Abschluss der WGKK-Verhandlungen großer Erfolg für Ärzteschaft

Ergebnisse der Tarifverhandlungen für die Jahre 2018 bis 2020

 

Fachgruppe 1. Juli 2018 1. Juli 2019 1. Oktober 2020
Allgemeinmedizin + 10% + 10% + 10%
Augenheilkunde +2% +2% + 20,08% (OCT)
Chirurgie + 14% +2% +2%
Gynäkologie + 4,8% +75,55% (Schall) +2%
Kinderheilkunde + 10% + 10% + 10%
Alle anderen FG +2% +2% +2%
Radiologie +2% +4% Digizuschlag als Einmaleffekt +2%
Pathologie +2% +2% +2%
Labor Tunnelsystematik verlängert
Physikalische Med. +8,6% +2,2% +2,2%

 

Ein historischer Durchbruch: Nach einer rund sechsmonatigen Verhandlungsphase präsentieren wir heute gemeinsam mit der Wiener Gebietskrankenkasse und erstmalig der Stadt Wien das Ergebnis der Honorarverhandlungen für die Jahre 2018 bis 2020 für alle Fachrichtungen. Die Ergebnisse werden den niedergelassenen Bereich in Wien wieder attraktiver machen und bieten eine zumindest dreijährige Planungssicherheit für alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.

  • Das Verhandlungsergebnis ist aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Die Tariferhöhung liegt je nach Fachgruppe immer über der prognostizierten Inflationsrate und bringt für etwa die Ärzte für Allgemeinmedizin und Kinderärzte sogar eine Tarifanhebung von jeweils 10 Prozent pro Jahr bis 2020 – somit in Summe eine Anhebung um mehr als 30 Prozent.
  • Darüber hinaus werden unter anderem von der Stadt Wien auch erstmalig Ordinationsgründungen von Allgemeinmedizinern und Kinderärzten gefördert, Jobsharing-Modelle erleichtert sowie Pilotprojekte zur Einführung von Telemedizin gestartet.
  • Neu ist auch ein Anreizsystem für größere versorgungswirksame Kassenordinationen: Für Ordinationen und Gruppenpraxen in der Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde, die überdurchschnittlich versorgungswirksam sind und freiwillig zumindest 25 Stunden pro Wochen offen halten, sind Bonuszahlungen Damit soll ein Anreiz gesetzt werden, mehr Patientinnen und Patienten in Kassenordinationen zu betreuen.
  • Auch für andere niedergelassene Bereiche konnten Verbesserungen erreicht werden: Durch die Einführung des gynäkologischen Ultraschalls ab 1.7.2019 im Rahmen einer Honorarposition steigen die Kassenhonorare der Gynäkologen im Jahr 2019 um 75 Prozent, jene der Augenärzte 2020 durch die Einführung der OCT-Untersuchung um 20 Prozent. Eine besondere Herausforderung stellten die Gespräche im Rahmen der endoskopischen Leistungen von Chirurgen und Internisten dar – hier wurde eine Erhöhung der Endoskopieleistungen um knapp 50 Prozent erreicht und damit der alte Streit zwischen Endoskopikern und WGKK beigelegt.
  • Zusätzlich zu diesen Tariferhöhungen konnten auch eine Reihe von Einmalzahlungen in beachtlichem Ausmaß erzielt werden: Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag erhalten rund 7.000 Euro mit Auszahlung des 4. Quartals 2018, Fachärzte mit Auszahlung des 1. Quartals 2019 ebenfalls rund 7.000 Euro.
  • Freiwillig ist auch ein Codierungsprojekt für Allgemeinmediziner, in welchem Kolleginnen und Kollegen, die freiwillig codieren, eine Abgeltung von der WGKK erhalten. Auch hier wurde einer Forderung der Ärzteschaft nachgekommen.
  • Das Jobsharing-Modell wurde im Zuge der Verhandlungen weiterentwickelt und liberalisiert: Unter anderem wird die Vertretung des Jobsharing-Partners künftig ermöglicht und dieser kann auch eine Wahlarztordination an einem anderen Standort betreiben. Auch die Regelungen für Ordinationszeiten und Vertretungen in Gruppenpraxen wurden liberalisiert. Die bisher geforderte „tunlichst gegenseitige Vertretung“ wurde gestrichen.
  • Als zusätzliches Serviceangebot für die Patienten werden ab 1.7.2019 in einem Pilotprojekt für die Fachgruppen Allgemeinmedizin, Kinderheilkunde und Gynäkologie telemedizinische Konsultationen die Kommunikation modernisieren und diese Leistung für den Vertragsarzt auch abrechenbar machen.

