Und/oder Landarztstipendien vergeben: wer eines bekommt, verpflichtet sich, nach Abschluss des Studiums einige Jahre in der jeweiligen Region zu arbeiten. Außerdem können Spitäler Stipendien vergeben, wenn Studierende nach dem Studium eine zeitlang dort arbeiten – in Deutschland gibt es das bereits.

Das Land Niederösterreich hat für Absolventen der Humanmedizin an der Universität Krems einen Kreditzuschuss für den Fall vorgesehen, dass die AbsolventInnen in einer Krankenanstalt des Landes Niederösterreich oder als niedergelassene ÄrztInnen für die Dauer der Kreditrückzahlung in Niederösterreich tätig sind.

Und schließlich können Jungärzte von ländlichen Regionen mit Geld und attraktiven Zusatzleistungen geködert werden.

Wie immer man im Einzelnen dazu steht, die Politik wird sich entscheiden müssen.

Zentral ist allerdings, die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit in Österreich so attraktiv zu gestalten, dass Jungärzte nicht abwandern. Hier geht es nicht nur um entsprechende Honorare, sondern auch um flexible Verträge und Arbeitsbedingungen, die den jeweiligen individuellen Vorstellungen entsprechen. Der Trend zur Gruppenpraxis, sowohl innerhalb eines Fachs als auch fächerübergreifend, ist hier unübersehbar und auch für die Versorgung der Zukunft besonders wichtig.

Was die ärztliche Tätigkeit betrifft, stehen heute Länder und Gesundheitssysteme in einem internationalen Wettbewerb. Österreich darf nicht hinter das Niveau anderer Länder zurückfallen, wenn man Absolventen im Land behalten und für Ärzte aus anderen Ländern attraktiv werden möchte.

Niedergelassener Versorgungsbereich in Österreich abgeschlagen

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen auch sehr deutlich auf, dass in Österreich der niedergelassene Versorgungsbereich im Dreiländervergleich besonders stark hinter den Krankenhausbereich zurückfällt, der für 44 Prozent aller Gesundheitsausgaben verantwortlich ist. Tatsächlich könnten viele Leistungen, die jetzt in Spitälern erbracht werden, auch von niedergelassenen Ärzten wahrgenommen werden. Das ist nicht nur für das Gesundheitssystem preiswerter, sondern auch patientenfreundlicher, weil eine wohnortnahe Versorgung in der Arztpraxis oft der „Best point of service“ ist.

Dazu ist es allerdings erforderlich, dass im niedergelassenen Bereich die ärztlichen Kapazitäten zur Verfügung stehen. Damit künftig mehr Leistungen im niedergelassenen Bereich angeboten werden können, muss der niedergelassene ärztliche Bereich zügig und massiv ausgebaut werden und es ist eine Ausweitung des Leistungsspektrums in der Kassenmedizin erforderlich. Ich wiederhole an dieser Stelle unsere Forderung nach 1.300 zusätzlichen Kassenärzten. Unabhängig von tatsächlich realisierten Einsparungen oder Mehrkosten durch die Schaffung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) erinnere ich an die von der Politik angekündigte Patientenmilliarde.

Aufholbedarf der öffentlichen Gesundheitsausgaben in Österreich

Der Dreiländervergleich zeigt aber auch, dass in Österreich die Gesundheitsausgaben mit 10,33 Prozent des BIP gegenüber Deutschland (11,23) und der Schweiz (12,18 Prozent) zurückfallen. Wir fordern deshalb von der nächsten Bundesregierung eine Anhebung der Ausgaben für das Gesundheitswesen auf 12 Prozent des BIP, damit unser Gesundheitssystem mit dem der beiden Nachbarländer schritthalten kann und nicht zurückfällt.

