Anstellung von Ärzten bei Ärzten: Betroffene sollen frei entscheiden können

Die nicht mehr ganz jungen unter uns erinnern sich vielleicht an eine Zeit, in der niedergelassene Ärztinnen und Ärzte – meistens waren es Ärzte – praktisch immer in Einzelordinationen gearbeitet haben. Meist gab es damals nur eine Mitarbeiterin in Gestalt der Sprechstundenhilfe, die in vielen Fällen die eigene Ehefrau war. Kassenverträge waren damals sehr attraktiv und deshalb heiß begehrt, der Ärztestand von Politik und Krankenkassen hoch angesehen, und die allerwenigsten Kassenärzte kamen im Laufe ihres Berufslebens auf die Idee, ihren Kassenvertrag zu kündigen oder gar den Beruf zu wechseln. Vor diesem Hintergrund wurde damals die heute vielfach diskutierte Frage, ob eine Anstellung von Ärzten bei niedergelassenen Ärzten möglich sein soll oder nicht, gar nicht erst gestellt.

Heute ist vieles anders. Die Zeiten und manche Vorstellungen vom Arztberuf haben sich fundamental geändert, und damit auch die Arbeits-Präferenzen und Lebensstil-Entscheidungen von Ärztinnen und Ärzten. Viele möchten als Selbstständige arbeiten, andere in einem Angestelltenverhältnis, viele in kleineren oder größeren Gruppenpraxen, manche in Teilzeit. Und dass man im Laufe eines Arbeitslebens die Arbeitsform immer wieder flexibel an die jeweilige Lebenssituation anpasst, ist heute für viele Mediziner eine Selbstverständlichkeit. Das Ziel der Ärztekammer ist es, politisch dazu beizutragen, dass es für diese beruflichen Optionen jeweils optimale Rahmenbedingungen gibt.

In diesem Zusammenhang steht auch die aktuelle Diskussion über die Anstellung von Ärzten bei Ärzten und darüber, welche Position dazu die Ärztevertretung einnimmt. Grundsätzlich gilt hier wohl, dass die Frage, ob eine Anstellung besser sei als eine Vertretung auf Basis eines freien Dienst- oder Werkvertrages, oder ob das Gegenteil davon der Fall ist, nicht so ohne weiteres allgemeingültig und zweifelsfrei zu beantworten ist.

Vorwurf der Scheinselbstständigkeit kann in anderen Branchen die wirtschaftliche Existenz bedrohen

Die Sozialversicherungen müssen derzeit aufgrund der gesamtvertraglichen Spielregeln die einzelnen Ordinationen in Sachen Vertretungsregelung gewähren lassen. In anderen Branchen ist das anders. Dort riskieren Auftragnehmer und Auftraggeber, von den Krankenkassen plötzlich mit dem Vorwurf einer Scheinselbständigkeit konfrontiert zu werden. Das kann immense zusätzliche Nachzahlungen bis hin zur Existenzbedrohung mit sich bringen.

Deshalb bedarf es auch in unserem Bereich vernünftiger und belastbarer Regelungen auch für kleinere Kassenordinationen. Es kann und darf nicht sein, dass das Recht zur Anstellung von Ärzten bei Ärzten nur den größeren Organisationsformen vorbehalten bleibt.

Mehrere Arbeits-Optionen anbieten und diese rechtlich absichern

Wie wichtig es ist, mehrere Arbeits-Optionen anzubieten und diese rechtlich abzusichern, zeigen auch die Wünsche der künftigen Ärztegeneration: 72 Prozent der Turnusärzte – das wissen wir aus einer aktuellen Umfrage – würden bei freier Wahl am liebsten niedergelassen arbeiten. Sogar 78 Prozent würden am liebsten selbständig in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten. 52 Prozent finden aber auch einen potenziellen Angestelltenstatus attraktiv. Und knapp jeder zweite Befragte möchte am liebsten selbstständig in einer Einzelpraxis arbeiten.

Freie Entscheidung von Kassenärzten und ihren Vertretern 

Es muss der freien Entscheidung von niedergelassenen Kassenärzten und ihren Vertretern vorbehalten bleiben, wie sie ihre Kooperation rechtlich gestalten möchten. Sie sollen privatautonom beurteilen können, was für sie jeweils ökonomisch günstiger ist, und niemand soll sich Sorgen machen müssen, dass eine Krankenkasse rückwirkend eine Vereinbarung umstößt und Rückzahlungen einfordert.