Das Verhandlungsergebnis ist ein wichtiger Schritt, um die Wiener Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern, gibt den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten Planungssicherheit und trägt zur Attraktivierung des niedergelassenen Bereichs bei.

Für die Bereitschaft zu diesem Abschluss möchte ich dem scheidenden Bürgermeister Dr. Michael Häupl, dem nächsten Bürgermeister Dr. Michael Ludwig, der scheidenden Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger und WGKK-Obfrau Mag. Ingrid Reischl danken. Sie haben offensichtlich erkannt, dass für die niedergelassene ärztliche Versorgung in Wien etwas unternommen werden muss und haben in einer nicht einfachen Zeit  Handlungsfähigkeit bewiesen.

 

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Sozialversicherungs-Reform: Zentralismus löst keine Kassenprobleme

Bundeskanzler Sebastian Kurz äußerte heute sein Vorhaben, im Zuge der Kassenreform die Zahl der Sozialversicherungsträger auf „fünf oder weniger“ zu reduzieren.

Die Ärztevertretung begrüßt grundsätzlich eine sinnvolle Weiterentwicklung des Sozialversicherungssystems, die zu einer Optimierung der sozialen Gesundheitsversorgung beiträgt. Allerdings darf es aus Ärztesicht nicht dazu kommen, dass dabei die solidarische Finanzierung, die soziale Medizin und die Selbstverwaltung der Krankenkassen in Frage gestellt oder sogar abgeschafft werden.

Weiterentwickeln und verbessern ja, zerschlagen nein.

Aus Sicht der Ärztevertretung müssen, damit unterschiedlichen regionalen Versorgungssituationen und -bedürfnissen ausreichend Rechnung getragen werden kann, die Budget- und Beitragshoheit der regionalen Kasse, die Vertragshoheit samt den Honorarverhandlungen der regionalen Kassen mit der regionalen Ärztekammer, sowie die Planungshoheit samt kassenärztlichem Stellenplan in den Bundesländern verbleiben.  Nur so kann eine effiziente und Patienten-nahe Gesundheitsversorgung auch in Zukunft sichergestellt werden: Zentralismus, der regionale Gegebenheiten ignoriert, kann keine Lösung sein.

Grundsätzlich sollte die Politik einen evolutionären Ansatz bevorzugen und von der Selbstorganisation von Systemen ausgehen, Revolutionen von Oben funktionieren nicht und werden auch bei der  Kassenreform zu keinem guten und nachhaltigen Ergebnis führen. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn die Politik auch die Erfahrung und Expertise der Ärztinnen und Ärzte und ihrer Vertretung in allen Phasen der Vorbereitung der geplanten Kassen-Reform einbezieht.

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Wem Datenschutz wichtig ist, der muss aus Befund-ELGA heraus optieren

Wer sicher sein möchte, dass seine persönlichen Gesundheitsdaten nicht an Dritte weitergegeben werden, muss aus der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) heraus optieren.

Das aktuellen Kommunikations-Chaos der Bundesregierung zur Frage, wann sensible Gesundheitsdaten aus der Befund-ELGA aus welchen Gründen zu Forschungszwecken an Dritte weitergegeben werden dürfen, ist eine Zumutung. Transparente, seriös vorbereitete und erfolgreich verkaufte Politik, die von den Bürgern auch verstanden wird, sieht anders aus.

Die Verwendung von Daten der Befund-ELGA für Forschungszwecke muss, so wie es auch Gesundheitsministerin Beate Hartringer-Klein gefordert hat, ausdrücklich verboten werden. Wird das Forschungsorganisationsgesetz, so wie von der Regierung vorgesehen, diese Woche im Nationalrat beschlossen, können ab 2019 Universitäten, Fachhochschulen, Museen, Forschungsabteilungen von Konzernen und sogar Einzelpersonen im In-und Ausland um eine Bewilligung ansuchen, Befund ELGA-Daten für Forschungszwecke zu verwenden.

