Vereinbarung mit dem HV zur Anstellung von Ärzten bei Ärzten: ÖÄK-Forderung ging endlich in Erfüllung

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und die Österreichische Ärztekammer haben sich auf eine gesamtvertragliche Vereinbarung geeinigt, die die Bedingungen für den Einsatz von Ärzten bei Ärzten gemäß Ärztegesetz regelt. Dem vorausgegangen sind lange und intensive Verhandlungsrunden. Vorbehaltlich der Beschlussfassung in den jeweiligen Gremien tritt die Vereinbarung am 1. Oktober 2019 in Kraft. Die Vereinbarung wurde heute in Alpbach bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt.

Damit ist ein lang gehegter Wunsch der Ärztekammer in Erfüllung gegangen: Mit der Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten ist eine kurzfristige Bedarfsabdeckung leichter möglich, die Patientenversorgung im niedergelassenen Bereich wird ausgeweitet und die Patienten können mit teils erweiterten Ordinationsöffnungszeiten rechnen.

Auch für die Ärzteschaft gibt es entscheidende Vorteile: Die Vereinbarung bildet die Wirklichkeit des Arbeitsalltags besser ab, weil Teilzeitverhältnisse ermöglicht wird. Dies wiederum hat direkte Auswirkungen auf die Work-Life-Balance des Arztes. Wir wissen, dass vor allem junge Kolleginnen und Kollegen dem System oft verloren gehen, weil sie zu wenig attraktive Teilzeitarbeitsmodelle vorfinden. Zumindest im niedergelassenen Bereich steht nun eine attraktive Alternative zur Verfügung, zum Beispiel im Falle eines Wiedereinstiegs nach einer Karenz. Ältere ordinationsführende Ärztinnen und Ärzte haben zudem die Möglichkeit einer deutlichen Arbeitserleichterung vor ihrem Pensionsantritt.

Die Kontinuität im ärztlichen Ablauf einer Ordination ist durch die neue Vereinbarung nicht gefährdet. Einerseits darf ein Arzt im Vollzeitäquivalent von 40 Stunden höchstens ein anderes Vollzeitäquivalent einstellen (Gruppenpraxen, Primärversorgungseinheiten: zwei). Andererseits regelt die Vereinbarung, dass der Ordinationsinhaber maßgeblich zur persönlichen Berufsausübung in der Ordination verpflichtet ist, er also nicht die Hauptarbeit dem angestellten Arzt überlassen oder sich gänzlich aus dem Ordinationsbetrieb zurückziehen darf.

Die Vereinbarung sieht folgende Eckpunkte vor:

  • Ausweitung der Versorgung: Die Anstellung eines fachgleichen Arztes ist sowohl für die Aufstockung der Vertragsarztstelle und damit die Erweiterung des Leistungsspektrums (temporär oder auf Dauer) als auch für die gemeinsame Abdeckung der vorhandenen Vertragsarztstelle (vergleichbar dem Jobsharing) möglich. Bekannt gegeben werden müssen vom Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit) die Zeitdauer, das Ausmaß der geplanten Anstellung sowie, wenn eine Aufstockung der Kassenstelle angestrebt wird, die geplante Steigerung der Patientenzahl und die geplanten Öffnungszeiten.
  • Abrechnung durch den Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit): Die vom angestellten Arzt erbrachten Leistungen können mit dem Versicherungsträger im selben Ausmaß abgerechnet werden, wie dies bei Erbringung der Leistung durch den Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit) möglich wäre. Die Abrechnung der vertragsärztlichen Leistungen gegenüber dem Versicherungsträger erfolgt ausschließlich durch den Vertragsarzt (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit); der angestellte Arzt erhält das zwischen ihm und dem Vertragspartner als Dienstgeber vereinbarte Entgelt.
  • Unbefristete Anstellungen im Falle eines festgestellten Ärztemangels: Wenn im Rahmen der Stellenplanung zwischen der zuständigen Landesärztekammer und dem ASVG-Versicherungsträger im Versorgungsgebiet ein ungedeckter Bedarf an einer vollen oder anteiligen Kassenstelle festgestellt wird, der mangels Bewerber für die konkrete Stelle nicht durch die Ausschreibung einer Einzelpraxis oder einer Gruppenpraxis beziehungsweise eines Gruppenpraxisanteils abgedeckt werden kann, ist die Genehmigung der Anstellung unbefristet zu erteilen.
  • Befristete Anstellungen im Falle eines zeitlich begrenzten Zusatzbedarfs: Im Falle eines zeitlich begrenzten Zusatzbedarfs (zum Beispiel zum Abbau von Wartezeiten oder bei Teilabdeckung einer vakanten Stelle) wird die Genehmigung der Anstellung nur befristet erteilt.
  • Teilweise erweiterte Öffnungszeiten: Erfolgt die Anstellung zur Aufstockung der Vertragsarztstelle (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit), müssen die Öffnungszeiten entsprechend angepasst werden. Erfolgt die Anstellung jedoch ohne Zusatzbedarf, gelten die bisherigen Öffnungszeiten des Vertragsarztes (Vertragsgruppenpraxis, Primärversorgungseinheit).
  • Alterslimit: 70 Jahre: Der anzustellende Arzt darf zum Zeitpunkt der Anstellung das 70. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, es sei denn, Landesärztekammer und Versicherungsträger erteilen eine Ausnahmegenehmigung wegen drohender ärztlicher Unterversorgung.
  • Freie Arztwahl für die Patienten sichergestellt: Zur Sicherstellung der freien Arztwahl sind die regelmäßigen (wenn möglich auch aktuellen) Anwesenheitszeiten des Vertragsarztes (Gesellschafter einer Vertragsgruppenpraxis beziehungsweise Primärversorgungseinheit) und des angestellten Arztes gegenüber den Patienten transparent zu machen.

