Hausapotheken: Apothekerkammer soll nicht wirtschaftliche Eigeninteressen über Patientenbedarf stellen

Der letzte Vorstoß von Apothekerkammer-Präsidentin Mursch-Edlmayr  ist in geradezu absurder Weise durch die Eigeninteressen der Apothekerkammer motiviert und eindeutig gegen die Gesundheitsversorgung auf dem Land gerichtet. Sie bezeichnete dabei die ärztliche Hausapotheke als die „schlechteste und am wenigsten nachhaltige Lösung“ und fordert, dass ärztliche Hausapotheken nicht den Bestand der öffentlicher Apotheken gefährden dürfen.

Das hält keinem Faktencheck stand, denn tatsächlich ist es genau umgekehrt: Die Gründungen neuer öffentlicher Apotheken in ländlichen Regionen führten in Österreich in den vergangenen zehn Jahren zu einem Zusperren von 62 ärztlichen Hausapotheken, hingegen wurden 155 öffentliche Apotheken neu eröffnet. Die negativen Folgen dieser Entwicklung hat die Bevölkerung zu tragen, die dadurch eine bewährte wohnortnahe Versorgung verliert.

Die vielen Neugründungen bei öffentliche Apotheken bringen es mit sich, dass auch Standorte mit niedrigem Umsatzpotenzial gewählt wurden und werden, wodurch Apotheken früher oder später in Bedrängnis geraten. Bis dahin haben sie allerdings aufgrund der Gebietsschutz-Regelungen des in diesem Punkt völlig überholten Apothekergesetzes bestehende ärztliche Hausapotheken bereits verdrängt. Wenn die Apothekerkammer jetzt behauptet, dass eine ärztliche Hausapotheke in jeder Gemeinde zum Zusperren von mehr als 600 öffentlichen Apotheken führen würde, dann zeigt das, wie brüchig das wirtschaftliche Fundament vieler Apotheken bereits ist. Die Lösung kann also nur sein: Mehr ärztliche Hausapotheken.

Wer die betriebswirtschaftlichen Probleme von Apothekern, die sich finanziell überhoben haben, auf Kosten der Patientenversorgung lösen möchte, handelt alles andere als ethisch.

Auch die Forderung der Apothekerkammer-Präsidentin, den Bereitschaftsdienst der Apotheken analog zum ärztlichen Notdienst aus Mitteln der öffentlichen Hand zu finanzieren, da dies die Apotheken jährlich 36 Millionen Euro koste und sich „wirtschaftlich nicht mehr ausgehe“, stößt bei uns auf Kritik. Hausärzte mit Hausapotheke  können schließlich ihre Patienten direkt mit ihren ärztlich verordneten Medikamenten versorgen, und das ohne Nacht- oder Feiertagszuschläge.

Aus gutem Grund warnen wir seit längerem vor einer ärztlichen und medikamentösen Versorgungskrise in ländlichen Regionen. Denn aufgrund des Apothekengesetzes müssen immer mehr Ärztinnen und Ärzte am Land ihre Hausapotheken schließen. Fast jede zweite der neuen öffentlichen Apotheken wurden 2009 bis 2018 in Gemeinden mit 1.000 bis 5.000 Einwohnern eröffnet, und ganz besonders dort kam es durch die Neueröffnungen – die im Apothekengesetz festgeschriebenen Mindestentfernungen zwischen ärztlichen Hausapotheken und öffentlichen Apotheken schreiben das so vor – zu einer Verdrängung bestehender ärztlicher Hausapotheken. Das Apothekengesetz muss also überarbeitet und liberalisiert werden; Wir brauchen im Sinne einer bestmöglichen Versorgung ein duales System.

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Ärztekammer beschließt neuen Leistungskatalog für alle Kassenärzte

Die Bundeskurie niedergelassene Ärzte der Österreichischen Ärztekammer hat in ihrer jüngsten Sitzung einen vollständig überarbeiteten, an die Entwicklungen der modernen Medizin angepassten und alle medizinischen Fächer umfassenden Leistungskatalog für Kassenärzte beschlossen. Damit liegt eine solide und belastbare Grundlage für die künftigen Verhandlungen zwischen der Ärztekammer und der Österreichischen Gesundheitskasse vor. Dieser neue Leistungskatalog ist der Beitrag der Ärztekammer für eine Kassenreform, bei der die Weichen kompetent gestellt werden, die einen echten Neubeginn darstellt und zukunftstauglich ist.

Der Hintergrund: Die kassenärztlichen Leistungskataloge haben sich in Österreich bisher über Jahrzehnte oft recht wildwüchsig entwickelt, sind regional unterschiedlich ausgefallen und entbehren häufig der Logik und Systematik. Die Entwicklungen haben nicht immer mit dem medizinischen Fortschritt, mit den Bedürfnissen der Versicherten und mit der Behandlungsrealität in den Arztpraxen Schritt gehalten.

