Weiterhin massive und zeitraubende Ausfälle bei der e-Medikation

Weiterhin kommt es zu massiven und zeitraubenden Ausfällen bei der e-Medikation. Die derzeitige Unzuverlässigkeit ist besorgniserregend und unzumutbar. Die vermehrten Ausfälle sorgen unter Ärztinnen und Ärzten für Frust, Zeitverlust und zunehmende Beunruhigung darüber, wie es mit ELGA weitergehen soll. Es zeichnet sich hier keinerlei Besserung ab.

Seit 28. März 2019 gab es im Zusammenhang mit der e-Medikation 13 Ausfallsereignisse mit einer Ausfallzeit von bis zu vier Stunden. Insgesamt war die e-Medikation in diesem Zeitraum über 13 Stunden lang nicht verfügbar, über eine Million Patientinnen und Patienten dürften von den Ausfällen betroffen gewesen sein, rechnet Dietmar Bayer, Referent im ÖÄK-Referat Telemedizin und medizinische Informatik und Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark, vor. Das bedeute eine immense Störung des Behandlungsprozesses für Ärzte und Patienten und eine drastische Erhöhungen der Wartezeiten.

Diese Situation ist inakzeptabel. Die ELGA-Betreiber verharren leider in ihrem bürokratisch-starren Denken, anstatt eine serviceorientierte und brauchbare Lösung zur Verfügung zu stellen, mit der Ärztinnen und Ärzte produktiv arbeiten können. In Fragen der Usability zeigen sich die Verantwortlichen leider beratungs- und einwandsresistent. Statt für Verbesserungen für die Ärzteschaft zu sorgen, beschränkt man sich dort auf die Kontrolle der Bürokratie.

Wir werden jedenfalls nicht locker lassen, bis ein ausgereiftes und zumutbares Produkt vorliegt.

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Stopp der Gewalt gegen Ärzte und Sprechstundenhilfen

Anlässlich des tragischen Messerangriffs auf einen Kollegen im SMZ Süd haben wir heute ein Pressegespräch zum Thema „Gewalt gegen Ärzte“ organisiert.  Hier einige Anmerkungen aus der Sicht eines Vertreters der niedergelassenen Ärzteschaft. Auch in den niedergelassenen Arztpraxen haben Aggression und Gewaltbereitschaft inzwischen ein völlig inakzeptables Ausmaß erreicht, das auf keinen Fall einfach hingenommen werden darf. Hier sind dringend wirksame Gegenmaßnahmen auf breiter gesellschaftlicher, politischer und rechtlicher Basis erforderlich.

Um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen, haben wir eine Online-Blitz-Umfrage unter niedergelassenen Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag in Wien durchgeführt. Das ist der Bereich, aus dem wir bisher die meisten Klagen von Ärzten gehört haben.

Alarmierende Umfrageergebnisse

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind hochgradig alarmierend:

  • 57 Prozent der Ärztinnen und Ärzte, die unsere Fragen beantwortet haben, haben den Eindruck, dass Aggression und Gewalt gegen Ärzte insgesamt zunimmt.
  • 97 Prozent haben in den vergangenen 24 Monaten von Kollegen gehört, dass diese von Patienten oder Angehörigen verbal bedroht wurden.
  • 80 Prozent wurden in diesem Zeitraum selbst verbal bedroht.
  • 70 Prozent haben in diesem Zeitraum von anderen Ärzten gehört, dass diese körperlich angegriffen wurden.
  • 10 Prozent wurden selbst körperlich bedroht.

Ganz offensichtlich hat also der Trend zur sinkenden Hemmschwelle, zum Einschüchtern und aggressiven Einfordern von Leistungen auch unsere Arztpraxen erreicht. Das darf auf keinen Fall bagatellisiert werden.

Noch gibt es in Österreich zum Thema Gewalt in Arztpraxen – anders als z. B. seit einiger Zeit in Deutschland – kaum repräsentative Daten. Eine größer angelegte Umfrage der Wiener Ärztekammer läuft gerade, und wir erhoffen uns aufschlussreiche Ergebnisse.

