Hohen Erwartungen an das Elektronische Kommunikation Service eKOS bisher nicht erfüllt. Einsatz derzeit nicht zu empfehlen.

Das Elektronische Kommunikation Service eKOS soll die elektronische Erfassung, Übermittlung und Bearbeitung von Überweisungen und Zuweisungen unterstützen und die derzeitigen Papierprozesse elektronisch abbilden. eKOS lief bisher in einem Pilot-Betrieb, der jetzt zu Ende geht, die Ausrollung soll Anfang April beginnen. eKOS ist vom Ansatz her ein sehr sinnvolles Produkt und kann uns viele Vorteile bringen, zum Beispiel administrative und zeitliche Entlastung. Solange jedoch eKOS administrativ, technisch und bezüglich Benutzerfreundlichkeit hinter den Erfordernissen der Anwender zurückbleibt, besteht dringender Sanierungsbedarf, der auch den ursprünglichen Zeitplan in Frage stellt.

Denn die hohen Erwartungen an eKOS konnten in der Pilotphase in einigen Punkten nicht erfüllt werden. Bevor die Schwachstellen, von denen uns anwendende Ärztinnen und Ärzte berichten, nicht behoben wurden, können wir den Einsatz von eKOS nicht empfehlen.

Beispiele für Kritikpunkte, die – je nach Bundesland etwas unterschiedlich – während der  Pilotphase evident wurden:

  • Es gebe keine konsequente Evaluierung der Pilotphase, aus der konkrete Schlüsse für Optimierungen bei der Ausrollung gezogen werden können.
  • Zum Beispiel berichtet eine als Teststelle fungierende radiologische Praxis in Wien, dass sie innerhalb des Pilotbetriebs kaum Zuweisungen erhalte – es fehlt an Testzuweisern innerhalb des Pilotprojekts.
  • In Testungen der Zuweisungen zu Röntgen-Therapie, Röntgen-Untersuchungen und Sonographie der geplanten Leistungserweiterung in eKOS ab Juli 2019 zeigte sich, dass ärztliche Zuweisungen an Röntgeninstitute von mehr als einer Leistung – zum Beispiel eine Sonografie gemeinsam mit einer Röntgenuntersuchung – nicht in einem Durchgang möglich seien.
  • Weiters stellte sich heraus, dass kein Pflichtenheft mit genauen Anleitungen für die Programmierung erarbeitet wurde, wodurch während der Pilotphase immer wieder aufwändige Adaptierungen und Abstimmungen zwischen den involvierten Stellen erforderlich wurden. Außerdem müsse die Möglichkeit von Verbesserungen und eines inhaltlichen Updates auch nach dem Rollout festgeschrieben sein, was derzeit nicht der Fall sei.

Somit ist der ursprüngliche Zeitplan, der ein Rollout ab Anfang April vorsieht, nicht realistisch. Angesichts dieser vielen zu behebenden Details, Unklarheiten und offenen Punkte können wir derzeit den Kolleginnen und Kollegen nicht empfehlen, eKOS anzuwenden, weil ein friktionsfreier Einsatz nicht möglich erscheint. Sobald substantielle Verbesserungen bzw. Sanierungen erfolgt sind, werden wir darüber informieren.

 

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Mehr Alternativen für Arzt und Patient: Bundesweiter Gesamtvertrag für PVE abgeschlossen

Primärversorgungszentren bzw. Primärversorgungseinheiten waren lange Zeit für viele Ärztevertreter ein Reizwort. Unter manchen früheren Gesundheitsminister/innen und HV-Chef/s/innen sollten sehr fragwürdige Konzepte von PVZ bzw. PVE dazu dienen, Gesamtverträge zwischen Kammer und Kasse auszuhebeln. Im Raum stand außerdem das Risiko staatlicher Gängelung und/oder einer Konzernisierung und damit einhergehend ein Primat der Betriebswirtschaft, und nicht der Medizin.

Doch das ist Geschichte. Gestern haben wir nach langen und harten Verhandlungen mit dem Hauptverband den bundesweiten Gesamtvertrag für PVE beschlossen, und heute haben Hauptverband-Chef Alexander Biach und ich auf einer Pressekonferenz die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. Voraussetzung für das Inkrafttreten dieser Vereinbarung ist die Zustimmung der zuständigen Gremien, im Fall der ÖÄK also der Bundeskurie niedergelassene Ärzte.

