Es gibt viele gute Gründe gegen Aut-idem

Die von Bundesminister Anschober aufs Tapet gebrachte Wirkstoffverschreibung bringt die Patientensicherheit in Gefahr. Sehr gerne stellen wir hier unsere Expertise zur Verfügung.

Rezeptierungen dürfen aus gutem Grund nur Ärztinnen und Ärzte leisten. Die Aut-idem-Regelung, die besagt, dass Apotheker ein anderes als das vom Arzt namentlich verordnete, aber wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben dürfen, bringt nämlich mehrere große Sicherheitsprobleme mit sich:

  • Die Wirkstoffe von Original und Generikum mögen ident sein, aber es gibt durchaus wesentliche Unterschiede bei Füllstärke und Zusätzen.
  • Die Einschätzung von möglichen Wechselwirkungen mit der Medikation der Patienten können Apotheker fachlich gar nicht leisten.
  • Darüber hinaus könnten ältere Personen völlig unnötig verunsichert werden, wenn sie nicht ihre gewohnten Medikamente erhalten und womöglich ständig wechselnde Medikamente bekommen.
  • Statt medizinischer Aspekte würden dann der Lagerstand des Apothekers beziehungsweise die Interessen der Pharmariesen, in deren Eigentum ein guter Teil der Apotheken stehen, entscheiden, welche Medikamente ein Patient erhält. Hier sehen wir als Experten die Sicherheit der Patienten in Gefahr.

Selbstverständlich wird die Ärztevertretung an Gesprächen teilnehmen und dort ihr offensichtlich dringend benötigtes Fachwissen einbringen, aber eines ist klar: Maßnahmen zu Lasten der Patientensicherheit wird die Ärzteschaft sicher nicht unterstützen.

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 Österreichische Gesundheitskasse nimmt ihre Kernaufgaben nicht wahr

Mit der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) und mit der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS) sind gute zukunftsorientierte Gespräche in Hinblick auf eine bevorstehende zweite Corona-Welle möglich. Doch leider ist die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) als größter Gesundheitsplayer, bei der über sieben Millionen Österreicherinnen und Österreicher versichert sind, diesbezüglich eine Enttäuschung. Anstatt aus den bisherigen Erfahrungen der ersten Corona-Welle und des Shutdown zu lernen und  das Positive mitzunehmen und auszubauen, ist die Stoßrichtung der ÖGK-Verantwortlichen schlicht rückwärtsgewandt: Die ÖGK nimmt ihre Kernaufgabe, für eine vorausblickende Gesundheitsversorgung in Österreich zu sorgen, nicht wahr.

Auf Länderebene ist zwar eine grundsätzliche Bereitschaft für eine vernünftige Vorbereitung erkennbar, das darüberstehende Dach der ÖGK-Führung steht aber auf der Bremse. Das beginnt bereits bei der verantwortungsvollen Vorbereitung und Planung der Beschaffung von ausreichend Schutzausrüstung für den Gesundheitsbereich, wo eine klare Zusage für die Vertragspartner fehlt. Ebenso geht die ÖGK beim Thema Impfen, insbesondere in Hinblick auf die gefährliche Kombination der jährlichen Influenzasaison mit einer zweiten Corona-Welle, in Deckung – da fehlen Überlegungen für die Zukunft.

Auch Corona-Tests sollen weiter Privatsache oder Sache der Länder bleiben und werden nicht zu den Kassenleistungen aufgenommen, obwohl eine umfangreiche Testung der Bevölkerung im allgemeinen Interesse liegt.

Für den niedergelassenen Kassenarztbereich gibt es seitens der ÖGK auch keine fortschrittlichen Visionen. So wurde etwa das telemedizinische Angebot der Ärzteschaft von den Patientinnen und Patienten während der Corona-Zeit stark in Anspruch genommen. Dieses System sollten wir gemeinsam ausbauen, und vor allem muss es auch im Honorarkatalog der ÖGK entsprechend abgebildet werden, damit die Ärztinnen und Ärzte ihre telemedizinischen Leistungen auch entsprechend abgegolten bekommen. Leider ist aber das Gegenteil der Fall: Die ÖGK will diverse Leistungen ab Oktober, also möglicherweise genau mit Beginn der zweiten Corona-Welle, wieder wie früher limitieren, statt Telemedizin auszubauen und Limitierungen zu lockern, um den niedergelassenen Bereich in der Krise stabil zu halten.