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Begrüße den angekündigten Ausbau der Wiener Gesundheitseinrichtungen

Der von der Gemeinde Wien angekündigte Ausbau der Gesundheitsversorgungseinrichtungen in Wachstumszonen der Wiener Außenbezirke unter anderem durch die Errichtung von neuen Apotheken wird seitens der Ärztekammer grundsätzlich gutgeheißen. Wir begrüßen die Verdichtung des Angebots in der Wiener Gesundheitsversorgung und sehen auch den Bedarf in den Stadterweiterungsgebieten für neue Apotheken. Im gleichen Atemzug fordern wir aber die Verantwortlichen der Wiener Gesundheitspolitik dringend dazu auf, für mehr Kassenstellen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zu sorgen.

Wien hat schon jetzt einen Kassenärztemangel. Gab es im Jahr 2010 noch 1.745 niedergelassene Kassenärzte, so waren es im Jahr 2018 nur noch 1.606 – und das bei einer steigenden Bevölkerungszahl von damals 1,7 Millionen auf mittlerweile 1,9 Millionen Wienerinnen und Wiener. 100 Ärztinnen und Ärzte weniger müssen 200.000 Menschen mehr versorgen. Das ist mit ein Grund für lange Wartezeiten in den Ordinationen und überlaufene Spitalsambulanzen, wohin viele Patienten ausweichen.

Ich schlage in diesem Zusammenhang und mit dem von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker attestierten Mangel an Apotheken zur Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Medikamenten vor, die Einführung von Hausapotheken bei allen Wiener niedergelassenen Hausärzten endlich zuzulassen. Das wäre der einfachste und schnellste Schritt, um die reibungslose und flächendeckende Versorgung der Wienerinnen und Wiener mit den wichtigsten Arzneimitteln zu garantieren.

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Apotheken mit fragwürdigem Vorgehen auf Kosten der Medikamentenversorgung

Dass sich einige österreichische Apotheken mit dem Verkauf von Medikamenten ins Ausland ein „Körberlgeld“ verdienen, ist schlicht empörend.

Der neu gewählte Pharmig-Präsident Philipp von Lattorff hat in Interviews die Vorgehensweise, dass Großhändler und Apotheken auf dem österreichischen Markt Arzneimittel einsammeln und in die EU verkaufen, als Grund für den Großteil des aktuellen Lieferengpasses bei Medikamenten genannt. Das bedeutet, dass ein Teil der Apotheken offensichtlich statt Versorgungsinteressen ausschließlich finanzielle Ziele verfolgt und dafür sogar eine schlechtere Versorgungslage in Österreich in Kauf nimmt. Auf der einen Seite Versorgungsengpässe zu beklagen und auf der anderen Seite zu diesem Problem durch ausschließlich finanzielle Interessen selbst beizutragen, finde ich unaufrichtig. Das stellt meiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit in Frage.

Mehr Hausapotheken daher umso wichtiger

Umso klarer ist daher, dass es deutlich mehr Anbieter im System braucht, wie etwa Hausapotheken bei Ärztinnen und Ärzten. Bei diesen kann man darauf vertrauen, dass für sie die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten im Vordergrund steht und nicht ein fragwürdiges Vorgehen wie den Export von Medikamenten ins Ausland, das ausschließlich dem eigenen Vorteil dient.

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Überlegungen zum heutigen Tag der Allgemeinmedizin

Dass die Ärztekammer den Tag der Allgemeinmedizin – der dieses Jahr in Salzburg stattfindet – anbietet, hat eine Reihe von Gründen. In erster Linie möchten wir kompetent und profund über das Fach Allgemeinmedizin informieren, um eine zusätzliche Grundlage für Ihre beruflichen Entscheidungen anzubieten. Anders ausgedrückt: Wir möchten heute Werbung für das Fach Allgemeinmedizin machen. In Zeiten der Ärzteknappheit gibt es zwischen den einzelnen Fächern der Medizin einen regelrechten Wettbewerb um junge Medizinerinnen und Mediziner, und an diesem Wettbewerb beteiligt sich aus mehreren Gründen auch die Allgemeinmedizin.