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Föderale Struktur des österreichischen Sozialversicherungssystems unbedingt erhalten

Forderung an das Koalitions-Verhandlungsteam: Finanzen, Stellenpläne und Honorarverhandlungen müssen Ländersache bleiben

Die föderale Struktur des österreichischen Sozialversicherungssystems muss unbedingt erhalten bleiben. Das ist mein Appell an das derzeit tagende Verhandlungsteam der mutmaßlichen künftigen Koalitionsparteien. Österreich hat bekannter Maßen eine sehr uneinheitliche regionale und soziale Struktur, die von ländlichen Agrargebieten über Alpentäler bis hin zur Millionenstadt Wien reicht. Aus sehr gutem Grund hat sich hierzulande ein föderalistisches politisches und Verwaltungs-System entwickelt, um diesen unterschiedlichen Gebieten mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Das Aufrechterhalten föderalistischer Prinzipien muss also auch ein Leitmotiv bei den laufenden Gesprächen über eine Krankenkassenreform sein und sollte nicht in Frage gestellt werden.

Das Geld für die Gesundheitsversorgung muss bei den Ländern bleiben. Finanzen, Stellenpläne und Honorarverhandlungen müssen im Sinne einer guten Gesundheitsversorgung, die auch spezifischen regionale Bedingungen in Betracht zieht, Ländersache bleiben. Damit ist eine größere Patientennähe gesichert, als wenn von einer Zentralstelle in Wien aus die Versorgungs-Details für ganz Österreich festgelegt werden.

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Kassenreform: Unterschiedliche Versorgungs-Prioritäten verlangen dezentrale Entscheidungsstrukturen

Unterschiedliche Versorgungsprioritäten erfordern dezentrale Entscheidungsstrukturen bei den Krankenkassen. Einer möglichen Zentralisierung der Sozialversicherungen auf Kosten regionaler Versorgungs-Bedürfnisse erteile ich eine klare Absage. Auch in der Gesundheitsversorgung gilt: Besonderheiten der Regionen und Bundesländer müssen im Vordergrund stehen und weiterhin berücksichtigt werden. Ein Krankenkassen-Monolith, der für ganz Österreich bestimmt, welche Leistungen die Kassen bezahlen und welche nicht, wäre ein deutlicher Rückschritt gegenüber der jetzigen Situation.

Fragen der Kassenleistungen weiterhin auf Bundesländer-Ebene verhanden

Es gibt nun einmal in größeren Städten andere gesundheitspolitische Gegebenheiten und Versorgungs-Prioritäten als zum Beispiel in abgelegeneren ländlichen Regionen. Eine zentralistisch organisierte Kasse, die alles über einen Kamm schert, würde solchen Unterschieden nicht gerecht werden können. Wir brauchen schlanke und effiziente Kassen-Strukturen, die sicherstellen, dass das Versicherten-Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird. Deshalb sollte gewährleistet sein, dass Fragen der Kassenleistungen auch weiterhin auf Bundesländer-Ebene mit den dortigen Krankenkassen verhandelt werden.

Orientierung am Bedarf der Bevölkerung, nicht am  ökonomischen Kalkül

Sichergestellt werden muss muss darüber hinaus, dass künftig grundsätzlich mehr Geld in das Gesundheitssystem fließt. Deutschland zum Beispiel gibt derzeit über elf Prozent vom BIP für Gesundheit aus, und damit deutlich mehr als Österreich. Unsere Gesellschaft wächst und wird älter, im Alter steigt der Betreuungsbedarf und moderne Therapien kosten Geld. Ein wohlhabendes Land wie Österreich muss sich daher eine Gesundheitsversorgung, die sich am Bedarf der Menschen und nicht an ökonomischen Berechnungen orientiert, leisten können.

Bitte keine Kassenreform bloß um der Reform willen

Schlankere Verwaltungsstrukturen und niedrigere Organisationskosten bei den Sozialversicherungen sind kein politisches Tabu. Aber bitte keine Veränderungen zu Lasten der Patienten und keine Reform bloß um der Reform willen.