Der Zwischenschritt eines bundesweiten Gesamtvertrages war unseres Erachtens wichtig, weil einige Themen im Raum standen, die es u.E. zu klären galt. Der als Rahmenvertrag zu verstehende bundesweite PVE-Gesamtvertrag gibt jetzt die Eckpunkte zur neuen teambasierten Primärversorgung vor, lässt aber genügend Raum für regionale Ausgestaltung, um auf die jeweiligen Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte sowie der Patientinnen und Patienten bestmöglich eingehen zu können. Damit ist ein breiter Versorgungsauftrag – auch abzustimmen zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung – endgültig sichergestellt.

Einige Gesichtspunkte erscheinen mir u. a. besonders wichtig:

  • PVE sind neben den weiterhin existierenden Hausärzten und den Gruppenpraxen nur eine Spielart der ärztlichen Primärversorgung. Sie ergänzen den Hausarzt, ersetzen ihn jedoch nicht – unter früheren Regierungen und HV-Führungen war das noch eine durchaus zu befürchtende Option.
  • Es besteht auch die Möglichkeit von PVE in Form der Vernetzung mehrerer Einzelordinationen untereinander sowie mit nicht-ärztlichen Leistungserbringern, ohne dass diese unter einem Dach angeboten werden.
  • Die neuen Lösungen bieten Ärztinnen und Ärzten eine breitere Palette von Möglichkeiten, ihren Beruf auszuüben, je nach ihren individuellen Vorstellungen. Wir wissen z. B. aus Umfragen, dass PVE gerade für junge Kolleginnen und Kollegen eine sehr attraktive Option darstellen.
  • Hausärztinnen und Hausärzte werden entlastet, sie könnten künftig auf Wunsch in Teams arbeiten und so Familie und Beruf besser vereinbaren
  • Auch Patientinnen und Patienten haben die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von ärztlichen Angeboten jenes auszuwählen, das ihren Bedürfnissen am meisten entspricht.

Auch zahlreiche weitere Forderungen, die uns von Anfang an wichtig waren, konnten wir erfolgreich durchbringen: die Frage des Rückkehrrechts, wenn eine PVE scheitert; oder die Möglichkeit, dass PVE auch als Lehrpraxen für junge Allgemeinmediziner oder Studenten des Klinisch-praktischen Jahres fungieren können.

Die wohl größte Herausforderung war es, die sehr heterogene allgemeinmedizinische Versorgungsstruktur in einem österreichweiten Gesamtvertrag bestmöglich abzubilden. Gefordert sind jetzt die lokalen Sozialversicherungsträger und vor allem die Länder, damit möglichst rasch die regionalen Honorarvereinbarungen abgeschlossen werden können.

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Anmerkungen zum Internationalen Frauentag: Möglichst breite Palette von Arbeits-Optionen erleichtert Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Als 1897 die erste österreichische Absolventin eines Medizinstudiums in Wien ihre Arztpraxis eröffnete, war das eine Sensation. Inzwischen studieren mehr Frauen als Männer Medizin, mehr Frauen als Männer beenden das Medizinstudium, und es gibt fast so viele niedergelassene Ärztinnen wie Ärzte. Eine sehr positive Entwicklung also, aber natürlich liegen in diesem Bereich noch viele Aufgaben vor uns.

Ein zentrales standespolitisches Ziel ist aus meiner Sicht eine möglichst breite Palette von Arbeitsoptionen im niedergelassenen Bereich, die es jungen Ärztinnen – und natürlich auch Ärzten –  ermöglicht, ihren individuellen Wünschen gemäß zu leben und zu arbeiten.

Bei einer Umfrage zum Thema Berufsmotivation, die im Auftrag der Ärztekammer von der Medizinischen Universität Graz durchgeführt wurde, gaben 57 Prozent der Medizinstudierenden und 45 Prozent der Turnusärztinnen und -ärzte an, dass ganz besonders die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für sie den Hausarzt-Beruf attraktiv erscheinen lasse. „Gute Arbeitszeiten und flexible Zeiteinteilung“ waren für 62 bzw. 50 Prozent wichtig. Solche Umfrageergebnisse bestätigen meine Überzeugung, dass dieses Thema bei der Planung des niedergelassenen ärztlichen Bereiches prioritär berücksichtigt werden muss.

Ein wichtiger aktueller Schritt Richtung familienfreundliche Arbeitsbedingungen ist die Möglichkeit der Anstellung von Ärztinnen und Ärzten bei ordinationsführenden Kolleginnen und Kollegen. Damit eröffnet sich eine zusätzliche attraktive Arbeits-Option, gerade auch für Medizinerinnen, die Teilzeit arbeiten möchten. Warum der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger das derzeit nur bei Allgemeinmedizinern und nicht auch bei Fachärzten akzeptiert, ist unverständlich.