Allgemeinmedizin ist auf dem Weg zum Mangelberuf

Ein Grund ist, dass der Beruf des Allgemeinmediziners zu einem Mangelberuf zu werden droht. Damit steht dieses Fach nicht alleine, auch andere Fächer sind von dieser Entwicklung betroffen. Aber es gilt in der Allgemeinmedizin ganz besonders, solchen Trends gegenzusteuern. Denn von den niedergelassenen Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag werden in den kommenden zehn Jahren mehr als die Hälfte das Pensionsalter erreicht haben, bei den Wahlärzten sind es rund 40 Prozent. Und ausreichender Nachwuchs ist leider nicht in Sicht, die Kandidaten-Zahlen zu den Prüfungen zum Allgemeinmediziner sind sogar rückläufig. Das ist sehr problematisch, weil die Allgemeinmedizin eine zentrale Basis der Gesundheitsversorgung ist.

Subjektive Berufsaussichten werden besser

Dass die Allgemeinmedizin zunehmend zum Mangelberuf wird, hat neben den vielen problematischen Seiten dieser Entwicklung auch etwas subjektiv Vorteilhaftes: Im Spiel von Angebot und Nachfrage werden die Berufsaussichten in der Allgemeinmedizin wohl immer besser werden. Die bereits bestehende Knappheit an Allgemeinmedizinern, die sich in Zukunft – wenn nicht wirksam gegengesteuert wird – zu einem echten Ärztemangel auszuwachsen droht, wird aus heutiger Sicht die Allgemeinmedizin zu einer stark umworbenen Profession mit sehr vielen beruflichen Möglichkeit werden lassen.

Zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung

Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin haben schon heute zum Beispiel in der niedergelassenen Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle als Haus- und Familienärzte. Schon aufgrund der zunehmenden Spezialisierung in der modernen Medizin – nicht zuletzt beschleunigt durch Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz in Diagnose und Therapie, oder dem Trend zur Online-Medizin – wird die Bedeutung der Generalisten in Zukunft weiter zunehmen. Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner werden wohl zunehmend zu jener ärztlichen Instanz, die in engem Kontakt mit den Patienten die fachärztlichen Aktivitäten koordiniert und als Ansprechpartner in beide Richtungen zur Verfügung steht. Das ist nicht nur eine zentrale Rolle in der Behandlung von Patientinnen und Patienten, sondern auch ein Beruf mit einem sehr hohen Zufriedenheits-Potenzial. Dieser Gesichtspunkt sollte, neben anderen Aspekten wie den Einkünften und der Work-Life-Balance, nicht übersehen werden.

Bessere Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit

Politisch bemühe ich mich um bessere Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit. Es geht mir darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die von jungen Ärztinnen und Ärzten als ausreichend attraktiv empfunden werden. Dazu ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, was Medizinstudierende und Jungärzte wollen und wie sie sich ihren Beruf vorstellen. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass diese Vorstellungen in unsere politische Arbeit einfließen können und so die Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Ärzte der Zukunft arbeiten werden, mit zu prägen. Um die Erwartungen von Studierenden und Jungärzten kennen zu lernen, veranstalten wir unter anderem World Cafés und machen regelmäßig Umfragen, deren Ergebnisse dann in unsere standespolitische Arbeit einfließen.

Informationen durch erfahrene Praktiker

Unter anderem deshalb bieten wir Medizinstudierenden und Jungärzten Informationen über den Arztberuf, heute eben über die Allgemeinmedizin, in bestmöglicher Tiefe und Breite. Ein wesentlicher Baustein ist hier der Austausch mir erfahrenen Ärztinnen und Ärzten, diese können wohl am besten vermitteln, was in der Praxis der Allgemeinmedizin auf einen zukommt.

