Viel versprechende Verhandlungen mit der WGKK

Wie versprochen halte ich Sie über die Verhandlungen mit der WGKK auf dem Laufenden.

Nach intensiven Wochen und stundenlangen Verhandlungen sieht es derzeit so aus, dass wir noch Ende April zu einem Ergebnis kommen könnten. Die Gespräche finden in einem intensiven, aber durchaus konstruktiven Klima statt und schreiten zügig voran. Es ist mittlerweile auch völlig unstrittig, dass es JETZT eine massive Aufwertung der Haus- und Kinderärzte braucht.

Auch sind wir bei den Gesprächen zu einer Liberalisierung des Gruppenpraxis-Vertrages weit voran geschritten. So sollen zukünftig die Ordinationszeiten und die Vertretungen wesentlich flexibler gestaltbar sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt in den Gesprächen ist die Möglichkeit des Parallelarbeitens im hausärztlichen Bereich. Hier versuchen wir erstmalig auf Basis des bestehenden Gesamtvertrages rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zu guter Letzt möchte ich Sie auch darüber informieren, dass wir intensiv über die Möglichkeit einer Tele-Ordination verhandeln. Wir sind der Meinung, dass im Jahr 2018 sowohl eine Information per Telefon, als auch per eMail mit der Krankenkasse abrechenbar sein sollte und deshalb in den Honorarkatalog aufzunehmen ist.

Sollten wir tatsächlich Ende April die Verhandlungen abschließen können, werden wir Sie natürlich schnellstmöglich informieren.

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AUVA: Weg mit den versicherungsfremden Leistungen, her mit ehrlichen und leistungsgerechten Honorierungen.

Derzeit redet alles über die geplante Abschaffung der AUVA. Ein Thema, das nicht nur die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte, sondern auch den niedergelassenen Bereich betrifft. Es zeigt klar auf, dass in unserem System die versicherungsfremden Leistungen zu einem echten Problem werden. Die AUVA-Spitäler erbringen Leistungen auf höchsten Niveau, für die allerdings nun die ausreichende Finanzierung wackelt.

Auch der Chef des Hauptverbandes, Dr. Alexander Biach, spricht nun diese Problematik völlig zu Recht an.

Im Niedergelassenen-Bereich kritisieren wir schon seit Jahren, dass Leistungen wie der Mutterschutz oder die Arbeitslosenversicherung zu einem chronischen Budgetloch der Krankenkassen führen. Dieses Budgetloch wirkt sich seit vielen Jahren dramatisch auf die Leistungen im niedergelassenen Bereich aus.

Gerade in Zeiten, in denen es zu großen Umwälzungen in unserem System kommen soll, muss man diesen Missstand endlich beseitigen. Also weg mit den versicherungsfremden Leistungen und endlich her mit ehrlichen und leistungsgerechten Honorierungen.

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Patientendaten gehen nur Patienten und Ärzte etwas an

Mit Erleichterung nehme ich zur Kenntnis, dass Gesundheitsministerin Hartinger-Klein der Weitergabe von sensiblen ELGA-Patientendaten jetzt eine klare Absage erteilt hat. Denn die im ELGA-System gespeicherten Daten gehen nur die Patientinnen und Patienten und die sie behandelnden Ärztinnen und Ärzte etwas an.

Positiv sehe ich auch die Bereitschaft des Gesundheitsministeriums, gemeinsam mit der Ärzteschaft grundsätzliche Verbesserungen des e-Befundes der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA zu evaluieren, denn da gibt es noch immer enormen Verbesserungsbedarf. Das gesamte System ist auf keinem aktuellen technischen Stand, bietet keinen guten Ein- und Überblick über die Krankengeschichte von Patienten, kostet die Ärzte enorm viel Zeit, die dann am Patienten fehlt und hat nicht einmal eine funktionierende Suchfunktion.

Die Evaluierungsphase hat begonnen und ich bin zuversichtlich, dass wir auch hier zu einer gemeinsamen Lösung kommen werden, wie wir es auch etwa bei der e-Medikation geschafft hatten.

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WHO-Weltgesundheitstag 2018: Eine flächendeckende Gesundheitsversorgung werden wir auch in Österreich nicht geschenkt bekommen

 

Mit dem Weltgesundheitstag 2018 zum Thema „Universal Health Coverage“ macht die WHO auf den hohen Stellenwert einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung aufmerksam. Ihr Appell: Jeder Mensch soll Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen können, und zwar unabhängig Wohnort und ohne dabei in eine finanzielle Notlage zu geraten.