Die Möglichkeit der Anstellung in einer Ordination bietet auch einen geeigneten Einstieg für Jungärztinnen und -ärzte, die nicht gleich ein unternehmerisches Risiko eingehen möchten. Im Übrigen liegt der Anteil weiblicher Ordinationsinhabern derzeit bei 37 Prozent, da gibt es also noch Potenzial.

Generell wünschen sich Studierende und Turnusärzte beiderlei Geschlechts, auch das zeigt die angesprochene Umfrage, sehr vielfältige Arbeits-Möglichkeiten: die Palette reicht hier von der selbstständigen Arbeit in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis über die Anstellung in einer Praxis bis hin zu multiprofessionellen Primärversorgungseinheiten. Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen täten gut daran, diesen unterschiedlichen Vorlieben planerisch ausreichend Rechnung zu tragen. In Zeiten des Ärztemangels wäre es fatal, dringend benötigte Medizinerinnen und Mediziner abzuschrecken, weil man ihnen keine individuell passende Arbeitsform anbietet. Die Vorbereitung der „Österreichischen Gesundheitskasse“ bietet einen aktuellen Anlass, die Politik an diese Tatsache zu erinnern.

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Endlich Bewegung bei den ELGA e-Befunden

Es ist sehr positiv, dass dieser Tage Bewegung in die Entwicklungen um das langjährige Thema e-Befund in ELGA gekommen ist. Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein verdient Anerkennung dafür, eine Rundum-Evaluierung der ELGA e-Befunde der ELGA GmbH in Auftrag gegeben zu haben, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Das ist, anders als bei früheren Generationen von Gesundheitsministern, ein echter Durchbruch. Denn jetzt konnte endlich von einem interdisziplinären Team von Fachleuten zweifelsfrei festgestellt werden, wo noch Defizite und Sanierungsbedarf bestehen. Und auch, welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden müssen, damit ELGA e-Befunde in einer Qualität einsatzfähig sein wird, die Patienten und Ärzten sowie der Gesundheitsversorgung insgesamt einen Nutzen bringt.

Im Auftrag der Bundesministerin hat der ELGA-Koordinierungsausschuss eine Reihe von Maßnahmen zur Sanierung von ELGA e-Befunde (nicht zu verwechseln mit der ersten ELGA-Anwendung e-Medikation und dem Elektronischen Kommunikation Service e-KOS) beschlossen und eine Evaluierung des e-Befundes unter Einbeziehung des Fraunhofer Instituts gefordert. Diese „Taskforce e-Befund Evaluierung“ hat Ihre Arbeiten mit einem Bericht und Maßnahmenkatalog abgeschlossen. Die Grundlage für diesen Evaluierungsbericht bilden Interviews mit Ärzten und Produktanbietern sowie der Expertise von Fachleuten aus den unterschiedlichen betroffenen Bereichen. Vertreter der Ärztekammer waren ebenfalls zur Mitwirkung in der Taskforce eingeladen.

Im Kern wurden fünf grundsätzliche strategische Anforderungen an ELGA e-Befunde definiert: die Vollständigkeit und Übersichtlichkeit, die technische Qualität der e-Befunde, ein minimaler Zeitaufwand sowie mehr Vertrauen in ELGA.

Datenschutz, verbindliche Finanzierung, Benutzerfreundlichkeit, Patient-Summary

Aus ärztlicher Sicht müssen jedenfalls eine Reihe von Minimalanforderungen erfüllt sein, damit wir ELGA e-Befunde zustimmen können. Neben einem optimalen Datenschutz und einer verbindlichen Klärung der Finanzierung gibt es einen Katalog von technischen Mindestanforderungen, die professionell umgesetzt werden müssen. Das beziehe sich primär auf die Benutzerfreundlichkeit, die „Usability“. Die Datenaufbereitung muss in strukturierter Weise erfolgen, alle Informationen müssen standardisiert am gleichen Ort zu finden sein. Es bedarf einer übersichtlichen und dennoch platzsparenden, kompakten Darstellung der e-Befunde.

Unabdingbar ist eine automatisch erstellte Zusammenfassung von Befunden im Sinne einer „Patient-Summary“, die zeitraubendes Suchen ausschließt. Überhaupt muss eine einfache, schnelle Suchfunktion verfügbar sein. Wir brauchen eine übersichtliche und dennoch platzsparende, kompakte Darstellung der gut strukturierten e-Befunde.

Generell muss der ärztliche Zeitaufwand für ELGA minimiert werden.

Ich gehe davon aus, dass die Frau Gesundheitsministerin nach den ersten von ihr veranlassten erfolgreichen Schritten den vielversprechend eingeschlagenen Weg weitergeht und für die Umsetzung der geforderten Optimierungen sorgt. Die Ärztekammer wird sie dabei sehr gerne und engagiert unterstützen.

