Kassenreform: So bitte nicht!

Die so genannte Kassenreform erfüllt also die von Regierungs-Seite gesteckten Erwartungen bereits im Frühstadium ihres Entstehens nicht. Das ist aus meiner Sicht aus mehreren Gründen wenig überraschend und wurde in der „Zeit im Bild 1“ vom Freitagabend einmal mehr bestätigt: Mehr als hundert Mitarbeiter, die die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) vom Hauptverband der SV-Träger übernommen hat, sollen jetzt stattdessen per Leihvertrag vom Dachverband – also de facto der Nachfolgeinstitution des HV – beschäftigt werden. Der Dachverband leide unter Personalknappheit und könne deshalb seinen Aufgaben nicht nachkommen, hieß es. Und die ÖGK muss sich dafür auf dem Arbeitsmarkt um Ersatz bemühen. Also in Summe deutlich mehr SV-Mitarbeiter und nicht weniger – so haben wir uns Abschlankung, Entbürokratisierung und Kostenersparnis schon immer vorgestellt.

Keine Reform, die diesen Namen auch wirklich verdient.

Und das abgesehen davon, dass man dieser „Kassenreform“ auch aus anderen guten Gründen mit Skepsis begegnen konnte: Sie war bereits im Ansatz Stückwerk und nicht einer besseren Versorgung verpflichtet, sondern der Österreich-weiten parteipolitischen Umfärbung der „roten“ GKK bei gleichzeitiger maximaler Schonung der politisch nahe stehenden „schwarzen“ Kassen. Also schon dem Grunde nach keine Reform, die diesen Namen auch wirklich verdient.

Zentralistische Moloche lösen leine Probleme, sie schaffen neue.

Wer glaubt, mittels Kassen-Zentralisierung zu einer schlankeren Verwaltung, höheren Effizienz und besseren Kundennähe beitragen zu können, hat den Zerfall des Zentralismus-versessenen kommunistischen Ostblocks nicht verstanden: Wir brauchen regionale und bürgernahe Strukturen, Patienten-zentriert und nicht zentralistisch – und das ganz besonders, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht. Eine Forderung, die im Übrigen bereits im März des Vorjahres in der von Ärztekammern und GKK unterschriebenen „Salzburger Deklaration“ sehr klar deponiert wurde: Doch leider war der Zug der politischen Entscheider zu Dirigismus und Kontrolle stärker als die Einsicht, dass zentralistische Moloche keine Sach- und Versorgungs-Probleme lösen, sondern nur neue Schwierigkeiten schaffen, nicht zuletzt finanziellen Mehraufwand.

Das zeigt bereits jetzt, bei den Vorbereitungen der „Kassenreform“, die kostspielige personelle Parallelstruktur, die gerade zwischen der ÖGK und dem Dachverband entsteht.

Regierung soll Nachdenkpause einlegen – keine Revolutionen von Oben.

Das alles kann nur eines bedeuten: Ähnlich wie beim Nichtraucher-Gesetz könnte die Bundesregierung darüber nachdenken, ob bei der Kassenreform der gewählte Weg und das gesteckte Ziel eine wirklich gute Wahl waren. Wir brauchen eine Kassenreform, die diesen Namen auch wirklich verdient. Und das auf der Basis einer Regionalisierung und Föderalisierung, über deren Details man wird diskutieren müssen. Die aber in jedem Fall sicherstellt, dass regionale Besonderheiten und Bedürfnisse maximale Berücksichtigung finden.

Unbedingt muss dieser Prozess die Ärztekammer sowie andere Player im Gesundheitssystem einbinden und deren Expertise nützen. Revolutionen von Oben braucht niemand. Sie führen, siehe den eingangs erwähnten ZIB-Bericht, zu nichts Gutem.