Wie aus einem gemeinsamen Bericht der WHO und der Weltbank hervorgeht, hat mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keinen umfassenden Zugang zu essenziellen Gesundheitsdienstleistungen. Außerdem würden jedes Jahr zahlreiche Haushalte durch notwendige gesundheitsbezogene Ausgaben in die Armut abgedrängt.

Aus meiner Sicht ist eine möglichst hochwertige flächendeckende Gesundheitsversorgung für alle Menschen, unabhängig von ihrem gesellschaftlichen und finanziellen Status, ein medizinisches und ethisches Muss. Wo das nicht Realität ist, muss dieses Ziel politisch angestrebt werden. Es gibt heute Diagnosen und Therapien auf höchstem Niveau, und es geht darum, dass möglichst viele Menschen in aller Welt davon profitieren können.

Natürlich ist das auch in Österreich im Wesentlichen politischer und gesellschaftlicher Konsens, aber ist das auch die Versorgungs-Realität? Aus meinen tagtäglichen Beobachtungen und aus zahlreichen Analysen weiß ich, dass wir uns hierzulande von diesem angestrebten Zustand tendenziell eher entfernen, als ihn weiter zu optimieren. Natürlich befinden wir uns in Österreich in einer Gesundheitsversorgungs-Situation, um die uns die Bevölkerung in großen Teilen der Welt beneidet, und das aus gutem Grund. Doch darf das kein Motiv für Selbstzufriedenheit sein, denn die soziale Medizin ist auch bei uns bedroht und perspektivisch gefährdet: Stichworte sind hier der sich verschärfende Ärztemangel, zu wenig ärztlicher Nachwuchs, Personalknappheit in Krankenhäusern, zum Teil völlig unzumutbar lange Wartezeiten auf Untersuchungs- und Behandlungstermine, zunehmendes Desinteresse von Ärzten an einem Kassenvertrag und deshalb immer weniger Kassenärzte.

Diese Entwicklung müssen nicht nur wir Ärztevertreter im Auge behalten, vor Defiziten warnen, diese ansprechen sobald sie sich bemerkbar machen, und konsequent gegensteuern.

Wer sich eine private Medizin nicht leisten kann, spürt die Auswirkungen der aktuellen negativen Entwicklungen oft schon jetzt am eigenen Leib, und aus heutiger Sicht wird sich dieser Zustand verschärfen. Nach seriösen wissenschaftlichen Berechnungen werden in Europa schon in ein paar Jahren eine Million „Gesundheitsdiensleister“ – also Ärzte, Pflegepersonen, etc. – fehlen. Für Ersatz zu sorgen wäre eine Aufgabe der Politik, doch sehe ich keine Lösungsansätze.

Bei der Gesundheit zu sparen, gilt in der österreichischen Politik offenbar weithin als Tugend – die Kassen geraten geradezu in einen Freudentaumel, wenn sie von unserem Versichertengeld einmal weniger ausgeben als ursprünglich vorgesehen, und die Gesundheitspolitik schwärmte früher jahrelang von einem „Kostendämpfungspfad“. Hier brauchen wir einen Paradigmenwechsel: Das Gesundheitssystem soll nicht nur zur Gesundheit der Bürger beitragen, es ist auch ein wichtiger Wirtschaftsbereich, der Innovation und Arbeitsplätze bedeutet und in den investiert werden muss. Und dass Gesundheit in einer Gesellschaft, die größer, älter und damit versorgungsintensiver wird, zunehmend mehr und nicht weniger kosten kann – will man das Niveau halten und an die neuen medizinischen Möglichkeiten anpassen – ist klar.

Privatisierungen im Gesundheitssystem sind hier nicht die Lösung – Investoren stehen zwar Schlange, doch ist der Primat der Betriebswirtschaft in der Krankenbetreuung alles andere als wünschenswert. Und wie sich die geplanten Kassen-Zusammenlegungen in der Versorgungsrealität der österreichischen Regionen auswirken werden, sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, wird man sehen.