Nach den Angaben des deutschen „Ärztemonitors 2018“ kommt es in deutschen Arztpraxen täglich zu insgesamt 75 Fällen körperlicher und 2.870 Fällen verbaler Gewalt. Jeder vierte niedergelassene Arzt wurde zumindest einmal im Berufsleben mit körperlicher Gewalt durch Patienten konfrontiert. Basis dieser Ergebnisse ist die Befragung von etwa 7.000 Ärzten. Es ist davon auszugehen, dass sich solche Ergebnisse im Wesentlichen auf Österreich umlegen lassen.

Am häufigsten, das zeigt eine Untersuchung, kommt es im Konfliktfall zu Beleidigungen und Beschimpfungen, Sachbeschädigung, Rufschädigung und Cyber-Mobbing, also Verleumdung im Internet. In Berichten ist vom Beißen, Spucken, Treten oder Stoßen die Rede. Einem Wiener Arzt wurde von einem Patienten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, einem anderen das Nasenbein gebrochen.

An von Gewalt betroffenen Ärzten oder Sprechstundenhilfen gehen solche Übergriffe nicht immer spurlos vorüber: Es kann zu Angst, Depressionen oder dem Verlust der Arbeitsfreude kommen, oft sind Kriseninterventionen oder psychotherapeutische Begleitung nötig.

Typische Konfliktauslöser

Was sind typische unmittelbare Konfliktauslöser? Zum Beispiel fordern Patienten eine Therapie, die aber medizinisch nicht angemessen ist und/oder von den Kassen nicht bezahlt wird. Oder sie fordern eine Krankschreibung, die nicht gerechtfertigt ist. Oder sie beanstanden lange Wartezeiten in der Ordination, und nehmen Anstoß daran, dass vorgemerkte Patienten oder Notfälle vorgereiht werden. Natürlich können kranke Menschen und ihre Angehörigen verletzlich sein und überempfindlich reagieren. Aber es darf nicht sein, dass sich das in Form von Bedrohungen entlädt.

Keine Bagatellisierung – Gemeinsames Vorgehen gegen Gewalt

Deshalb ein klares Nein zu Aggression gegen Ärzte und ihre Mitarbeiter. Gewalt in den Ordinationen darf nicht zum individuellen Problem einzelner Betroffener kleingeredet werden. Gesetzgeber, Politik, Sozialversicherungen und Interessensvertretungen sind gefordert, sich dieses Themas anzunehmen, und wir hoffen hier auf die Unterstützung der Medien. Aggression in Arztpraxen muss gesellschaftlich geächtet werden, und es ist wichtig, das auf möglichst breiter Basis zu vermitteln.

Übergriffe sind keine Bagatellen. Sie können Rechtsbrüche und kriminelle Delikte darstellen und müssen entsprechend verfolgt werden. Ärztevertretungen in Italien und Deutschland fordern hier bereits schärfere Strafen. Ich plädiere dafür, Übergriffe gegen Ärzte und ihre Mitarbeiter in gleichem Umfang und mit gleichen Konsequenzen zu ahnden, wie Übergriffe gegen Exekutivbeamte.

Prävention im Vordergrund

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Prävention. Es geht darum, in Arztpraxen das Geeignete zu tun, damit Konflikte möglichst gar nicht erst entstehen. Zu diesem Zweck haben wir zunächst einmal in Wien niedergelassenen Ärzten und ihren Mitarbeitern spezielle Workshops angeboten. Dort lernen sie unter anderem, potenzielle Aggressoren zu identifizieren, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, Deeskalationsmethoden zu üben, Strategien zur Beherrschung von Gefahrensituationen zu erlernen, und sich notfalls in Sicherheit zu bringen und Hilfe zu holen. Diese Workshops sind völlig ausgebucht und sehr beliebt, weshalb wir ständig weitere anbieten.

Wir werden das Thema Aggression und Gewalt in Arztpraxen sehr sorgfältig verfolgen, konsequent Gegenmaßnahmen entwickeln und Ärztinnen und Ärzten unterstützen, wenn sie Rat und Hilfe brauchen.

 

 

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Laufende Abstürze beweisen: ELGA ist noch nicht ausgereift.