Kassenreform bietet einzigartige Möglichkeit für einen völlig neuen Leistungskatalog

Die von der Bundesregierung im Rahmen ihrer „Kassenreform“ vorbereitete Zusammenführung der neun Gebietskrankenkassen zu einer Österreichischen Gesundheitskasse bietet nun die wohl einzigartige Möglichkeit, einen völlig neuen Leistungskatalog zu implementieren. Unser Ziel ist ein einheitlicher Leistungskatalog für ganz Österreich, der aber auch genug Raum für die angemessene Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten und Besonderheiten lässt. Allen Bürgerinnen und Bürgern soll bei Bedarf das Gleiche angeboten werden können, erbrachte Kassenleistungen sollen nicht länger von der Zufälligkeit der Wohnadresse abhängen.

Mitwirkung von rund 200 interne und externe Experten aus allen medizinischen Fächer

Die Österreichische Ärztekammer hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie hat bereits vor etwa drei Jahren rund 200 interne und externe Expertinnen und Experten aus allen medizinischen Fächer damit beauftragt, Arbeitsgruppen zu bilden. Dort wurden in einem mehrstufigen Arbeitsprozess die bestehenden Leistungskataloge aller medizinischen Fächer konsequent überprüft und an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Besonders wichtig war und ist es uns dabei, sicherzustellen, dass auch wirklich alle in den Arztpraxen erbrachten Leistungen abgebildet sind und dass nicht mehr Aktuelles gestrichen wird.

Bündelung der gesammelten medizinischen Kompetenz der österreichischen Ärzteschaft

Das nun beschlossene Ergebnis dieses aufwändigen Prozesses bündelt die gesammelte medizinische Kompetenz der österreichischen Ärzteschaft und ihrer Interessenvertretung. Es ist ein Leistungskatalog von Ärzten für Ärzte und entsprechend kompetent und realitätsnahe. Ich bedanke mich bei allen, die bei diesem Mammutprojekt konstruktiv mitgearbeitet haben.

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Versorgungskrise auf dem Land spitzt sich zu. Duales System mit mehr ärztlichen Hausapotheken soll Situation verbessern.

Die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen gerät immer mehr unter Druck und wir steuern, wenn hier nichts Wirksames passiert, geradewegs auf eine Versorgungskrise zu. Die Weichen müssen dringend neu gestellt werden. Zu diesem Thema habe ich heute gemeinsam mit Silvester Hutgrabner, dem Hausapothekenreferenten der ÖÄK, aus aktuellem Anlass auf einer Pressekonferenz gesprochen.

Eine zentrale Ursache dieser Entwicklung ist, dass die Gründungen neuer öffentlicher Apotheken in ländlichen Regionen zu einem Zusperren von ärztlichen Hausapotheken führen. Es gibt davon heute um über hundert 100 weniger, als noch vor 20 Jahren. Allein in den Jahren 2009-2018 wurden in Österreich 155 öffentliche Apotheken neu eröffnet, jedoch 62 ärztliche Hausapotheken geschlossen. Das Apothekengesetz schreibt nämlich vor, dass in Gemeinden ärztliche Hausapotheken zusperren müssen, wenn ihr Abstand zur neu gegründeten öffentlichen Apotheke weniger als vier Kilometer beträgt.

Und hier tritt oft ein fataler Prozess in Kraft. Viele der auf dem Land neueröffneten Apotheken geraten, nachdem sie ärztliche Hausapotheken verdrängt haben, selbst in wirtschaftliche Bedrängnis und sind vom Zusperren bedroht. Weil es dann in der Gemeinde keine Kassenarzt-Praxis mit Hausapotheke mehr gibt, wandern Ärzte häufig ab und es wird es noch schwieriger, einen niederlassungswilligen Nachfolger zu finden. Wenn aber niemanden mehr Medikamente verschreibt, kann sie auch niemand mehr verkaufen – zum Nachteil auch der Apotheke. Diese Negativspirale dreht sich, in unterschiedlichem Tempo, gegenwärtig in sehr vielen ländlichen Regionen. Das Nachsehen haben die Bewohner, und ganz besonders kranke, immobile und alte Menschen. Hier dürfen Gesundheitspolitik und Gesetzgeber nicht länger tatenlos zusehen.

Aktuelle Umfrage: Bevölkerung schätzt ärztliche Hausapotheken

Dass die Bevölkerung Hausapotheken sehr schätzt, zeigte zuletzt eine vergangene Woche von OGM durchgeführte Befragung von 1.500 Personen, die in der ORF-Sendung Konkret vorgestellt wurde. Demnach halten 64 Prozent der Befragten Hausapotheken für sinnvoll und nur 19 Prozent für nicht sinnvoll.