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Rapide abnehmendes Interesse am Allgemeinmediziner-Beruf: Bedarf kann immer weniger gedeckt werden

Der offensichtliche Interessens-Einbruch von Jungmedizinern am Beruf des Allgemeinmediziners ist alarmierend. Am Beispiel der Kandidaten-Zahlen bei den Prüfungen zum Allgemeinmediziner: 2019 werden insgesamt voraussichtlich nur noch rund 400 Studierende eine Prüfung zum Allgemeinmediziner ablegen – an nunmehr drei statt vier Prüfungsterminen, die Sommerprüfung für 2019 findet nicht statt. Beim heurigen Winter-Prüfungstermin gab es um 31 Prozent weniger Kandidaten als 2018, beim Frühjahrstermin um 10 Prozent weniger.

Zum Vergleich: 2015 gab es mit 876 Prüfungskandidaten noch deutlich mehr als doppelt so viele wie heuer insgesamt erwartet werden.

Dieser Trend wird, wenn die österreichische Gesundheitspolitik nichts rasch und konsequent etwas Wirksames unternimmt, die medizinischen Versorgung der Zukunft massivst gefährden.

Mehr als die Hälfte der GKK-Allgemeinmediziner werden in den nächsten zehn Jahren das Pensionsalter erreichen, von den Wahlärzten rund 40 Prozent. Das bedeutet einen mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf von 237 bzw. 124: Das ist die Anzahl zusätzlicher Ärztinnen und Ärzte, die zur Aufrechterhaltung des Status quo in fünf Jahren benötigt werden, um die pensionsbedingten Abgänge auszugleichen. Allerdings sind wir weit davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können.

Es ist zu hoffen, dass diese alarmierende Bilanz die gesundheitspolitisch Verantwortlichen nicht nur aufrüttelt, sondern auch zum Setzen geeigneter Maßnahmen animiert: Die Politik muss dafür sorgen, dass die Allgemeinmedizin ihrem Stellenwert entsprechend behandelt und gefördert wird. Das bedeutet, sie aktiv zu bewerben, aber auch derart attraktive berufliche Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich die Allgemeinmedizin im Wettbewerb mit anderen medizinischen Fächern behaupten kann.

Sonst darf sich niemand wundern, wenn der allgemeinmedizinische Nachwuchs auch weiterhin ausbleibt.

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50 Jahre Ärztefunkdienst: Eine rundum positive Bilanz

Der 1969 ins Leben gerufene Ärztefunkdienst ist das Paradebeispiel einer Erfolgsgeschichte ohne Wenn und Aber. Möglich wurde diese nicht nur durch den unermüdlichen Einsatz von Ärztinnen und Ärzten im vergangenen halben Jahrhundert, sondern auch durch das konstruktive Zusammenwirken mehrerer Player des Wiener Gesundheitssystems.

Gemeinsam ist es gelungen, nicht nur einen klar Patienten-orientierten und deshalb auch sehr stark nachgefragten Service auf- und auszubauen, sondern auch ein gesundheitspolitisch und gesundheitsökonomisch intelligentes Produkt zu implementieren. Ein Angebot, dass zum Beispiel Notfallambulanzen sinnvoll entlastet und dabei hilft, Kosten zu sparen, ohne dass dies der Qualität der Patientenversorgung abträglich ist.

Einige Zahlen zu den erbrachten Leistungen

  • Insgesamt sind rund 200 Ärztinnen und Ärzte für den Wiener Ärztefunkdienst tätig.
  • Diese absolvierten im 2018 rund 73.000 Visiten, um 1.500 mehr als im Jahr davor. Zusätzlich wurde der Ärztefunkdienst im Vorjahr zu 1.800 Totenbeschauen gerufen.
  • Die unter der Notfallnummer 141 beim Ärztefunkdienst eingegangenen Anrufe lagen im Vorjahr bei etwa 142.000, und damit um 5.000 über den Zahlen des vorangegangenen Jahres.

Eine quantitativ klar steigende Tendenz also.