Auch heute gab es wieder schwere Ausfälle bei der e-Medikation. Diese stehen mittlerweile schon an der Tagesordnung. In der aktuellen Debatte rund um die Ausrollung von ELGA-Funktionen sehe ich mich leider deutlich bestätigt: Die beinahe täglichen Abstürze bei der e-Medikation zeigen ganz klar, dass dieses System noch lange nicht ausgereift ist. Durch diese Instabilität entsteht in den Ordinationen nur Mehraufwand und Frust. Niemand von uns hat die Zeit, um sich mit einer so brüchigen Technik herumzuschlagen.

Für uns Ärztinnen und  Ärzte stand immer schon fest: ELGA muss benutzerfreundlich sein und eine Zeitersparnis bringen. Davon sind wir heute noch weit entfernt, daher können wir eine Ausrollung von e-Befunden natürlich nicht empfehlen. Bis es soweit sein kann, gibt es noch sehr viel zu tun. Wir werden die weitere Entwicklung kritisch verfolgen. Sollte sich keine deutliche Verbesserung einstellen, werden wir über eigene Maßnahmen nachdenken.

Ein derart fehlerhaftes System ist jedenfalls weder Ärzten noch Patienten zumutbar.

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„Aktionsplan Adipositas“ – Ärzteschaft ergreift die Initiative

Das Massenphänomen krankhaftes Übergewicht bzw. Fettleibigkeit ist eine gesundheitliche, gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Zeitbombe. Die WHO fordert deshalb auch von der österreichischen Bundesregierung bis zum Jahr 2020 geeignete Strategien und Konzepte gegen Adipositas: Konkret sollen im nächsten Jahr Präventions- und Therapieprogramme mit dem Ziel der Stagnation von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter bis zum Jahr 2025 vorgelegt werden. Damit den Vorgaben der WHO rechtzeitig entsprochen werden kann, ergreift die Ärzteschaft jetzt die Initiative: Die Österreichische Ärztekammer hat gemeinsam mit Ernährungsmedizinern von der MedUni Wien ein Bündel von strategischen Maßnahmen und gesundheitspolitischer Forderungen erarbeitet, den „Aktionsplan Adipositas“. Ziel ist dessen zügige politische Umsetzung, um die weitere Ausbreitung von Adipositas und deren gefährlichen gesundheitliche Auswirkungen wirksam einzudämmen.

Expertenboard gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium 

Um den Vorgaben der WHO zu entsprechen zu können, empfehlen wir eine Reihe von Sofortmaßnahmen: Zentrales Element soll hier die Gründung eines ernährungsmedizinischen Expertenboards gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium sein. Ein kleines, schlankes und auch kurzfristig entscheidungsfähiges Team von österreichischen und internationalen Experten unter wissenschaftlicher Beteiligung der MedUni Wien soll unabhängig von Partei- und Industrieinteressen das tun, was die WHO fordert: Konzepte zur Eindämmung der Adipositas im Kinder- und Jugendlichenalter entwickeln, deren Umsetzung begleiten und die Ergebnisse evaluieren.

Zahlreiche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Vorgehen wurden bereits geschaffen und müssen gebündelt und strukturiert genützt werden:

  • Die Ärztevertretung hat im Vorjahr nach dem Vorbild des sehr bewährten Mutter-Kind-Passes einen neuen Jugendgesundheitspass erarbeitet, der den Lebensabschnitt vom 7./8. bis zum 16./17. Lebensjahr umfasst und bei dem Fragen des Lebensstils und der Ernährung eine zentrale Rolle spielen. Dieses ausgereifte Projekt liegt dem Gesundheitsministerium vor, jetzt geht es darum, dass die Gesundheitspolitik es aufgreift und umsetzt.
  • Österreichs Schulärzte erheben konsequent wichtige Gesundheitsdaten, zum Beispiel Größe und Gewicht der Schülerinnen und Schüler. Allerdings werden diese Daten bisher nicht konsequent ausgewertet. Das muss in Zukunft unbedingt geschehen, weil wir wertvolles empirisches Material für Präventions- und Interventionsmaßnahmen nicht ungenützt liegen lassen dürfen.
  • Rund 1.600 Ärztinnen und Ärzte haben in Österreich das Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin absolviert. Diese enorme Expertise sollte verstärkt für Ernährungsberatung genützt werden, sowohl in Arztpraxen als auch zum Beispiel im Schulunterricht oder in der Schulung zum Beispiel von Schulärzten oder Lehrern. Was hier geklärt werden muss, ist die Honorierung solcher Leistungen, weil diese im bisherigen Honorarkatalog von Kassenvertragsärzten nicht berücksichtigt sind.

