Regierungspläne: Patienten und Ärzte dürfen nicht die ersten Opfer der Kassenreform werden!

Ein klares Nein zum Sparen am Patienten.  Bundesregierung  plant, die Ausgaben für die Leistungen im niedergelassenen Ärztebereich in den nächsten zwölf Monaten einzufrieren. Ein Abänderungsantrag zum ASVG sieht nämlich vor, dass in den Vertragsverhandlungen nur mehr die Finanzsituation der Kassen eine entscheidende Rolle spielt und nicht mehr die Notwendigkeiten einer kassenärztlichen Versorgung. Das gesamte Versicherungsrisiko wird den Ärzten aufgebürdet: Kommen mehr Patienten, gibt es keine Tariferhöhungen. Auch die befristeten Gesamtverträge mit Nullrunden bis Ende 2019 wurden verlängert.

Hat sich eine Industrie- und Wirtschaftslobby durchgesetzt?

Das bedeutet nichts anderes, als dass es längst fällige Investitionen in dringend erforderliche Leistungsausweitungen in das Kassensystem schlicht und einfach nicht geben soll. Innerhalb der Regierung hat sich offensichtlich eine Industrie- und Wirtschaftslobby durchgesetzt, der Sparen im Sozialstaat wichtiger ist als das, was die Menschen und unser solidarisches Gesundheitssystem brauchen: Nämlich mehr Leistungen im niedergelassenen Bereich, mehr Hausärzte und medizinische Leistungen und nicht weniger.

Offensichtlich lassen sich Teile der Bundesregierung von der Befürchtung leiten, dass die insgesamt sehr guten Ergebnisse in Wien, die durch ein gemeinsames Vorgehen von Ärztekammer, WGKK und Stadtpolitik möglich wurden, auch von anderen Bundesländern zum Vorbild genommen und umgesetzt werden könnten. Reflexhaft wird gleich die gesetzliche Notbremse gezogen, statt in einen längst fälligen Leistungsausbau bei der niedergelassenen ärztlichen Versorgung auch in den anderen Bundesländern zu investieren.

Vorhaben der Regierung hinterlässt Ratlosigkeit

Insgesamt hinterlässt das Vorhaben der Regierung eine gewisse Ratlosigkeit. Will die Regierung nun den niedergelassenen Bereich, dazu gehören auch die geplanten Primärversorgungseinheiten, stärken, und damit auch die Spitalsambulanzen wirksam entlasten, wie es im Regierungsprogramm steht? Oder ist man davon unter dem Druck einer Industrie- und Wirtschaftslobby bereits abgerückt und will etwas ganz Anderes? Setzen sich Vertreter der Industrie durch oder Verfechter eines starken Sozialstaates? Die Bevölkerung hat jedenfalls ein Recht darauf, über die Pläne der Regierung informiert zu werden.

Patienten und Ärzte dürfen nicht die ersten Opfer der Kassenfusion werden

Im Sommer werde ich mich mit meinen Kollegen aus den Bundesländern beraten, wie wir hier vorgehen und welche Maßnahmen wir setzen werden. Für die Ärzteschaft sind derartige Angriffe auf den Gesamtvertrag nicht einmal zeitlich befristet akzeptabel. Wir erwarten uns von der Bundesregierung eine rasche Klarstellung mit Terminen, wann diese Maßnahmen zurückgenommen werden.  Wir werden nicht akzeptieren, dass Patienten und Ärzte die ersten Opfer der Kassenfusion werden.

Der Gesetzgeber definiert acht Kriterien, darunter den aktuellen Stand der Wissenschaft und Qualitätsvorgaben, die bei Gesamtvertragsverhandlungen anzuwenden sind. Dass jetzt nur noch von Ausgaben die Rede ist, ist alarmierend, da wird Finanzpolitik auf dem Rücken der Menschen betrieben und die Ärzte immer mehr ins Wahlarztsystem gedrängt.