Zu guter Letzt ist die Unterstützung der ÖGK auch bei der Problematik von Ausgleichszahlungen für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für die Zeit des Shutdown absolut nicht das, was junge Ärztinnen und Ärzte überzeugen könnte, Kassenärzte zu werden. Die ÖGK-Funktionäre vergessen dabei, dass die Kassenärzte während dieser Zeit ihre Ordinationen offen halten mussten und dies auch taten, aber das Patientenaufkommen und damit auch ihre Einnahmen massiv zurückgingen.

Es ist für mich völlig unverständlich, dass beispielsweise in Deutschland die Sozialversicherungen längst Ausgleichszahlungen beschlossen haben, jedoch die ÖGK hier noch immer im Verbund mit der Bundesregierung  gesundheitspolitischen Beton produziert.

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Problematischer Rückstau in der Vorsorgemedizin – jetzt Impfungen nachholen

Wir haben heute zu einem Pressegespräch zum Thema Impfen eingeladen, weil es zuletzt in der politischen und medialen Diskussion an Bedeutung zugelegt hat. Und weil aktuelle, im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 stehende Entwicklungen einen zusätzlichen Handlungs- und Innovationsbedarf unterstreichen.

Wir verzeichnen derzeit einen problematischen Rückstau in der Vorsorgemedizin, der auch eine größer werdende Impflücke einschließt. Diese Entwicklung steht unter anderem im Zusammenhang mit dem Shutdown, den die Bundesregierung Mitte März ausgerufen hat. Wie erinnerlich, wurden Arztpraxen damals einerseits aufgefordert, geöffnet zu bleiben um für Patienten notfalls zur Verfügung zu stehen. Andererseits sollten möglichst nur Akutpatienten Arztpraxen aufsuchen, um das Risiko einer Infektionsübertragung zu minimieren. So wurden viele Vorsorgemaßnahmen, darunter auch Impfungen, verschoben. Die Impflücke, die schon aufgrund der verbreiteten Impfskepsis ohnehin größer ist, als es der Gesundheit zuträglich ist, vergrößerte sich weiter.

Jetzt geht es darum, nach dem Wiederhochfahren der Arztpraxen den vorsorgemedizinischen Nachholbedarf möglichst schnell wieder auszugleichen. Wir haben bei diesem Pressegespräch, bei dem auch  die Impf-Expertin Frau Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmid von der MedUni Wien und Dr. Rudolf Schmitzberger, der Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer teilgenommen haben, eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie man die Impflücke verkleinern kann. Denn jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt, um überfällige Impfungen nachzuholen.

Aus der Sicht der Ärztevertretung ergeben sich eine Reihe von Forderungen:

  • Zunächst einmal sollten alle zur freien Berufsausübung berechtigten Ärztinnen und Ärzten impfen dürfen – ohne jede Fachbeschränkung. Diese Forderung der Ärztekammer muss endlich in Form einer Änderung des Ärztegesetztes umgesetzt werden. Die jetzige Aufhebung der Fachbeschränkung, dass Kinderärzte keine Erwachsenen impfen dürfen, ist nur vorübergehend durch eine Pandemieverordnung aufgehoben.
  • Wir fordern, dass Patienten in Arztpraxen uneingeschränkt Impfstoffe beziehen können, weil das den Zugang zu Impfstoffen und Impfungen erheblich vereinfacht.
  • Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Aufnahme der Influenza-Impfung in das Gratisimpfkonzept muss unbedingt umgesetzt werden. Hier warten wir noch auf die Bestätigung und die Details. Kinder, im speziellen Kindergartenkinder, sind bei der Influenza massive Verbreiter der Infektion. Sie systematisch gegen Influenza zu immunisieren ist aus vorsorgemedizinischer Sicht besonders wichtig.
  • Die Zeit drängt allerdings, weil die Bestellkontingente der einzelnen Länder bei Influenza-Impfstoffen vermutlich bereits ausgeschöpft sind. Die Länderzuteilung der Hersteller für 2020/21 erfolgt nach der letztjährigen Verbrauchssituation, und Österreich liegt mit weniger als 10 Prozent nicht in der Top Liga. Nach unseren Informationen wird die von Österreich bestellte Impfstoff-Menge für die bevorstehende Influenza-Saison hinter dem Bedarf zurückbleiben. Hier erwarten wir vom Gesundheitsministerium noch einen maximalen Einsatz.
  • Impfen ist ärztliche Tätigkeit, und soll das auch bleiben. Apotheker, deren Standesvertretung zunehmend darauf drängt, dass ihre Mitglieder nicht nur Impfstoffe verkaufen, sondern auch Impfungen durchführen dürfen, sind absolute Fachleute: aber eben nur auf ihrem Gebiet. Ihnen fehlt jegliche klinische Ausbildung. Im Impfplan ist klar festgehalten, was zur Impfleistung gehört. Apothekern fehlt bereits die Ausbildung, um die Impftauglichkeit fundiert festzustellen. Sie sind nicht geschult, akute Impfreaktionen zu behandeln, etc. Die im österreichischen Impfplan ebenfalls vorgeschriebene Impfaufklärung und Nachbeobachtung nach einer Impfung stellen für die Apotheken weitere Herausforderungen dar. Impfen ist aus gutem Grund eine rein ärztliche Tätigkeit.
  • Um den Zugang zu Impfungen zu erleichtern, sollten vermehrt Impfungen am Arbeitsplatz durchgeführt werden.
  • Wir fordern staatlich verstärkt finanzierte Aufklärungs- und Impfprogramme.

Sehr gerne wird die Ärztekammer im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch weiterhin alles tun, um die Bürger von der Sinnhaftigkeit von Schutzimpfungen zu überzeugen. Aber dafür brauchen wir auch eine deutliche und konsequente Unterstützung durch die Politik.

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Österreich braucht mehr ärztliche Hausapotheken

Gerade die Coronazeit zeigt, dass ein Dispensierrecht für Ärzte unerlässlich ist. Mehr Hausapotheken können in einer künftigen Pandemiezeit, etwa bei einer möglichen zweiten COVID-19-Welle, maßgeblich zu einer niedrigeren Infektionskurve beitragen. Über 90 Prozent der niedergelassenen Kassenärztinnen und Kassenärzte haben ihre Ordinationen in den vergangenen Wochen trotz der grassierenden COVID-19-Pandemie offengehalten. Im Sinne größerer Patientensicherheit wäre es optimal, wenn Patientinnen und Patienten künftig ihre Medikamente gleich beim Arzt bekommen und sich den Weg in die Apotheke sparen könnten.

Ich fordere deshalb ein Dispensierrecht für Ärztinnen und Ärzte.

Durch diese Maßnahme kann man die Versorgung wesentlich verbessern, besonders dadurch, dass Ärztinnen und Ärzte in den Ordinationen 24 Stunden zu erreichen sind – auch außerhalb der Geschäftszeiten der gerade offenen Apotheken. Damit kann auch vermieden werden, dass kranke Patientinnen und Patienten weite Wege in Kauf nehmen müssen, um ein Medikament zu bekommen. Gebrechliche Patienten müssen aktuell oft sogar ein Taxi bitten, die Medikamente zu besorgen.

Das Dispensierrecht für Ärzte ist dringend notwendig, um die Versorgung der Bevölkerung zukunftssicher zu machen.