 

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Ausbau der kassenärztlichen Versorgung: Patientenmilliarde muss JETZT ins Gesundheitssystem investiert werden

Grundsätzlich ist es ja erfreulich, dass unsere jahrelangen Warnungen vor einem Ärztemangel in Österreich bei der Politik angekommen sind – inzwischen selbst bei  der SPÖ, die in der Vergangenheit dieses Problem stets geleugnet hat und von einem „Verteilungsproblem“ bei „der höchsten Ärztedichte Europas“ halluziniert hat.

Fein, dass jetzt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner den Ärztemangel – und da konkret den Hausärztemangel – auf ihre oppositionspolitische To-Do-Liste gesetzt hat. Leider fiel ihr das erst jetzt als Oppositionschefin ein, und nicht bereits in ihrer Zeit als Gesundheitsministerin – aber besser spät als nie.

Die von Rendi-Wagner präsentierten Lösungsansätze gehen aber nicht weit genug: Primärversorgungszentren (PHC) und Digitalisierung werden unsere Probleme nicht lösen. Vielmehr brauche es dringend und rasch ganz konkrete Schritte, um dem Ärztemangel zu begegnen. An allererster Stelle fordere ich diesbezüglich von der aktuellen Bundesregierung, dass die angekündigte „Patientenmilliarde“ jetzt fließen muss und in die Gesundheitsversorgung investiert wird.

In diesem Zusammenhang fordere ich auch den dringend nötigen Ausbau der Kassenplanstellen in unterversorgten Bereichen und Regionen, und das bei Rahmenbedingungen, die von Ärztinnen und Ärzten als ausreichend attraktiv gesehen werden.

Ich appelliere an die Bundesregierung, unsere Warnungen ernst zu nehmen und aktiv zu werden, damit die Gesundheitsversorgung der Österreicherinnen und Österreicher auf dem hervorragenden Niveau bleiben kann, um das wir weltweit noch beneidet werden. Ohne gezielte Maßnahmen steuern wir nämlich auf Versorgungsengpässe zu, und auch eine dauerhafte Entlastung der schon jetzt überlasteten Spitalsambulanzen wird nicht möglich sein.

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Appell an die Politik: Anpassung des Hausärzte-Honorarkataloges als Akutmaßnahme zur Sicherung der kompetenten Pflege zu Hause

Verfolgt man die Schlagzeilen und Presseaussendungen der der vergangenen Tage und Wochen, so wird klar, dass die Politik die Bedeutung des Themas Pflege erkannt hat – nicht nur in Österreich. Das Thema ist in der Tat brisant und erzeugt ein hohes Maß an Betroffenheit: Fast jede/r kennt jemanden aus dem Familien- und Freundeskreis, für den das Thema Pflege Aktualität besitzt. Und wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass immer mehr Menschen mit Beunruhigung dem eigenen Alter entgegensehen, weil sie nicht wissen, wie das gegebenenfalls mit der Pflege aussehen wird. Dass also die Politik sich dieses Themas annimmt, ist für sie wohl von existentieller Bedeutung. Und weil immer mehr Menschen immer älter werden, wird sich dieses Thema nicht – wie die Politik das in Österreich oft so schätzt – irgendwie „von selbst erledigen“.

Es sind also von der Politik geeignete Maßnahmen – u. a. gegen den Hausärzte-Mangel zu fordern – allerdings wären viele davon nur von mittel- bis langfristiger Wirksamkeit (wenn sie denn ergriffen würden).

Und weil viele Menschen, wenn sie alt und immobil werden, sich nicht in ein Pflegeheim oder ein Spital „verpflanzen“ lassen möchten, hat die Pflege und Betreuung zu Hause einen hohen Stellenwert – von sozialpolitischen und finanziellen Aspekten abgesehen, denn Betreuung zu Hause ist bekanntlich viel kostensparender, als wenn jemand Pflegebedürftiger ohne medizinischen Grund ein Spitalsbett belegt.

Und hier sind wir beim Stellenwert der Hausärzte bei der Betreuung und Pflege immobiler Menschen zu Hause: Wer soll Krankheiten diagnostizieren, Krankheitsverläufe beobachten und bewerten, Medikamente verschreiben, Therapien anpassen und die Pflege instruieren, wenn nicht eine Ärztin oder ein Arzt? Eine sehr aufwändige und für Ärzte oft ausgesprochen belastbare, aber extrem wichtige Tätigkeit. Auf den Punkt gebracht: Ohne den Einsatz und die Expertise von Hausärztinnen und Hausärzten ist eine kompetente Betreuung immobiler Menschen zu Hause de facto nicht möglich.