Apothekengründungen in kleineren Gemeinden verdrängen ärztliche Hausapotheken

In Österreich gibt es derzeit 1.438 von Apothekern geführte Apotheken, und 794 ärztliche Hausapotheken. In Gemeinden mit bis zu 5.000 Einwohnern wurde und wird die ärztliche und pharmazeutische Versorgung überwiegend durch Allgemeinmediziner mit ärztlicher Hausapotheke wahrgenommen. Fast jede zweite der neuen öffentlichen Apotheken wurden 2009-2018 in Gemeinden mit 1.000 bis 5.000 Einwohnern eröffnet. Ganz besonders dort kam es durch die Neueröffnungen zu einer Verdrängung bestehender ärztlicher Hausapotheken. Diese Entwicklung verschärft einen negativen Trend: Denn unversorgte Gemeinden liegen sehr oft in ländlichen Regionen. 61 Prozent der Gemeinden ohne Haus- oder öffentliche Apotheke und 66 Prozent der Gemeinden ohne Kassenarzt liegen auf dem Land.

Geeignete Maßnahmen gegen das Hausapotheken-Sterben und dessen negative Auswirkungen

Der Trend zum Hausapotheken-Sterben und dessen negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung ist äußerst alarmierend und muss unbedingt gestoppt werden. Dafür muss eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden:

  • Erstrebenswert im Sinne einer besseren Arzneimittelversorgung ist ein duales System, also ein kundenfreundliches Neben- und Miteinander von öffentlichen Apotheken und ärztlichen Hausapotheken.
  • Das Apothekengesetz muss völlig überarbeitet und zeitgemäß angepasst und liberalisiert werden.
  • Der strenge Gebietsschutz für öffentliche Apotheken sei ein Anachronismus auf Kosten der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Er gehöre im Sinne eines fairen und versorgungsorientierten Wettbewerbs abgeschafft.
  • Die im Apothekengesetz festgeschriebenen Mindestentfernungen zwischen ärztlichen Hausapotheken und öffentlichen Apotheken, wonach andernfalls Hausapotheken zusperren müssen, sind ersatzlos zu streichen.

Wir unterstützen im Wesentlichen die Empfehlungen der Bundeswettbewerbsbehörde zu einer Liberalisierung des Medikamentenverkaufs und einer Lösung, die den heutigen Strukturen gerecht wird. Maßstab für allfällige Regelungen muss der reale Bedarf der Bevölkerung sein, und nicht das wirtschaftliche Interesse der Apothekenbranche.

 

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Ärztliche Hausapotheken: Erstaunliche Position der Gesundheitsministerin

Die Aussage von Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl muss Erstaunen auslösen: Sie sehe „wenig Änderungsbedarf im Hinblick auf Hausapotheken“. In einem Interview beruft sich Zarfl auf die Apothekergesetznovelle von 2006, wonach bei Ein-Arzt-Gemeinden grundsätzlich der Vorrang der Hausapotheke gilt, in Zwei- und Mehr-Arzt-Gemeinden jener des Vorrangs öffentlicher Apotheken.

Es ist allerdings befremdlich, wenn eine Ministerin die aktuellen Empfehlungen der Bundeswettbewerbsbehörde, die organisatorisch beim Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort angesiedelt ist, ignoriert und sich auf ein nicht mehr zeitgemäßes Gesetz beruft, das dringend überarbeitet werden muss. Es liegt in der Verantwortung einer Gesundheitsministerin, die Rahmenbedingungen für die bestmögliche Patientenversorgung zu schaffen. In den vergangenen zehn Jahren wurden 155 öffentliche Apotheken neu eröffnet, mehr als 100 ärztliche Hausapotheken gingen hingegen verloren – heute gibt es nur noch rund 840. Das Nachsehen bei dieser Entwicklung haben Menschen, die in entlegenen Regionen leben, und darunter ganz besonders alte und nicht mobile.

Schuld daran ist der „Mindestentfernungspassus“ zwischen öffentlichen Apotheken und ärztlichen Hausapotheken. Eine bestmögliche Versorgung heißt, dass insbesondere Patientinnen und Patienten in strukturschwachen, ländlichen Regionen direkt vom Arzt mit Arzneimitteln versorgt werden, damit sie sich lange Anfahrtswege zur nächsten Apotheke ersparen. Es ist dringend an der Zeit, die Mindestentfernung bei der Bewilligung von Hausapotheken ersatzlos zu streichen, wie es auch die Bundeswettbewerbsbehörde fordert. Zumindest im ländlichen Raum braucht die Bevölkerung ein duales System, das ein kundenfreundliches Mit- und Nebeneinander von öffentlichen Apotheken und Hausapotheken ermöglicht.

Es kann nicht sein, dass ausschließlich wirtschaftliche Interessen der Apotheken einer optimalen Patientenversorgung im Weg stehen.