Ausweitung der Leistungspalette

Die Leistungspalette wird aber auch strukturell deutlich ausgeweitet:

  • Zusätzlich zum telefonischen und hausärztlichen Service bietet wochentags ab 16.00 Uhr und an Wochenenden von 10.00 bis 22.00 Uhr die Allgemeinmedizinische Akutordination des Ärztefunkdienstes im AKH Wien ihre Leistungen an.
  • An Wochenenden und Feiertagen betreibt der Ärztefunkdienst außerdem eine Allgemeinmedizinische Ordination im 15. Bezirk und zwei kinderärztliche Wochenendnotdiensteinrichtungen im AKH Wien beziehungsweise im SMZ-Süd.
  • Seit Dezember des Vorjahres gibt es zur Entlastung der Notfallaufnahme sowie der Kinderambulanz auch eine Allgemeinmedizinische Akutordination im SMZ-Ost.

Vor dem Hintergrund der Knappheit an niedergelassenen Kassen-Allgemeinmedizinern und -Pädiatern, aber auch der Entlastung von Notfallambulanzen gewinnen solche Serviceeinrichtungen besondere Bedeutung. Das gilt zunächst einmal für den Einzelfall, wenn es darum geht, ergänzend zu den Öffnungszeiten der Ordinationen ein Versorgungsangebot bereit zu stellen.

Das gilt aber auch generell versorgungspolitisch und gesundheitsökonomisch: So konnte zum Beispiel in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens die Allgemeinmedizinische Akutordination des AKH Wien durch die Übernehme von rund 40.000 Patientinnen und Patienten die dortige Notfallambulanz massiv entlasten. Das bedeutete kürzere Wartezeiten für echte Notfälle und weniger Kosten.

Im Übrigen bedurften nur sieben Prozent der in der Allgemeinmedizinische Akutordination des AKH Wien betreuten Patienten einer weiteren spitalsinternen fachärztlichen Behandlung.

Strukturentlastend wirkt sich auch die Kooperation des Ärztefunkdienstes mit dem Wiener Roten Kreuz aus:  Im Callcenter eingehende Anrufe werden auch dahingehend überprüft, ob der konkrete Fall an den Ärztefunkdienst weitergeleitet wird, oder an den Rettungsdienst des Roten Kreuzes, oder ob überhaupt eine telefonische Beratung ausreicht.

Dank an alle, die diesen Erfolg möglicht gemacht haben

Die Bilanz zum Ärztefunkdienst nach fünf Jahrzehnten seiner Existenz fällt also in jeder Hinsicht rundum positiv aus. Für all die menschlichen, medizinischen, administrativen und gesundheitspolitischen Anstrengungen, die hinter diesem Erfolg stehen, möchte ich meinen tief empfundenen, herzlichen Dank aussprechen.

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Grünes Licht der Bundeskurie niedergelassene Ärzte: Neue Primärversorgung unter Dach und Fach

Bei der gestrigen Sitzung der Bundeskurie niedergelassene Ärzte der ÖÄK wurde für den bundesweiten Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten (PVE) Grünes Licht gegeben. Die Bundeskurie gab einstimmig ihre Zustimmung für den Vertragsabschluss. Die Trägerkonferenz aller Kassen hatte den Anfang April präsentierten Gesamtvertrag schon zuvor einstimmig beschlossen.Damit ist der Gesamtvertrag nun unter Dach und Fach.

Mit dem bundesweiten Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten ist ein über fünf Jahre andauernder Weg nun erfolgreich und partnerschaftlich abgeschlossen. Um Unklarheiten zu vermeiden: Mit dem Konzept früherer Gesundheitsminister und mancher Kassenfunktionäre, mittels Primärversorgungszentren den Gesamtvertrag zwischen Ärztekammer und Kassen auszuhebeln und herkömmliche Arztpraxen de facto abzuschaffen bzw. zu ersetzen, hat die neue PVE-Regelung nichts mehr gemeinsam.

Nun muss dieser Rahmenvertrag mit Inhalten gefüllt werden. Die lokalen Sozialversicherungsträger und vor allem die Länder sind jetzt am Zug, es gilt, die regionalen Honorarvereinbarungen so schnell wie möglich abzuschließen.