Tatsächlich sind aber die wichtigen ärztlichen Leistungen, die in diesem Zusammenhang erbracht werden, im Honorarkatalog der Krankenkassen und im Honorierungssystem der Gemeinden nicht realistisch abgebildet. Viele Hausärzte sind aufgrund zunehmender Patientenzahlen und üppiger Bürokratie schon jetzt überlastet, und für eine geradezu unzumutbar niedrige Honorierung wird man von ihnen nicht erwarten können, die aufwändigen Zusatzleistungen in der Pflege zu Hause zu leisten.

Mein Appell an Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen: Als Akutmaßnahme müssen die Honorare für ärztliche Tätigkeiten für die Pflege zu Hause präzise definiert und auf ein Niveau angehoben werden, das dem tatsächlichen Aufwand entspricht. Die „Kassenreform“ und die Umwandlungen der GKK in die Österreichische Gesundheitskasse bietet dafür einen geeigneten Anlass und Rahmen.

Diese Anpassung der Honorare ist die Voraussetzung dafür, dass sich mehr Hausärzte zu dieser Tätigkeit bereit erklären. Wenn die Politik das Thema Pflege tatsächlich ernst nimmt, wird sie auch die finanziellen Mittel dafür aufstellen können.

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Hausärzte-Knappheit und Unterfinanzierung gefährden Betreuung zu Hause – Sonderprogramm der Regierung soll Problem lösen

Der Hausärzte-Mangel, auf den unser Gesundheitssystem derzeit mit hohem Tempo zusteuert, wird, wenn nicht schnell etwas Wirksames unternommen wird, voraussichtlich nicht nur die bewährte niedergelassene und wohnortnahe ärztliche Versorgung in Arztpraxen gefährden. Er hat schon heute Auswirkungen auf einen oft zu wenig beachteten Bereich: die Betreuung immobiler Menschen zu Hause. Ohne den systematischen Einsatz von Hausärzten ist eine kompetente Betreuung zu Hause nicht möglich. Dabei geht es schließlich auch um medizinische Diagnosen, um das Beobachten von Veränderungen des Gesundheitszustandes und um das Verschreiben und Anpassen von Medikationen – wer sonst als Ärzte sollte das tun?

Eine mögliche Alternative zur Pflege zu Hause ist in der heutigen Versorgungsrealität die Betreuung in einem Krankenhaus – was schon aus Kostengründen unvernünftig ist, Menschen um ihr angestammtes häusliches Umfeld bringt, und für Krankenhäuser eine oft unbewältigbare Zusatzbelastung bedeutet.

Schon heute ist es schwierig, ausreichend viele Hausärzte – in den Arztpraxen stehen immer weniger Kassen-Allgemeinmedizinern immer mehr Patienten gegenüber – zu Hausbesuchen bei zuhause gepflegten Menschen zu motivieren. Zum Zeit- und Ressourcenproblem kommt hier zusätzlich noch die Unterhonorierung solcher Hausbesuche, die sehr oft immens zeitaufwändig sind und durch bürokratischen Aufwand zusätzlich belastet werden. Und schließlich sind die Leistungen im Honorarkatalog der Kassen bzw. der Länder nicht realistisch abgebildet, wodurch vieles unhonoriert bleibt.

Die Mangelsituation wird sich, wenn nicht wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergriffen werden, in Zukunft weiter verschärfen: Von den heute aktiven Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag wird in 10 Jahren mehr als jeder 2. das Pensionsalter erreicht haben, und der Nachwuchs bleibt weit hinter dem zahlenmäßig Notwendigen zurück.

Wir stehen also auch hier vor einem dramatischen Versorgungsproblem und einer sozialpolitischen Zeitbombe. Altenpflege wurde völlig zu Recht als ein potenzielles Krisenthema erkannt, und unsere Gesellschaft hat ein Recht darauf, dass die Gesundheits- und Sozialpolitik hier die Weichen richtig stellt und geeignete Maßnahmen ergreift. Das bedeutet:

  • Wir brauchen in Zukunft mehr Allgemeinmediziner. Hier sind Bildungspolitik und MedUnis gefordert, geeignete Schritte zu setzen.
  • Allgemeinmediziner müssen endlich ihrem Stellenwert entsprechend honoriert werden, sonst werden sich immer weniger Studierende für diesen Berufsweg entscheiden.
  • Hausärztliche Leistungen im Rahmen der Krankenhaus-ersetzenden Hauskrankenpflege sowie der nicht Krankenhaus-ersetzenden Hauskrankenbetreuung müssen im Honorierungssystem präziser und realitätsnäher geregelt sein, als dass derzeit der Fall ist.
  • Hausärztliche Leistungen im Rahmen der Betreuung und Pflege zu Hause müssen attraktiv honoriert werden und außerdem von überflüssigen bürokratischen Bürden befreit werden.
  • Wir brauchen ein Sonderprogramm der Regierung, um den Finanzierungsbedarf für diese Maßnahmen zu decken. Die Euro-Milliarde, die sich die Regierung von der Kassenreform erwartet, kann eine wichtige Finanzierungsquelle sein.

