ÖGK droht an Versorgungssicherung zu scheitern

Dass die Coronakrise die strukturellen Schwächen der Österreichischen Gesundheitskasse rigoros offen gelegt hat, zeigen auch die jüngsten Medienberichte um die wirtschaftliche Situation des Ergebnisses der „größten Reform der Zweiten Republik“ ((c) Bundeskanzler Kurz). Nun allerdings droht die ÖGK an ihrer Hauptaufgabe zu scheitern, der Versorgungssicherung. Denn eines ist zweifelsfrei: Den Ärztinnen und Ärzten 80 Prozent der Vorjahreseinnahmen als rückzahlbares Darlehen zu acontieren, wird nicht ausreichen, um sicherzustellen, dass die niedergelassene Infrastruktur auch bei einer möglichen zweiten Periode oder Welle von Coronavirus-Infektionen ihre Versorgungsleistung aufrechterhalten kann.

Kassenärztinnen und -ärzte haben während der Krise zu über 90 Prozent ihre Ordinationen  offengehalten, um die wohnortnahe Versorgung in Notfällen zu garantieren und damit die dringend notwendige Entlastung der Spitäler/Intensivstationen zu ermöglichen. Und das trotz Gefährdung ihrer persönlichen Gesundheit, und nicht zuletzt verschärft durch den kassenseitig verstärkten Mangel an Schutzausrüstung.

Wie ÖGK-Vizeobmann Andreas Huss völlig zu Recht festgestellt hat, sind die Patientenkontakte während der Krise, bedingt durch die Pandemievorschriften, teilweise auf ein Minimum gesunken. Somit standen – anders als in anderen Branchen bzw. Wirtschsftsbetrieben – den weiter laufenden Kosten der Arztpraxen rapide schwindende Umsätze gegenüber. Das bedeutet für viele Ärztinnen und Ärzte eine zum Teil  existenzbedrohende Situation.

Schließlich darf man auch den Stelelnwert der niedergelassenen Ärzte als Arbeitgeber nicht übersehen – der niedergelassenen Bereich sichert  mehr als 25.000 Arbeitsplätze. Dieser gesamte Bereich – also nicht nur herkömmliche Wirtschaftsbetriebe, sondern auch Arztpraxen – muss wirtschaftlich aufgefangen werden. Ohne Geld in die Hand zu nehmen, wird das nicht funktionieren.

Auch wenn der bestehende Leistungskatalog den bewundernswerten Einsatz der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht angemessen abbilden kann, muss deren Leistung ohne Wenn und Aber honoriert werden.

Wenn hier nichts wirksames unternommen wird und/oder sich die Situation weiter verschärft, werden es sich viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte nicht länger leisten können, ihre Mitarbeiter und den Betrieb weiter zu finanzieren. Die Regierung und die Gesundheitskasse werden hier die erforderlichen Schritte setzen müssen, um die kassenärztliche Versorgung der Zukunft zu sichern.

Dachverbandschef Peter Lehner hat erst vor einigen Tagen öffentlich „volle Unterstützung“ für die Ärzte bei ihrer Forderung nach vollem Verlustausgleich zugesagt. Wir gehen davon aus, dass das auch die Stoßrichtung der Österreichischen Gesundheitskasse sein wird.

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