Wichtige Rolle der Lehrpraxis

Eine sehr wichtige Rolle spielt hier auch die Lehrpraxis, also die Möglichkeit, bei einem niedergelassenen Arzt auf bezahlter Basis zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Die Lehrpraxis schließt eine Informationslücke, indem sie es ermöglicht, sich durch das Hineinschnuppern in den Praxisalltag besser orientieren zu können. Die Lehrpraxis, deren Finanzierung durch die öffentliche Hand seit dem Vorjahr gesichert ist, wird wohl zusätzliche Impulse für die Entscheidung geben, sich für die Allgemeinmedizin zu entscheiden. Und zusätzlich wird sie zu einer besseren Ausbildung beitragen.

Anstellung von Ärzten bei Ärzten

Inzwischen gibt es einen weiteren wichtigen Fortschritt. Die Ärztekammer konnte sich kürzlich mit ihrer Forderung durchsetzen, dass Ärzte bei niedergelassenen Ärzten angestellt sein können – das gab es vorher nicht. Das bietet nicht nur eine bessere Absicherung als die gelegentliche Vertretung, damit können auch die individuellen Vorstellungen und Lebensumstände des einzelnen Arztes und der einzelnen Ärztin noch besser berücksichtigt werden.

Bessere Rahmenbedingungen: Themen auf der Agenda

Es gibt aber noch einiges zu tun, um die Allgemeinmedizin ihrem Stellenwert entsprechend zu positionieren. Zum Beispiel muss die Einkommenslücke zwischen Allgemeinmedizinern und Fachärzten geschlossen werden, der Bürokratieaufwand muss reduziert werden, der Facharzt für Allgemeinmedizin muss endlich Realität werden, und die Universitäten müssen das Fach Allgemeinmedizin stärker fördern. An all diesen Themen arbeiten wir. Die Förderung der Allgemeinmedizin und des allgemeinmedizinischen Mediziner-Nachwuchses steht also sehr prominent auf unserer Agenda.

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Gesundheitskasse: Geld für Patientensicherheit statt Logos

Die vermehrten Budgetpannen sorgen nicht gerade für Vertrauen in die künftige Finanzierung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Medienberichte, wonach die Kosten für das neue Corporate Design der ÖGK sechsmal so hoch sein dürften wie ursprünglich budgetiert, wecken Besorgnis. Statt 400.000 Euro sollen neues Logo, Stempel, Kuverts und andere Design-Anpassungen kolportierte 2,5 Millionen Euro kosten. Diese deutlichen Kostenüberschreitungen lassen für die Finanzgebarung der künftigen ÖGK nichts Gutes erwarten. Schon diese zusätzlichen Mehrkosten von mehr als zwei Millionen Euro werden nicht den Patientinnen und Patienten zugutekommen und fehlen im Gesundheitssystem.

Dass es am Beginn der Fusion zu Mehrkosten kommen kann, ist nachvollziehbar, doch die vermehrten Budgetpannen werden nicht gerade für Vertrauen in die bisher genannten Fusionskosten und das Einsparungspotenzial sorgen. Umso wichtiger ist es für uns, dass die von uns schon länger geforderte und zuletzt im ÖÄK-Forderungskatalog festgehaltene Patientenmilliarde kommt – unabhängig von den möglichen Einsparungen durch die Kassenfusion. Denn Patientinnen und Patienten sind auf Investitionen in das Gesundheitssystem angewiesen und dürfen nicht für Planungsfehler bezahlen müssen.

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Forderungen der niedergelassenen Ärztevertretung an Sozialversicherungen und Politik

Dass Zeiten des Neubeginns und der Veränderungen sowohl Risiken als auch Chancen mit sich bringen, gilt natürlich auch für die aktuelle Neuorganisation des Sozialversicherungssystems. Potenzielle Risiken sehe ich in einer möglichen Entwicklung hin zu einem zentralistischen Sozialversicherungs-Giganten. Zu einem System, das sich über regional unterschiedliche Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung einfach hinwegsetzt, von zentraler Stelle aus dirigistisch agiert und seine Verhandlungsmacht dazu nützt, Einspar-Vorgaben durchzudrücken. So eine Entwicklung unserer Gesundheitsversorgung auf den Kopf fallen.