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Gesundheit: Fass ohne Boden oder schrankenloser Markt? Mein Begrüßungsstatement beim „Gesundheitsgipfel“

 

Im folgenden Panel geht es um die Frage: „Gesundheit: Fass ohne Boden oder schrankenloser Markt? Können Sozialstaaten Gesundheitssysteme noch finanzieren?“ – Eine Frage, die nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung von Bedeutung ist und bleiben wird. Denn bekanntlich wächst unsere Gesellschaft, wir werden immer älter, und im Alter steigt der Bedarf an Behandlung und Pflege. Will man also das Niveau unserer Gesundheitsversorgung auch in Zukunft erhalten, werden die Kosten steigen. Um es vorweg zu nehmen: Ich halte das grundsätzlich für kein Problem, weil diesen steigenden Ausgaben schließlich Gesundheits- und Wirtschaftsleistungen gegenüberstehen. Es handelt sich dabei in erster Linie um sinnvolle Investitionen in den Gesundheitszustand der Bevölkerung, aber auch in einen boomenden Gesundheitsmarkt mit vielen Arbeitsplätzen.

Aus Sicht des Arztes, der Ärztin ist die Antwort auf diese Frage, ob Sozialstaaten Gesundheitssysteme noch finanzieren können und sollen, sehr eindeutig: Unser solidarisches Gesundheitssystem ist eine große historische Errungenschaft, die es zu bewahren gilt. Die Vorstellung, dass Menschen, die von einer Therapie profitieren würden, diese aus finanziellen Motiven vorenthalten wird, ist aus medizinischer und humanitärer Sicht inakzeptabel.

Gesundheit darf natürlich in einer modernen Wohlstandsgesellschaft etwas kosten

Und Gesundheit darf natürlich in einer modernen Wohlstandsgesellschaft etwas kosten. Den Vormarsch der Ökonomie in der Gesundheitsversorgung beobachte nicht nur ich mit großer Sorge. Die Perspektive, dass eines Tages Betriebswirte und Controller uns Ärztinnen und Ärzten vorscheiben, wie wir unsere Patientinnen und Patienten zu behandeln haben, erfüllt mich mit ausgeprägtem Unbehagen. Derzeit bietet die ärztliche Freiberuflichkeit einen gewissen Schutz vor solchen problematischen Tendenzen. Aber diese Freiberuflichkeit ist in Österreich und in der EU nicht zuletzt durch die Kontroll- und Interventionsneigungen der Politik und die Begehrlichkeiten privater Gesundheitskonzerne und Investoren bedroht.

Unsere Freiberuflichkeit mit größter Konsequenz verteidigen

Im Interesse von Ärzten und Patienten sehe ich es als Ärztevertreter als prioritäre Pflicht, unsere Freiberuflichkeit mit größter Konsequenz zu verteidigen. Und ich appelliere auch an die künftige Regierung, diese Sichtweise zu teilen.

Dazu gehört auch, jenen Tedenzen einen Riegel vorzuschieben, die ein Gesundheitssystem in erster Linie als Exerzierfeld für Sparmaßnahmen sehen. Zahlreiche Studien zeigen, dass starke Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben und tiefe Einschnitte bei den Gesundheitsleistungen – gerade in Zeiten, die von vielen Menschen als bedrohlich, weil von großen Veränderungen geprägt, gesehen werden – auf den Gesundheitszustand der Menschen negative Auswirkungen haben. Ganz besonders gilt das für Patienten mit chronischen Erkrankungen.

Wir brauchen nicht weniger, sondern deutlich mehr Geld für Gesundheitsleistungen

Solche Sparmaßnahmen sind aus meiner Sicht rigoros abzulehnen. Wir brauchen nicht weniger, sondern deutlich mehr Geld für Gesundheitsleistungen. Wünschenswert sind hier gezielte Wachstumsimpulse statt Sparbudgets sowie eine intensive Diskussion mit Gesundheitspolitikern und -experten, um geeignete Maßnahmen zu fördern. Diesem Zweck dient auch unser heutiger Gesundheitsgipfel.

Medizinische Orientierung und wirtschaftliches Verantwortungsbewusstsein sind keine Gegensätze. Voraussetzung ist allerdings, dass Sparwille oder Gewinnmaximierung nicht Vorrang haben dürfen vor ärztlich gut begründeten Entscheidungen. Wertschöpfung muss einhergehen mit der Wertschätzung von Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzten.

Einzig gültiger Maßstab ist der tatsächliche Bedarf der Bevölkerung

Ein wohlhabendes Land wie Österreich kann sich eine Gesundheitsversorgung leisten, für die es nur einen gültigen Maßstab geben kann: den tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung.