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Positiver ÖGK-Vorstoß zum Ausbau des Psychotherapieangebots

Die Ärztekammer begrüßt ausdrücklich den Vorstoß der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), das Psychotherapieangebot in Österreich zukünftig auszubauen. Damit würde eine langjährige Forderung der Ärztekammer erfüllt.

Der stellvertretende ÖGK-Obmanns Andreas Huss hat kürzlich angekündigt, dass die ÖGK in nächster Zeit 20.000 zusätzliche Plätze für Psychotherapie auf Kassenkosten in Österreich schaffen wolle. Gerade in Zeiten einer Pandemie, in der viele Menschen von großer Unsicherheit und Ängsten begleitet werden, ist es enorm wichtig, psychotherapeutische Angebote zu verstärken und den Menschen diese im Rahmen der sozialen Krankenversicherung auch niederschwellig zu ermöglichen.

Enttäuschend finde ich allerdings den Umstand, dass Herr Huss mit keinem Wort auf den ebenfalls notwendigen Ausbau von Kassenplanstellen für Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie eingegangen ist. Im Invertragnahmeausschuss der Ärztekammer für Wien haben wir beispielsweise fünf zusätzliche Kassenplanstellen für Kinder- und Jugendpsychiater gefordert. Doch der ÖGK ist dieses Ansinnen im Sinne einer ausreichenden kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in Wien nicht einmal eine Antwort wert gewesen.

Für eine breitere psychotherapeutische Versorgung essenziell ist auch die Möglichkeit der Rückerstattung seitens der Sozialversicherung von Gesprächsleistungen von Allgemeinmedizinern, die das PSY III-Diplom erworben haben. Gerade der Hausarzt hat eine besondere Bedeutung, wenn es um die niederschwellige Versorgung bei psychischen Problemen geht. Er kennt meist sehr gut das soziale Umfeld seiner Patienten und deren Familien.

Hier ist die soziale Krankenversicherung ebenfalls gefordert, Anstrengungen zu unternehmen, diese Expertise auch im Honorarkatalog abzubilden. Denn nur so kann gewährleistet werden, psychische Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen, zu behandeln und gegebenenfalls einer weiteren fachärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Versorgung zuzuführen.

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Corona-Krise: Ausgleichs-Zahlungen auch für Ärztinnen und Ärzte

Heute in den Räumlichkeiten der APA eine virtuelle Pressekonferenz mit Präsident Thomas Szekeres, Vizepräsident Wolfgang Weismüller und mir zum Thema Corona-Zwischenbilanz in Wien. Ich hebe die beeindruckenden Leistungen und den enormen Einsatz niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Allgemeinen und der MitarbeiterInnen des Ärztefunkdienstes im Besonderen während der Krise hervor. Es darf nicht sein, dass diese Kolleginnen und Kollegen dafür büßen dürfen, dass sie unter persönlichem gesundheitlichem und wirtschaftlichem Risiko ihre Ordinationen offenhalten mussten, am Ende des Tages dann aber dafür sogar zahlen müssen, weil sie weniger Einnahmen hatten und zum Teil auf ihr privates Vermögen zurückgreifen mussten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Im Unterschied zu anderen Branchen mussten Vertragsärzte ihre Ordinationen offenhalten, hatten aber zum Teil um bis zu 90 Prozent weniger Patientenaufkommen, weil die Patientinnen und Patienten aus Präventionsgründen Ordinationen nur in Notfällen aufsuchten und die Tarifmodelle der Sozialversicherung nicht auf Telemedizin ausgerichtet sind.

Weniger Patientinnen und Patienten bedeuteten einen Umsatzrückgang um bis zu 90 Prozent, das aber bei gleichbleibenden laufenden Kosten. Hier fordern wir von der Politik, dass letztendlich die Republik ausgleichend eingreifen muss, sofern die Sozialversicherungen das nicht machen können. Denn alle erhalten Zuschüsse in Millionenhöhe, für alle gibt es Pakete: für die Gastronomie, für den Handel, die Friseure, die persönlichen Dienstleister. Das ist gut so, es muss aber auch für Ärztinnen und Ärzte gelten.