Die PVE werden das ärztliche Angebot im niedergelassenen Bereich – Einzel- und Gruppenpraxen – erweitern. Damit haben Ärztinnen und Ärzte  mehr Wahlmöglichkeiten, wie sie arbeiten wollen, und Patientinnen und Patienten können aus einer breiteren Palette von Angeboten das für sie am besten geeignete auswählen. Ein zufrieden stellender Abschluss einer endlos erscheinenden Geschichte.

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Hohen Erwartungen an das Elektronische Kommunikation Service eKOS bisher nicht erfüllt. Einsatz derzeit nicht zu empfehlen.

Das Elektronische Kommunikation Service eKOS soll die elektronische Erfassung, Übermittlung und Bearbeitung von Überweisungen und Zuweisungen unterstützen und die derzeitigen Papierprozesse elektronisch abbilden. eKOS lief bisher in einem Pilot-Betrieb, der jetzt zu Ende geht, die Ausrollung soll Anfang April beginnen. eKOS ist vom Ansatz her ein sehr sinnvolles Produkt und kann uns viele Vorteile bringen, zum Beispiel administrative und zeitliche Entlastung. Solange jedoch eKOS administrativ, technisch und bezüglich Benutzerfreundlichkeit hinter den Erfordernissen der Anwender zurückbleibt, besteht dringender Sanierungsbedarf, der auch den ursprünglichen Zeitplan in Frage stellt.

Denn die hohen Erwartungen an eKOS konnten in der Pilotphase in einigen Punkten nicht erfüllt werden. Bevor die Schwachstellen, von denen uns anwendende Ärztinnen und Ärzte berichten, nicht behoben wurden, können wir den Einsatz von eKOS nicht empfehlen.

Beispiele für Kritikpunkte, die – je nach Bundesland etwas unterschiedlich – während der  Pilotphase evident wurden:

  • Es gebe keine konsequente Evaluierung der Pilotphase, aus der konkrete Schlüsse für Optimierungen bei der Ausrollung gezogen werden können.
  • Zum Beispiel berichtet eine als Teststelle fungierende radiologische Praxis in Wien, dass sie innerhalb des Pilotbetriebs kaum Zuweisungen erhalte – es fehlt an Testzuweisern innerhalb des Pilotprojekts.
  • In Testungen der Zuweisungen zu Röntgen-Therapie, Röntgen-Untersuchungen und Sonographie der geplanten Leistungserweiterung in eKOS ab Juli 2019 zeigte sich, dass ärztliche Zuweisungen an Röntgeninstitute von mehr als einer Leistung – zum Beispiel eine Sonografie gemeinsam mit einer Röntgenuntersuchung – nicht in einem Durchgang möglich seien.
  • Weiters stellte sich heraus, dass kein Pflichtenheft mit genauen Anleitungen für die Programmierung erarbeitet wurde, wodurch während der Pilotphase immer wieder aufwändige Adaptierungen und Abstimmungen zwischen den involvierten Stellen erforderlich wurden. Außerdem müsse die Möglichkeit von Verbesserungen und eines inhaltlichen Updates auch nach dem Rollout festgeschrieben sein, was derzeit nicht der Fall sei.

Somit ist der ursprüngliche Zeitplan, der ein Rollout ab Anfang April vorsieht, nicht realistisch. Angesichts dieser vielen zu behebenden Details, Unklarheiten und offenen Punkte können wir derzeit den Kolleginnen und Kollegen nicht empfehlen, eKOS anzuwenden, weil ein friktionsfreier Einsatz nicht möglich erscheint. Sobald substantielle Verbesserungen bzw. Sanierungen erfolgt sind, werden wir darüber informieren.

 

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Mehr Alternativen für Arzt und Patient: Bundesweiter Gesamtvertrag für PVE abgeschlossen

Primärversorgungszentren bzw. Primärversorgungseinheiten waren lange Zeit für viele Ärztevertreter ein Reizwort. Unter manchen früheren Gesundheitsminister/innen und HV-Chef/s/innen sollten sehr fragwürdige Konzepte von PVZ bzw. PVE dazu dienen, Gesamtverträge zwischen Kammer und Kasse auszuhebeln. Im Raum stand außerdem das Risiko staatlicher Gängelung und/oder einer Konzernisierung und damit einhergehend ein Primat der Betriebswirtschaft, und nicht der Medizin.