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Patientenanwälte, immer hübsch im Gleichklang mit der Politik

Falls Sie meinen „Kommentar der Anderen“ noch nicht im STANDARD gelesen haben sollten:

Eine Replik auf Gerald Bachingers Vorschlag, aus dem Hauptverband eine „Unternehmenszentrale“ für die Krankenkassen zu machen

Der Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger, plädiert im STANDARD-Kommentar vom 30. September für einen „massiv gestärkten“ Hauptverband der Sozialversicherungsträger, der wie eine „echte Unternehmenszentrale“ agieren soll. Von Kassenzusammenlegungen hält er offenbar wenig.

Einmal mehr erweist sich Bachinger, seinem Amtsverständnis entsprechend, als zuverlässiger Anwalt der Politik und Verteidiger „gewachsener Strukturen“. Folgerichtig zitiert er auch die von Sozialminister Alois Stöger bei der LSE beauftragte, umstrittene Studie über die österreichischen Krankenkassen. Eine 630.000-Euro-Studie mit völlig überraschungsfreien Ergebnissen, die pikanterweise wesentliche Arbeiten an zwei österreichische Fachleute auslagerte, die intensive Geschäftsbeziehungen mit dem Sozialministerium und den Kassen unterhalten oder unterhielten. Kühne Reformvorhaben sind da keine zu erwarten.

Gewünschte Aussagen Bachinger ist auch stets gern zu von der Politik gewünschten Aussagen bereit: „Den Ärztemangel gibt es nicht“, befand er, auch das Schließen ärztlicher Hausapotheken sei für ihn kein Problem, „Mystery-Shopping“ gefährde nicht das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten, und PHC-Zentren sind ohnehin ein Allheilmittel. Also alles hübsch im Gleichklang mit der Gesundheitspolitik, auch wenn es dabei auf Kosten der Patienten geht.

Bachingers Analyse bezüglich des Wildwuchses bei den Kassen ist einiges abzugewinnen. Aber ausgerechnet einen gestärkten Hauptverband als Lösung zu sehen macht den Bock zum Gärtner.

Vielmehr muss die Frage lauten, ob und warum Österreich überhaupt einen Hauptverband braucht. Einen Apparat mit 320 Mitarbeitern, der für die Gesundheitsversorgung zuständig ist und trotzdem das bewährte Wahlarztsystem einschränken wollte. Der den Gesamtvertrag zwischen den Kassen und der Ärztekammer aushebeln wollte, um mit einzelnen Ärzten oder Zentren direkt verhandeln zu können – sehr zum Nachteil der Patientenversorgung. Alternative Modelle Der Hauptverband liefert also ständig Beispiele dafür, dass er eine gute Versorgung der Patienten und eine faire Behandlung der Ärzte definitiv nicht immer zur Maxime seines Handelns macht, sondern sich lieber politisch instrumentalisieren lässt. So einen Hauptverband will ein Patientenanwalt „massiv stärken“?

Denken wir doch einmal nicht in den üblichen systemimmanenten Kategorien. Vielleicht können Modelle aus dem benachbarten Ausland interessante Impulse bieten: seien es Elemente der völligen Wahlfreiheit der Versicherten zwischen öffentlichen oder privaten Krankenkassen in der Schweiz oder die Möglichkeit der Wahlfreiheit für bestimmte Versichertengruppen in Deutschland. Ohne hier auf die Frage eingehen zu wollen, was die generell beste Lösung ist: Leistungsanbieter, die sich gegenüber ihren Kunden bewähren müssen, weil sich diese sonst einem anderen Anbieter zuwenden, sind in aller Regel kundenfreundlicher als Monopolisten. Von reformresistenten Kassen unter der Vorherrschaft eines „massiv gestärkten“ Hauptverbandes ist das nicht zu erwarten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Patientenanwälte aus der Umklammerung der sie (wieder)bestellenden Politik befreit werden sollten. Eine Direktwahl durch die Patienten wäre ein überfälliger Demokratieschub in der kommenden Legislaturperiode.

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Ärztekammer-Kampagne: Hürden auf dem Weg zur bestmöglichen Behandlung onkologischer Patienten beiseite räumen

Die letzten Tage waren für mich persönlich sehr herausfordernd. In Anbetracht einer politischen Situation, in der menschliche und soziale Themen kaum mehr zu positionieren sind, da entweder ökonomische oder ideologische Strömungen die Politik dominieren, ist es entscheidend, mit seinen Anliegen das mediale Interesse zu erwecken. Dass das oft nur mit einem gewissen Maß an Zuspitzung geht, ist vollkommen klar.