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ÖGK droht an Versorgungssicherung zu scheitern

Dass die Coronakrise die strukturellen Schwächen der Österreichischen Gesundheitskasse rigoros offen gelegt hat, zeigen auch die jüngsten Medienberichte um die wirtschaftliche Situation des Ergebnisses der „größten Reform der Zweiten Republik“ ((c) Bundeskanzler Kurz). Nun allerdings droht die ÖGK an ihrer Hauptaufgabe zu scheitern, der Versorgungssicherung. Denn eines ist zweifelsfrei: Den Ärztinnen und Ärzten 80 Prozent der Vorjahreseinnahmen als rückzahlbares Darlehen zu acontieren, wird nicht ausreichen, um sicherzustellen, dass die niedergelassene Infrastruktur auch bei einer möglichen zweiten Periode oder Welle von Coronavirus-Infektionen ihre Versorgungsleistung aufrechterhalten kann.

Kassenärztinnen und -ärzte haben während der Krise zu über 90 Prozent ihre Ordinationen  offengehalten, um die wohnortnahe Versorgung in Notfällen zu garantieren und damit die dringend notwendige Entlastung der Spitäler/Intensivstationen zu ermöglichen. Und das trotz Gefährdung ihrer persönlichen Gesundheit, und nicht zuletzt verschärft durch den kassenseitig verstärkten Mangel an Schutzausrüstung.

Wie ÖGK-Vizeobmann Andreas Huss völlig zu Recht festgestellt hat, sind die Patientenkontakte während der Krise, bedingt durch die Pandemievorschriften, teilweise auf ein Minimum gesunken. Somit standen – anders als in anderen Branchen bzw. Wirtschsftsbetrieben – den weiter laufenden Kosten der Arztpraxen rapide schwindende Umsätze gegenüber. Das bedeutet für viele Ärztinnen und Ärzte eine zum Teil  existenzbedrohende Situation.

Schließlich darf man auch den Stelelnwert der niedergelassenen Ärzte als Arbeitgeber nicht übersehen – der niedergelassenen Bereich sichert  mehr als 25.000 Arbeitsplätze. Dieser gesamte Bereich – also nicht nur herkömmliche Wirtschaftsbetriebe, sondern auch Arztpraxen – muss wirtschaftlich aufgefangen werden. Ohne Geld in die Hand zu nehmen, wird das nicht funktionieren.

Auch wenn der bestehende Leistungskatalog den bewundernswerten Einsatz der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht angemessen abbilden kann, muss deren Leistung ohne Wenn und Aber honoriert werden.

Wenn hier nichts wirksames unternommen wird und/oder sich die Situation weiter verschärft, werden es sich viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte nicht länger leisten können, ihre Mitarbeiter und den Betrieb weiter zu finanzieren. Die Regierung und die Gesundheitskasse werden hier die erforderlichen Schritte setzen müssen, um die kassenärztliche Versorgung der Zukunft zu sichern.

Dachverbandschef Peter Lehner hat erst vor einigen Tagen öffentlich „volle Unterstützung“ für die Ärzte bei ihrer Forderung nach vollem Verlustausgleich zugesagt. Wir gehen davon aus, dass das auch die Stoßrichtung der Österreichischen Gesundheitskasse sein wird.

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Zum 1. Mai: Mein herzlicher Dank an ÄrztInnen und ihre Teams

Sehr geehrte Frau Kollegin,

Sehr geehrter Herr Kollege,

ich darf den 1. Mai zum Anlass nehmen, um Ihnen und Ihrem Team ganz besonders herzlich für Ihr Engagement und ihre Arbeit in den vergangenen Wochen zu danken. Sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen Ihren Patientinnen und Patienten in einer ungemein schwierigen Situation zur Verfügung, die gleichzeitig von hohen gesundheitlichen und hohen wirtschaftlichen Risiken gekennzeichnet war.