Ich nehme die Bedenken von Datenschützern sehr ernst, die kritisieren, dass das bloße Löschen der Namen für eine zuverlässige Anonymisierung nicht ausreicht. Machen wir uns keine Illusionen: Wo es einen gelockerten Zugriff auf Daten gibt, dort gibt es auch Potenzial für Datenmissbrauch. Bei Gesundheitsdaten ist das besonders heikel.

Die Regierung sollte sich also besser um die Benutzerfreundlichkeit der Befund-ELGA kümmern, und nicht um Erleichterungen bei der Weitergabe von Gesundheitsdaten. Denn der Verbesserungsbedarf ist hier unverändert enorm.

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Viel versprechende Verhandlungen mit der WGKK

Wie versprochen halte ich Sie über die Verhandlungen mit der WGKK auf dem Laufenden.

Nach intensiven Wochen und stundenlangen Verhandlungen sieht es derzeit so aus, dass wir noch Ende April zu einem Ergebnis kommen könnten. Die Gespräche finden in einem intensiven, aber durchaus konstruktiven Klima statt und schreiten zügig voran. Es ist mittlerweile auch völlig unstrittig, dass es JETZT eine massive Aufwertung der Haus- und Kinderärzte braucht.

Auch sind wir bei den Gesprächen zu einer Liberalisierung des Gruppenpraxis-Vertrages weit voran geschritten. So sollen zukünftig die Ordinationszeiten und die Vertretungen wesentlich flexibler gestaltbar sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt in den Gesprächen ist die Möglichkeit des Parallelarbeitens im hausärztlichen Bereich. Hier versuchen wir erstmalig auf Basis des bestehenden Gesamtvertrages rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zu guter Letzt möchte ich Sie auch darüber informieren, dass wir intensiv über die Möglichkeit einer Tele-Ordination verhandeln. Wir sind der Meinung, dass im Jahr 2018 sowohl eine Information per Telefon, als auch per eMail mit der Krankenkasse abrechenbar sein sollte und deshalb in den Honorarkatalog aufzunehmen ist.

Sollten wir tatsächlich Ende April die Verhandlungen abschließen können, werden wir Sie natürlich schnellstmöglich informieren.

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AUVA: Weg mit den versicherungsfremden Leistungen, her mit ehrlichen und leistungsgerechten Honorierungen.

Derzeit redet alles über die geplante Abschaffung der AUVA. Ein Thema, das nicht nur die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte, sondern auch den niedergelassenen Bereich betrifft. Es zeigt klar auf, dass in unserem System die versicherungsfremden Leistungen zu einem echten Problem werden. Die AUVA-Spitäler erbringen Leistungen auf höchsten Niveau, für die allerdings nun die ausreichende Finanzierung wackelt.

Auch der Chef des Hauptverbandes, Dr. Alexander Biach, spricht nun diese Problematik völlig zu Recht an.

Im Niedergelassenen-Bereich kritisieren wir schon seit Jahren, dass Leistungen wie der Mutterschutz oder die Arbeitslosenversicherung zu einem chronischen Budgetloch der Krankenkassen führen. Dieses Budgetloch wirkt sich seit vielen Jahren dramatisch auf die Leistungen im niedergelassenen Bereich aus.

Gerade in Zeiten, in denen es zu großen Umwälzungen in unserem System kommen soll, muss man diesen Missstand endlich beseitigen. Also weg mit den versicherungsfremden Leistungen und endlich her mit ehrlichen und leistungsgerechten Honorierungen.

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Patientendaten gehen nur Patienten und Ärzte etwas an

Mit Erleichterung nehme ich zur Kenntnis, dass Gesundheitsministerin Hartinger-Klein der Weitergabe von sensiblen ELGA-Patientendaten jetzt eine klare Absage erteilt hat. Denn die im ELGA-System gespeicherten Daten gehen nur die Patientinnen und Patienten und die sie behandelnden Ärztinnen und Ärzte etwas an.

Positiv sehe ich auch die Bereitschaft des Gesundheitsministeriums, gemeinsam mit der Ärzteschaft grundsätzliche Verbesserungen des e-Befundes der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA zu evaluieren, denn da gibt es noch immer enormen Verbesserungsbedarf. Das gesamte System ist auf keinem aktuellen technischen Stand, bietet keinen guten Ein- und Überblick über die Krankengeschichte von Patienten, kostet die Ärzte enorm viel Zeit, die dann am Patienten fehlt und hat nicht einmal eine funktionierende Suchfunktion.