 

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Wichtige Diskussion zu Komplementärmedizin – Ziel muss bestmögliche Patientenversorgung sein

Wir haben vergangene Woche in der Wiener Ärztekammer eine Veranstaltung über Perspektiven und Grenzen der Komplementärmedizin  veranstaltet, gemeinsam mit dem „Dachverband für ärztliche Ganzheitsmedizin“, der heuer 30 Jahre alt wird, wozu ich sehr herzlich gratuliere. Dazu hier ein Nachtrag, der mir wichtig erscheint.

Neben dem erfreulichen Jahrestag gab und gibt es noch ein Motiv für diese Veranstaltung, die auch innerhalb der Ärzteschaft zu Diskussionen führte: Aktuell werden die Komplementärmedizin im Allgemeinen und einige ihrer Verfahren im Besonderen sehr kontrovers diskutiert – nicht nur in Österreich, sondern in mehreren europäischen Ländern. Ein Beispiel dafür ist, in welch unterschiedlicher Art und Weise Medizinuniversitäten im In- und Ausland mit dem Thema Komplementärmedizin umgehen.

Die öffentlichen Auseinandersetzungen dazu erscheinen mir häufig sehr emotional bestimmt. Ich halte Diskussionen in der Medizin dann für etwas besonders Sinnvolles, wenn sie ergebnisoffen und mit seriösen Argumenten geführt werden. Beim Thema Komplementärmedizin scheinen mir allerdings diese Kriterien nicht immer erfüllt zu sein.

Ich persönlich setze als Facharzt für Urologie keine komplementärmedizinischen Verfahren ein, kann also nicht aus eigener Erfahrung sprechen und enthalte mich jeder Positionierung in dieser Frage. Umso mehr begrüße ich Veranstaltungen und Diskussionen zum Thema Komplementärmedizin. Ich hoffe, dass sie zu einer fruchtbaren Diskussion beiträgt und dass die gebotenen Inhalte zu einer fundierten Standortfindung beitragen. Unser Ziel muss die bestmögliche Versorgung von Patienten sein.

In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass der Begründer der Evidence Based Medicine, Prof. David Sackett, nicht nur Randomisierte kontrollierte klinische Studien und wissenschaftliche Literatur als Evidenz gelten ließ, sondern auch die Erfahrung des Arztes und die Präferenz des Patienten – Heilkunde sei nun einmal mehr als die bloße Anwendung von Studienergebnissen. Und nicht zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass immer wieder Methoden der Komplementärmedizin durch zunehmendes forschungsbasiertes Wissen zu „schulmedizinischen“ Methoden werden – die Phytotherapie zum Beispiel liefert hier eine Reihe eindrucksvoller Beispiele.

Die Situation in Österreich ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sich Umfragen zufolge eine große Mehrheit der Patienten komplementäre Behandlungen wünscht. Und wir verfügen über eine große Zahl von Ärzten, die in komplementärer Medizin gut ausgebildet sind. Rund ein Drittel der bisher rund 37.000 ÖÄK-Diplome betreffen Methoden der Komplementärmedizin und der Traditionellen Medizin. Damit ist sichergestellt, dass Komplementärmedizin von auch schulmedizinisch ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten angewendet wird. Das ist ein wichtiges Kriterium der Qualitätssicherung.

Mit Sorge beobachte ich, wie immer mehr Vertreter anderer Berufe in den Gesundheitsmarkt drängen und zum Teil dubiose Verfahren anbieten, wobei die Grenze zur Krankheitsbehandlung bei Weitem nicht immer eingehalten wird. Das sind für Patienten potenziell gefährliche Trends, die wir im Auge behalten müssen.

Aus all diesen Gründen halte ich Diskussionen über Komplementärmedizin für wichtig.

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Die ärztliche Hausapotheke und ihre Feinde

Auf den Punkt gebracht: Österreich braucht deutlich mehr ärztliche Hausapotheken und ein duales System in ländlichen Regionen, und die  Liberalisierungs-Vorschläge der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) sollten im Interesse der Medikamentenversorgung zügig politisch umgesetzt werden

Das Lamentieren der Apothekerkammer über die berechtigte Forderung nach mehr ärztlichen Hausapotheken, zuletzt heute in einer eigens einberufenen Pressekonferenz,  macht eines überdeutlich: Hier geht es einer Standesvertretung offensichtlich nicht um die bestmögliche Patientenversorgung, sondern primär um finanzielle Eigeninteressen. Auf der Pressekonferenz beklagten führende Funktionäre, dass vor allem außerhalb der Ballungszentren der Fortbestand vieler Apotheken und damit die Arzneimittel-Versorgung zunehmend gefährdet sei. Der aktuelle Bericht der BWB, der sich sehr klar für eine Liberalisierung und mehr ärztliche Hausapotheken ausspricht, drohe diese Situation noch zu verschärfen, argumentierte die Apothekerkammer.