Vielen Dank an HV-Vorsitzenden Dr. Alexander Biach für die abermals gute Zusammenarbeit und konstruktive Verhandlung.

 

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Hausapotheken bringen allen was.

Zu den jüngsten Diskussionen rund um die Aut-idem-Regelung: Versorgungslage, Patientenservice und kassenärztlicher Bereich würden sich durch mehr Hausapotheken deutlich verbessern. Sollten die Apotheken keine flächendeckende Versorgung mehr garantieren können, bringt sich die Ärztekammer gerne mit Vorschlägen zur Problemlösung ein. Beispielsweise würde eine Ausweitung der Hausapotheken schlagartig die patientennahe Versorgung und das Patientenservice verbessern.  Gleichzeitig würde dies eine Erleichterung für die anscheinend überlasteten Apotheken bedeuten.

Dass man die bisherige Kilometergrenze überdenken sollte, ist nach den Vorkommnissen rund um die Hausapotheke im steirischen Scheifling ohnehin offensichtlich. Dort ist deutlich zu Tage getreten, wie gering die Versorgung der Patienten im Vergleich zum Kampf um Prinzipien geachtet wird.

Mehr Hausapotheken würden zudem mehr „One-Stop-Shops“ für die Patientinnen und Patienten bedeuten und so gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine große Entlastung bringen. Weiters könnten Hausapotheken dafür sorgen, dass potenzielle Wahlärzte wieder vermehrt doch in den Kassenbereich gehen könnten.

Dann braucht Patientenanwalt Gerald Bachinger nicht mehr obskuren Ideen über Zwangsdienste von Medizinern nachhängen und auch nicht mehr die Interessen bestimmter merkantil orientierter Apothekerkreise vertreten, sondern könnte sich wieder für das Wohl von Patientinnen und Patienten einsetzen – sehr gerne natürlich mit uns gemeinsam. Für konstruktive Vorschläge zu Verbesserungen sind wir immer zu haben.

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Ärzte wissen am besten, welches Medikament ein Patient braucht.

Im heutigen Morgenjournal wurde die Tatsache, dass derzeit in Österreich 210 Medikamente nicht lieferbar seien, von der Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayer als Anlass interpretiert, eine Aut idem Regelung einzuführen: Es sollten künftig nur noch Wirkstoffe und nicht der Namen eines konkreten Medikaments von den Ärzten verschrieben werden. Der Apotheker sucht dann ein ihm geeignet erscheinendes, vorrätiges Produkt aus. Unterstützt werde dieses Ansinnen von Patientenanwalt Gerald Bachinger.