Die Evaluierungsphase hat begonnen und ich bin zuversichtlich, dass wir auch hier zu einer gemeinsamen Lösung kommen werden, wie wir es auch etwa bei der e-Medikation geschafft hatten.

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WHO-Weltgesundheitstag 2018: Eine flächendeckende Gesundheitsversorgung werden wir auch in Österreich nicht geschenkt bekommen

 

Mit dem Weltgesundheitstag 2018 zum Thema „Universal Health Coverage“ macht die WHO auf den hohen Stellenwert einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung aufmerksam. Ihr Appell: Jeder Mensch soll Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen können, und zwar unabhängig Wohnort und ohne dabei in eine finanzielle Notlage zu geraten.

Wie aus einem gemeinsamen Bericht der WHO und der Weltbank hervorgeht, hat mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keinen umfassenden Zugang zu essenziellen Gesundheitsdienstleistungen. Außerdem würden jedes Jahr zahlreiche Haushalte durch notwendige gesundheitsbezogene Ausgaben in die Armut abgedrängt.

Aus meiner Sicht ist eine möglichst hochwertige flächendeckende Gesundheitsversorgung für alle Menschen, unabhängig von ihrem gesellschaftlichen und finanziellen Status, ein medizinisches und ethisches Muss. Wo das nicht Realität ist, muss dieses Ziel politisch angestrebt werden. Es gibt heute Diagnosen und Therapien auf höchstem Niveau, und es geht darum, dass möglichst viele Menschen in aller Welt davon profitieren können.

Natürlich ist das auch in Österreich im Wesentlichen politischer und gesellschaftlicher Konsens, aber ist das auch die Versorgungs-Realität? Aus meinen tagtäglichen Beobachtungen und aus zahlreichen Analysen weiß ich, dass wir uns hierzulande von diesem angestrebten Zustand tendenziell eher entfernen, als ihn weiter zu optimieren. Natürlich befinden wir uns in Österreich in einer Gesundheitsversorgungs-Situation, um die uns die Bevölkerung in großen Teilen der Welt beneidet, und das aus gutem Grund. Doch darf das kein Motiv für Selbstzufriedenheit sein, denn die soziale Medizin ist auch bei uns bedroht und perspektivisch gefährdet: Stichworte sind hier der sich verschärfende Ärztemangel, zu wenig ärztlicher Nachwuchs, Personalknappheit in Krankenhäusern, zum Teil völlig unzumutbar lange Wartezeiten auf Untersuchungs- und Behandlungstermine, zunehmendes Desinteresse von Ärzten an einem Kassenvertrag und deshalb immer weniger Kassenärzte.

Diese Entwicklung müssen nicht nur wir Ärztevertreter im Auge behalten, vor Defiziten warnen, diese ansprechen sobald sie sich bemerkbar machen, und konsequent gegensteuern.

Wer sich eine private Medizin nicht leisten kann, spürt die Auswirkungen der aktuellen negativen Entwicklungen oft schon jetzt am eigenen Leib, und aus heutiger Sicht wird sich dieser Zustand verschärfen. Nach seriösen wissenschaftlichen Berechnungen werden in Europa schon in ein paar Jahren eine Million „Gesundheitsdiensleister“ – also Ärzte, Pflegepersonen, etc. – fehlen. Für Ersatz zu sorgen wäre eine Aufgabe der Politik, doch sehe ich keine Lösungsansätze.

Bei der Gesundheit zu sparen, gilt in der österreichischen Politik offenbar weithin als Tugend – die Kassen geraten geradezu in einen Freudentaumel, wenn sie von unserem Versichertengeld einmal weniger ausgeben als ursprünglich vorgesehen, und die Gesundheitspolitik schwärmte früher jahrelang von einem „Kostendämpfungspfad“. Hier brauchen wir einen Paradigmenwechsel: Das Gesundheitssystem soll nicht nur zur Gesundheit der Bürger beitragen, es ist auch ein wichtiger Wirtschaftsbereich, der Innovation und Arbeitsplätze bedeutet und in den investiert werden muss. Und dass Gesundheit in einer Gesellschaft, die größer, älter und damit versorgungsintensiver wird, zunehmend mehr und nicht weniger kosten kann – will man das Niveau halten und an die neuen medizinischen Möglichkeiten anpassen – ist klar.