Das ist jedoch eine rein betriebswirtschaftliche Argumentation, für die Patientenversorgung gilt genau das Gegenteil. Ärztliche Hausapotheken sind überall sinnvoll, weil Patienten beim niedergelassenen Arzt alles aus einer Hand bekommen und sich oft unnötige Wege ersparen. Ganz besonders gilt das aber in entlegenen Regionen im ländlichen Raum, wo es nur wenige öffentliche Apotheken gibt. Hier sind ärztliche Hausapotheken die richtige und einfache Lösung für ein zunehmendes Versorgungsproblem. Leider gibt es davon viel zu wenige.

Versorgungslücken füllen

In Österreich wurden in den vergangenen zehn Jahren 155 öffentliche Apotheken neu eröffnet, jedoch gingen in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 100 ärztliche Hausapotheken verloren – heute gibt es nur noch rund 840. Da sich öffentliche Apotheken vorzugsweise in vergleichsweise dicht besiedelten und deshalb potenziell profitablen Standorten niederlassen, geht diese Entwicklung voll auf Kosten der ländlichen Bevölkerung, und dort ganz besonders der älteren und kranken Menschen. Hier können ärztliche Hausapotheken die Versorgungslücken am besten füllen. Außerdem kommen hier neben dem Serviceaspekt auch ökologische Gesichtspunkte zum Tragen, weil der Straßenverkehr mit Millionen Kilometer pro Jahr weniger belastet wird, wenn man Medikamente auch beim Arzt beziehen kann, und nicht extra zur nächsten öffentlichen Apotheke fahren muss.

Doch offensichtlich fühlt sich die in den vergangenen Jahren rasch gewachsene Apothekenbranche inzwischen nicht zuletzt aufgrund zahlreicher neuer Apotheken auch an unprofitablen ländlichen Standorten in Bedrängnis, und wehrt sich mit Nachdruck gegen die grundvernünftige Forderung nach einem liberaleren Apothekenmarkt und mehr Hausapotheken.

Patientenversorgung in den Mittelpunkt stellen

Jetzt attestiert mit der BWB eine unabhängige Behörde der Ärztevertretung, dass unsere Forderung nach mehr Hausapotheken ebenso berechtigt ist wie unsere Warnung vor einer Verschlechterung der ärztlichen und medikamentösen Versorgung in ländlichen Regionen. Es ist zu hoffen, dass die Apothekerkammer ihren Widerstand gegen liberalere Lösungen endlich einstellt und die Patientenversorgung in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet ein duales System in ländlichen Regionen, aber insgesamt ein neues, an unsere Zeit und ihre Bedürfnisse angepasstes Apothekengesetz.

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Neue Studie vergleicht Gesundheitsausgaben in D-A-CH: Klarer Nachholbedarf für Österreich!

Ich bin sehr froh über diese neue Studie, weil sie einen nüchternen und sachlichen Vergleich zwischen Österreich und unseren beiden Nachbarländern ermöglicht.(https://www.wu.ac.at/fb/news). Wir brauchen dringend solche präzisen und belastbaren Zahlen als Grundlage für sinnvolle gesundheitspolitische Entscheidungen. Hier appelliere ich auch an die künftige Bundesregierung, sich in der Gesundheitspolitik von seriösen Zahlen und harten Fakten leiten zu lassen, und nicht von Vorurteilen und Ideologien.

Welche Konsequenzen ergeben sich also aus der Sicht der Ärzteschaft aus den vorgestellten Studienergebnissen?

Ärztemangel verschärft sich von Jahr zu Jahr

Beim Ärztebedarf wurde über viele Jahre in den OECD-Statistiken mit Zahlen operiert, die keinen tragfähigen internationalen Vergleich ermöglichten. Das führte zu dem verbreiteten Fehlurteil, wir hätten – trotz aller von den Patienten erlebbaren Versorgungsengpässe – keine Ärzteknappheit, sondern bloß ein „Verteilungsproblem“. Dieser Irrtum ist eine der Ursachen von vielen gesundheits- und bildungspolitischen Versäumnissen der vergangenen Jahrzehnte.

Heute haben wir in Österreich die höchste Alters-Konzentration bei Ärztinnen und Ärzten mit einem Lebensalter von 56-58 Jahren. In 10 Jahren werden bereits 37,9 Prozent aller Ärzte, in absoluten Zahlen sind das 14.449 Ärzte, dieses Alter erreicht haben. Somit gehen jedes Jahr Stellen verloren, die bei weitem nicht mit jungen Ärztinnen und Ärzten nachbesetzt werden können, weil die Entwicklung der Ärztezahlen insgesamt deutlich rückläufig ist.

