Problem mit Kassenstellen wird sich weiter verschärfen

Wahlärzte erfüllen eine wichtige Funktion. Die jüngst offengelegten Zahlen der Bundesregierung verwundern nicht, die Verschiebung in Richtung Wahlärzte ist notwendig, denn sie gleichen schlicht eine quantitative Versorgungsschwäche aus.

Das Problem mit den Kassenstellen wird sich allerdings weiter verschärfen. Derzeit fehlen rund 1.400 Planstellen für Kassenordinationen und in den nächsten 10 Jahren gehen 60% der Hausärzte in Pension. Schon jetzt haben wir in Österreich 70 unbesetzte Kassenstellen, und keine Nachfolge ist in Sicht.

Die Gründe für den Zug zum Wahlarzt sind – für jene, die es sich leisten können – simpel: Bei Wahlärzten kommen sie häufig schneller dran. Außerdem schätzen es viele Patientinnen und Patienten, dass oft mehr Zeit fürs ärztliche Gespräch bleibt. Zwar hat sich auch die Politik immer wieder zur Wichtigkeit der Gesprächsmedizin geäußert, doch seitens der Krankenkassen hat es bisher kaum Reaktion darauf gegeben.

Kassentarife haben nicht mit der Realität mitgehalten

Warum es immer schwieriger wird, Kassenstellen zu besetzen, ist klar: Die Tarife der Kassen haben mit der Realität nicht mitgehalten. Ärzte werden leider oft nur als Kostenfaktor betrachtet und mit Bürokratie überfrachtet. Junge Ärztinnen und Ärzte würden sich immer weniger für den Beruf Allgemeinmedizin entscheiden, da der Hausarzt besonders in strukturschwachen Regionen nicht mehr zu den Lebensentwürfen der jungen Ärzte passt. Und die Medizin wird weiblicher. Rund 50 % unserer Absolventen sind Frauen – Tendenz steigend! Junge Kolleginnen gehen achtsam mit sich und ihren Familien um und gehen nur dann in die Niederlassung, wenn sie flexibel und in Teams arbeiten können und flexiblere Arbeitsmodelle bezüglich Nacht- oder Bereitschaftsdiensten bekommen. Mit einem derzeitigen Kassenvertrag ist das aber (noch) nicht möglich: zu wenig Zeit für die Patienten, schlechtere Honorare, Deckelungen und Degressionen, Überregulierung in allen Bereichen und vor allem ein enormer bürokratischer Aufwand im Vergleich zur Privatmedizin. Jedes Jahr verlieren wir 4 von 10 Medizinabsolventen, die wir zwar um 230 Mio. Euro ausbilden, die dann aber in das Ausland gehen oder den Beruf wechseln. Auch hier müssen wir ansetzen und klar erkennen, dass unser System einfach nicht mehr attraktiv genug ist.

Beruf Hausarzt muss attraktiver werden

Immerhin hat die Ärztekammer gemeinsam mit der Stadt Wien und auch dem Land Steiermark für mehr Allgemein- und Kinderärzte bzw. -ärztinnen auf Kassenbasis sorgen können, doch der Bedarf ist in allen Bundesländern da. Auf der anderen Seite arbeitet die ÖÄK vehement daran, den Kassenbereich attraktiver zu gestalten. Wir wollen junge Ärzte für den Beruf Hausarzt wieder begeistern können. Wir hoffen auf mehr Interesse und Attraktivität durch die Kassenreform, oder zum Beispiel durch die Anstellungsmöglichkeit Arzt bei Arzt, sowie durch gezielte Förderung der Niederlassung durch Bund und Ländern. Dazu sind wir auch mit der Regierung im konstruktiven Gesprächen. Die aktuelle Ausgabenbremse bei den Kassen ist zwar nicht hilfreich, doch ich bin zuversichtlich, dass die Bundesregierung den geplanten Ausbau der Primärversorgung gemeinsam weiter vorantreiben wird.

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