Dass sich Patientenanwalt Bachinger vor den Karren der Apothekerinteressen spannen lässt, ist ein Ärgernis mehr in seiner Amtsführung. Dass zahlreiche Medikamente nicht lieferbar sind, ist allerdings alles andere als ein Argument für eine generelle Regelung, die es Apothekern ermöglichen soll, an Patienten nicht das konkrete ärztlich verschriebene Medikament abzugeben. Sondern nach Belieben ein anderes Produkt mit demselben Wirkstoff. Eines, das sie gerade gelagert haben. Sehr wohl aber sind Lieferengpässe ein Argument für eine bessere Lagerhaltung.

Dass als Bioäquivalenz gilt, wenn die Bioverfügbarkeit eines Generikums innerhalb von 80 bis 125 Prozent jener des Originalpräparates liegt, zeigt die enormen Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten, die hier vom Apotheker nach Belieben – und nach der Zufälligkeit und Maßgabe der Lagerbestände – verkauft werden können sollen. Allerdings wissen nur Ärztinnen und Ärzte, was ihre Patientinnen und Patienten im Einzelfall brauchen, und nicht der Verkäufer dieser Medikamente.

Der Vorstoß der Apotheker hat ein erkennbares Motiv: Eine bessere und umfänglichere Lagerhaltung ist anspruchsvoll, und deshalb bei Apothekern unpopulär. Doch hier muss sehr kompromisslos die Qualität der Behandlung und die Sicherheit der Patienten im Vordergrund stehen. Ein Patientenanwalt, der diesen Namen verdient, sollte das eigentlich auch so sehen.

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Mit Ostblock-Konzepten saniert man keine Gesundheitsversorgung, Herr Stadtrat Hacker!

Wer dachte, dirigistische Konzepte a la Ostblock-Staaten gehörten der Vergangenheit an, sah sich jetzt bei der Zeitungslektüre eines Schlechteren belehrt. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker sieht die Zukunft des niedergelassenen ärztlichen Bereichs nämlich so: „Man wird darüber nachdenken müssen, ob man sich in Zukunft weiter einfach so als Wahlarzt niederlassen kann – nach 15 Jahren öffentlich finanzierter Ausbildung…Immerhin sind die Ärzte wie die Notare ein geschützter Beruf mit einem Wettbewerbsverbot, weil die öffentliche Versorgung garantiert werden muss.“

Anders formuliert heißt das etwa: Die Obrigkeit schreibt uns Ärztinnen und Ärzten vor, ob wir als Wahlärzte ordinieren dürfen oder nicht, weil die öffentliche Hand unsere Ausbildung bezahlt hat. Nach dieser dirigistischen Logik müsste jeder Philosophie-Absolvent als hauptberuflicher Philosoph arbeiten und jeder Jus-Absolvent als Richter, Notar oder Anwalt – und nicht etwa als Manager, Journalist oder Fremdenführer. Tatsächlich können sich Absolventen solcher Studien natürlich aus freiem Willen für eine bestimmte berufliche Tätigkeit entscheiden – begrenzt allenfalls durch die Realitäten des Arbeitsmarktes. Und für uns Ärzte soll das nicht gelten? Wir sollen alle, sofern wir uns nicht für eine Karriere im Spital entscheiden, im Rahmen von Kassenverträgen arbeiten – so hat es Herr Hacker ja wohl gemeint. Hier gehen ihm wohl die dirigistischen Pferde durch.

Wehren wir den Anfängen

Unsere Antwort kann nur sein: Wehren wir den Anfängen. Wird so etwas tatsächlich traurige Wirklichkeit, ist eine Arbeitsmarktpolitik wie in der DDR zum Greifen nahe. Ich gehe nicht so weit, Herrn Hacker das zu unterstellen, aber man muss seine Aussagen sorgfältig im Auge behalten. Denn Bürokratisierung und Konzernisierung hängen wie ein gesundheitspolitisches Damoklesschwert über der ärztlichen Freiberuflichkeit.

Mit dirigistischen DDR-Konzepten lassen sich die gesundheitspolitischen Herausforderungen jedenfalls nicht bewältigen.

Wer Wahlärzte abschaffen will, gefährdet die Gesundheitsversorgung

In Herrn Hackers Interview darf auch das übliche Argument der Ärztemangel-Leugner nicht fehlen: „Wir haben so viele Ärzte wie nie zuvor, aber ein Verteilungsproblem: Immer mehr werden nicht Kassen- sondern Wahlarzt. Sie sind aber keine Alternative.“

Einspruch: Wahlärzte sind eine unersetzliche Säule der niedergelassenen ärztlichen Versorgung. Wer sie abschaffen oder dezimieren will, gefährdet die Gesundheitsversorgung und vertreibt Ärzte geradezu ins Ausland. Bitte also um etwas mehr Realitätssinn.