„Du kämpfst mit Krebs. Dein Arzt kämpft mit bürokratischen Hürden der Krankenkasse“ – mit diesem Text macht die Wiener Ärztekammer derzeit auf einen inakzeptablen Missstand aufmerksam. Es gibt leider noch immer gewaltige bürokratische Hürden, die eine optimale Behandlung auch von Krebspatienten verhindern. Aufgestellt wurden sie von den Kassen, die entgegen medizinischer Notwendigkeiten handeln und sich auf nicht eingängige Formalstandpunkte zurückziehen.

Für das Plakat gab es viele Entwürfe. Das gewählte Sujet wurde deshalb ausgewählt, weil es emotionalisieren sollte. Gewollt waren zwei Effekte: Die Menschen sollten auch in Wahlkampfzeiten für die extremen Herausforderungen, vor denen unser Gesundheitssystem steht, sensibilisiert werden. Das ist gelungen, denn wir haben viele Reaktionen erhalten, die der Kammer danken, dass wir Versorgungsmissstände konsequent aufzeigen. Daneben wollten wir natürlich jene Technokraten treffen, die am liebsten über den Versorgungsnotstand schweigen. Die Aufregung von dieser Seite war auch beabsichtigt.

Nicht beabsichtigt war allerdings, dass das Sujet auch manche Krebspatienten negativ berührt hat. Ich stehe nicht an, mich bei diesen Menschen zu entschuldigen, wenn sie das Gefühl bekommen haben, ihr unglaubliches Leid würde auf eine Stufe mit bürokratischen Hürden gestellt. Das war natürlich nie der Schluss, den wir mit unserer Aufmerksamkeits-Kampagne erreichen wollten.

Uns geht es vielmehr darum, ganz konkrete Probleme anzusprechen. Hier ein paar Beispiele:

  • In Wien wurde (übrigens zum Unterschied zu den anderen Bundesländern) die Chefarztpflicht für CT und MRT von der WGKK wiedereingeführt.
  • Es fehlen die von der Ärztekammer seit Jahren geforderten Kassenverträge für Onkologen, Nuklearmediziner und Strahlentherapeuten.
  • Für Krebspatienten außerordentlich nützliche, die Beschwerden lindernde Medikamente werden durch die Vorgaben der Sozialversicherungen Patienten nur sehr restriktiv und erst nach chefärztlicher Bewilligung erstattet.
  • Von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten hören wir häufig Klagen, dass die bewilligungspflichtige Heilnahrung („Astronautennahrung“), wie sie zum Beispiel Krebspatienten häufig benötigen, von den Kassen nur restriktiv bewilligt wird.

Ärztinnen und Ärzte wollen Krebspatienten bestmöglich helfen, ohne dabei durch bürokratische Barrieren behindert zu werden. Eben darauf möchten wir mit unserer, diesmal bewusst realitätsnah gestalteten Kampagne hinweisen.

Wir bewegen uns nun einmal in einem politischen Umfeld, noch dazu wo die Nerven in einem hochemotionalen Wahlkampffinish blank liegen. So konnte gerade das teils gespielte Entsetzen von Vertretern der Sozialversicherungen und der Patientenanwälte nicht ausbleiben. Sie fordern medientauglich einen sofortigen Kampagnenstopp, stellen sich aber sonst bei jeder Gelegenheit schützend vor die Unzulänglichkeiten des Systems. Bei allem Respekt, aber die gekünstelte Aufgeregtheit der Repräsentanten von Institutionen, die die von der Ärztekammer kritisierten Missstände letztlich herbeigeführt haben, bzw. diese Missstände nicht angeprangert haben, ist aus meiner Sicht scheinheilig und politisch motiviert.

All dem steht aber eben gegenüber, dass uns eine Vielzahl positiver Reaktionen von Krebspatienten und Ärzten erreichen, die uns in unseren Intentionen bestätigen. Der durchgängige Tenor dieser Rückmeldungen ist, dass es exakt die in unserer Aktion kritisierten Versorgungsdefizite sind, die Krebspatienten das Leben unnötig schwer machen, weil sie nicht unkompliziert zu Diagnosen und Therapien kommen. Und die uns Ärzte dazu zwingen, unseren Patienten die bittere Nachricht mitteilen zu müssen, dass sie benötigte Behandlungen nicht bekommen können, weil der Chefarzt sie nicht bewilligt.