All das gilt es aufmerksam zu beobachten, und für die von der WHO anvisierte „flächendeckenden Gesundheitsversorgung“ gilt es gesellschaftlich und politisch zu kämpfen, wenn immer nötig. Wir werden diese in Zukunft nicht geschenkt bekommen. Der Weltgesundheitstag 2018 bietet einen guten Anlass, daran zu erinnern.

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Zwei neue Resolutionen der BKNÄ zu Wartezeitenmanagement und Kassenzusammenlegung

Anlässlich der Diskussion in den letzten Wochen über zu lange Wartezeiten in Kassenordinationen während Schulferien bzw. Grippewellen, verwehrt sich die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte (BKNÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in einer Resolution gegen den nicht haltbaren Vorwurf an die niedergelassene Ärzteschaft, in „Stoßzeiten“ zu wenig geöffnete Kassenordinationen zur Verfügung zu stellen.

Dieser Vorwurf ist unseriös und nicht haltbar. Alleine in Wien und Niederösterreich standen in dem zur Diskussion stehenden Zeitraum der Wiener und niederösterreichischen Semesterferien 2018 jeweils rund 70 Prozent aller Kassenordinationen den Patienten zur Verfügung. Damit war etwa in Wien, der mit der Wiener Gebietskrankenkasse vereinbarte Schlüssel von mindestens 50 Prozent geöffneter Kassenordinationen sogar übererfüllt.

Die in dieser Diskussion von politischer Seite vorgebrachte Idee eines bundesweiten Wartezeitenmanagements ist nicht praktikabel und nicht lösungsorientiert. Denn das eigentliche Problem von Wartezeiten in Kassenordinationen sind nicht zu wenig geöffnete Ordinationen oder ein schlechtes Wartezeitenmanagement der Ärzteschaft. Vielmehr ist es der schon bestehende und in Zukunft sich verschärfende Ärztemangel – insbesondere im niedergelassenen Kassenärztebereich.

In diesem Zusammenhang beschloss die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte einstimmig folgende Resolution:

„Die Bundeskurie niedergelassene Ärzte lehnt das vor Kurzem vorgestellte Konzept, niedergelassenen Kassenärzten verpflichtend ein online Anmelde- und Terminsystem für Patienten vorzuschreiben, mit Nachdruck ab. Dieser Vorschlag hält einem Realitäts-Check nicht stand und zeugt von Unkenntnis der Situation in Kassenarztpraxen. Jedes zeitlich engmaschige Anmeldesystem stößt sehr schnell an seine Grenzen, weil die individuellen Probleme von Patienten und der damit einhergehende ärztliche Betreuungsaufwand häufig nicht vorhersehbar sind. Jedes Zeit-Management wird hier obsolet. Der Vorschlag ist ein durchsichtiger Versuch, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die Verantwortung für strukturelle Probleme in der Gesundheitsversorgung zuzuschieben, für die nicht die Ärzteschaft, sondern die Gesundheitspolitik verantwortlich ist.“

In einer zweiten einstimmig angenommenen Resolution der Bundeskurie warnen die niedergelassenen Ärzte im Zuge der Debatte über die möglichen bevorstehenden Kassenzusammenlegungen vor Nachteilen für die Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung:

„Die BKNÄ der Österreichischen Ärztekammer begrüßt grundsätzlich jede sinnvolle Weiterentwicklung des Sozialversicherungssystems. Dazu bedarf es jedenfalls der Einbeziehung der Expertise der Ärztekammer bereits während der vorbereitenden Diskussionen zur geplanten Gesetzesänderung. Die Bundeskurie warnt allerdings davor, dass es zu einer Zerstörung des Kassensystems und damit der sozialen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung kommt, wenn nicht folgende Eckpunkte außer Streit gestellt werden.

In den Bundesländern müssen verbleiben:

– die Budget- und Beitragshoheit der regionalen Kasse,

– die Vertragshoheit (Honorarverhandlungen) der regionalen Kasse mit der regionalen Ärztekammer,

– die gemeinsame Planungshoheit (kassenärztlicher Stellenplan).