Einfrieren der Ausgaben bedeutet Rückschritt in der Versorgung

Tatsächliche bedeutet ein Einfrieren der Ausgaben einen Rückschritt in der Versorgung. Eine wachsende und älter werdende Bevölkerung, aber auch die immer besser und damit auch teurer werdenden Diagnose- und Behandlungsmethoden verursachen selbstverständlich zusätzliche Ausgaben. Wer also die Ausgaben einfriert, hat damit zwangsläufig Leistungskürzungen zu verantworten.

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Bachingers Kritik an der Qualitätsevaluierung der Arztpraxen geht ins Leere

Patientenanwalt Bachinger schlägt also wieder einmal Alarm – ab und zu muss man halt ein Lebenszeichen von sich geben, und Ärzte-Bashing hat sich seiner Überzeugung nach dafür schon immer bestens bewährt. Diesmal sieht er sich eben in seiner Kritik an der Qualitätssicherung in den österreichischen Arztpraxen bestätigt. Eine jüngst fertiggestellte Studie des Instituts für höhere Studien (IHS) stelle dieser ein „niederschmetterndes Zeugnis“ aus, erklären die Patientenanwälte in einem kürzlich an die Gesundheitsministerin versandten Schreiben mit Reformforderungen.

Diese Kritik an der Qualitätsevaluierung der Arztpraxen ist schärfstens zurück zu weisen. Die mit der Qualitätssicherung und -evaluierung beauftragte Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) erfüllt ihre Aufgabe im übertragenen Wirkungsbereich des Bundes und in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium, und zwar nachweislich im Einklang mit internationalen Standards und auf höchstem Niveau. Zuletzt sind 24.000 Arztpraxen evaluiert und stichprobenartig überprüft worden. An Verbesserungen wird laufend gearbeitet, die Kritik der Patientenanwälte ist daher absurd.

Die immer wieder kritisierte Selbstevaluation ist internationaler Standard.

Zudem sitzt der Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger, seit Jahren im wissenschaftlichen Beirat der  ÖQMed. In diesem Gremium geben Vertreter unterschiedlichster Institutionen die Grundlagen für die Qualitätsüberprüfungen vor. Hier hat jeder die Möglichkeit, zur weiteren Verbesserung der Qualitätssicherung beizutragen, und bis dato sindalle Beschlüsse einstimmig gefallen.

Es grenzt schon an Schizophrenie, wenn ein Vertreter der Patientenanwälte hier Beschlüsse mitträgt, die man dann in einem Brief an die Ministerin kritisiert.  Man muss sich fragen, ob Bachinger in den Sitzungen des wissenschaftlichen Beirats einfach nur geschlafen hat,  oder ob er vielleicht gar nicht in der Lage ist, seine Aufgabe als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats zu erfüllen.

Auf völliges Unverständnis stoßen Aussagen zur ärztlichen Fortbildung. Schließlich drohen allen Ärzten, die ihrer gesetzlichen Fortbildungsverpflichtung nicht nachkommen, schwerste Disziplinarstrafen – bis hin zum Entzug der Berufsberechtigung.

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Kassenreform: „Gesundheitsmilliarde“ muss niedergelassene ärztliche Versorgung stärken

 

Im Folgenden eine erste Reaktion auf die heute von der Bundesregierung bei einer Pressekonferenz vorgestellten geplanten Maßnahmen zur „Kassenreform“:

Der von der Bundesregierung geplante Ausbau des niedergelassenen ärztlichen Bereichs im Rahmen der „Kassenreform“ ist zu begrüßen, hier besteht seit vielen Jahren massiver Nachholbedarf. Bei der so genannten „Gesundheitsmilliarde“, die sich die Regierung von der Kassenzusammenlegung erwartet, wird sehr genau zu beobachten sein, ob sich die Erwartungen der Politik erfüllen und dieses Geld auch wirklich bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ankommt und damit versorgungswirksam wird.