Ich kenne die Tragik mit der gerade Krebspatienten und ihre Angehörigen konfrontiert sind, aus meinem engsten persönlichen Umfeld. Ich habe gesehen, wie ein mir nahestehender Mensch mit dieser Situation konfrontiert wurde und übrigens nur deshalb rechtzeitig ein Erkennen der Krebserkrankung möglich war, weil außerhalb der Sozialversicherung eine selbst bezahlte Vorsorgeuntersuchung durchgeführt wurde. Ich habe im Anschluss sowohl den Schmerz, als auch die Beschwerden einer solchen Therapie hautnah miterlebt. Erst dann habe ich gesehen, wieviel da eigentlich in unserem System schiefläuft.

Ich bleibe deshalb bei meiner Überzeugung, dass Hürden auf dem Weg zur bestmöglichen Behandlung onkologischer Patienten beiseite geräumt werden müssen. Ich hoffe sehr, dass unsere Kampagne dazu beiträgt.

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Start der Initiative „Kranke Zukunft? Nicht mit uns Ärzten!“ – Systemwechsel im Krankenkassensystem gefordert

Ohne attraktivere Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit ist der steigende medizinische Versorgungsbedarf einer immer größer und älter werdenden Bevölkerung nicht zu bewältigen.

Zu lange Wartezeiten, wenig Zeit für Patientengespräche und bürokratische Hürden: Die heute, Montag, präsentierte Wien-weite Kampagne „Kranke Zukunft? Nicht mit uns Ärzten!“ macht deutlich, wie die Folgen einer „kranken Kasse“ aussehen können, und zeigt auf, welche Forderungen umgesetzt werden müssten, um Patientinnen und Patienten in Wien eine gesunde Zukunft zu garantieren. Denn mitten im Nationalratswahlkampf stehen die nächsten Verhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse an. Vor Verhandlungsbeginn wurde daher, zeitgleich zum Start der Initiative, ein Forderungskatalog an die WGKK übermittelt. Er beinhaltet fünf konkrete Schritte zur Stärkung des niedergelassenen Bereichs.

Fünf Forderungen an die WGKK für eine gesunde Zukunft

1. Umsetzung eines Wiener Hausarzt- und Kinderarztmodells
2. Setzen von Maßnahmen gegen den Ärztemangel
3. Aufhebung der Leistungsdeckelungen in den Kassenordinationen

4. Ausbau der Sachleistungsversorgung für Patienten
5. Anpassung und Modernisierung der Tarife aller Ärztegruppen

Herkömmliche Honorarverhandlungen reichen nicht, wir brauchen hier einen echten Systemwechsel. Für eine, auch in Zukunft, gesunde Bundeshauptstadt wird daher vor Aufnahme der Vertragsverhandlungen ein Spitzengespräch, bestehend aus Land, Gebietskrankenkasse und Ärztekammer, eingefordert.

Mit der Umsetzung der Forderungen der Ärztevertretung entspräche die Gesundheitspolitik sogar den – nicht unumstrittenen Empfehlungen – der vom Sozialministerium beauftragten Studie der London School of Economics, die ausdrücklich zur Entlastung der Spitäler einen Ausbau des niedergelassenen Bereichs befürwortet.

Kranke Zukunft? Ein Stockbett auf Tour!

Wie die Zukunft aussehen könnte, wenn der Ausbau des niedergelassenen Bereichs weiter auf sich warten lässt, zeigt die „Aktion Stockbett“ der Initiative „Kranke Zukunft? Nicht mit uns Ärzten!“. Schon jetzt liegen die Patientinnen und Patienten auf den Spitalsgängen. Mit der Aktion wollen wir aufrütteln und zeigen, was uns ohne Stärkung der Kassenärzte drohen könnte: Die Patientinnen und Patienten werden sich in den Spitälern stapeln.

Das Stockbett wird anlässlich der bevorstehenden Vertragsverhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse eine tragende Rolle spielen und auch auf Tour geschickt. Wir werden die Patientinnen und Patienten hier im öffentlichen Raum über die Aktion informieren, denn seit Jahren wird von der Wiener Gebietskrankenkasse statt der dringend benötigten Auslagerung in den niedergelassenen Bereich eine Einlagerung in die Spitäler betrieben. Wir stellen das Bett auch gerne – Vorsicht, sehr geehrte Kassenfunktionäre, Ironie! – den Kassenfunktionären zum Probeliegen zur Verfügung, damit sie selber spüren, was es bedeutet, wenn der dringend benötigte Ausbau des niedergelassenen Bereichs weiter blockiert wird.