Nur so kann eine leistungsfähige, moderne und patientennahe Versorgung auch in Zukunft gewährleistet werden.“

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Gesamtvertrag zu EDV-Anwendungen in Kassenarzt-Praxen ist wichtiger Schritt in eine digitale Zukunft

Ich konnte heute, nach der Pressekonferenz zum Thema Lehrpraxis vor einigen Tagen, erneut bei der Bekanntgabe eines wichtigen Schrittes dabei sein: Der neuen gesamtvertraglichen Vereinbarung für EDV-Anwendungen in Arztpraxen samt Anschubfinanzierung und Kostenbeteiligung durch die öffentliche Hand.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ging heute um die Implementierung von e-Medikation und das Elektronische Kommunikation Service e-KOS, und ausdrücklich nicht um den e-Befund von ELGA, den die Ärztekammer unverändert für nicht praxistauglich hält und wo wir noch massiven Nachbesserungsbedarf sehen. Aber die Frau Bundesminister hat uns bereits zugesagt, dieses Projekt einer umfangreichen Evaluierung zu unterziehen.

  • Von e-Medikation, der erste ELGA-Anwendung, erwarten wir uns ein Plus an Sicherheit für Versicherte und einfachere Prozesse für uns Ärzte. Wir bekommen nämlich auf Knopfdruck einen Überblick über die verschriebenen und abgegebenen Medikamente eines Patienten. Ärzte ersparen sich damit wertvolle Zeit in der Anamnese. Sie sehen auch, ob ein Patient verschriebene Medikamente auch wirklich aus der Apotheke abgeholt hat – alles in sehr kurzer Zeit.
  • Implementiert wird auch das Elektronische Kommunikation Service: kurz e-KOS. Es unterstützt die elektronische Erfassung, Übermittlung und Bearbeitung von Überweisungen, Zuweisungen und Verordnungen und bildet die derzeitigen Papierprozesse elektronisch ab.

Finanzierung konnte endlich geklärt werden

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass wir nach langwierigen Verhandlungen mit dem Ministerium und dem Hauptverband die Frage der Finanzierung dieser elektronischen Projekte endlich klären konnten. Es ist jetzt gesichert, dass wir Ärzte bei Erfüllung der vorgesehenen Kriterien für die Integration von e-Medikation und e-KOS sowohl eine Anschubfinanzierung als auch laufende Zuschüsse für die Wartungskosten erhalten.

Bei der e-Medikation beträgt die Anschubförderung durch den Bund pro Arzt einmalig 1.314 Euro, der Wartungskostenbeitrag 20 Euro pro Monat. Für e-KOS stellt der Hauptverband für die flächendeckende Verwendung pauschal 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Dieser Betrag wird die Anschaffungskosten der Software abdecken. Dazu kommt unter bestimmten Voraussetzungen zeitlich befristet auch ein monatlicher Wartungskostenzuschuss, den die niedergelassenen Ärzte mit den Kassen direkt verrechnen können.

e-Befund von ELGA ist in der bisherigen Form Ärzten und Patienten unzumutbar

Ich erwarte mir von e-Medikation und e-KOS eine Unterstützung im Arbeitsablauf für Ärzte und Vorteile für Patienten, deshalb haben wir diesen Projekten zugestimmt. Ganz anders verhält sich das mit e-Befund von ELGA, der in der bisherigen Form Ärzten und Patienten nicht zugemutet werden kann. E-Befund muss überarbeitet werden, bis alle legitimen Ansprüche nämlich vor allem die Benutzerfreundlichkeit und Befundvollständigkeit erfüllt sind.

Es stimmt optimistisch, dass die Bundesregierung in ihrem Regierungsprogramm  angekündigt hat, e-Befund zu evaluieren und neu aufzusetzen, um ihn nutzerfreundlicher zu machen.

Hoffnung auf weitere positive Schritte

Ich freue mich, dass wir mit dem Gesamtvertrag zu EDV-Anwendungen in Kassenarzt-Praxen gemeinsam einen wichtigen Schritt in eine digitale Zukunft setzen konnten. Das positive und lösungsorientierte Klima, in dem das stattgefunden hat, lässt mich hoffen, dass weitere Schritte folgen werden.

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Neue Statistik Austria-Zahlen zeigen: Keine Spur von Kostenexplosion, bei Gesundheitsausgaben Luft nach Oben, Potenziale für Investitionen in ambulante Versorgung

Man erinnert sich noch an den „Kostendämpfungspfad“ früherer Bundesregierungen, an den Vorwurf der angeblich mangelhaften Effizienz unseres angeblich überteuerten Gesundheitssystems, an die Warnung vor Kostenexplosionen bei den Gesundheitsausgaben, etc. Je nach weltanschaulicher oder wirtschaftspolitischer Herkunft der kritisierenden Institution oder Person lagen die Lösungsvorschläge schwerpunktartig beim Einsparen, bei der Perspektive des Privatisierens, beim bürokratischen Planen, beim Setzen auf Primärversorgungszentren usw. usf.