Privatisierungen im Gesundheitssystem sind hier nicht die Lösung – Investoren stehen zwar Schlange, doch ist der Primat der Betriebswirtschaft in der Krankenbetreuung alles andere als wünschenswert. Und wie sich die geplanten Kassen-Zusammenlegungen in der Versorgungsrealität der österreichischen Regionen auswirken werden, sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, wird man sehen.

All das gilt es aufmerksam zu beobachten, und für die von der WHO anvisierte „flächendeckenden Gesundheitsversorgung“ gilt es gesellschaftlich und politisch zu kämpfen, wenn immer nötig. Wir werden diese in Zukunft nicht geschenkt bekommen. Der Weltgesundheitstag 2018 bietet einen guten Anlass, daran zu erinnern.

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Zwei neue Resolutionen der BKNÄ zu Wartezeitenmanagement und Kassenzusammenlegung

Anlässlich der Diskussion in den letzten Wochen über zu lange Wartezeiten in Kassenordinationen während Schulferien bzw. Grippewellen, verwehrt sich die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte (BKNÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in einer Resolution gegen den nicht haltbaren Vorwurf an die niedergelassene Ärzteschaft, in „Stoßzeiten“ zu wenig geöffnete Kassenordinationen zur Verfügung zu stellen.

Dieser Vorwurf ist unseriös und nicht haltbar. Alleine in Wien und Niederösterreich standen in dem zur Diskussion stehenden Zeitraum der Wiener und niederösterreichischen Semesterferien 2018 jeweils rund 70 Prozent aller Kassenordinationen den Patienten zur Verfügung. Damit war etwa in Wien, der mit der Wiener Gebietskrankenkasse vereinbarte Schlüssel von mindestens 50 Prozent geöffneter Kassenordinationen sogar übererfüllt.

Die in dieser Diskussion von politischer Seite vorgebrachte Idee eines bundesweiten Wartezeitenmanagements ist nicht praktikabel und nicht lösungsorientiert. Denn das eigentliche Problem von Wartezeiten in Kassenordinationen sind nicht zu wenig geöffnete Ordinationen oder ein schlechtes Wartezeitenmanagement der Ärzteschaft. Vielmehr ist es der schon bestehende und in Zukunft sich verschärfende Ärztemangel – insbesondere im niedergelassenen Kassenärztebereich.

In diesem Zusammenhang beschloss die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte einstimmig folgende Resolution:

„Die Bundeskurie niedergelassene Ärzte lehnt das vor Kurzem vorgestellte Konzept, niedergelassenen Kassenärzten verpflichtend ein online Anmelde- und Terminsystem für Patienten vorzuschreiben, mit Nachdruck ab. Dieser Vorschlag hält einem Realitäts-Check nicht stand und zeugt von Unkenntnis der Situation in Kassenarztpraxen. Jedes zeitlich engmaschige Anmeldesystem stößt sehr schnell an seine Grenzen, weil die individuellen Probleme von Patienten und der damit einhergehende ärztliche Betreuungsaufwand häufig nicht vorhersehbar sind. Jedes Zeit-Management wird hier obsolet. Der Vorschlag ist ein durchsichtiger Versuch, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die Verantwortung für strukturelle Probleme in der Gesundheitsversorgung zuzuschieben, für die nicht die Ärzteschaft, sondern die Gesundheitspolitik verantwortlich ist.“

In einer zweiten einstimmig angenommenen Resolution der Bundeskurie warnen die niedergelassenen Ärzte im Zuge der Debatte über die möglichen bevorstehenden Kassenzusammenlegungen vor Nachteilen für die Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung:

„Die BKNÄ der Österreichischen Ärztekammer begrüßt grundsätzlich jede sinnvolle Weiterentwicklung des Sozialversicherungssystems. Dazu bedarf es jedenfalls der Einbeziehung der Expertise der Ärztekammer bereits während der vorbereitenden Diskussionen zur geplanten Gesetzesänderung. Die Bundeskurie warnt allerdings davor, dass es zu einer Zerstörung des Kassensystems und damit der sozialen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung kommt, wenn nicht folgende Eckpunkte außer Streit gestellt werden.

In den Bundesländern müssen verbleiben:

– die Budget- und Beitragshoheit der regionalen Kasse,

– die Vertragshoheit (Honorarverhandlungen) der regionalen Kasse mit der regionalen Ärztekammer,

– die gemeinsame Planungshoheit (kassenärztlicher Stellenplan).