Fraglich ist, ob die geplante Leistungs-Harmonisierung auch wirklich in der Lage ist, ein Leistungs-Plus zu bringen und nicht zu Kürzungen und Einsparungen führt. Eine vernünftige Leistungs-Harmonisierung kann nur zusätzliches Geld ins System bringen. Eine Nivellierung nach unten darf es hier nicht geben, das ginge auf Kosten der Versorgung und wäre Ärzten und Patienten nicht zumutbar.

Erfreulich ist, dass es offensichtlich konkrete Pläne gibt, die Einsparungen aus der Struktur- und Verwaltungsreformen zu erzielen und nicht auf dem Rücken der Patienten.

Ein wesentliches Anliegen im Sinne der Berücksichtigung regionaler Versorgungs-Bedürfnisse ist, dass bei der Konzeption der vorgesehenen Österreichischen Gesundheitskasse in den einzelnen Bundesländern ein hohes Maß an Entscheidungskompetenz verbleibt. Ein zentralistischer Kassen-Gigant, der undifferenziert über alles drüberfährt, wäre keine gute Lösung.

Insgesamt ist bei den bevorstehenden Diskussionen und Verhandlungen zur Kassenreform zu hoffen, dass nicht die Fehler vergangener Bundesregierungen, wo auf die ärztliche Expertise verzichtet wurde, wiederholt werden: Eine Kassenreform ohne massive Einbindung der Ärzte darf es nicht geben.

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Abschluss der WGKK-Verhandlungen großer Erfolg für Ärzteschaft

Ergebnisse der Tarifverhandlungen für die Jahre 2018 bis 2020

 

Fachgruppe 1. Juli 2018 1. Juli 2019 1. Oktober 2020
Allgemeinmedizin + 10% + 10% + 10%
Augenheilkunde +2% +2% + 20,08% (OCT)
Chirurgie + 14% +2% +2%
Gynäkologie + 4,8% +75,55% (Schall) +2%
Kinderheilkunde + 10% + 10% + 10%
Alle anderen FG +2% +2% +2%
Radiologie +2% +4% Digizuschlag als Einmaleffekt +2%
Pathologie +2% +2% +2%
Labor Tunnelsystematik verlängert
Physikalische Med. +8,6% +2,2% +2,2%

 

Ein historischer Durchbruch: Nach einer rund sechsmonatigen Verhandlungsphase präsentieren wir heute gemeinsam mit der Wiener Gebietskrankenkasse und erstmalig der Stadt Wien das Ergebnis der Honorarverhandlungen für die Jahre 2018 bis 2020 für alle Fachrichtungen. Die Ergebnisse werden den niedergelassenen Bereich in Wien wieder attraktiver machen und bieten eine zumindest dreijährige Planungssicherheit für alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.