Stadtrat Hacker bestraft damit die Patienten, denen man die Möglichkeit nimmt, aus eigenen Stücken zum Wahlarzt zu gehen, und es verlängert noch weiter die Wartezeiten im öffentlichen System. Wahlärzte sind ein Ventil für Menschen, die es sich leisten können, und sie sind indirekt ein wichtiger Beitrag zur sozialen Gesundheitsversorgung derer, die sich eine Privatmedizin nicht leisten können oder wollen. Ein Verbot von Wahlärzten ist kontraproduktiv, da es nur zu noch mehr Wartezeiten und Zulauf in die Spitalsambulanzen führen würde.

Ärztemangel: ärztliche Versorgung nicht behindern, sondern fördern

Ich empfehle außerdem einen Blick auf die Ärztestatistik und die Prognose für die nächsten zehn Jahre, wonach jeder zweite Kassenvertragsarzt bis dahin das Pensionsalter erreicht haben wird, und der Nachwuchs aus heutiger Sicht diese Abgänge niemals ersetzen wird. Man sollte also schon deshalb die ärztliche Versorgung nicht behindern, sondern fördern.

Stadtrat Hacker empfiehlt des weiteren „Kammer und Gesundheitskasse“ sich zu überlegen, „wie sie den niedergelassenen Bereich in Schwung bekommen“. Bitte sehr: Wahlärzte sind besser in die öffentliche Versorgung miteinzubinden, denn aktuell ist eine Versorgung ohne die mehreren Tausend Wahlärzte in Wien undenkbar.

Wir brauchen außerdem allein in Wien 300 zusätzliche Kassenplanstellen. Es ist kein Wunder, dass Patienten u.a. deshalb zu Wahlärzten wechseln, wenn sie keine freien Termine bei Kassenärzten aufgrund von deren Überlastung erhalten.

Tätigkeit von Kassen- und Wahlärzten attraktivieren

Die Stadt Wien solle sich gemeinsam mit der Sozialversicherung Gedanken machen, die Tätigkeit des Kassenarztes und des Wahlarztes zu attraktivieren. Denn eines muss unstrittig sein: Will man Ärzte in Wien bzw. Österreich halten, dürfen die kassen- wie wahlärztlichen Arbeitsbedingungen hierzulande nicht schlechter sein als in anderen Ländern.

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ELGA muss neu konzipiert werden!

ELGA muss neu konzipiert werden, damit nicht weiter mit sensiblen Patientendaten experimentiert wird. Man darf ein derart großes Projekt nicht beginnen, ohne es vorab ausreichend getestet zu haben. ÖÄK-Vizepräsidenten Harald Mayer, der  Kurienobmann der angestellten Ärzte und ich sind hier völlig Meinung: Wir beide reagieren mit  völligem Unverständnis auf eine jüngst getätigte Aussage von Volker Schörghofer, dem für ELGA zuständigen Generaldirektorstellvertreter im Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Gegenüber der „Presse“ hatte dieser gemeint, dass die jüngsten Ausfälle nicht zu verhindern gewesen wären, weil es „Massentests“ benötige, um mögliche Schwierigkeiten zu erkennen. Zu den massiven Problemen sei es gekommen, weil viele Ärztinnen und Ärzte zeitgleich auf ELGA zugegriffen hätten.

Dass viele Ärztinnen und Ärzte gleichzeitig auf ELGA zugreifen ist jedoch keine völlig überraschender, unvorhersehbarer Einzelfall, sondern eine erwartbare Selbstverständlichkeit, auf die Herr Schörghofer vorbereitet sein sollte – ebenso wie ELGA. Ein derart großes Projekt wie ELGA muss schon technisch ausgereift sein, bevor es auf Ärzte und Patienten losgelassen wird.

Es ist genau das eingetroffen, wovor die Ärztekammer immer gewarnt habe, eELGA war von Anfang an nicht ausgereift, die Ausfälle verärgern Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten gleichermaßen und führen zu unnötigen Wartezeiten in den Praxen. Es kann nicht sein, dass mit sensiblen Patientendaten experimentiert wird.