Ein Blick auf die neuesten,  dieser Tage veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria sprechen freilich eine völlig andere Sprache: „Die laufenden Gesundheitsausgaben einschließlich der Ausgaben für Langzeitpflege stiegen in Österreich im Jahr 2016 leicht auf 10,4%  (2015: 10,3%) des Bruttoinlandsprodukts (BIP)“, heißt es dort. Insgesamt betrugen 2016 die Ausgaben für Gesundheitsleistungen und -güter laut Statistik Austria 36.876 Mio. Euro. „Im Vergleich zu 2015 erhöhten sich die Gesundheitsausgaben nominell (zu laufenden Preisen) um 1.245 Mio. Euro.“

Platz 10 bei den OECD-Staaten

Von Kostenexplosion also keine Spur, auch nicht im internationalen Vergleich. Bei den OECD-Staaten nehmen wir  in der Kategorie „laufende Gesundheitsausgaben als Anteil am BIP“ mit 10,4 Prozent den 10. Platz ein, somit liegen wir nahezu gleichauf mit Belgien und Dänemark und im oberen Mittelfeld der 35 OECD-Mitgliedstaaten. Angeführt wird der OECD-Vergleich erneut von den USA mit laufenden Gesundheitsausgaben in der Höhe von 17,2 Prozent des BIP, gefolgt von der Schweiz mit 12,4 Prozent und Deutschland mit 11,3 Prozent.

Ein Viertel der Gesundheitsausgaben für ambulante Leistungen

Lohnend ist auch ein Blick auf das Thema, wohin die eingesetzten Gelder genau fließen: „Für stationäre Leistungen (inkl. tagesklinischer Fälle) in Krankenanstalten, Kur- und Pflegeheimen sowie Rehabilitationseinrichtungen wurden 2016 öffentliche und private Mittel in Höhe von 15.309 Mio. Euro bzw. 41,5 Prozent aller laufenden Gesundheitsausgaben ausgegeben. 9.259 Mio. Euro und somit rund ein Viertel der laufenden Gesundheitsausgaben wurden für ambulante Leistungen verwendet“, heißt es dazu für Österreich.

Das zeigt zum einen, dass die österreichischen Gesundheitsausgeben noch deutlich Luft nach oben haben. Es ist nicht plausibel, dass Österreich 10,4 Prozent des BIP für Gesundheitsausgeben verwendet, und nicht  11,3 Prozent wie Deutschland oder 12,4 Prozent wie die Schweiz – insgesamt durchaus vergleichbare Nachbarländer.

Mit dem Verschieben von Leistungen in den ambulanten Bereich Ernst machen

Dass nur ein Viertel der Gesundheitsausgaben für ambulante Leistungen verwendet wird, zeigt ebenso zusätzliche Potenziale auf. Ambulante Leistungen gelten als weit kostengünstiger als stationäre, und mit dem Verschieben von Leistungen in den ambulanten Bereich sollte endlich Ernst gemacht werden. Verwendungszwecke für solche Geldmittel gibt es viele, zum Beispiel die dringend benötigten 1.300 zusätzlichen Kassenarztpraxen, das Attraktivieren der niedergelassenen Allgemeinmedizin, bessere Rahmenbedingungen für Landärzte, den Ausbau von Mangelfächern, das überfällige Anpassen von Kassenhonoraren, etc.

Allerdings müsste sich die Politik vom überholten Credo verabschieden, dass Sparen im Gesundheitssystem etwas per se Tugendvolles sei. Angesichts wachsender und älter werdender Gesellschaften, damit intensiverem medizinischem Betreuungsbedarf und teueren modernen Behandlungsmethoden soll man durchaus kostenbewusst vorgehen – Einsparen jedoch führte direkt in die Mangelversorgung und ist schlicht keine Option.