  • Das Verhandlungsergebnis ist aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Die Tariferhöhung liegt je nach Fachgruppe immer über der prognostizierten Inflationsrate und bringt für etwa die Ärzte für Allgemeinmedizin und Kinderärzte sogar eine Tarifanhebung von jeweils 10 Prozent pro Jahr bis 2020 – somit in Summe eine Anhebung um mehr als 30 Prozent.
  • Darüber hinaus werden unter anderem von der Stadt Wien auch erstmalig Ordinationsgründungen von Allgemeinmedizinern und Kinderärzten gefördert, Jobsharing-Modelle erleichtert sowie Pilotprojekte zur Einführung von Telemedizin gestartet.
  • Neu ist auch ein Anreizsystem für größere versorgungswirksame Kassenordinationen: Für Ordinationen und Gruppenpraxen in der Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde, die überdurchschnittlich versorgungswirksam sind und freiwillig zumindest 25 Stunden pro Wochen offen halten, sind Bonuszahlungen Damit soll ein Anreiz gesetzt werden, mehr Patientinnen und Patienten in Kassenordinationen zu betreuen.
  • Auch für andere niedergelassene Bereiche konnten Verbesserungen erreicht werden: Durch die Einführung des gynäkologischen Ultraschalls ab 1.7.2019 im Rahmen einer Honorarposition steigen die Kassenhonorare der Gynäkologen im Jahr 2019 um 75 Prozent, jene der Augenärzte 2020 durch die Einführung der OCT-Untersuchung um 20 Prozent. Eine besondere Herausforderung stellten die Gespräche im Rahmen der endoskopischen Leistungen von Chirurgen und Internisten dar – hier wurde eine Erhöhung der Endoskopieleistungen um knapp 50 Prozent erreicht und damit der alte Streit zwischen Endoskopikern und WGKK beigelegt.
  • Zusätzlich zu diesen Tariferhöhungen konnten auch eine Reihe von Einmalzahlungen in beachtlichem Ausmaß erzielt werden: Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag erhalten rund 7.000 Euro mit Auszahlung des 4. Quartals 2018, Fachärzte mit Auszahlung des 1. Quartals 2019 ebenfalls rund 7.000 Euro.
  • Freiwillig ist auch ein Codierungsprojekt für Allgemeinmediziner, in welchem Kolleginnen und Kollegen, die freiwillig codieren, eine Abgeltung von der WGKK erhalten. Auch hier wurde einer Forderung der Ärzteschaft nachgekommen.
  • Das Jobsharing-Modell wurde im Zuge der Verhandlungen weiterentwickelt und liberalisiert: Unter anderem wird die Vertretung des Jobsharing-Partners künftig ermöglicht und dieser kann auch eine Wahlarztordination an einem anderen Standort betreiben. Auch die Regelungen für Ordinationszeiten und Vertretungen in Gruppenpraxen wurden liberalisiert. Die bisher geforderte „tunlichst gegenseitige Vertretung“ wurde gestrichen.
  • Als zusätzliches Serviceangebot für die Patienten werden ab 1.7.2019 in einem Pilotprojekt für die Fachgruppen Allgemeinmedizin, Kinderheilkunde und Gynäkologie telemedizinische Konsultationen die Kommunikation modernisieren und diese Leistung für den Vertragsarzt auch abrechenbar machen.

Das Verhandlungsergebnis ist ein wichtiger Schritt, um die Wiener Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern, gibt den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten Planungssicherheit und trägt zur Attraktivierung des niedergelassenen Bereichs bei.

Für die Bereitschaft zu diesem Abschluss möchte ich dem scheidenden Bürgermeister Dr. Michael Häupl, dem nächsten Bürgermeister Dr. Michael Ludwig, der scheidenden Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger und WGKK-Obfrau Mag. Ingrid Reischl danken. Sie haben offensichtlich erkannt, dass für die niedergelassene ärztliche Versorgung in Wien etwas unternommen werden muss und haben in einer nicht einfachen Zeit  Handlungsfähigkeit bewiesen.

 

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Sozialversicherungs-Reform: Zentralismus löst keine Kassenprobleme

Bundeskanzler Sebastian Kurz äußerte heute sein Vorhaben, im Zuge der Kassenreform die Zahl der Sozialversicherungsträger auf „fünf oder weniger“ zu reduzieren.

Die Ärztevertretung begrüßt grundsätzlich eine sinnvolle Weiterentwicklung des Sozialversicherungssystems, die zu einer Optimierung der sozialen Gesundheitsversorgung beiträgt. Allerdings darf es aus Ärztesicht nicht dazu kommen, dass dabei die solidarische Finanzierung, die soziale Medizin und die Selbstverwaltung der Krankenkassen in Frage gestellt oder sogar abgeschafft werden.

Weiterentwickeln und verbessern ja, zerschlagen nein.