Als niedergelassene Ärztinnen und Ärzte befanden und befinden Sie sich in der Corona Krise in einer sehr besonderen Situation, die sich grundsätzlich von der Lage anderer Berufe und Branchen unterscheidet: als Ärzte mussten sehr viele von uns unsere Ordinationen geöffnet halten, um für unsere Patienten da zu sein. Und gleichzeitig erging der Auftrag an die Bevölkerung, möglichst nur in Akutfällen eine Arztpraxis aufzusuchen. Das bedeutet für uns Ärzte finanzielle Aufwendungen für das Aufrechterhalten der Infrastruktur unserer Ordination, bei gleichzeitig enorm verringerten Umsätzen.

Wir fordern deshalb von der Politik, diese Besonderheit auch in angemessener Art und Weise zu berücksichtigen. Wir setzen uns dafür ein, dass es neben einer adäquaten Entschädigung der Wahlärztinnen und Wahlärzte eine Honorargarantie für Kassenärzte in der Dimension des Vorjahresumsatzes gibt. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Ärzteschaft muss aufgefangen werden. Zum einen in Berücksichtigung der enormen Leistungen, die von uns niedergelassenen Ärzten unter schwierigen und risikoreichen Bedingungen erbracht wurden und werden. Und zum anderen, um die niedergelassene ärztliche Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.

Ich danke Ihnen anlässlich des „Tages der Arbeit“ noch einmal dafür, dass Sie und Ihre Teams diese Leistungen erbracht haben, und wünsche Ihnen und ihren Nächsten ein schönes und erholsames verlängertes Wochenende. Sie haben es sich wahrlich verdient.

Ihr Johannes Steinhart

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ÖGK hat in der Corona-Krise bisher völlig versagt

Auf die aktuelle Pressesussendung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) über ihre Leistungen während der Corona-Krise kann man eigentlich nur mit Verwunderung reagieren. Dass die ÖGK ihren Vertragspartnern ausreichend Liquidität zusichert, ist für mich eine Null-Meldung, weil Acontierungsregeln der Honorare seit Jahrzehnten vereinbart sind, denn die Kassen brauchen monatelang zum Abrechnen. Sonst hat die ÖGK während der Krise aber leider nichts geliefert und es fehlt jegliche erkennbare Bereitschaft, die Ärzteschaft für die Verluste zu entschädigen.

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wurden von der Kasse völlig im Stich gelassen. Bei der Versorgung der Ordinationen mit ausreichend Schutzausrüstung hat die ÖGK viel zu wenig organisiert. Die Ärztekammern haben gemeinsam mit den Bundesländern und privaten Spendern dafür gesorgt, dass die Ordinationen auch in der Krisenzeit offengehalten werden konnten. Und das bei einem um bis zu 90 Prozent geringeren Patientenaufkommen, was zu existenzbedrohenden Umsatzeinbrüchen bei vielen Kassenärztinnen und -ärzten geführt hat. Da erwarte ich konkrete Aussagen der ÖGK zu Ausgleichszahlungen an die betroffenen Ärztinnen und Ärzte, die während der Krise ihre Ordinationen geöffnet hielten und auch das Ordinationspersonal weiter beschäftigten – und nicht leere Worthülsen.

Klare Worte und Unterstützung gefordert

Besonders bedauerlich ist es, wenn die ÖGK nicht einmal bereit ist, öffentlich die Forderung der Vertragsärzteschaft, die ihnen seit Wochen bekannt ist, gegenüber der Bundesregierung zu unterstützen – hier würden wir uns klare Worte und Unterstützung der Vertragspartner wünschen. Ordinationen können nicht mit anderen Berufsgruppen in einen Topf geworfen werden, weil wir nicht zusperren konnten. Über 90 Prozent der Kassenärztinnen und -ärzte hatten geöffnet und haben mit hohem persönlichen Einsatz die niedergelassene Gesundheitsversorgung aufrechterhalten.