Doch das ist Geschichte. Gestern haben wir nach langen und harten Verhandlungen mit dem Hauptverband den bundesweiten Gesamtvertrag für PVE beschlossen, und heute haben Hauptverband-Chef Alexander Biach und ich auf einer Pressekonferenz die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. Voraussetzung für das Inkrafttreten dieser Vereinbarung ist die Zustimmung der zuständigen Gremien, im Fall der ÖÄK also der Bundeskurie niedergelassene Ärzte.

Der Zwischenschritt eines bundesweiten Gesamtvertrages war unseres Erachtens wichtig, weil einige Themen im Raum standen, die es u.E. zu klären galt. Der als Rahmenvertrag zu verstehende bundesweite PVE-Gesamtvertrag gibt jetzt die Eckpunkte zur neuen teambasierten Primärversorgung vor, lässt aber genügend Raum für regionale Ausgestaltung, um auf die jeweiligen Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte sowie der Patientinnen und Patienten bestmöglich eingehen zu können. Damit ist ein breiter Versorgungsauftrag – auch abzustimmen zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung – endgültig sichergestellt.

Einige Gesichtspunkte erscheinen mir u. a. besonders wichtig:

  • PVE sind neben den weiterhin existierenden Hausärzten und den Gruppenpraxen nur eine Spielart der ärztlichen Primärversorgung. Sie ergänzen den Hausarzt, ersetzen ihn jedoch nicht – unter früheren Regierungen und HV-Führungen war das noch eine durchaus zu befürchtende Option.
  • Es besteht auch die Möglichkeit von PVE in Form der Vernetzung mehrerer Einzelordinationen untereinander sowie mit nicht-ärztlichen Leistungserbringern, ohne dass diese unter einem Dach angeboten werden.
  • Die neuen Lösungen bieten Ärztinnen und Ärzten eine breitere Palette von Möglichkeiten, ihren Beruf auszuüben, je nach ihren individuellen Vorstellungen. Wir wissen z. B. aus Umfragen, dass PVE gerade für junge Kolleginnen und Kollegen eine sehr attraktive Option darstellen.
  • Hausärztinnen und Hausärzte werden entlastet, sie könnten künftig auf Wunsch in Teams arbeiten und so Familie und Beruf besser vereinbaren
  • Auch Patientinnen und Patienten haben die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von ärztlichen Angeboten jenes auszuwählen, das ihren Bedürfnissen am meisten entspricht.

Auch zahlreiche weitere Forderungen, die uns von Anfang an wichtig waren, konnten wir erfolgreich durchbringen: die Frage des Rückkehrrechts, wenn eine PVE scheitert; oder die Möglichkeit, dass PVE auch als Lehrpraxen für junge Allgemeinmediziner oder Studenten des Klinisch-praktischen Jahres fungieren können.

Die wohl größte Herausforderung war es, die sehr heterogene allgemeinmedizinische Versorgungsstruktur in einem österreichweiten Gesamtvertrag bestmöglich abzubilden. Gefordert sind jetzt die lokalen Sozialversicherungsträger und vor allem die Länder, damit möglichst rasch die regionalen Honorarvereinbarungen abgeschlossen werden können.

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Anmerkungen zum Internationalen Frauentag: Möglichst breite Palette von Arbeits-Optionen erleichtert Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Als 1897 die erste österreichische Absolventin eines Medizinstudiums in Wien ihre Arztpraxis eröffnete, war das eine Sensation. Inzwischen studieren mehr Frauen als Männer Medizin, mehr Frauen als Männer beenden das Medizinstudium, und es gibt fast so viele niedergelassene Ärztinnen wie Ärzte. Eine sehr positive Entwicklung also, aber natürlich liegen in diesem Bereich noch viele Aufgaben vor uns.