Aus Sicht der Ärztevertretung müssen, damit unterschiedlichen regionalen Versorgungssituationen und -bedürfnissen ausreichend Rechnung getragen werden kann, die Budget- und Beitragshoheit der regionalen Kasse, die Vertragshoheit samt den Honorarverhandlungen der regionalen Kassen mit der regionalen Ärztekammer, sowie die Planungshoheit samt kassenärztlichem Stellenplan in den Bundesländern verbleiben.  Nur so kann eine effiziente und Patienten-nahe Gesundheitsversorgung auch in Zukunft sichergestellt werden: Zentralismus, der regionale Gegebenheiten ignoriert, kann keine Lösung sein.

Grundsätzlich sollte die Politik einen evolutionären Ansatz bevorzugen und von der Selbstorganisation von Systemen ausgehen, Revolutionen von Oben funktionieren nicht und werden auch bei der  Kassenreform zu keinem guten und nachhaltigen Ergebnis führen. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn die Politik auch die Erfahrung und Expertise der Ärztinnen und Ärzte und ihrer Vertretung in allen Phasen der Vorbereitung der geplanten Kassen-Reform einbezieht.

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Wem Datenschutz wichtig ist, der muss aus Befund-ELGA heraus optieren

Wer sicher sein möchte, dass seine persönlichen Gesundheitsdaten nicht an Dritte weitergegeben werden, muss aus der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) heraus optieren.

Das aktuellen Kommunikations-Chaos der Bundesregierung zur Frage, wann sensible Gesundheitsdaten aus der Befund-ELGA aus welchen Gründen zu Forschungszwecken an Dritte weitergegeben werden dürfen, ist eine Zumutung. Transparente, seriös vorbereitete und erfolgreich verkaufte Politik, die von den Bürgern auch verstanden wird, sieht anders aus.

Die Verwendung von Daten der Befund-ELGA für Forschungszwecke muss, so wie es auch Gesundheitsministerin Beate Hartringer-Klein gefordert hat, ausdrücklich verboten werden. Wird das Forschungsorganisationsgesetz, so wie von der Regierung vorgesehen, diese Woche im Nationalrat beschlossen, können ab 2019 Universitäten, Fachhochschulen, Museen, Forschungsabteilungen von Konzernen und sogar Einzelpersonen im In-und Ausland um eine Bewilligung ansuchen, Befund ELGA-Daten für Forschungszwecke zu verwenden.

Ich nehme die Bedenken von Datenschützern sehr ernst, die kritisieren, dass das bloße Löschen der Namen für eine zuverlässige Anonymisierung nicht ausreicht. Machen wir uns keine Illusionen: Wo es einen gelockerten Zugriff auf Daten gibt, dort gibt es auch Potenzial für Datenmissbrauch. Bei Gesundheitsdaten ist das besonders heikel.

Die Regierung sollte sich also besser um die Benutzerfreundlichkeit der Befund-ELGA kümmern, und nicht um Erleichterungen bei der Weitergabe von Gesundheitsdaten. Denn der Verbesserungsbedarf ist hier unverändert enorm.

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Viel versprechende Verhandlungen mit der WGKK

Wie versprochen halte ich Sie über die Verhandlungen mit der WGKK auf dem Laufenden.

Nach intensiven Wochen und stundenlangen Verhandlungen sieht es derzeit so aus, dass wir noch Ende April zu einem Ergebnis kommen könnten. Die Gespräche finden in einem intensiven, aber durchaus konstruktiven Klima statt und schreiten zügig voran. Es ist mittlerweile auch völlig unstrittig, dass es JETZT eine massive Aufwertung der Haus- und Kinderärzte braucht.

Auch sind wir bei den Gesprächen zu einer Liberalisierung des Gruppenpraxis-Vertrages weit voran geschritten. So sollen zukünftig die Ordinationszeiten und die Vertretungen wesentlich flexibler gestaltbar sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt in den Gesprächen ist die Möglichkeit des Parallelarbeitens im hausärztlichen Bereich. Hier versuchen wir erstmalig auf Basis des bestehenden Gesamtvertrages rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zu guter Letzt möchte ich Sie auch darüber informieren, dass wir intensiv über die Möglichkeit einer Tele-Ordination verhandeln. Wir sind der Meinung, dass im Jahr 2018 sowohl eine Information per Telefon, als auch per eMail mit der Krankenkasse abrechenbar sein sollte und deshalb in den Honorarkatalog aufzunehmen ist.