Den mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf haben wir mit mindestens 1.450 Ärztinnen und Ärzten pro Jahr errechnet. Das ist die Anzahl zusätzlicher Ärzte, die wir zur Aufrechterhaltung des Status quo benötigen, um die pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren. Allerdings sind wir weit davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können: An den öffentlichen und privaten Universitäten gibt es jährlich etwa 1.400 Absolventen für Humanmedizin, und wir wissen, dass etwa 40 Prozent davon nicht in Österreich als Ärzte arbeiten werden. Es gibt also ein reales Potenzial von etwa 840 Absolventen pro Jahr, und das sind um 610 zu wenig, um den Bedarf zu decken. Die Privatuniversitäten werden aus heutiger Sicht auch in Zukunft diese Differenz nicht kompensieren können, weil diese keine Quoten für Ausländer haben.

Hier ist nicht nur die Gesundheitspolitik gefordert, sondern auch die Bildungspolitik und die Spitäler.

Es muss bereits bei der Ausbildung angesetzt werden. Dazu gehören neben einem Ausbau der Basisausbildungsstellen auch Ausbildungskoordinatoren in allen Krankenhäusern. Außerdem muss die Allgemeinmedizin in Spitälern strukturell verankert werden.

Rezepte gegen den perspektivischen Ärztemangel sind bekannt: Man kann die Zahl der Medizinstudenten erhöhen. Und/oder Landarztstipendien vergeben: wer eines bekommt, verpflichtet sich, nach Abschluss des Studiums einige Jahre in der jeweiligen Region zu arbeiten. Außerdem können Spitäler Stipendien vergeben, wenn Studierende nach dem Studium eine zeitlang dort arbeiten – in Deutschland gibt es das bereits.

Das Land Niederösterreich hat für Absolventen der Humanmedizin an der Universität Krems einen Kreditzuschuss für den Fall vorgesehen, dass die AbsolventInnen in einer Krankenanstalt des Landes Niederösterreich oder als niedergelassene ÄrztInnen für die Dauer der Kreditrückzahlung in Niederösterreich tätig sind.

Und schließlich können Jungärzte von ländlichen Regionen mit Geld und attraktiven Zusatzleistungen geködert werden.

Wie immer man im Einzelnen dazu steht, die Politik wird sich entscheiden müssen.

Zentral ist allerdings, die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit in Österreich so attraktiv zu gestalten, dass Jungärzte nicht abwandern. Hier geht es nicht nur um entsprechende Honorare, sondern auch um flexible Verträge und Arbeitsbedingungen, die den jeweiligen individuellen Vorstellungen entsprechen. Der Trend zur Gruppenpraxis, sowohl innerhalb eines Fachs als auch fächerübergreifend, ist hier unübersehbar und auch für die Versorgung der Zukunft besonders wichtig.

Was die ärztliche Tätigkeit betrifft, stehen heute Länder und Gesundheitssysteme in einem internationalen Wettbewerb. Österreich darf nicht hinter das Niveau anderer Länder zurückfallen, wenn man Absolventen im Land behalten und für Ärzte aus anderen Ländern attraktiv werden möchte.

Niedergelassener Versorgungsbereich in Österreich abgeschlagen

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen auch sehr deutlich auf, dass in Österreich der niedergelassene Versorgungsbereich im Dreiländervergleich besonders stark hinter den Krankenhausbereich zurückfällt, der für 44 Prozent aller Gesundheitsausgaben verantwortlich ist. Tatsächlich könnten viele Leistungen, die jetzt in Spitälern erbracht werden, auch von niedergelassenen Ärzten wahrgenommen werden. Das ist nicht nur für das Gesundheitssystem preiswerter, sondern auch patientenfreundlicher, weil eine wohnortnahe Versorgung in der Arztpraxis oft der „Best point of service“ ist.

Dazu ist es allerdings erforderlich, dass im niedergelassenen Bereich die ärztlichen Kapazitäten zur Verfügung stehen. Damit künftig mehr Leistungen im niedergelassenen Bereich angeboten werden können, muss der niedergelassene ärztliche Bereich zügig und massiv ausgebaut werden und es ist eine Ausweitung des Leistungsspektrums in der Kassenmedizin erforderlich. Ich wiederhole an dieser Stelle unsere Forderung nach 1.300 zusätzlichen Kassenärzten. Unabhängig von tatsächlich realisierten Einsparungen oder Mehrkosten durch die Schaffung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) erinnere ich an die von der Politik angekündigte Patientenmilliarde.

Aufholbedarf der öffentlichen Gesundheitsausgaben in Österreich

Der Dreiländervergleich zeigt aber auch, dass in Österreich die Gesundheitsausgaben mit 10,33 Prozent des BIP gegenüber Deutschland (11,23) und der Schweiz (12,18 Prozent) zurückfallen. Wir fordern deshalb von der nächsten Bundesregierung eine Anhebung der Ausgaben für das Gesundheitswesen auf 12 Prozent des BIP, damit unser Gesundheitssystem mit dem der beiden Nachbarländer schritthalten kann und nicht zurückfällt.