ELGA muss neu konzipiert werden!

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Herr Patientenanwalt, der Ärztemangel braucht ernsthafte Lösungsansätze

Die jüngsten Vorschläge von Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger sind einmal mehr weit davon entfernt, sinnvolle Konzepte gegen den Ärztemangel zu sein. Mehr Kompetenzen für Apotheker und Pflegekräfte werden am Ärztemangel nichts ändern. Apotheker und Pflegekräfte sind nicht dafür da, Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu verordnen. Und telemedizinische Versorgung kann uns Ärztinnen und Ärzte – wenn man es richtig macht – zwar unterstützen, sollten uns aber auf keinen Fall ersetzen.

Dass Patientenanwalt Bachinger seinem Dienstgeber etwas Gutes tun will, ist verständlich, und so erklärt sich auch seine Idee, dem Land mehr Kompetenzen einzuräumen. Aber auch das Land Niederösterreich kann keine Patienten behandeln.

Bachingers Vorschlag, dass eine Standesvertretung, die unter anderem für medizinische Expertise steht, nicht die für sie relevanten Verträge mitverhandeln soll, ist schlechterdings abwegige. Patientensicherheit und bestmögliche medizinische Versorgung sind keine Verhandlungsmasse. Ärztinnen und Ärzte können nicht Bittsteller von Land oder Krankenkasse sein und zulassen, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.

Was wir – wie schon vielfach kommuniziert und bis ins Detail vorgerechnet – vielmehr brauchen, sind attraktivere und mehr Kassenstellen, und Ärzte, die ihre Zeit nicht mit Bürokratie oder unausgereiften ELGA-Projekten vergeuden, sondern sich stattdessen ausreichend  um ihre Patienten kümmern können.

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ELGA: Politischer Wille zum Neustart ist zu begrüßen

Die jüngsten Entscheidungen der Politik, externe Spezialisten und eine Taskforce auf die Probleme im ELGA-System anzusetzen, sind überfällig und begrüßenswert. Dem Ministerium ist zu dieser Entscheidung zu gratulieren. Es zeigt, dass sich die Verantwortlichen der bisherigen Probleme bewusst geworden sind und der Wille zur Verbesserung da ist.

Wir haben schon lange Zeit auf die unzumutbaren Missstände im Zusammenhang mit ELGA hingewiesen, ohne Unterstützung zu erhalten. Die Situation hatte in der Folge zuletzt unerträgliche Ausmaße angenommen. Angesichts der Dimension der Ausfälle und der erheblichen Störungen im Behandlungsprozess sollte man auch über Entschädigungen für Patienten und Ärzte nachdenken.

Darüber hinaus bleibt es natürlich bei der Forderung, dass vor der Ausrollung des e-Befundes erst die 47 definierten Punkte der Taskforce umgesetzt werden müssen. Beispielsweise ist hier die Patient Summary, die alle handlungs- und haftungsrelevanten Daten zusammenfasst, ein absolutes Muss für die Ärzteschaft.

Es stellt sich in diesen Zeiten der Fusionen auch mehr denn je die Frage, ob sich Österreich mit ELGA GmbH, SVC und ITSV wirklich gleich drei staatliche IT-Firmen leisten will, die an der Entwicklung von e-Projekten im Gesundheitswesen arbeiten. Die multiplen Strukturen verhindern offensichtlich die Fokussierung auf die Kernaufgaben, weshalb eine Bereinigung der Strukturen auf IT-Seite sinnvoll wäre.

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Weiterhin massive und zeitraubende Ausfälle bei der e-Medikation

Weiterhin kommt es zu massiven und zeitraubenden Ausfällen bei der e-Medikation. Die derzeitige Unzuverlässigkeit ist besorgniserregend und unzumutbar. Die vermehrten Ausfälle sorgen unter Ärztinnen und Ärzten für Frust, Zeitverlust und zunehmende Beunruhigung darüber, wie es mit ELGA weitergehen soll. Es zeichnet sich hier keinerlei Besserung ab.