Die Chancen durch die Kassenreform bestehen aus der Sicht der niedergelassenen ärztlichen Versorgung in der Neuaufstellung eines Systems, das sich über Jahrzehnte bundesländerweise oft recht unkoordiniert entwickelt hat. Diese Chance zu einer echten Modernisierung und zu einer Kassenreform, die diesen Namen auch wirklich verdient, sollte von der Gesundheitspolitik und der neuen Spitze des Dachverbandes genützt werden. Im Folgenden Maßnahmen und Ziele, die aus der Sicht der Ärztevertretung prioritär sind:

  • Ein zentrales Ziel ist die Modernisierung und Vereinheitlichung des kassenärztlichen Leistungskataloges für ganz Österreich. Welche Kassenleistungen ein Patient bekommt und welches Honorar sein Arzt dafür erhält, das unterliegt zum Teil erheblichen Schwankungen. Ein Österreich-weit einheitlicher kassenärztlicher Leistungskatalog soll sicherstellen, dass allen Bürgern das Gleiche angeboten werden kann und dass Kassenleistungen nicht länger von der Zufälligkeit des Wohnortes abhängen. Die Ärztekammer arbeitet derzeit an diesem Leistungskatalog, den wir schon bald vorstellen werden.
  • Bei der Fusion der Gebietskrankenkassen zu einer Österreichischen Gesundheitskasse ist darauf zu achten, das Büro der ÖGK schlank zu halten und kostspielige Doppelstrukturen zu vermeiden. Entscheidungen, die die nur auf lokaler Ebene kompetent getroffen werden können, müssen weiterhin vor Ort getroffen werden. Das gilt zumindest für den Stellenplan, die Vergabe von Kassenstellen, und für ein dem regionalen Bedarf angepasstes Leistungsspektrum der Kassenärzte.
  • Es muss zusätzliches Geld in die Versorgung investiert werden. Unabhängig von den tatsächlichen Einsparungen oder Zusatzausgaben durch die Kassenreform muss eine Patientenmilliarde in die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung fließen.
  • Der niedergelassene kassenärztliche Bereich, der von der Politik und der Kassenbürokratie so lange Zeit vernachlässigt wurde, muss endlich besser ausgestattet werden. Dazu gehören unter anderem etwa 1.300 neue Kassenärzte, um das Versorgungsniveau der vergangenen Jahrzehnte wiederherzustellen und um die Krankenhäuser wirksam zu entlasten.
  • Deckel und Degressionen im kassenärztlichen Bereich sind ersatzlos zu streichen. Dieses System der Nicht- oder Minderhonorierung kassenärztlicher Leistungen ab dem Erreichen einer bestimmten Zahl von Behandlungen erzeugt künstliche Engpässe und Wartezeiten. Es muss der Grundsatz gelten: Jeder Patient ist gleich viel wert, und jede ärztliche Leistung für Patienten muss abgegolten werden. Maßstab für bezahlte soziale Gesundheitsleistungen muss der reale Bedarf der Patienten sein.
  • Jeder Hausarzt soll zum Führen einer Hausapotheke berechtigt sein. Die bestehende Kilometergrenze muss deshalb revidiert werden. Eine Ausweitung der ärztlichen Hausapotheken würde nicht nur einen patientenfreundlichen One-stop-shop ermöglichen, sondern auch die Wohnort-nahe Versorgung mit Medikamenten sicherstellen.
  • Eine Kernforderung: Schluss mit der überbordenden Bürokratie in den Praxen niedergelassener Ärzten. Ärzte müssen die verfügbare Zeit ihren Patienten zugutekommen lassen, und nicht mit Bürokratie vergeuden. Deshalb Schluss mit zeitaufwändigen Arzneibewilligungssystemen und einer nicht immer sinnvollen Dokumentationspflicht.
  • Nächster Punkt: Keine Verschlechterungen im Wahlarzt-Bereich. Wahlärzte sind eine unersetzbare Säule der Versorgung und eine von der Bevölkerung sehr gut angenommene Alternative zur Kassen- und zur Privatmedizin. Wer dieses System abschaffen möchte, setzt die Versorgung aufs Spiel.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt unseres Forderungskatalogs betrifft ELGA. Es darf nicht sein, dass mit sensiblen Gesundheitsdaten herumexperimentiert wird. ELGA muss neu konzipiert werden, insbesondere unter dem Aspekt der Anwenderfreundlichkeit, wozu eine übersichtliche Patient Summary unabdingbar ist. Statt Einzelprojekten wollen wir eine gemeinsame österreichische e-Health-Digitalisierungssteuerung. Die beteiligten IT-Unternehmen (ELGA GmbH, SVC und ITSV) sollten vereinheitlicht werden. Zudem brauchen wir Ärztinnen und Ärzte ein garantiertes Mitspracherecht bei EDV-Entscheidungen, von denen wir betroffen sind. Finanzierung und Usability müssen schon vor dem Einsatz neuer Digitalisierungsprojekte sichergestellt sein.
  • Sämtliche erfolgreichen Reformen und Modernisierungen im Gesundheitssystem, setzen voraus, dass es ausreichend viele Ärzte gibt. Gegen den erwartbaren Ärztemangel müssen seitens der Gesundheits- und Bildungspolitik wirksame Maßnahmen ergriffen werden. In Anbetracht des europaweiten Wettbewerbs ist es dringend geboten, den Standort Österreich für Ärztinnen und Ärzte von der Ausbildung an zu attraktivieren. Dazu gehört nicht zuletzt das Schaffen des Facharztes für Allgemeinmedizin. Den politischen Verantwortlich muss klar sein: Wenn man will, dass Ärzte in Österreich bleiben und nicht abwandern, dürfen die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit bei uns nicht schlechter sein als in anderen Ländern.
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Vereinbarung mit dem HV zur Anstellung von Ärzten bei Ärzten: ÖÄK-Forderung ging endlich in Erfüllung