Dass sich die Kasse jetzt die Möglichkeit von telemedizinischen Leistungen durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte auf ihre Fahnen schreibt, ist schlechterdings lächerlich, denn das, was wir haben, ist für die Pandemie viel zu wenig, und bis jetzt hat sich die ÖGK geweigert, sinnvolle neue telemedizinische Leistungen und ein umfangreiches Tarifmodell für Telemedizin zu schaffen.

Das elektronische Rezept funktioniert wirklich gut. Aber wir hören von der Sozialversicherung, dass man das wieder abschaffen und durch ein bürokratisches und teures E-Rezept ersetzen will. Dafür fehlt in der Ärzteschaft jegliches Verständnis; sinnvoller wäre es, das inzwischen bei Ärzten und Patienten funktionierende System weiterzuentwickeln.

Lange Liste der Versäumnisse

Dazu gibt es für die ÖGK noch eine Menge offener Punkte abzuarbeiten. Die Liste der Versäumnisse ist beachtlich lang. Nach zwei Monaten gibt es immer noch keinerlei Aktivitäten in Bezug auf die Forderung nach mehr Kassenplanstellen, ein fix-fertiges Kinderzentrum mit 56 Wochenstunden Versorgung im 22. Wiener Bezirk wird seit Monaten von der ÖGK verschleppt, und Labors haben nach wie vor keine Rahmenbedingungen, um Testungen mit der ÖGK abzurechnen.

Ich fordere die Verantwortlichen auf, endlich aufzuwachen und ihre Verantwortung für die Gesundheitsversorgung in Österreich wahrzunehmen.

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Auch für Arztpraxen Schritt zurück zur Normalität

Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, können Ordinationen wieder hochgefahren werden. Die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Infektionen waren erfolgreich und das erlauben es, einige Maßnahmen wieder zu lockern – auch in Arztpraxen.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Ordinationen nun wieder zu einem der Situation angepassten Normalbetrieb zurückkehren. Nach den vorbildlich absolvierten Wochen der Fokussierung auf Covid-19, die dank des Einsatzes aller Ärztinnen und Ärzten höchst erfolgreich gelaufen ist, soll nun auch die gewohnte Versorgung aller Patientinnen und Patienten wieder sichergestellt werden. Auch Routine-, Kontroll-, Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen sowie Impfungen können wieder durchgeführt werden, sofern die in der Empfehlung vorgesehenen Maßnahmen erfüllt sind.

Patientinnen und Patienten sollten aber weiterhin vorher telefonischen Kontakt mit der Ordination aufnehmen und in der Ordination Masken tragen. Davon abgesehen gilt aber immer: Wir Ärztinnen und Ärzte waren vor der Krise für Sie da, wir sind während der Krise für Sie da und wir werden weiterhin für Sie da sein.

Damit die niedergelassene Gesundheitsversorgung aber auch weiterhin gesichert bleibt, ist das Hochfahren auch wichtig für das wirtschaftliche Überleben vieler Ordinationen. Die Ärztekammer hat auch dazu ein Forderungspaket an die politisch Verantwortlichen übergeben. Darin werden Ausgleichszahlungen für alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit und ohne Kassenvertrag gefordert, und zwar in Höhe von 100 Prozent des Vorjahresumsatzes im Abrechnungszeitraum der Pandemie – abzüglich allfälliger sonstiger staatlicher Unterstützung und abzüglich der verrechenbaren Honorare.

Zentrale Voraussetzung für das Wiederhochfahren des Betriebes ist ein weiterhin achtsames Vorgehen. Neben entsprechender Schutzausrüstung und Hygienemaßnahmen sollte der Praxisalltag immer noch der Krisenzeit angepasst bleiben. Das bedeutet, das Risiko täglich kritisch zu evaluieren, Untersuchungen nach Dringlichkeit zu reihen und die direkte Kontaktzeit mit Patientinnen und Patienten so weit wie möglich einzugrenzen. Zudem soll weiter auf telefonische Voranmeldung, Patienten- und Wartezeitenmanagement geachtet werden. Dazu gibt es eine entsprechende Informationsbroschüre samt Checkliste.

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