Seit 28. März 2019 gab es im Zusammenhang mit der e-Medikation 13 Ausfallsereignisse mit einer Ausfallzeit von bis zu vier Stunden. Insgesamt war die e-Medikation in diesem Zeitraum über 13 Stunden lang nicht verfügbar, über eine Million Patientinnen und Patienten dürften von den Ausfällen betroffen gewesen sein, rechnet Dietmar Bayer, Referent im ÖÄK-Referat Telemedizin und medizinische Informatik und Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark, vor. Das bedeute eine immense Störung des Behandlungsprozesses für Ärzte und Patienten und eine drastische Erhöhungen der Wartezeiten.

Diese Situation ist inakzeptabel. Die ELGA-Betreiber verharren leider in ihrem bürokratisch-starren Denken, anstatt eine serviceorientierte und brauchbare Lösung zur Verfügung zu stellen, mit der Ärztinnen und Ärzte produktiv arbeiten können. In Fragen der Usability zeigen sich die Verantwortlichen leider beratungs- und einwandsresistent. Statt für Verbesserungen für die Ärzteschaft zu sorgen, beschränkt man sich dort auf die Kontrolle der Bürokratie.

Wir werden jedenfalls nicht locker lassen, bis ein ausgereiftes und zumutbares Produkt vorliegt.

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Stopp der Gewalt gegen Ärzte und Sprechstundenhilfen

Anlässlich des tragischen Messerangriffs auf einen Kollegen im SMZ Süd haben wir heute ein Pressegespräch zum Thema „Gewalt gegen Ärzte“ organisiert.  Hier einige Anmerkungen aus der Sicht eines Vertreters der niedergelassenen Ärzteschaft. Auch in den niedergelassenen Arztpraxen haben Aggression und Gewaltbereitschaft inzwischen ein völlig inakzeptables Ausmaß erreicht, das auf keinen Fall einfach hingenommen werden darf. Hier sind dringend wirksame Gegenmaßnahmen auf breiter gesellschaftlicher, politischer und rechtlicher Basis erforderlich.

Um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen, haben wir eine Online-Blitz-Umfrage unter niedergelassenen Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag in Wien durchgeführt. Das ist der Bereich, aus dem wir bisher die meisten Klagen von Ärzten gehört haben.

Alarmierende Umfrageergebnisse

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind hochgradig alarmierend:

  • 57 Prozent der Ärztinnen und Ärzte, die unsere Fragen beantwortet haben, haben den Eindruck, dass Aggression und Gewalt gegen Ärzte insgesamt zunimmt.
  • 97 Prozent haben in den vergangenen 24 Monaten von Kollegen gehört, dass diese von Patienten oder Angehörigen verbal bedroht wurden.
  • 80 Prozent wurden in diesem Zeitraum selbst verbal bedroht.
  • 70 Prozent haben in diesem Zeitraum von anderen Ärzten gehört, dass diese körperlich angegriffen wurden.
  • 10 Prozent wurden selbst körperlich bedroht.

Ganz offensichtlich hat also der Trend zur sinkenden Hemmschwelle, zum Einschüchtern und aggressiven Einfordern von Leistungen auch unsere Arztpraxen erreicht. Das darf auf keinen Fall bagatellisiert werden.

Noch gibt es in Österreich zum Thema Gewalt in Arztpraxen – anders als z. B. seit einiger Zeit in Deutschland – kaum repräsentative Daten. Eine größer angelegte Umfrage der Wiener Ärztekammer läuft gerade, und wir erhoffen uns aufschlussreiche Ergebnisse.

Nach den Angaben des deutschen „Ärztemonitors 2018“ kommt es in deutschen Arztpraxen täglich zu insgesamt 75 Fällen körperlicher und 2.870 Fällen verbaler Gewalt. Jeder vierte niedergelassene Arzt wurde zumindest einmal im Berufsleben mit körperlicher Gewalt durch Patienten konfrontiert. Basis dieser Ergebnisse ist die Befragung von etwa 7.000 Ärzten. Es ist davon auszugehen, dass sich solche Ergebnisse im Wesentlichen auf Österreich umlegen lassen.

Am häufigsten, das zeigt eine Untersuchung, kommt es im Konfliktfall zu Beleidigungen und Beschimpfungen, Sachbeschädigung, Rufschädigung und Cyber-Mobbing, also Verleumdung im Internet. In Berichten ist vom Beißen, Spucken, Treten oder Stoßen die Rede. Einem Wiener Arzt wurde von einem Patienten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, einem anderen das Nasenbein gebrochen.