 

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Endlich Durchbruch bei der Finanzierung der Lehrpraxis

Die Lehrpraxis ist ein Hebel, um mehr Ärztinnen und Ärzte in den niedergelassenen Bereich zu bringen. Die Lehrpraxis wird nicht nur zu mehr, sondern auch zu besser ausgebildeten Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner beitragen. Und schließlich wird sie zusätzliche Impulse für die Entscheidung bieten, als Ärztin oder Arzt in ländlichen Regionen zu arbeiten.

Ich denke nicht, dass diese Erwartungen überzogene sind. Es stand stets außer Streit, dass die Lehrpraxis ein eminent wichtiger Ausbildungs-Bestandteil für angehende Allgemeinmediziner ist. Schließlich ist die Allgemeinmedizin die Basis eines guten Gesundheitssystems, und dafür bedarf es ausreichend vieler gut ausgebildeter Allgemeinmediziner.

Ein neuer Stil bei den Verhandlungen

Dass die Lehrpraxis bisher nicht praktisch realisiert werden konnte, und dass wir erst heute auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit Gesundheitsministerin Mag. Hartinger-Klein und Hauptverband-Präsident Dr. Biach von einem Durchbruch in dieser für das gesamte Gesundheitssystem wichtigen Sache berichten können, liegt an der bislang nicht geklärten Finanzierung. Dass wir heute gemeinsam ein Projekt präsentieren, dessen Finanzierung konsensuell vereinbart werden konnte, freut mich ganz besonders. Es zeigt nicht zuletzt, dass sich ein neuer Stil bei Verhandlungen mit dem Ministerium und dem Hauptverband abzeichnet.

Zunächst haben wir innerhalb der Ärztekammer die Vorarbeiten geleistet, indem die Bundeskurie niedergelassene Ärzte mit der Bundeskurie angestellte Ärzte einen Kollektivvertrag abgeschlossen hat. Demnach sollen Jungärzte in der Lehrpraxis bei einem niedergelassenen Arzt gleich viel verdienen wie Jungärzte im Spital.

Wir haben schließlich durchsetzen können, dass die öffentliche Hand finanziell für die Lehrpraxis von Allgemeinmedizinern aufkommt – so wie für die Facharzt-Ausbildung im Krankenhaus. Mit dem Hauptverband wurde ein Gesamtvertrag abgeschlossen, der regelt, dass und wie die Leistungen der Praktikanten mit der Sozialversicherung abgerechnet werden können.

Ärzte, die einen Lehrpraktikanten beschäftigen, werden sich vorerst mit 10 Prozent an den Kosten für den Lehrpraktikanten beteiligen. Dieser Anteil sollte durch die Verrechenbarkeit von Leistungen des Lehrpraktikanten abgedeckt sein.

Lehrpraxis kommt Bedürfnissen von Patienten und angehenden Ärzten entgegen

Die Lehrpraxis kommt nicht nur den Bedürfnissen der Patienten entgegen, die sich mehr und sehr gut ausgebildete Hausärzte wünschen. Die Lehrpraxis orientiert sich auch an den Vorstellungen der Studierenden und schließt eine Informationslücke. Die Medizinische Universität Graz hat kürzlich Studierende und Jungmediziner in einer gleichnamigen Studie über ihre „Berufsmotivation zur Allgemeinmedizin“ befragt. Die Auswertung der mehr als 4.700 beantworteten Fragebögen zeigt, dass nur 2 Prozent der Medizinstudierenden definitiv die Laufbahn des Allgemeinmediziners einschlagen möchten. Das Interesse an diesem Beruf steigt allerdings im Lauf der Ausbildung, bei den Turnusärztinnen und -ärzten sind es bereits 16 Prozent. Allerdings ist bei der Frage, ob man sich gut auf die Hausarzt-Tätigkeit vorbereitet fühlt, die Tendenz gegenläufig: Die Zustimmung fällt von 15 Prozent bei den Studierenden auf 6 Prozent bei den Turnusärzten. Imageprobleme dürfte auch der Landarzt-Beruf keine haben: 44 Prozent der Studierenden und jeder zweite Turnusarzt können sich vorstellen, als Landarzt zu arbeiten

Das zeigt, wie wichtig es ist, durch das Erleben der Ordination, durch das Hineinschnuppern in den Praxisalltag Erfahrungen zu sammeln, das Kassensystem kennen zu lernen und sich besser orientieren zu können. Die Lehrpraxis bietet genau das.