Finanzierung über die Alkohol- und Tabaksteuer – weniger Folgekosten

Die Finanzierung solcher Maßnahmen kann über die Alkohol- und Tabaksteuer erfolgen. Wenn endlich in der Adipositas-Prävention konsequent und auf breiter Basis vorgegangen wird, erspart das nicht nur viel menschliches Leid und vermeidbare Folgeerkrankungen, sondern auch enorme Folgekosten für ernährungsassoziierte Krankheiten bzw. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Diabetes, Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Das ist auch unsere sehr klare Botschaft an die Verantwortlichen der in Gründung befindlichen Österreichischen Gesundheitskasse: Prävention und rechtzeitige Intervention bei krankhaftem Übergewicht im Kinder- und Jugendalter ist ein Paradebeispiel für sinnvolle Investitionen in Gesundheit und die Vermeidung von Folgekrankheiten.

Wir brauchen einen breiten Konsens, dass Adipositas ein prioritär zu behandelndes Gesundheitsproblem ist und auf der gesundheitspolitischen Agenda ganz oben stehen muss.

 

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Kassenreform: So bitte nicht!

Die so genannte Kassenreform erfüllt also die von Regierungs-Seite gesteckten Erwartungen bereits im Frühstadium ihres Entstehens nicht. Das ist aus meiner Sicht aus mehreren Gründen wenig überraschend und wurde in der „Zeit im Bild 1“ vom Freitagabend einmal mehr bestätigt: Mehr als hundert Mitarbeiter, die die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) vom Hauptverband der SV-Träger übernommen hat, sollen jetzt stattdessen per Leihvertrag vom Dachverband – also de facto der Nachfolgeinstitution des HV – beschäftigt werden. Der Dachverband leide unter Personalknappheit und könne deshalb seinen Aufgaben nicht nachkommen, hieß es. Und die ÖGK muss sich dafür auf dem Arbeitsmarkt um Ersatz bemühen. Also in Summe deutlich mehr SV-Mitarbeiter und nicht weniger – so haben wir uns Abschlankung, Entbürokratisierung und Kostenersparnis schon immer vorgestellt.

Keine Reform, die diesen Namen auch wirklich verdient.

Und das abgesehen davon, dass man dieser „Kassenreform“ auch aus anderen guten Gründen mit Skepsis begegnen konnte: Sie war bereits im Ansatz Stückwerk und nicht einer besseren Versorgung verpflichtet, sondern der Österreich-weiten parteipolitischen Umfärbung der „roten“ GKK bei gleichzeitiger maximaler Schonung der politisch nahe stehenden „schwarzen“ Kassen. Also schon dem Grunde nach keine Reform, die diesen Namen auch wirklich verdient.

Zentralistische Moloche lösen leine Probleme, sie schaffen neue.

Wer glaubt, mittels Kassen-Zentralisierung zu einer schlankeren Verwaltung, höheren Effizienz und besseren Kundennähe beitragen zu können, hat den Zerfall des Zentralismus-versessenen kommunistischen Ostblocks nicht verstanden: Wir brauchen regionale und bürgernahe Strukturen, Patienten-zentriert und nicht zentralistisch – und das ganz besonders, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht. Eine Forderung, die im Übrigen bereits im März des Vorjahres in der von Ärztekammern und GKK unterschriebenen „Salzburger Deklaration“ sehr klar deponiert wurde: Doch leider war der Zug der politischen Entscheider zu Dirigismus und Kontrolle stärker als die Einsicht, dass zentralistische Moloche keine Sach- und Versorgungs-Probleme lösen, sondern nur neue Schwierigkeiten schaffen, nicht zuletzt finanziellen Mehraufwand.

Das zeigt bereits jetzt, bei den Vorbereitungen der „Kassenreform“, die kostspielige personelle Parallelstruktur, die gerade zwischen der ÖGK und dem Dachverband entsteht.