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Einladung zum Symposium am 28. September 2017: „Der Freie Beruf als Basis für das Angebot von medizinischen Leistungen:  Wie die Freiberuflichkeit in Österreich und der EU unter politischen Druck gerät.“

Dass der Arztberuf ein Freier Beruf ist, ist ein hohes Gut. Ich kämpfe persönlich und politisch dafür, dass das auch weiterhin so bleibt. Ich bin überzeugt davon, dass der Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit in den kommenden Jahren, trotz allen sonstigen Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte und ihre Vertretung, ein bestimmendes Thema sein wird.

Denn die ärztliche Freiberuflichkeit, ein wichtiges Fundament für das unabhängige und weisungsfreie Erbringen medizinischer Leistungen, gerät in Österreich und in Europa zunehmend unter politischen Druck. In der EU geht der politische Trend dorthin, dass Gesellschafter und Geschäftsführer von Ärztegesellschaften nicht unbedingt Ärzte sein müssen. Das im Jänner vorgestellte „Dienstleistungspaket“ sieht auch die Prüfung der „Verhältnismäßigkeit“ von Berufsregeln vor. Damit sollen die gesetzlichen Regularien der einzelnen Freien Berufe, die ihre Berufsausübung und ihre Vergütung regeln, reduziert werden – das soll auch für Regelungen gelten, die dem Patientenschutz dienen.

In Österreich bemüht sich die Politik, den niedergelassenen Ärztebereich zu verstaatlichen bzw. als GKK-Ambulatorien zu organisieren, und damit die wesentlichen Voraussetzungen für einen Freien Beruf einzuschränken bzw. abzuschaffen.

Der vom Forschungsinstitut für Freie Berufe der WU Wien und der Ärztekammer für Wien organisierte Workshop informiert Ärztinnen und Ärzte, Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, Medizinstudierende, Journalisten und andere an diesem Thema Interessierte über diese aktuellen Entwicklungen und deren möglichen Auswirkungen auf den Arztberuf und die Gesundheitsversorgung.

Meine Haltung zur ärztlichen Freiberuflichkeit auf den Punkt gebracht: Diese muss unbedingt nicht nur erhalten, sondern möglichst weiter ausgebaut werden. Das hat besonders in Zeiten zunehmender Kontrollfreudigkeit von Bürokraten und Konzernen besondere Bedeutung.

Angesichts der zunehmenden Dichte von Vorgaben und Regulierungen wäre es sinnvoll, dass es künftig mehr Freie Berufe gibt als heute, insbesondere zum Schutz von Berufen, die sich mit den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen beschäftigen.

Ich lade Sie sehr gerne zum Symposium „Der Freie Beruf als Basis für das Angebot von medizinischen Leistungen: Wie die Freiberuflichkeit in Österreich und der EU unter politischen Druck gerät“ ein, wo dieses Thema mit Expertinnen und Experten diskutiert wird.

Zeit und Ort: Donnerstag, 28. September 2017, 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr Hörsaal D5.0.001 (Gebäude D5) der Wirtschaftsuniversität Wien  1020 Wien, Welthandelsplatz 2

> Detailliertes Programm 

> Online Anmeldung 

> Anfahrtsplan und Parkmöglichkeiten

 

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Kampagnen-Motto „Ohne Ärzte geht’s nicht“: Reformbedarf muss auf der politischen Agenda bleiben

„Ohne Ärzte geht’s nicht“: Das ist das Motto der neuen Kampagne der Österreichischen Ärztekammer.

Der gesundheitspolitische Hintergrund: Es ist erfreulich, dass sich viele politische Parteien im Rahmen des Wahlkampfes ganz besonders zum Hausarzt bzw. zu einer Stärkung des niedergelassenen Ärztebereichs bekennen. Bei allem gebührenden Respekt, aber das hat einen hohen Wiederkennungswert: In den vergangenen Jahrzehnten gab es seitens der Politik noch nie einen Mangel an Bekenntnissen zum Hausarzt und zum Ausbau der niedergelassenen ärztlichen Versorgung. Sehr wohl ein Mangel bestand allerdings in der Bereitschaft, das auch politisch umzusetzen.