 

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Das Problem langer Wartezeiten nicht den Ärzten in die Schuhe schieben – Wir brauchen dringend mehr Kassenstellen!

Lange Wartezeiten in den Ordinationen sind bedauerlich und gehen zulasten der Patientinnen und Patienten. Wir lassen aber nicht zu, dass dieses Problem uns Ärztinnen und Ärzten in die Schuhe geschoben wird, so wie das in einem Artikel im KURIER der Fall ist. Was wir brauchen, sind die dringend benötigten zusätzlichen Kassenarztpraxen.

Die heutige Realität: Immer weniger Kassenärzte müssen immer mehr Patienten versorgen. Angesichts einer größer und älter werdenden Bevölkerung sowie der Fortschritte der modernen Medizin steigt der medizinische Versorgungsbedarf. Wir weisen seit Jahren auf einen drohenden Ärztemangel hin, was jedoch von der bisherigen Politik weitgehend ignoriert wurde.

Die heute in einer Aussendung von Bundesministerin Mag. Hartinger-Klein ausgesprochene Einladung zu einem Gespräch mit Vertretern von Ärztekammer und Hauptverband ist begrüßenswert. Wir brauchen schnellstmöglich eine Lösung für den immer akuter werdenden Ärztemangel im Bereich der Hausärzte, um die medizinische Versorgung für die Menschen in Österreich zu gewähren. Ich lade gerne Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger ein, sich dafür stark zu machen, diesen gesundheitspolitischen Notstand zu beheben.

Insgesamt fehlen über alle Fächer verteilt 1.300 Kassenarztpraxen in Österreich – gerechnet vom Stand des Jahres 2000. Dazu steht gerade in den kommenden Jahren eine Pensionierungswelle bei den Hausärzten bevor. Wenn also nicht bald etwas passiert, haben wir ein großes Problem.

Mit dem Schlechtreden der Leistung der Ärzteschaft wird man junge Medizinerinnen und Mediziner aber nicht für eine Hausarzttätigkeit motivieren können. Der Hausarztberuf muss aufgewertet werden, sofort!

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Wiener Kinderärzte-Initiative: 309 Kinder an erstem Wochenende behandelt

Die Grippewelle steuert auf ihren Höhepunkt zu, und in Wien wird darauf mit verlängerten Ordinationszeiten am Wochenende reagiert: Drei Kinderärzte hatten am vergangenen Samstag und Sonntag in der Zeit von 10.00 bis 15.00 ihre Ordinationen geöffnet. Das neue Angebot wurde von den kleinen Patientinnen und Patienten und ihren Familien sehr gut in Anspruch genommen, insgesamt 309 Kinder wurden behandelt.

Die offenen Kinderarztordinationen ersparten Eltern und ihren Kindern die teils langen Wartezeiten in den Spitalsambulanzen. Die Initiative ist ein wichtiger Einsatz der Ärztinnen und Ärzte in Wien, denn Kinder und Jugendliche sind während der Grippe- und Erkältungszeit besonders betroffen. Weil sie nach den Weihnachtsferien wieder in den Schulen und Kindergärten zusammenkommen, ist bei ihnen das Ansteckungsrisiko hoch.

Das neue Modell, das die Wiener Ärztekammer gemeinsam mit der Stadt Wien und der Wiener Gebietskrankenkasse initiiert hat, ist derzeit auf zehn Wochen begrenzt. Nächstes Wochenende haben Kinderärzte in Wien Ottakring, Donaustadt und Liesing geöffnet. Die genauen Adressen sind auf der Homepage der Wiener Ärztekammer unter dem Link http://www.aekwien.at/-/grippezeit-kinderversorgung abrufbar. Außerdem gibt der Ärztefunkdienst unter der Telefonnummer 141 Auskunft und hilft auch bei medizinischen Fragen weiter.

Bereits das erfolgreiche erste Wochenende mit 309 Patienten unterstreicht die Notwendigkeit eines solchen Angebots für die Kinder in Wien, und auch das Feedback der Kinderärztinnen und Kinderärzte ist durchwegs positiv: Es wären sofort weitere Kolleginnen und Kollegen bereit, bei der Initiative mitzumachen, auch über die zunächst geplanten zehn Wochen hinaus.

Wir Ärztinnen und Ärzte stehen hier für eine Verlängerung des Wochenendangebots gerne zur Verfügung.

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