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und die Österreichische Ärztekammer haben sich auf eine gesamtvertragliche Vereinbarung geeinigt, die die Bedingungen für den Einsatz von Ärzten bei Ärzten gemäß Ärztegesetz regelt. Dem vorausgegangen sind lange und intensive Verhandlungsrunden. Vorbehaltlich der Beschlussfassung in den jeweiligen Gremien tritt die Vereinbarung am 1. Oktober 2019 in Kraft. Die Vereinbarung wurde heute in Alpbach bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt.

Damit ist ein lang gehegter Wunsch der Ärztekammer in Erfüllung gegangen: Mit der Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten ist eine kurzfristige Bedarfsabdeckung leichter möglich, die Patientenversorgung im niedergelassenen Bereich wird ausgeweitet und die Patienten können mit teils erweiterten Ordinationsöffnungszeiten rechnen.

Auch für die Ärzteschaft gibt es entscheidende Vorteile: Die Vereinbarung bildet die Wirklichkeit des Arbeitsalltags besser ab, weil Teilzeitverhältnisse ermöglicht wird. Dies wiederum hat direkte Auswirkungen auf die Work-Life-Balance des Arztes. Wir wissen, dass vor allem junge Kolleginnen und Kollegen dem System oft verloren gehen, weil sie zu wenig attraktive Teilzeitarbeitsmodelle vorfinden. Zumindest im niedergelassenen Bereich steht nun eine attraktive Alternative zur Verfügung, zum Beispiel im Falle eines Wiedereinstiegs nach einer Karenz. Ältere ordinationsführende Ärztinnen und Ärzte haben zudem die Möglichkeit einer deutlichen Arbeitserleichterung vor ihrem Pensionsantritt.