Diese Maßnahmen müssen sofort beginnen, weil es bei diesem Problem leider schon deutlich später ist als „fünf vor zwölf“. Wenn nichts Wirksames passiert ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der letzte Hausarzt aus der Hauskrankenbetreuung verabschiedet. Das hätte dramatische Konsequenzen für die zu Pflegenden, denn ohne Hausärzte geht es nicht.

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Alles Gute für 2019: Ein Ausblick zum Jahreswechsel!

Zum Jahresende liegt es nahe, einen standespolitischen Ausblick ins nächste Jahr zu riskieren. Es wird, das lässt sich mit Sicherheit sagen, nicht frei von Herausforderungen sein. Viele davon lassen sich wohl zum Teil noch nicht abzuschätzen bzw. betreffen Details, die aber sehr folgenreich sein können. Darüber werde ich Sie natürlich auf dem Laufenden halten.

Was aber werden aus heutiger Sicht 2019 die größten Herausforderungen für uns Ärztinnen und Ärzte werden? Lassen Sie mich hier drei Themen hervorheben.

Zusammenlegung der GKKs für Ärzte verträglich gestalten

Eine unmittelbare Herausforderung wird die Zusammenlegung der GKKs zur Österreichischen Gesundheitskasse sein, und es gilt, diese für Ärzte verträglich zu gestalten. Bei der Umsetzung der Sozialversicherungsreform müssen regionale Gegebenheiten ausreichend berücksichtigt werden. Ich erwarte mir einen Bürokratieabbau und erhoffe mir weniger Ideologie und mehr Pragmatismus. Dass von den Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag in den nächsten zehn Jahren 55 in Pension gehen, und von den Fachärzten 60 Prozent, muss von der Politik unbedingt ernst genommen werden. Schluss mit faulen Ausreden und Apperzeptionsverweigerung im Stil von wir hätten in Österreich ja eh eine hohe Ärztedichte und bloß ein „Verteilungsproblem“. Vielmehr müssen die Rahmenbedingungen für die niedergelassene ärztliche Tätigkeit wieder so attraktiv werden, dass sich möglichst viele Jungmediziner für die Niederlassung entscheiden.

Zum Dauerbrenner-Thema Ärztemangel mit Politik ins Gespräch kommen

Zweitens müssen wir zum Dauerbrenner-Thema Ärztemangel mit der Politik ins Gespräch kommen. In den nächsten 10 Jahren erreichen etwa 50 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte das Pensionsantrittsalter und der ärztliche Nachwuchs bleibt zahlenmäßig weit hinter dem Notwendigen zurück. Wenn da nichts sehr schnell sehr wirksame Maßnahmen ergriffen werden, sind wir in ein paar Jahren mitten drin in einem fatalen ärztlichen Versorgungsmangel – hier laden wir die Bildungs- und Gesundheitspolitik, die Sozialversicherungen und alle involvierten Interessensvertretungen zu einem lösungsorientierten Dialog ein, der möglichst umgehend beginnen sollte.

Digitalisierung im Gesundheitsbereich muss von Ärzten mitgestaltet werden

Und drittens natürlich müssen wir die Digitalisierung im Gesundheitsbereich im Auge behalten. Die Entwicklungen in Richtung Digitalisierung und Online-Medizin müssen unbedingt von uns Ärzten mitgestaltet werden, weil da auch massive Geschäftsinteressen von Anbietern solcher Technologien im Spiel sind, und dabei nicht immer der Vorteil für Ärzte und Patienten maßgeblich ist. Wir müssen aufpassen, dass sich der E-Health-Prozess nicht verselbstständigt und auf Kosten der Behandlungsqualität und der Arzt-Patient-Beziehung geht. Entscheidend ist, dass bei Diagnosen und Therapien immer eine Ärztin oder ein Arzt die Letztentscheidung hat. Ärzte müssen diese Prozesse begleiten, Ergebnisse interpretieren und im Rahmen unserer Freiberuflichkeit und der ärztlichen Verantwortung vorgehen können. Fazit: E-Health soll uns Ärzte unterstützen, aber keinesfalls ersetzen.