Regierung soll Nachdenkpause einlegen – keine Revolutionen von Oben.

Das alles kann nur eines bedeuten: Ähnlich wie beim Nichtraucher-Gesetz könnte die Bundesregierung darüber nachdenken, ob bei der Kassenreform der gewählte Weg und das gesteckte Ziel eine wirklich gute Wahl waren. Wir brauchen eine Kassenreform, die diesen Namen auch wirklich verdient. Und das auf der Basis einer Regionalisierung und Föderalisierung, über deren Details man wird diskutieren müssen. Die aber in jedem Fall sicherstellt, dass regionale Besonderheiten und Bedürfnisse maximale Berücksichtigung finden.

Unbedingt muss dieser Prozess die Ärztekammer sowie andere Player im Gesundheitssystem einbinden und deren Expertise nützen. Revolutionen von Oben braucht niemand. Sie führen, siehe den eingangs erwähnten ZIB-Bericht, zu nichts Gutem.

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Rapide abnehmendes Interesse am Allgemeinmediziner-Beruf: Bedarf kann immer weniger gedeckt werden

Der offensichtliche Interessens-Einbruch von Jungmedizinern am Beruf des Allgemeinmediziners ist alarmierend. Am Beispiel der Kandidaten-Zahlen bei den Prüfungen zum Allgemeinmediziner: 2019 werden insgesamt voraussichtlich nur noch rund 400 Studierende eine Prüfung zum Allgemeinmediziner ablegen – an nunmehr drei statt vier Prüfungsterminen, die Sommerprüfung für 2019 findet nicht statt. Beim heurigen Winter-Prüfungstermin gab es um 31 Prozent weniger Kandidaten als 2018, beim Frühjahrstermin um 10 Prozent weniger.

Zum Vergleich: 2015 gab es mit 876 Prüfungskandidaten noch deutlich mehr als doppelt so viele wie heuer insgesamt erwartet werden.

Dieser Trend wird, wenn die österreichische Gesundheitspolitik nichts rasch und konsequent etwas Wirksames unternimmt, die medizinischen Versorgung der Zukunft massivst gefährden.

Mehr als die Hälfte der GKK-Allgemeinmediziner werden in den nächsten zehn Jahren das Pensionsalter erreichen, von den Wahlärzten rund 40 Prozent. Das bedeutet einen mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf von 237 bzw. 124: Das ist die Anzahl zusätzlicher Ärztinnen und Ärzte, die zur Aufrechterhaltung des Status quo in fünf Jahren benötigt werden, um die pensionsbedingten Abgänge auszugleichen. Allerdings sind wir weit davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können.

Es ist zu hoffen, dass diese alarmierende Bilanz die gesundheitspolitisch Verantwortlichen nicht nur aufrüttelt, sondern auch zum Setzen geeigneter Maßnahmen animiert: Die Politik muss dafür sorgen, dass die Allgemeinmedizin ihrem Stellenwert entsprechend behandelt und gefördert wird. Das bedeutet, sie aktiv zu bewerben, aber auch derart attraktive berufliche Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich die Allgemeinmedizin im Wettbewerb mit anderen medizinischen Fächern behaupten kann.

Sonst darf sich niemand wundern, wenn der allgemeinmedizinische Nachwuchs auch weiterhin ausbleibt.

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50 Jahre Ärztefunkdienst: Eine rundum positive Bilanz

Der 1969 ins Leben gerufene Ärztefunkdienst ist das Paradebeispiel einer Erfolgsgeschichte ohne Wenn und Aber. Möglich wurde diese nicht nur durch den unermüdlichen Einsatz von Ärztinnen und Ärzten im vergangenen halben Jahrhundert, sondern auch durch das konstruktive Zusammenwirken mehrerer Player des Wiener Gesundheitssystems.

Gemeinsam ist es gelungen, nicht nur einen klar Patienten-orientierten und deshalb auch sehr stark nachgefragten Service auf- und auszubauen, sondern auch ein gesundheitspolitisch und gesundheitsökonomisch intelligentes Produkt zu implementieren. Ein Angebot, dass zum Beispiel Notfallambulanzen sinnvoll entlastet und dabei hilft, Kosten zu sparen, ohne dass dies der Qualität der Patientenversorgung abträglich ist.