Sollten wir tatsächlich Ende April die Verhandlungen abschließen können, werden wir Sie natürlich schnellstmöglich informieren.

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AUVA: Weg mit den versicherungsfremden Leistungen, her mit ehrlichen und leistungsgerechten Honorierungen.

Derzeit redet alles über die geplante Abschaffung der AUVA. Ein Thema, das nicht nur die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte, sondern auch den niedergelassenen Bereich betrifft. Es zeigt klar auf, dass in unserem System die versicherungsfremden Leistungen zu einem echten Problem werden. Die AUVA-Spitäler erbringen Leistungen auf höchsten Niveau, für die allerdings nun die ausreichende Finanzierung wackelt.

Auch der Chef des Hauptverbandes, Dr. Alexander Biach, spricht nun diese Problematik völlig zu Recht an.

Im Niedergelassenen-Bereich kritisieren wir schon seit Jahren, dass Leistungen wie der Mutterschutz oder die Arbeitslosenversicherung zu einem chronischen Budgetloch der Krankenkassen führen. Dieses Budgetloch wirkt sich seit vielen Jahren dramatisch auf die Leistungen im niedergelassenen Bereich aus.

Gerade in Zeiten, in denen es zu großen Umwälzungen in unserem System kommen soll, muss man diesen Missstand endlich beseitigen. Also weg mit den versicherungsfremden Leistungen und endlich her mit ehrlichen und leistungsgerechten Honorierungen.

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Patientendaten gehen nur Patienten und Ärzte etwas an

Mit Erleichterung nehme ich zur Kenntnis, dass Gesundheitsministerin Hartinger-Klein der Weitergabe von sensiblen ELGA-Patientendaten jetzt eine klare Absage erteilt hat. Denn die im ELGA-System gespeicherten Daten gehen nur die Patientinnen und Patienten und die sie behandelnden Ärztinnen und Ärzte etwas an.

Positiv sehe ich auch die Bereitschaft des Gesundheitsministeriums, gemeinsam mit der Ärzteschaft grundsätzliche Verbesserungen des e-Befundes der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA zu evaluieren, denn da gibt es noch immer enormen Verbesserungsbedarf. Das gesamte System ist auf keinem aktuellen technischen Stand, bietet keinen guten Ein- und Überblick über die Krankengeschichte von Patienten, kostet die Ärzte enorm viel Zeit, die dann am Patienten fehlt und hat nicht einmal eine funktionierende Suchfunktion.

Die Evaluierungsphase hat begonnen und ich bin zuversichtlich, dass wir auch hier zu einer gemeinsamen Lösung kommen werden, wie wir es auch etwa bei der e-Medikation geschafft hatten.

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WHO-Weltgesundheitstag 2018: Eine flächendeckende Gesundheitsversorgung werden wir auch in Österreich nicht geschenkt bekommen

 

Mit dem Weltgesundheitstag 2018 zum Thema „Universal Health Coverage“ macht die WHO auf den hohen Stellenwert einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung aufmerksam. Ihr Appell: Jeder Mensch soll Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen können, und zwar unabhängig Wohnort und ohne dabei in eine finanzielle Notlage zu geraten.

Wie aus einem gemeinsamen Bericht der WHO und der Weltbank hervorgeht, hat mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keinen umfassenden Zugang zu essenziellen Gesundheitsdienstleistungen. Außerdem würden jedes Jahr zahlreiche Haushalte durch notwendige gesundheitsbezogene Ausgaben in die Armut abgedrängt.

