Ruf zum Gipfel

In den vergangenen Wochen stand der Zustand unseres Gesundheitssystems im öffentlichen Fokus wie schon lange nicht mehr. Leider brauchte es dafür erst traurige Anlassfälle, um ein gewisses Bewusstsein für die aktuellen Probleme zu schaffen. Die Ärztevertretung hat auf die drohenden Fehlentwicklungen immer wieder hingewiesen und offensiv den Diskurs zur gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen gesucht. Befassen wollte sich aber damit keiner unserer Systempartner. Schwierigkeiten wurden ignoriert, Verantwortungen abgeschoben, Trends verschlafen.
Besserung wird es nur geben, wenn wir als Gesellschaft vernünftiger und nachhaltiger mit der Ressource Arzt umgehen. Patientinnen und Patienten müssen zu den richtigen Ansprechpartnern gebracht, um optimal behandelt zu werden. Die Spitäler können aber nur entlastet werden, wenn der im Regierungsprogramm festgehaltene Ausbau des niedergelassenen Bereichs endlich durchgeführt wird. Das öffentliche Gesundheitssystem muss attraktiver gemacht werden – zum Beispiel durch moderne Arbeitsbedingungen, die dem 21. Jahrhundert angemessen sind. Die überhandnehmende Bürokratie muss abgebaut werden, statt sinnlos neue Kontrollmechanismen zu implementierten, die dem Gesundheitssystem keinen Mehrwert bringen.
Was ebenfalls nicht funktionieren wird, ist, Ärztinnen und Ärzte mit Zwang in ausgehungerte Strukturen zu pressen und diejenigen, die ihr Verständnis des Arztberufs nicht mit dem öffentlichen System vereinbaren können, in regelmäßigen Abständen öffentlich zu desavouieren. Diese Nebelgranaten nützen niemandem. Wer es ernst mit einer Rettung der österreichischen Gesundheitsversorgung meint, den laden wir ein, sich mit uns zu einem Gesundheitsgipfel zusammenzusetzen und die Probleme gemeinsam anzugehen und zu lösen.