Einige Zahlen zu den erbrachten Leistungen

  • Insgesamt sind rund 200 Ärztinnen und Ärzte für den Wiener Ärztefunkdienst tätig.
  • Diese absolvierten im 2018 rund 73.000 Visiten, um 1.500 mehr als im Jahr davor. Zusätzlich wurde der Ärztefunkdienst im Vorjahr zu 1.800 Totenbeschauen gerufen.
  • Die unter der Notfallnummer 141 beim Ärztefunkdienst eingegangenen Anrufe lagen im Vorjahr bei etwa 142.000, und damit um 5.000 über den Zahlen des vorangegangenen Jahres.

Eine quantitativ klar steigende Tendenz also.

Ausweitung der Leistungspalette

Die Leistungspalette wird aber auch strukturell deutlich ausgeweitet:

  • Zusätzlich zum telefonischen und hausärztlichen Service bietet wochentags ab 16.00 Uhr und an Wochenenden von 10.00 bis 22.00 Uhr die Allgemeinmedizinische Akutordination des Ärztefunkdienstes im AKH Wien ihre Leistungen an.
  • An Wochenenden und Feiertagen betreibt der Ärztefunkdienst außerdem eine Allgemeinmedizinische Ordination im 15. Bezirk und zwei kinderärztliche Wochenendnotdiensteinrichtungen im AKH Wien beziehungsweise im SMZ-Süd.
  • Seit Dezember des Vorjahres gibt es zur Entlastung der Notfallaufnahme sowie der Kinderambulanz auch eine Allgemeinmedizinische Akutordination im SMZ-Ost.

Vor dem Hintergrund der Knappheit an niedergelassenen Kassen-Allgemeinmedizinern und -Pädiatern, aber auch der Entlastung von Notfallambulanzen gewinnen solche Serviceeinrichtungen besondere Bedeutung. Das gilt zunächst einmal für den Einzelfall, wenn es darum geht, ergänzend zu den Öffnungszeiten der Ordinationen ein Versorgungsangebot bereit zu stellen.

Das gilt aber auch generell versorgungspolitisch und gesundheitsökonomisch: So konnte zum Beispiel in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens die Allgemeinmedizinische Akutordination des AKH Wien durch die Übernehme von rund 40.000 Patientinnen und Patienten die dortige Notfallambulanz massiv entlasten. Das bedeutete kürzere Wartezeiten für echte Notfälle und weniger Kosten.

Im Übrigen bedurften nur sieben Prozent der in der Allgemeinmedizinische Akutordination des AKH Wien betreuten Patienten einer weiteren spitalsinternen fachärztlichen Behandlung.

Strukturentlastend wirkt sich auch die Kooperation des Ärztefunkdienstes mit dem Wiener Roten Kreuz aus:  Im Callcenter eingehende Anrufe werden auch dahingehend überprüft, ob der konkrete Fall an den Ärztefunkdienst weitergeleitet wird, oder an den Rettungsdienst des Roten Kreuzes, oder ob überhaupt eine telefonische Beratung ausreicht.

Dank an alle, die diesen Erfolg möglicht gemacht haben

Die Bilanz zum Ärztefunkdienst nach fünf Jahrzehnten seiner Existenz fällt also in jeder Hinsicht rundum positiv aus. Für all die menschlichen, medizinischen, administrativen und gesundheitspolitischen Anstrengungen, die hinter diesem Erfolg stehen, möchte ich meinen tief empfundenen, herzlichen Dank aussprechen.

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Grünes Licht der Bundeskurie niedergelassene Ärzte: Neue Primärversorgung unter Dach und Fach

Bei der gestrigen Sitzung der Bundeskurie niedergelassene Ärzte der ÖÄK wurde für den bundesweiten Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten (PVE) Grünes Licht gegeben. Die Bundeskurie gab einstimmig ihre Zustimmung für den Vertragsabschluss. Die Trägerkonferenz aller Kassen hatte den Anfang April präsentierten Gesamtvertrag schon zuvor einstimmig beschlossen.Damit ist der Gesamtvertrag nun unter Dach und Fach.