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Begrüße den angekündigten Ausbau der Wiener Gesundheitseinrichtungen

Der von der Gemeinde Wien angekündigte Ausbau der Gesundheitsversorgungseinrichtungen in Wachstumszonen der Wiener Außenbezirke unter anderem durch die Errichtung von neuen Apotheken wird seitens der Ärztekammer grundsätzlich gutgeheißen. Wir begrüßen die Verdichtung des Angebots in der Wiener Gesundheitsversorgung und sehen auch den Bedarf in den Stadterweiterungsgebieten für neue Apotheken. Im gleichen Atemzug fordern wir aber die Verantwortlichen der Wiener Gesundheitspolitik dringend dazu auf, für mehr Kassenstellen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zu sorgen.

Wien hat schon jetzt einen Kassenärztemangel. Gab es im Jahr 2010 noch 1.745 niedergelassene Kassenärzte, so waren es im Jahr 2018 nur noch 1.606 – und das bei einer steigenden Bevölkerungszahl von damals 1,7 Millionen auf mittlerweile 1,9 Millionen Wienerinnen und Wiener. 100 Ärztinnen und Ärzte weniger müssen 200.000 Menschen mehr versorgen. Das ist mit ein Grund für lange Wartezeiten in den Ordinationen und überlaufene Spitalsambulanzen, wohin viele Patienten ausweichen.

Ich schlage in diesem Zusammenhang und mit dem von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker attestierten Mangel an Apotheken zur Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Medikamenten vor, die Einführung von Hausapotheken bei allen Wiener niedergelassenen Hausärzten endlich zuzulassen. Das wäre der einfachste und schnellste Schritt, um die reibungslose und flächendeckende Versorgung der Wienerinnen und Wiener mit den wichtigsten Arzneimitteln zu garantieren.

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Apotheken mit fragwürdigem Vorgehen auf Kosten der Medikamentenversorgung

Dass sich einige österreichische Apotheken mit dem Verkauf von Medikamenten ins Ausland ein „Körberlgeld“ verdienen, ist schlicht empörend.

Der neu gewählte Pharmig-Präsident Philipp von Lattorff hat in Interviews die Vorgehensweise, dass Großhändler und Apotheken auf dem österreichischen Markt Arzneimittel einsammeln und in die EU verkaufen, als Grund für den Großteil des aktuellen Lieferengpasses bei Medikamenten genannt. Das bedeutet, dass ein Teil der Apotheken offensichtlich statt Versorgungsinteressen ausschließlich finanzielle Ziele verfolgt und dafür sogar eine schlechtere Versorgungslage in Österreich in Kauf nimmt. Auf der einen Seite Versorgungsengpässe zu beklagen und auf der anderen Seite zu diesem Problem durch ausschließlich finanzielle Interessen selbst beizutragen, finde ich unaufrichtig. Das stellt meiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit in Frage.

Mehr Hausapotheken daher umso wichtiger

Umso klarer ist daher, dass es deutlich mehr Anbieter im System braucht, wie etwa Hausapotheken bei Ärztinnen und Ärzten. Bei diesen kann man darauf vertrauen, dass für sie die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten im Vordergrund steht und nicht ein fragwürdiges Vorgehen wie den Export von Medikamenten ins Ausland, das ausschließlich dem eigenen Vorteil dient.

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Überlegungen zum heutigen Tag der Allgemeinmedizin

Dass die Ärztekammer den Tag der Allgemeinmedizin – der dieses Jahr in Salzburg stattfindet – anbietet, hat eine Reihe von Gründen. In erster Linie möchten wir kompetent und profund über das Fach Allgemeinmedizin informieren, um eine zusätzliche Grundlage für Ihre beruflichen Entscheidungen anzubieten. Anders ausgedrückt: Wir möchten heute Werbung für das Fach Allgemeinmedizin machen. In Zeiten der Ärzteknappheit gibt es zwischen den einzelnen Fächern der Medizin einen regelrechten Wettbewerb um junge Medizinerinnen und Mediziner, und an diesem Wettbewerb beteiligt sich aus mehreren Gründen auch die Allgemeinmedizin.

Allgemeinmedizin ist auf dem Weg zum Mangelberuf

Ein Grund ist, dass der Beruf des Allgemeinmediziners zu einem Mangelberuf zu werden droht. Damit steht dieses Fach nicht alleine, auch andere Fächer sind von dieser Entwicklung betroffen. Aber es gilt in der Allgemeinmedizin ganz besonders, solchen Trends gegenzusteuern. Denn von den niedergelassenen Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag werden in den kommenden zehn Jahren mehr als die Hälfte das Pensionsalter erreicht haben, bei den Wahlärzten sind es rund 40 Prozent. Und ausreichender Nachwuchs ist leider nicht in Sicht, die Kandidaten-Zahlen zu den Prüfungen zum Allgemeinmediziner sind sogar rückläufig. Das ist sehr problematisch, weil die Allgemeinmedizin eine zentrale Basis der Gesundheitsversorgung ist.