Der Arztberuf muss ein Freier Beruf bleiben!

Bitte unterstützen Sie die Ärztevertretung bei ihren Bemühungen, die Gegenwart und Zukunft unseres Berufs positiv zu beeinflussen und u. a. Bürokratisierung, Konzernisierung und Kommerzialisierung in der Medizin einen Riegel vorzuschieben. Der Arztberuf muss ein Freier Beruf bleiben!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Nächsten ein gutes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2019!

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Neue Zahlen: Ärztemangel verschärft sich in Österreich von Jahr zu Jahr

 

Der Ärztemangel in Österreich verschärft sich spürbar und messbar von Jahr zu Jahr. Leider wird diese Tatsache von vielen Gesundheitspolitikern, Kassenfunktionären und Gesundheitsökonomen noch immer geleugnet. So viel Weltfremdheit verblüfft angesichts der harten aktuellen Zahlen.

Wir haben die aktuelle Altersstatistik (Stand Dezember 2018) aller 18.287 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Hinblick auf den Ärztemangel ausgewertet. So können wir zeigen, wo wir heute stehen, in welchem Umfang sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen wird, und wie hoch der mittel- und längerfristige Nachbesetzungsbedarf bei Ärztinnen und Ärzten ist.

Die Situation der niedergelassenen Ärzteschaft 

Heute haben wir in Österreich die höchste Alters-Konzentration bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit einem Lebensalter um die 56-58. In 10 Jahren werden die meisten aus dieser Gruppe bereits in Pension sein. Konkret werden dann 48 Prozent aller niedergelassenen Ärzte, also fast die Hälfte, das Pensionsantrittsalter erreicht haben.

Verschiebt sich die Altersverteilung in Richtung Pensionsalter, so gehen jedes Jahr Stellen verloren, die aber bei weitem nicht mit jungen Ärztinnen und Ärzten nachbesetzt werden können, weil die Entwicklung insgesamt deutlich rückläufig ist. Die gegenwärtigen Zahlen bei den niedergelassenen Ärzten, die schon jetzt nicht mehr für alle nötigen Nachbesetzungen ausreichen, werden wir allerdings aus heutiger Sicht nie wieder erreichen.

Den mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf haben wir mit 938 Ärztinnen und Ärzten errechnet. Das ist die Anzahl zusätzlicher niedergelassener Ärzte, die wir zur Aufrechterhaltung des Status quo in 5 Jahren benötigen, um die pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren.

Allerdings sind wir weit davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können. 2017 gab es an den öffentlichen Universitäten 1.665 Absolventen eines Medizinstudiums, und wir wissen, dass um die 40 Prozent davon nicht in Österreich als Ärzte arbeiten werden. Rein rechnerisch müssten also alle in Österreich verbleibenden Absolventen niedergelassene Ärzte werden, um den Bedarf zu decken.

Verschärfend kommt zu diesen Berechnungen noch dazu, dass der Ärztebedarf in Zukunft steigen wird, weil die Bevölkerung voraussichtlich wächst und älter und somit betreuungsintensiver wird. Außerdem gibt es bei jüngeren Ärzten einen Trend zur Teilzeittätigkeit, was bei künftigen Planungen berücksichtigt werden muss.

Die Situation bei den Ärzten mit GKK-Vertrag

Betrachten wir die 7.099 Ärztinnen und Ärzte mit einem GKK-Vertrag, die für die niedergelassene Versorgung auf e-Card bedeutsam sind, so sind wir mit einer besonders dramatischen Situation konfrontiert. Die Altersverteilung hat hier eine deutliche Zacke nach oben bei den heute 61- und 62jährgen, in 10 Jahren haben 55 Prozent aller Ärzte mit GKK-Vertrag das Pensionsalter erreicht. Besonders alarmierend ist das sukzessive Ausbleiben des Nachwuchses. Das steht in einem scharfen Kontrast zum mittelfristigen Nachbesetzungsbedarf von 434 GKK-Ärzten pro Jahr.

Von den Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag wird mehr als jeder 2. in 10 Jahren das Pensionsalter erreicht haben, bei den GKK-Fachärzten sind es 60 Prozent.

 

Diese düstere Perspektive bekräftigt einmal mehr unsere Forderungen, dass die Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit deutlich attraktiver werden müssen, damit sich junge Ärzte wieder für einen Kassenvertrag entscheiden.

Die Situation bei den Wahlärzten

Von den heute 10.099 Wahlärzten erreichen in den nächsten 10 Jahren fast 42 Prozent das Pensionseintrittsalter, und bei den Jüngeren sind die Zahlen rückläufig.