Mit dem bundesweiten Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten ist ein über fünf Jahre andauernder Weg nun erfolgreich und partnerschaftlich abgeschlossen. Um Unklarheiten zu vermeiden: Mit dem Konzept früherer Gesundheitsminister und mancher Kassenfunktionäre, mittels Primärversorgungszentren den Gesamtvertrag zwischen Ärztekammer und Kassen auszuhebeln und herkömmliche Arztpraxen de facto abzuschaffen bzw. zu ersetzen, hat die neue PVE-Regelung nichts mehr gemeinsam.

Nun muss dieser Rahmenvertrag mit Inhalten gefüllt werden. Die lokalen Sozialversicherungsträger und vor allem die Länder sind jetzt am Zug, es gilt, die regionalen Honorarvereinbarungen so schnell wie möglich abzuschließen.

Die PVE werden das ärztliche Angebot im niedergelassenen Bereich – Einzel- und Gruppenpraxen – erweitern. Damit haben Ärztinnen und Ärzte  mehr Wahlmöglichkeiten, wie sie arbeiten wollen, und Patientinnen und Patienten können aus einer breiteren Palette von Angeboten das für sie am besten geeignete auswählen. Ein zufrieden stellender Abschluss einer endlos erscheinenden Geschichte.

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Hohen Erwartungen an das Elektronische Kommunikation Service eKOS bisher nicht erfüllt. Einsatz derzeit nicht zu empfehlen.

Das Elektronische Kommunikation Service eKOS soll die elektronische Erfassung, Übermittlung und Bearbeitung von Überweisungen und Zuweisungen unterstützen und die derzeitigen Papierprozesse elektronisch abbilden. eKOS lief bisher in einem Pilot-Betrieb, der jetzt zu Ende geht, die Ausrollung soll Anfang April beginnen. eKOS ist vom Ansatz her ein sehr sinnvolles Produkt und kann uns viele Vorteile bringen, zum Beispiel administrative und zeitliche Entlastung. Solange jedoch eKOS administrativ, technisch und bezüglich Benutzerfreundlichkeit hinter den Erfordernissen der Anwender zurückbleibt, besteht dringender Sanierungsbedarf, der auch den ursprünglichen Zeitplan in Frage stellt.

Denn die hohen Erwartungen an eKOS konnten in der Pilotphase in einigen Punkten nicht erfüllt werden. Bevor die Schwachstellen, von denen uns anwendende Ärztinnen und Ärzte berichten, nicht behoben wurden, können wir den Einsatz von eKOS nicht empfehlen.

Beispiele für Kritikpunkte, die – je nach Bundesland etwas unterschiedlich – während der  Pilotphase evident wurden:

  • Es gebe keine konsequente Evaluierung der Pilotphase, aus der konkrete Schlüsse für Optimierungen bei der Ausrollung gezogen werden können.
  • Zum Beispiel berichtet eine als Teststelle fungierende radiologische Praxis in Wien, dass sie innerhalb des Pilotbetriebs kaum Zuweisungen erhalte – es fehlt an Testzuweisern innerhalb des Pilotprojekts.
  • In Testungen der Zuweisungen zu Röntgen-Therapie, Röntgen-Untersuchungen und Sonographie der geplanten Leistungserweiterung in eKOS ab Juli 2019 zeigte sich, dass ärztliche Zuweisungen an Röntgeninstitute von mehr als einer Leistung – zum Beispiel eine Sonografie gemeinsam mit einer Röntgenuntersuchung – nicht in einem Durchgang möglich seien.
  • Weiters stellte sich heraus, dass kein Pflichtenheft mit genauen Anleitungen für die Programmierung erarbeitet wurde, wodurch während der Pilotphase immer wieder aufwändige Adaptierungen und Abstimmungen zwischen den involvierten Stellen erforderlich wurden. Außerdem müsse die Möglichkeit von Verbesserungen und eines inhaltlichen Updates auch nach dem Rollout festgeschrieben sein, was derzeit nicht der Fall sei.