Nur so kann eine leistungsfähige, moderne und patientennahe Versorgung auch in Zukunft gewährleistet werden.“

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Gesamtvertrag zu EDV-Anwendungen in Kassenarzt-Praxen ist wichtiger Schritt in eine digitale Zukunft

Ich konnte heute, nach der Pressekonferenz zum Thema Lehrpraxis vor einigen Tagen, erneut bei der Bekanntgabe eines wichtigen Schrittes dabei sein: Der neuen gesamtvertraglichen Vereinbarung für EDV-Anwendungen in Arztpraxen samt Anschubfinanzierung und Kostenbeteiligung durch die öffentliche Hand.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ging heute um die Implementierung von e-Medikation und das Elektronische Kommunikation Service e-KOS, und ausdrücklich nicht um den e-Befund von ELGA, den die Ärztekammer unverändert für nicht praxistauglich hält und wo wir noch massiven Nachbesserungsbedarf sehen. Aber die Frau Bundesminister hat uns bereits zugesagt, dieses Projekt einer umfangreichen Evaluierung zu unterziehen.

  • Von e-Medikation, der erste ELGA-Anwendung, erwarten wir uns ein Plus an Sicherheit für Versicherte und einfachere Prozesse für uns Ärzte. Wir bekommen nämlich auf Knopfdruck einen Überblick über die verschriebenen und abgegebenen Medikamente eines Patienten. Ärzte ersparen sich damit wertvolle Zeit in der Anamnese. Sie sehen auch, ob ein Patient verschriebene Medikamente auch wirklich aus der Apotheke abgeholt hat – alles in sehr kurzer Zeit.
  • Implementiert wird auch das Elektronische Kommunikation Service: kurz e-KOS. Es unterstützt die elektronische Erfassung, Übermittlung und Bearbeitung von Überweisungen, Zuweisungen und Verordnungen und bildet die derzeitigen Papierprozesse elektronisch ab.

Finanzierung konnte endlich geklärt werden

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass wir nach langwierigen Verhandlungen mit dem Ministerium und dem Hauptverband die Frage der Finanzierung dieser elektronischen Projekte endlich klären konnten. Es ist jetzt gesichert, dass wir Ärzte bei Erfüllung der vorgesehenen Kriterien für die Integration von e-Medikation und e-KOS sowohl eine Anschubfinanzierung als auch laufende Zuschüsse für die Wartungskosten erhalten.

Bei der e-Medikation beträgt die Anschubförderung durch den Bund pro Arzt einmalig 1.314 Euro, der Wartungskostenbeitrag 20 Euro pro Monat. Für e-KOS stellt der Hauptverband für die flächendeckende Verwendung pauschal 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Dieser Betrag wird die Anschaffungskosten der Software abdecken. Dazu kommt unter bestimmten Voraussetzungen zeitlich befristet auch ein monatlicher Wartungskostenzuschuss, den die niedergelassenen Ärzte mit den Kassen direkt verrechnen können.

e-Befund von ELGA ist in der bisherigen Form Ärzten und Patienten unzumutbar

Ich erwarte mir von e-Medikation und e-KOS eine Unterstützung im Arbeitsablauf für Ärzte und Vorteile für Patienten, deshalb haben wir diesen Projekten zugestimmt. Ganz anders verhält sich das mit e-Befund von ELGA, der in der bisherigen Form Ärzten und Patienten nicht zugemutet werden kann. E-Befund muss überarbeitet werden, bis alle legitimen Ansprüche nämlich vor allem die Benutzerfreundlichkeit und Befundvollständigkeit erfüllt sind.

Es stimmt optimistisch, dass die Bundesregierung in ihrem Regierungsprogramm  angekündigt hat, e-Befund zu evaluieren und neu aufzusetzen, um ihn nutzerfreundlicher zu machen.

Hoffnung auf weitere positive Schritte

Ich freue mich, dass wir mit dem Gesamtvertrag zu EDV-Anwendungen in Kassenarzt-Praxen gemeinsam einen wichtigen Schritt in eine digitale Zukunft setzen konnten. Das positive und lösungsorientierte Klima, in dem das stattgefunden hat, lässt mich hoffen, dass weitere Schritte folgen werden.