Aus meiner Sicht ist eine möglichst hochwertige flächendeckende Gesundheitsversorgung für alle Menschen, unabhängig von ihrem gesellschaftlichen und finanziellen Status, ein medizinisches und ethisches Muss. Wo das nicht Realität ist, muss dieses Ziel politisch angestrebt werden. Es gibt heute Diagnosen und Therapien auf höchstem Niveau, und es geht darum, dass möglichst viele Menschen in aller Welt davon profitieren können.

Natürlich ist das auch in Österreich im Wesentlichen politischer und gesellschaftlicher Konsens, aber ist das auch die Versorgungs-Realität? Aus meinen tagtäglichen Beobachtungen und aus zahlreichen Analysen weiß ich, dass wir uns hierzulande von diesem angestrebten Zustand tendenziell eher entfernen, als ihn weiter zu optimieren. Natürlich befinden wir uns in Österreich in einer Gesundheitsversorgungs-Situation, um die uns die Bevölkerung in großen Teilen der Welt beneidet, und das aus gutem Grund. Doch darf das kein Motiv für Selbstzufriedenheit sein, denn die soziale Medizin ist auch bei uns bedroht und perspektivisch gefährdet: Stichworte sind hier der sich verschärfende Ärztemangel, zu wenig ärztlicher Nachwuchs, Personalknappheit in Krankenhäusern, zum Teil völlig unzumutbar lange Wartezeiten auf Untersuchungs- und Behandlungstermine, zunehmendes Desinteresse von Ärzten an einem Kassenvertrag und deshalb immer weniger Kassenärzte.

Diese Entwicklung müssen nicht nur wir Ärztevertreter im Auge behalten, vor Defiziten warnen, diese ansprechen sobald sie sich bemerkbar machen, und konsequent gegensteuern.

Wer sich eine private Medizin nicht leisten kann, spürt die Auswirkungen der aktuellen negativen Entwicklungen oft schon jetzt am eigenen Leib, und aus heutiger Sicht wird sich dieser Zustand verschärfen. Nach seriösen wissenschaftlichen Berechnungen werden in Europa schon in ein paar Jahren eine Million „Gesundheitsdiensleister“ – also Ärzte, Pflegepersonen, etc. – fehlen. Für Ersatz zu sorgen wäre eine Aufgabe der Politik, doch sehe ich keine Lösungsansätze.

Bei der Gesundheit zu sparen, gilt in der österreichischen Politik offenbar weithin als Tugend – die Kassen geraten geradezu in einen Freudentaumel, wenn sie von unserem Versichertengeld einmal weniger ausgeben als ursprünglich vorgesehen, und die Gesundheitspolitik schwärmte früher jahrelang von einem „Kostendämpfungspfad“. Hier brauchen wir einen Paradigmenwechsel: Das Gesundheitssystem soll nicht nur zur Gesundheit der Bürger beitragen, es ist auch ein wichtiger Wirtschaftsbereich, der Innovation und Arbeitsplätze bedeutet und in den investiert werden muss. Und dass Gesundheit in einer Gesellschaft, die größer, älter und damit versorgungsintensiver wird, zunehmend mehr und nicht weniger kosten kann – will man das Niveau halten und an die neuen medizinischen Möglichkeiten anpassen – ist klar.

Privatisierungen im Gesundheitssystem sind hier nicht die Lösung – Investoren stehen zwar Schlange, doch ist der Primat der Betriebswirtschaft in der Krankenbetreuung alles andere als wünschenswert. Und wie sich die geplanten Kassen-Zusammenlegungen in der Versorgungsrealität der österreichischen Regionen auswirken werden, sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, wird man sehen.

All das gilt es aufmerksam zu beobachten, und für die von der WHO anvisierte „flächendeckenden Gesundheitsversorgung“ gilt es gesellschaftlich und politisch zu kämpfen, wenn immer nötig. Wir werden diese in Zukunft nicht geschenkt bekommen. Der Weltgesundheitstag 2018 bietet einen guten Anlass, daran zu erinnern.

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