Somit ist der ursprüngliche Zeitplan, der ein Rollout ab Anfang April vorsieht, nicht realistisch. Angesichts dieser vielen zu behebenden Details, Unklarheiten und offenen Punkte können wir derzeit den Kolleginnen und Kollegen nicht empfehlen, eKOS anzuwenden, weil ein friktionsfreier Einsatz nicht möglich erscheint. Sobald substantielle Verbesserungen bzw. Sanierungen erfolgt sind, werden wir darüber informieren.

 

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Mehr Alternativen für Arzt und Patient: Bundesweiter Gesamtvertrag für PVE abgeschlossen

Primärversorgungszentren bzw. Primärversorgungseinheiten waren lange Zeit für viele Ärztevertreter ein Reizwort. Unter manchen früheren Gesundheitsminister/innen und HV-Chef/s/innen sollten sehr fragwürdige Konzepte von PVZ bzw. PVE dazu dienen, Gesamtverträge zwischen Kammer und Kasse auszuhebeln. Im Raum stand außerdem das Risiko staatlicher Gängelung und/oder einer Konzernisierung und damit einhergehend ein Primat der Betriebswirtschaft, und nicht der Medizin.

Doch das ist Geschichte. Gestern haben wir nach langen und harten Verhandlungen mit dem Hauptverband den bundesweiten Gesamtvertrag für PVE beschlossen, und heute haben Hauptverband-Chef Alexander Biach und ich auf einer Pressekonferenz die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. Voraussetzung für das Inkrafttreten dieser Vereinbarung ist die Zustimmung der zuständigen Gremien, im Fall der ÖÄK also der Bundeskurie niedergelassene Ärzte.

Der Zwischenschritt eines bundesweiten Gesamtvertrages war unseres Erachtens wichtig, weil einige Themen im Raum standen, die es u.E. zu klären galt. Der als Rahmenvertrag zu verstehende bundesweite PVE-Gesamtvertrag gibt jetzt die Eckpunkte zur neuen teambasierten Primärversorgung vor, lässt aber genügend Raum für regionale Ausgestaltung, um auf die jeweiligen Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte sowie der Patientinnen und Patienten bestmöglich eingehen zu können. Damit ist ein breiter Versorgungsauftrag – auch abzustimmen zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung – endgültig sichergestellt.

Einige Gesichtspunkte erscheinen mir u. a. besonders wichtig:

  • PVE sind neben den weiterhin existierenden Hausärzten und den Gruppenpraxen nur eine Spielart der ärztlichen Primärversorgung. Sie ergänzen den Hausarzt, ersetzen ihn jedoch nicht – unter früheren Regierungen und HV-Führungen war das noch eine durchaus zu befürchtende Option.
  • Es besteht auch die Möglichkeit von PVE in Form der Vernetzung mehrerer Einzelordinationen untereinander sowie mit nicht-ärztlichen Leistungserbringern, ohne dass diese unter einem Dach angeboten werden.
  • Die neuen Lösungen bieten Ärztinnen und Ärzten eine breitere Palette von Möglichkeiten, ihren Beruf auszuüben, je nach ihren individuellen Vorstellungen. Wir wissen z. B. aus Umfragen, dass PVE gerade für junge Kolleginnen und Kollegen eine sehr attraktive Option darstellen.
  • Hausärztinnen und Hausärzte werden entlastet, sie könnten künftig auf Wunsch in Teams arbeiten und so Familie und Beruf besser vereinbaren
  • Auch Patientinnen und Patienten haben die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von ärztlichen Angeboten jenes auszuwählen, das ihren Bedürfnissen am meisten entspricht.

Auch zahlreiche weitere Forderungen, die uns von Anfang an wichtig waren, konnten wir erfolgreich durchbringen: die Frage des Rückkehrrechts, wenn eine PVE scheitert; oder die Möglichkeit, dass PVE auch als Lehrpraxen für junge Allgemeinmediziner oder Studenten des Klinisch-praktischen Jahres fungieren können.

Die wohl größte Herausforderung war es, die sehr heterogene allgemeinmedizinische Versorgungsstruktur in einem österreichweiten Gesamtvertrag bestmöglich abzubilden. Gefordert sind jetzt die lokalen Sozialversicherungsträger und vor allem die Länder, damit möglichst rasch die regionalen Honorarvereinbarungen abgeschlossen werden können.

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