Grundlage für wirksame Gegenmaßnahmen

Diese alarmierenden Daten und Fakten sollen der Politik eine konkrete Grundlage für wirksame Gegenmaßnahmen bieten und gewinnen vor dem Hintergrund der „Kassenreform“ und der zu gründenden „Österreichischen Gesundheitskasse“ zusätzliche Aktualität.

Mögliche Gegenmaßnahmen kann man sich zum Beispiel von unserem Nachbarland Deutschland abschauen, wo das Problem Ärztemangel politisch weitgehend unbestritten ist und wo zahlreiche Lösungsversuche im Gange oder in Vorbereitung sind.

  • Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ sieht in Deutschland eine Erhöhung der Zahl der Medizinstudenten vor.
  • Zahlreiche deutsche Bundesländer vergeben Landarztstipendien – wer eines bekommt, verpflichtet sich, einige Jahre in der jeweiligen Region zu arbeiten.
  • Einige Spitäler vergeben Stipendien, wenn Studierende nach dem Studium eine Zeitlang dort arbeiten.
  • Jungärzte werden von ländlichen Regionen mit Geld und sonstigen attraktiven Zusatzleistungen geködert.
  • Immer mehr deutsche Ärztekammern – zuletzt in Niedersachsen – befürworten als Reaktion auf den Ärztemangel die Online-Betreuungen von Patienten auch ohne vorangegangenen persönlichen Kontakt.

Wie immer man zu solchen Maßnahmen auch stehen mag: in Deutschland ist jedenfalls auf breiter Basis Bewegung in die Sache gekommen. Auch in Österreich sind einige Bundesländer bereits aktiv geworden, für einen nachhaltigen Erfolg bedarf es allerdings auch wirksamer Aktivtäten auf Bundesebene.

Entscheidend wird sein, dass die Arbeitsbedingungen von Ärzten in Österreich nicht weniger attraktiv sind als im Ausland, insbesondere im deutschsprachigen, sondern möglichst noch besser. Und hier besteht noch Nachholbedarf, will man die ärztliche Abwanderung erfolgreich stoppen. Das ist nicht nur eine Frage der angemessenen Honorierung ärztlicher Leistungen, sondern auch von flexiblen Arbeitsmöglichkeiten, die den individuellen Vorstellungen entsprechen. Und von weniger Bürokratie, die derzeit Kassen- und Spitalsärzten das Leben schwer macht.

Zu überlegen ist auch, wie sinnvoll Altersbegrenzungen für niedergelassene Kassenärzte angesichts der Ärzte-Altersstatistik noch sind.

Lösungsorientierter politischer Gipfel zur Behebung des Ärztemangels

Dringend nötig sind also gemeinsame Anstrengungen aller betroffenen Ministerien und Interessensvertretungen: Es muss ein Paket geschnürt werden, das dafür sorgt, dass nicht nur ausreichen viele Ärzte ausgebildet werden, sondern dass diese auch in Österreich bleiben.

Wir brauchen also dringend einen konstruktiven und lösungsorientierten politischen Gipfel zur Behebung des Ärztemangels und seiner dramatischen Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung. Die Ärztekammer ist dabei sehr gerne ein Teil der Lösung.

 

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Sinkende SV-Beiträge: Kann sich unsere Gesundheitsversorgung das leisten?

Die jüngsten Überlegungen der Politik, die Sozialversicherungsbeiträge zu senken, lassen einige wesentliche Fragen offen. Dass der Bundeskanzler überlegt, im Rahmen der geplanten Steuerreform auch die SV-Beiträge zu senken, ist zur Kenntnis zu nehmen. Allerdings fehlt mir die Aufklärung darüber, wo genau dann das Geld für unsere Gesundheitsversorgung künftig herkommen soll. Die Menschen werden immer älter, neue Therapieformen langfristiger und kostenintensiver, dazu muss auch noch die von der Politik zugesagte „Patientenmilliarde“, die angeblich bei der Kassenreform frei werden soll,  erwirtschaftet werden – wie soll das alles bei sinkenden SV-Beiträgen finanziert werden?

Es sei denn, es kommt eine Co-Finanzierung aus dem Steuertopf. Dazu wüssten wir aber gerne die Details.

Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich, dass die Kassen ihre zum Teil sehr üppigen Rücklagen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen, ins laufende Geschäft einfließen lassen. Schließlich gilt nach wie vor: Krankenkassen sind keine Sparkassen, sie sollen Versicherungsgelder nicht bunkern, sondern diese sollen der Gesundheitsversorgung zugute kommen.

Klar muss allerdings eines sein: Sparen auf Kosten der Qualität der Gesundheitsversorgung darf nicht in Frage kommen.

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