Anmerkungen zum Internationalen Frauentag: Möglichst breite Palette von Arbeits-Optionen erleichtert Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Als 1897 die erste österreichische Absolventin eines Medizinstudiums in Wien ihre Arztpraxis eröffnete, war das eine Sensation. Inzwischen studieren mehr Frauen als Männer Medizin, mehr Frauen als Männer beenden das Medizinstudium, und es gibt fast so viele niedergelassene Ärztinnen wie Ärzte. Eine sehr positive Entwicklung also, aber natürlich liegen in diesem Bereich noch viele Aufgaben vor uns.

Ein zentrales standespolitisches Ziel ist aus meiner Sicht eine möglichst breite Palette von Arbeitsoptionen im niedergelassenen Bereich, die es jungen Ärztinnen – und natürlich auch Ärzten –  ermöglicht, ihren individuellen Wünschen gemäß zu leben und zu arbeiten.

Bei einer Umfrage zum Thema Berufsmotivation, die im Auftrag der Ärztekammer von der Medizinischen Universität Graz durchgeführt wurde, gaben 57 Prozent der Medizinstudierenden und 45 Prozent der Turnusärztinnen und -ärzte an, dass ganz besonders die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für sie den Hausarzt-Beruf attraktiv erscheinen lasse. „Gute Arbeitszeiten und flexible Zeiteinteilung“ waren für 62 bzw. 50 Prozent wichtig. Solche Umfrageergebnisse bestätigen meine Überzeugung, dass dieses Thema bei der Planung des niedergelassenen ärztlichen Bereiches prioritär berücksichtigt werden muss.

Ein wichtiger aktueller Schritt Richtung familienfreundliche Arbeitsbedingungen ist die Möglichkeit der Anstellung von Ärztinnen und Ärzten bei ordinationsführenden Kolleginnen und Kollegen. Damit eröffnet sich eine zusätzliche attraktive Arbeits-Option, gerade auch für Medizinerinnen, die Teilzeit arbeiten möchten. Warum der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger das derzeit nur bei Allgemeinmedizinern und nicht auch bei Fachärzten akzeptiert, ist unverständlich.

Die Möglichkeit der Anstellung in einer Ordination bietet auch einen geeigneten Einstieg für Jungärztinnen und -ärzte, die nicht gleich ein unternehmerisches Risiko eingehen möchten. Im Übrigen liegt der Anteil weiblicher Ordinationsinhabern derzeit bei 37 Prozent, da gibt es also noch Potenzial.

Generell wünschen sich Studierende und Turnusärzte beiderlei Geschlechts, auch das zeigt die angesprochene Umfrage, sehr vielfältige Arbeits-Möglichkeiten: die Palette reicht hier von der selbstständigen Arbeit in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis über die Anstellung in einer Praxis bis hin zu multiprofessionellen Primärversorgungseinheiten. Gesundheitspolitik und Sozialversicherungen täten gut daran, diesen unterschiedlichen Vorlieben planerisch ausreichend Rechnung zu tragen. In Zeiten des Ärztemangels wäre es fatal, dringend benötigte Medizinerinnen und Mediziner abzuschrecken, weil man ihnen keine individuell passende Arbeitsform anbietet. Die Vorbereitung der „Österreichischen Gesundheitskasse“ bietet einen aktuellen Anlass, die Politik an diese Tatsache zu erinnern.

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