An von Gewalt betroffenen Ärzten oder Sprechstundenhilfen gehen solche Übergriffe nicht immer spurlos vorüber: Es kann zu Angst, Depressionen oder dem Verlust der Arbeitsfreude kommen, oft sind Kriseninterventionen oder psychotherapeutische Begleitung nötig.

Typische Konfliktauslöser

Was sind typische unmittelbare Konfliktauslöser? Zum Beispiel fordern Patienten eine Therapie, die aber medizinisch nicht angemessen ist und/oder von den Kassen nicht bezahlt wird. Oder sie fordern eine Krankschreibung, die nicht gerechtfertigt ist. Oder sie beanstanden lange Wartezeiten in der Ordination, und nehmen Anstoß daran, dass vorgemerkte Patienten oder Notfälle vorgereiht werden. Natürlich können kranke Menschen und ihre Angehörigen verletzlich sein und überempfindlich reagieren. Aber es darf nicht sein, dass sich das in Form von Bedrohungen entlädt.

Keine Bagatellisierung – Gemeinsames Vorgehen gegen Gewalt

Deshalb ein klares Nein zu Aggression gegen Ärzte und ihre Mitarbeiter. Gewalt in den Ordinationen darf nicht zum individuellen Problem einzelner Betroffener kleingeredet werden. Gesetzgeber, Politik, Sozialversicherungen und Interessensvertretungen sind gefordert, sich dieses Themas anzunehmen, und wir hoffen hier auf die Unterstützung der Medien. Aggression in Arztpraxen muss gesellschaftlich geächtet werden, und es ist wichtig, das auf möglichst breiter Basis zu vermitteln.

Übergriffe sind keine Bagatellen. Sie können Rechtsbrüche und kriminelle Delikte darstellen und müssen entsprechend verfolgt werden. Ärztevertretungen in Italien und Deutschland fordern hier bereits schärfere Strafen. Ich plädiere dafür, Übergriffe gegen Ärzte und ihre Mitarbeiter in gleichem Umfang und mit gleichen Konsequenzen zu ahnden, wie Übergriffe gegen Exekutivbeamte.

Prävention im Vordergrund

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Prävention. Es geht darum, in Arztpraxen das Geeignete zu tun, damit Konflikte möglichst gar nicht erst entstehen. Zu diesem Zweck haben wir zunächst einmal in Wien niedergelassenen Ärzten und ihren Mitarbeitern spezielle Workshops angeboten. Dort lernen sie unter anderem, potenzielle Aggressoren zu identifizieren, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, Deeskalationsmethoden zu üben, Strategien zur Beherrschung von Gefahrensituationen zu erlernen, und sich notfalls in Sicherheit zu bringen und Hilfe zu holen. Diese Workshops sind völlig ausgebucht und sehr beliebt, weshalb wir ständig weitere anbieten.

Wir werden das Thema Aggression und Gewalt in Arztpraxen sehr sorgfältig verfolgen, konsequent Gegenmaßnahmen entwickeln und Ärztinnen und Ärzten unterstützen, wenn sie Rat und Hilfe brauchen.

 

 

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Laufende Abstürze beweisen: ELGA ist noch nicht ausgereift.

Auch heute gab es wieder schwere Ausfälle bei der e-Medikation. Diese stehen mittlerweile schon an der Tagesordnung. In der aktuellen Debatte rund um die Ausrollung von ELGA-Funktionen sehe ich mich leider deutlich bestätigt: Die beinahe täglichen Abstürze bei der e-Medikation zeigen ganz klar, dass dieses System noch lange nicht ausgereift ist. Durch diese Instabilität entsteht in den Ordinationen nur Mehraufwand und Frust. Niemand von uns hat die Zeit, um sich mit einer so brüchigen Technik herumzuschlagen.

Für uns Ärztinnen und  Ärzte stand immer schon fest: ELGA muss benutzerfreundlich sein und eine Zeitersparnis bringen. Davon sind wir heute noch weit entfernt, daher können wir eine Ausrollung von e-Befunden natürlich nicht empfehlen. Bis es soweit sein kann, gibt es noch sehr viel zu tun. Wir werden die weitere Entwicklung kritisch verfolgen. Sollte sich keine deutliche Verbesserung einstellen, werden wir über eigene Maßnahmen nachdenken.

Ein derart fehlerhaftes System ist jedenfalls weder Ärzten noch Patienten zumutbar.

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