Die Kontinuität im ärztlichen Ablauf einer Ordination ist durch die neue Vereinbarung nicht gefährdet. Einerseits darf ein Arzt im Vollzeitäquivalent von 40 Stunden höchstens ein anderes Vollzeitäquivalent einstellen (Gruppenpraxen, Primärversorgungseinheiten: zwei). Andererseits regelt die Vereinbarung, dass der Ordinationsinhaber maßgeblich zur persönlichen Berufsausübung in der Ordination verpflichtet ist, er also nicht die Hauptarbeit dem angestellten Arzt überlassen oder sich gänzlich aus dem Ordinationsbetrieb zurückziehen darf.

Die Vereinbarung sieht folgende Eckpunkte vor:

  • Ausweitung der Versorgung: Die Anstellung eines fachgleichen Arztes ist sowohl für die Aufstockung der Vertragsarztstelle und damit die Erweiterung des Leistungsspektrums (temporär oder auf Dauer) als auch für die gemeinsame Abdeckung der vorhandenen Vertragsarztstelle (vergleichbar dem Jobsharing) möglich. Bekannt gegeben werden müssen vom Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit) die Zeitdauer, das Ausmaß der geplanten Anstellung sowie, wenn eine Aufstockung der Kassenstelle angestrebt wird, die geplante Steigerung der Patientenzahl und die geplanten Öffnungszeiten.
  • Abrechnung durch den Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit): Die vom angestellten Arzt erbrachten Leistungen können mit dem Versicherungsträger im selben Ausmaß abgerechnet werden, wie dies bei Erbringung der Leistung durch den Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit) möglich wäre. Die Abrechnung der vertragsärztlichen Leistungen gegenüber dem Versicherungsträger erfolgt ausschließlich durch den Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit); der angestellte Arzt erhält das zwischen ihm und dem Vertragspartner als Dienstgeber vereinbarte Entgelt.
  • Unbefristete Anstellungen im Falle eines festgestellten Ärztemangels: Wenn im Rahmen der Stellenplanung zwischen der zuständigen Landesärztekammer und dem ASVG-Versicherungsträger im Versorgungsgebiet ein ungedeckter Bedarf an einer vollen oder anteiligen Kassenstelle festgestellt wird, der mangels Bewerber für die konkrete Stelle nicht durch die Ausschreibung einer Einzelpraxis oder einer Gruppenpraxis beziehungsweise eines Gruppenpraxisanteils abgedeckt werden kann, ist die Genehmigung der Anstellung unbefristet zu erteilen.
  • Befristete Anstellungen im Falle eines zeitlich begrenzten Zusatzbedarfs: Im Falle eines zeitlich begrenzten Zusatzbedarfs (zum Beispiel zum Abbau von Wartezeiten oder bei Teilabdeckung einer vakanten Stelle) wird die Genehmigung der Anstellung nur befristet erteilt.
  • Teilweise erweiterte Öffnungszeiten: Erfolgt die Anstellung zur Aufstockung der Vertragsarztstelle (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit), müssen die Öffnungszeiten entsprechend angepasst werden. Erfolgt die Anstellung jedoch ohne Zusatzbedarf, gelten die bisherigen Öffnungszeiten des Vertragsarztes (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit).
  • Alterslimit: 70 Jahre: Der anzustellende Arzt darf zum Zeitpunkt der Anstellung das 70. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, es sei denn, Landesärztekammer und Versicherungsträger erteilen eine Ausnahmegenehmigung wegen drohender ärztlicher Unterversorgung.
  • Freie Arztwahl für die Patienten sichergestellt: Zur Sicherstellung der freien Arztwahl sind die regelmäßigen (wenn möglich auch aktuellen) Anwesenheitszeiten des Vertragsarztes (Gesellschafter einer Vertragsgruppenpraxis beziehungsweise Primärversorgungseinheit) und des angestellten Arztes gegenüber den Patienten transparent zu machen.

Vielen Dank an HV-Vorsitzenden Dr. Alexander Biach für die abermals gute Zusammenarbeit und konstruktive Verhandlung.

 

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Hausapotheken bringen allen was.