Subjektive Berufsaussichten werden besser

Dass die Allgemeinmedizin zunehmend zum Mangelberuf wird, hat neben den vielen problematischen Seiten dieser Entwicklung auch etwas subjektiv Vorteilhaftes: Im Spiel von Angebot und Nachfrage werden die Berufsaussichten in der Allgemeinmedizin wohl immer besser werden. Die bereits bestehende Knappheit an Allgemeinmedizinern, die sich in Zukunft – wenn nicht wirksam gegengesteuert wird – zu einem echten Ärztemangel auszuwachsen droht, wird aus heutiger Sicht die Allgemeinmedizin zu einer stark umworbenen Profession mit sehr vielen beruflichen Möglichkeit werden lassen.

Zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung

Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin haben schon heute zum Beispiel in der niedergelassenen Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle als Haus- und Familienärzte. Schon aufgrund der zunehmenden Spezialisierung in der modernen Medizin – nicht zuletzt beschleunigt durch Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz in Diagnose und Therapie, oder dem Trend zur Online-Medizin – wird die Bedeutung der Generalisten in Zukunft weiter zunehmen. Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner werden wohl zunehmend zu jener ärztlichen Instanz, die in engem Kontakt mit den Patienten die fachärztlichen Aktivitäten koordiniert und als Ansprechpartner in beide Richtungen zur Verfügung steht. Das ist nicht nur eine zentrale Rolle in der Behandlung von Patientinnen und Patienten, sondern auch ein Beruf mit einem sehr hohen Zufriedenheits-Potenzial. Dieser Gesichtspunkt sollte, neben anderen Aspekten wie den Einkünften und der Work-Life-Balance, nicht übersehen werden.

Bessere Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit

Politisch bemühe ich mich um bessere Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit. Es geht mir darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die von jungen Ärztinnen und Ärzten als ausreichend attraktiv empfunden werden. Dazu ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, was Medizinstudierende und Jungärzte wollen und wie sie sich ihren Beruf vorstellen. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass diese Vorstellungen in unsere politische Arbeit einfließen können und so die Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Ärzte der Zukunft arbeiten werden, mit zu prägen. Um die Erwartungen von Studierenden und Jungärzten kennen zu lernen, veranstalten wir unter anderem World Cafés und machen regelmäßig Umfragen, deren Ergebnisse dann in unsere standespolitische Arbeit einfließen.

Informationen durch erfahrene Praktiker

Unter anderem deshalb bieten wir Medizinstudierenden und Jungärzten Informationen über den Arztberuf, heute eben über die Allgemeinmedizin, in bestmöglicher Tiefe und Breite. Ein wesentlicher Baustein ist hier der Austausch mir erfahrenen Ärztinnen und Ärzten, diese können wohl am besten vermitteln, was in der Praxis der Allgemeinmedizin auf einen zukommt.

Wichtige Rolle der Lehrpraxis

Eine sehr wichtige Rolle spielt hier auch die Lehrpraxis, also die Möglichkeit, bei einem niedergelassenen Arzt auf bezahlter Basis zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Die Lehrpraxis schließt eine Informationslücke, indem sie es ermöglicht, sich durch das Hineinschnuppern in den Praxisalltag besser orientieren zu können. Die Lehrpraxis, deren Finanzierung durch die öffentliche Hand seit dem Vorjahr gesichert ist, wird wohl zusätzliche Impulse für die Entscheidung geben, sich für die Allgemeinmedizin zu entscheiden. Und zusätzlich wird sie zu einer besseren Ausbildung beitragen.

Anstellung von Ärzten bei Ärzten

Inzwischen gibt es einen weiteren wichtigen Fortschritt. Die Ärztekammer konnte sich kürzlich mit ihrer Forderung durchsetzen, dass Ärzte bei niedergelassenen Ärzten angestellt sein können – das gab es vorher nicht. Das bietet nicht nur eine bessere Absicherung als die gelegentliche Vertretung, damit können auch die individuellen Vorstellungen und Lebensumstände des einzelnen Arztes und der einzelnen Ärztin noch besser berücksichtigt werden.

Bessere Rahmenbedingungen: Themen auf der Agenda

Es gibt aber noch einiges zu tun, um die Allgemeinmedizin ihrem Stellenwert entsprechend zu positionieren. Zum Beispiel muss die Einkommenslücke zwischen Allgemeinmedizinern und Fachärzten geschlossen werden, der Bürokratieaufwand muss reduziert werden, der Facharzt für Allgemeinmedizin muss endlich Realität werden, und die Universitäten müssen das Fach Allgemeinmedizin stärker fördern. An all diesen Themen arbeiten wir. Die Förderung der Allgemeinmedizin und des allgemeinmedizinischen Mediziner-Nachwuchses steht also sehr prominent auf unserer Agenda.

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