Ein zentrales standespolitisches Ziel ist aus meiner Sicht eine möglichst breite Palette von Arbeitsoptionen im niedergelassenen Bereich, die es jungen Ärztinnen – und natürlich auch Ärzten –  ermöglicht, ihren individuellen Wünschen gemäß zu leben und zu arbeiten.

Bei einer Umfrage zum Thema Berufsmotivation, die im Auftrag der Ärztekammer von der Medizinischen Universität Graz durchgeführt wurde, gaben 57 Prozent der Medizinstudierenden und 45 Prozent der Turnusärztinnen und -ärzte an, dass ganz besonders die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für sie den Hausarzt-Beruf attraktiv erscheinen lasse. „Gute Arbeitszeiten und flexible Zeiteinteilung“ waren für 62 bzw. 50 Prozent wichtig. Solche Umfrageergebnisse bestätigen meine Überzeugung, dass dieses Thema bei der Planung des niedergelassenen ärztlichen Bereiches prioritär berücksichtigt werden muss.

Ein wichtiger aktueller Schritt Richtung familienfreundliche Arbeitsbedingungen ist die Möglichkeit der Anstellung von Ärztinnen und Ärzten bei ordinationsführenden Kolleginnen und Kollegen. Damit eröffnet sich eine zusätzliche attraktive Arbeits-Option, gerade auch für Medizinerinnen, die Teilzeit arbeiten möchten. Warum der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger das derzeit nur bei Allgemeinmedizinern und nicht auch bei Fachärzten akzeptiert, ist unverständlich.

Die Möglichkeit der Anstellung in einer Ordination bietet auch einen geeigneten Einstieg für Jungärztinnen und -ärzte, die nicht gleich ein unternehmerisches Risiko eingehen möchten. Im Übrigen liegt der Anteil weiblicher Ordinationsinhabern derzeit bei 37 Prozent, da gibt es also noch Potenzial.

Generell wünschen sich Studierende und Turnusärzte beiderlei Geschlechts, auch das zeigt die angesprochene Umfrage, sehr vielfältige Arbeits-Möglichkeiten: die Palette reicht hier von der selbstständigen Arbeit in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis über die Anstellung in einer Praxis bis hin zu multiprofessionellen Primärversorgungseinheiten. Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen täten gut daran, diesen unterschiedlichen Vorlieben planerisch ausreichend Rechnung zu tragen. In Zeiten des Ärztemangels wäre es fatal, dringend benötigte Medizinerinnen und Mediziner abzuschrecken, weil man ihnen keine individuell passende Arbeitsform anbietet. Die Vorbereitung der „Österreichischen Gesundheitskasse“ bietet einen aktuellen Anlass, die Politik an diese Tatsache zu erinnern.

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Endlich Bewegung bei den ELGA e-Befunden

Es ist sehr positiv, dass dieser Tage Bewegung in die Entwicklungen um das langjährige Thema e-Befund in ELGA gekommen ist. Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein verdient Anerkennung dafür, eine Rundum-Evaluierung der ELGA e-Befunde der ELGA GmbH in Auftrag gegeben zu haben, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Das ist, anders als bei früheren Generationen von Gesundheitsministern, ein echter Durchbruch. Denn jetzt konnte endlich von einem interdisziplinären Team von Fachleuten zweifelsfrei festgestellt werden, wo noch Defizite und Sanierungsbedarf bestehen. Und auch, welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden müssen, damit ELGA e-Befunde in einer Qualität einsatzfähig sein wird, die Patienten und Ärzten sowie der Gesundheitsversorgung insgesamt einen Nutzen bringt.

Im Auftrag der Bundesministerin hat der ELGA-Koordinierungsausschuss eine Reihe von Maßnahmen zur Sanierung von ELGA e-Befunde (nicht zu verwechseln mit der ersten ELGA-Anwendung e-Medikation und dem Elektronischen Kommunikation Service e-KOS) beschlossen und eine Evaluierung des e-Befundes unter Einbeziehung des Fraunhofer Instituts gefordert. Diese „Taskforce e-Befund Evaluierung“ hat Ihre Arbeiten mit einem Bericht und Maßnahmenkatalog abgeschlossen. Die Grundlage für diesen Evaluierungsbericht bilden Interviews mit Ärzten und Produktanbietern sowie der Expertise von Fachleuten aus den unterschiedlichen betroffenen Bereichen. Vertreter der Ärztekammer waren ebenfalls zur Mitwirkung in der Taskforce eingeladen.