Zu den jüngsten Diskussionen rund um die Aut-idem-Regelung: Versorgungslage, Patientenservice und kassenärztlicher Bereich würden sich durch mehr Hausapotheken deutlich verbessern. Sollten die Apotheken keine flächendeckende Versorgung mehr garantieren können, bringt sich die Ärztekammer gerne mit Vorschlägen zur Problemlösung ein. Beispielsweise würde eine Ausweitung der Hausapotheken schlagartig die patientennahe Versorgung und das Patientenservice verbessern.  Gleichzeitig würde dies eine Erleichterung für die anscheinend überlasteten Apotheken bedeuten.

Dass man die bisherige Kilometergrenze überdenken sollte, ist nach den Vorkommnissen rund um die Hausapotheke im steirischen Scheifling ohnehin offensichtlich. Dort ist deutlich zu Tage getreten, wie gering die Versorgung der Patienten im Vergleich zum Kampf um Prinzipien geachtet wird.

Mehr Hausapotheken würden zudem mehr „One-Stop-Shops“ für die Patientinnen und Patienten bedeuten und so gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine große Entlastung bringen. Weiters könnten Hausapotheken dafür sorgen, dass potenzielle Wahlärzte wieder vermehrt doch in den Kassenbereich gehen könnten.

Dann braucht Patientenanwalt Gerald Bachinger nicht mehr obskuren Ideen über Zwangsdienste von Medizinern nachhängen und auch nicht mehr die Interessen bestimmter merkantil orientierter Apothekerkreise vertreten, sondern könnte sich wieder für das Wohl von Patientinnen und Patienten einsetzen – sehr gerne natürlich mit uns gemeinsam. Für konstruktive Vorschläge zu Verbesserungen sind wir immer zu haben.

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Ärzte wissen am besten, welches Medikament ein Patient braucht.

Im heutigen Morgenjournal wurde die Tatsache, dass derzeit in Österreich 210 Medikamente nicht lieferbar seien, von der Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayer als Anlass interpretiert, eine Aut idem Regelung einzuführen: Es sollten künftig nur noch Wirkstoffe und nicht der Namen eines konkreten Medikaments von den Ärzten verschrieben werden. Der Apotheker sucht dann ein ihm geeignet erscheinendes, vorrätiges Produkt aus. Unterstützt werde dieses Ansinnen von Patientenanwalt Gerald Bachinger.

Dass sich Patientenanwalt Bachinger vor den Karren der Apothekerinteressen spannen lässt, ist ein Ärgernis mehr in seiner Amtsführung. Dass zahlreiche Medikamente nicht lieferbar sind, ist allerdings alles andere als ein Argument für eine generelle Regelung, die es Apothekern ermöglichen soll, an Patienten nicht das konkrete ärztlich verschriebene Medikament abzugeben. Sondern nach Belieben ein anderes Produkt mit demselben Wirkstoff. Eines, das sie gerade gelagert haben. Sehr wohl aber sind Lieferengpässe ein Argument für eine bessere Lagerhaltung.

Dass als Bioäquivalenz gilt, wenn die Bioverfügbarkeit eines Generikums innerhalb von 80 bis 125 Prozent jener des Originalpräparates liegt, zeigt die enormen Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten, die hier vom Apotheker nach Belieben – und nach der Zufälligkeit und Maßgabe der Lagerbestände – verkauft werden können sollen. Allerdings wissen nur Ärztinnen und Ärzte, was ihre Patientinnen und Patienten im Einzelfall brauchen, und nicht der Verkäufer dieser Medikamente.

Der Vorstoß der Apotheker hat ein erkennbares Motiv: Eine bessere und umfänglichere Lagerhaltung ist anspruchsvoll, und deshalb bei Apothekern unpopulär. Doch hier muss sehr kompromisslos die Qualität der Behandlung und die Sicherheit der Patienten im Vordergrund stehen. Ein Patientenanwalt, der diesen Namen verdient, sollte das eigentlich auch so sehen.

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