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Neue Statistik Austria-Zahlen zeigen: Keine Spur von Kostenexplosion, bei Gesundheitsausgaben Luft nach Oben, Potenziale für Investitionen in ambulante Versorgung

Man erinnert sich noch an den „Kostendämpfungspfad“ früherer Bundesregierungen, an den Vorwurf der angeblich mangelhaften Effizienz unseres angeblich überteuerten Gesundheitssystems, an die Warnung vor Kostenexplosionen bei den Gesundheitsausgaben, etc. Je nach weltanschaulicher oder wirtschaftspolitischer Herkunft der kritisierenden Institution oder Person lagen die Lösungsvorschläge schwerpunktartig beim Einsparen, bei der Perspektive des Privatisierens, beim bürokratischen Planen, beim Setzen auf Primärversorgungszentren usw. usf.

Ein Blick auf die neuesten,  dieser Tage veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria sprechen freilich eine völlig andere Sprache: „Die laufenden Gesundheitsausgaben einschließlich der Ausgaben für Langzeitpflege stiegen in Österreich im Jahr 2016 leicht auf 10,4%  (2015: 10,3%) des Bruttoinlandsprodukts (BIP)“, heißt es dort. Insgesamt betrugen 2016 die Ausgaben für Gesundheitsleistungen und -güter laut Statistik Austria 36.876 Mio. Euro. „Im Vergleich zu 2015 erhöhten sich die Gesundheitsausgaben nominell (zu laufenden Preisen) um 1.245 Mio. Euro.“

Platz 10 bei den OECD-Staaten

Von Kostenexplosion also keine Spur, auch nicht im internationalen Vergleich. Bei den OECD-Staaten nehmen wir  in der Kategorie „laufende Gesundheitsausgaben als Anteil am BIP“ mit 10,4 Prozent den 10. Platz ein, somit liegen wir nahezu gleichauf mit Belgien und Dänemark und im oberen Mittelfeld der 35 OECD-Mitgliedstaaten. Angeführt wird der OECD-Vergleich erneut von den USA mit laufenden Gesundheitsausgaben in der Höhe von 17,2 Prozent des BIP, gefolgt von der Schweiz mit 12,4 Prozent und Deutschland mit 11,3 Prozent.

Ein Viertel der Gesundheitsausgaben für ambulante Leistungen

Lohnend ist auch ein Blick auf das Thema, wohin die eingesetzten Gelder genau fließen: „Für stationäre Leistungen (inkl. tagesklinischer Fälle) in Krankenanstalten, Kur- und Pflegeheimen sowie Rehabilitationseinrichtungen wurden 2016 öffentliche und private Mittel in Höhe von 15.309 Mio. Euro bzw. 41,5 Prozent aller laufenden Gesundheitsausgaben ausgegeben. 9.259 Mio. Euro und somit rund ein Viertel der laufenden Gesundheitsausgaben wurden für ambulante Leistungen verwendet“, heißt es dazu für Österreich.

Das zeigt zum einen, dass die österreichischen Gesundheitsausgeben noch deutlich Luft nach oben haben. Es ist nicht plausibel, dass Österreich 10,4 Prozent des BIP für Gesundheitsausgeben verwendet, und nicht  11,3 Prozent wie Deutschland oder 12,4 Prozent wie die Schweiz – insgesamt durchaus vergleichbare Nachbarländer.

Mit dem Verschieben von Leistungen in den ambulanten Bereich Ernst machen

Dass nur ein Viertel der Gesundheitsausgaben für ambulante Leistungen verwendet wird, zeigt ebenso zusätzliche Potenziale auf. Ambulante Leistungen gelten als weit kostengünstiger als stationäre, und mit dem Verschieben von Leistungen in den ambulanten Bereich sollte endlich Ernst gemacht werden. Verwendungszwecke für solche Geldmittel gibt es viele, zum Beispiel die dringend benötigten 1.300 zusätzlichen Kassenarztpraxen, das Attraktivieren der niedergelassenen Allgemeinmedizin, bessere Rahmenbedingungen für Landärzte, den Ausbau von Mangelfächern, das überfällige Anpassen von Kassenhonoraren, etc.

Allerdings müsste sich die Politik vom überholten Credo verabschieden, dass Sparen im Gesundheitssystem etwas per se Tugendvolles sei. Angesichts wachsender und älter werdender Gesellschaften, damit intensiverem medizinischem Betreuungsbedarf und teueren modernen Behandlungsmethoden soll man durchaus kostenbewusst vorgehen – Einsparen jedoch führte direkt in die Mangelversorgung und ist schlicht keine Option.

 

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