Im Kern wurden fünf grundsätzliche strategische Anforderungen an ELGA e-Befunde definiert: die Vollständigkeit und Übersichtlichkeit, die technische Qualität der e-Befunde, ein minimaler Zeitaufwand sowie mehr Vertrauen in ELGA.

Datenschutz, verbindliche Finanzierung, Benutzerfreundlichkeit, Patient-Summary

Aus ärztlicher Sicht müssen jedenfalls eine Reihe von Minimalanforderungen erfüllt sein, damit wir ELGA e-Befunde zustimmen können. Neben einem optimalen Datenschutz und einer verbindlichen Klärung der Finanzierung gibt es einen Katalog von technischen Mindestanforderungen, die professionell umgesetzt werden müssen. Das beziehe sich primär auf die Benutzerfreundlichkeit, die „Usability“. Die Datenaufbereitung muss in strukturierter Weise erfolgen, alle Informationen müssen standardisiert am gleichen Ort zu finden sein. Es bedarf einer übersichtlichen und dennoch platzsparenden, kompakten Darstellung der e-Befunde.

Unabdingbar ist eine automatisch erstellte Zusammenfassung von Befunden im Sinne einer „Patient-Summary“, die zeitraubendes Suchen ausschließt. Überhaupt muss eine einfache, schnelle Suchfunktion verfügbar sein. Wir brauchen eine übersichtliche und dennoch platzsparende, kompakte Darstellung der gut strukturierten e-Befunde.

Generell muss der ärztliche Zeitaufwand für ELGA minimiert werden.

Ich gehe davon aus, dass die Frau Gesundheitsministerin nach den ersten von ihr veranlassten erfolgreichen Schritten den vielversprechend eingeschlagenen Weg weitergeht und für die Umsetzung der geforderten Optimierungen sorgt. Die Ärztekammer wird sie dabei sehr gerne und engagiert unterstützen.

 

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Ausbau der kassenärztlichen Versorgung: Patientenmilliarde muss JETZT ins Gesundheitssystem investiert werden

Grundsätzlich ist es ja erfreulich, dass unsere jahrelangen Warnungen vor einem Ärztemangel in Österreich bei der Politik angekommen sind – inzwischen selbst bei  der SPÖ, die in der Vergangenheit dieses Problem stets geleugnet hat und von einem „Verteilungsproblem“ bei „der höchsten Ärztedichte Europas“ halluziniert hat.

Fein, dass jetzt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner den Ärztemangel – und da konkret den Hausärztemangel – auf ihre oppositionspolitische To-Do-Liste gesetzt hat. Leider fiel ihr das erst jetzt als Oppositionschefin ein, und nicht bereits in ihrer Zeit als Gesundheitsministerin – aber besser spät als nie.

Die von Rendi-Wagner präsentierten Lösungsansätze gehen aber nicht weit genug: Primärversorgungszentren (PHC) und Digitalisierung werden unsere Probleme nicht lösen. Vielmehr brauche es dringend und rasch ganz konkrete Schritte, um dem Ärztemangel zu begegnen. An allererster Stelle fordere ich diesbezüglich von der aktuellen Bundesregierung, dass die angekündigte „Patientenmilliarde“ jetzt fließen muss und in die Gesundheitsversorgung investiert wird.

In diesem Zusammenhang fordere ich auch den dringend nötigen Ausbau der Kassenplanstellen in unterversorgten Bereichen und Regionen, und das bei Rahmenbedingungen, die von Ärztinnen und Ärzten als ausreichend attraktiv gesehen werden.

Ich appelliere an die Bundesregierung, unsere Warnungen ernst zu nehmen und aktiv zu werden, damit die Gesundheitsversorgung der Österreicherinnen und Österreicher auf dem hervorragenden Niveau bleiben kann, um das wir weltweit noch beneidet werden. Ohne gezielte Maßnahmen steuern wir nämlich auf Versorgungsengpässe zu, und auch eine dauerhafte Entlastung der schon jetzt überlasteten Spitalsambulanzen wird nicht möglich sein.

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Appell an die Politik: Anpassung des Hausärzte-Honorarkataloges als Akutmaßnahme zur Sicherung der kompetenten Pflege zu Hause

Verfolgt man die Schlagzeilen und Presseaussendungen der der vergangenen Tage und Wochen, so wird klar, dass die Politik die Bedeutung des Themas Pflege erkannt hat – nicht nur in Österreich. Das Thema ist in der Tat brisant und erzeugt ein hohes Maß an Betroffenheit: Fast jede/r kennt jemanden aus dem Familien- und Freundeskreis, für den das Thema Pflege Aktualität besitzt. Und wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass immer mehr Menschen mit Beunruhigung dem eigenen Alter entgegensehen, weil sie nicht wissen, wie das gegebenenfalls mit der Pflege aussehen wird. Dass also die Politik sich dieses Themas annimmt, ist für sie wohl von existentieller Bedeutung. Und weil immer mehr Menschen immer älter werden, wird sich dieses Thema nicht – wie die Politik das in Österreich oft so schätzt – irgendwie „von selbst erledigen“.

Es sind also von der Politik geeignete Maßnahmen – u. a. gegen den Hausärzte-Mangel zu fordern – allerdings wären viele davon nur von mittel- bis langfristiger Wirksamkeit (wenn sie denn ergriffen würden).

Und weil viele Menschen, wenn sie alt und immobil werden, sich nicht in ein Pflegeheim oder ein Spital „verpflanzen“ lassen möchten, hat die Pflege und Betreuung zu Hause einen hohen Stellenwert – von sozialpolitischen und finanziellen Aspekten abgesehen, denn Betreuung zu Hause ist bekanntlich viel kostensparender, als wenn jemand Pflegebedürftiger ohne medizinischen Grund ein Spitalsbett belegt.

Und hier sind wir beim Stellenwert der Hausärzte bei der Betreuung und Pflege immobiler Menschen zu Hause: Wer soll Krankheiten diagnostizieren, Krankheitsverläufe beobachten und bewerten, Medikamente verschreiben, Therapien anpassen und die Pflege instruieren, wenn nicht eine Ärztin oder ein Arzt? Eine sehr aufwändige und für Ärzte oft ausgesprochen belastbare, aber extrem wichtige Tätigkeit. Auf den Punkt gebracht: Ohne den Einsatz und die Expertise von Hausärztinnen und Hausärzten ist eine kompetente Betreuung immobiler Menschen zu Hause de facto nicht möglich.

Tatsächlich sind aber die wichtigen ärztlichen Leistungen, die in diesem Zusammenhang erbracht werden, im Honorarkatalog der Krankenkassen und im Honorierungssystem der Gemeinden nicht realistisch abgebildet. Viele Hausärzte sind aufgrund zunehmender Patientenzahlen und üppiger Bürokratie schon jetzt überlastet, und für eine geradezu unzumutbar niedrige Honorierung wird man von ihnen nicht erwarten können, die aufwändigen Zusatzleistungen in der Pflege zu Hause zu leisten.

Mein Appell an Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen: Als Akutmaßnahme müssen die Honorare für ärztliche Tätigkeiten für die Pflege zu Hause präzise definiert und auf ein Niveau angehoben werden, das dem tatsächlichen Aufwand entspricht. Die „Kassenreform“ und die Umwandlungen der GKK in die Österreichische Gesundheitskasse bietet dafür einen geeigneten Anlass und Rahmen.

Diese Anpassung der Honorare ist die Voraussetzung dafür, dass sich mehr Hausärzte zu dieser Tätigkeit bereit erklären. Wenn die Politik das Thema Pflege tatsächlich ernst nimmt, wird sie auch die finanziellen Mittel dafür aufstellen können.

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