Traurige Bilanz

Die traurige Bilanz: Es gibt im niedergelassenen Ärztebereich viel zu wenig Ressourcen. Statt brauchbare Lösungen umzusetzen, setzt man lieber auf Ideologie: Das einzige angebliche Allheilmittel, das den derzeit politischen Verantwortlichen zu diesen krisenhaften Entwicklungen einfällt, sind Primärversorgungszentren. Diese liegen ideologisch im Trend und gelten als irgendwie chic. Diese Zentren sollen gleichzeitig den Ärztemangel lösen, die Ambulanzen entlasten und noch dazu besonders effizient sein. Die Wahrheit ist jedoch, dass man – was für die gesundheitspolitischen Entscheider offenbar völlig überraschend ist – auch in diesen Zentren Ärzte brauchen wird. Allerdings sind die dringend benötigten Mediziner nirgendwo in Sicht, und auch der ärztliche Nachwuchs ist rar. Dazu kommt, dass Patienten nicht automatisch in Scharen in solche Zentren drängen, die außerdem, wie wir jetzt schon wissen, auch wesentlich teurer sind als Einzel-Kassenpraxen.

Höchste Zeit für eine Trendwende

Es ist also höchste Zeit für eine Trendwende. Mit unserem Kampagnen-Motto „Ohne Ärzte geht’s nicht“ werden wir den wahlwerbenden Parteien und der künftigen Bundesregierung den dringenden Reformbedarf in der Gesundheitsversorgung ins Gedächtnis rufen. Damit wollen wir dreierlei auf den Punkt bringen:

  • Ein funktionstüchtiges und soziales Gesundheitssystem braucht heute und in Zukunft ausreichend viele Ärztinnen und Ärzte. Die gibt es allerdings schon jetzt nicht und es ist auch kein ausreichender ärztlicher Nachwuchs in Sicht. Bei Diagnosen und Therapien gibt es zum ärztlichen Knowhow keine Alternative.
  • In gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse muss die Ärzteschaft konsequent eingebunden sein. Beispiele wie zuletzt das Primärversorgungsgesetz zeigen: Ohne ärztliche Expertise gibt es keine tragfähigen Lösungen.

Diese zwei Krisenzonen zeigen nachdrücklich, dass es ohne uns Ärzte nicht geht. Um diese Problembereiche geht auch in erster Linie bei unserer Österreich-weiten Kampagne „Ohne Ärzte geht’s nicht“. Unsere drei Kernforderungen:

  1. Drohenden Ärztemangel beheben!
  2. Das Primärversorgungs-Gesetz reparieren!
  3. Mehr ärztliche Kompetenz in die Politik!

Reformbedarf muss auf der politischen Agenda bleiben

Die politische Umsetzung dieser Forderungen ist eine Grundvoraussetzung dafür, die österreichische Gesundheitsversorgung fit für die Zukunft zu machen. Die Politik ist gut beraten, nicht zu übersehen, dass auf fast allen Top-Ten-Listen der für die Österreicher wichtigsten Themen die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung ganz oben stehen. Wer also bei den Wahlen Stimmen dazu gewinnen möchte, sollte dieser sehr eindeutigen Priorität besser Rechnung tragen.

Mit unserer Kampagne „Ohne Ärzte geht’s nicht“ tragen wir dazu bei, dass der dringende Reformbedarf auf der gesundheitspolitischen Agenda bleibt.

Infos zur Kampagne unter aerzte-informieren.at

 

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Zum neuen PHC in Wien: Niedergelassene Versorgung braucht Angebotsvielfalt

Das heute vorgestellte Versorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk trägt zur Vielfalt der niedergelassenen Versorgung bei und die erklärte Bereitschaft der Frau Gesundheitsministerin, den niedergelassenen Ärztebereich auszubauen, ist zu begrüßen und greift eine langjährige Forderung der Ärztekammer auf.

Primärversorgungseinheiten sind, sofern dort Ärzte die medizinische und wirtschaftliche Letztentscheidung haben, eine sinnvolle zusätzliche Angebotsvariante in der niedergelassenen Versorgung, die ihren Stellenwert hat und auch haben soll. Nimmt man die Bedürfnisse von Patienten und Ärzten zum Maßstab, so ist eine möglichst breite Angebotsvielfalt zu fordern. Aus der bisher größten, aktuellen Umfrage unter Medizinstudierenden und Turnusärzten in Österreich ist bekannt, dass deren Wünsche und Vorstellungen von einer Tätigkeit als niedergelassene Ärzte sehr unterschiedlich sind. Die Arbeit in Gemeinschaftspraxen und multiprofessionellen Teams ist beim medizinischen Nachwuchs positiv besetzt, aber immerhin jeder Zweite würde „am liebsten selbstständig in einer Einzelpraxis arbeiten“, heißt es in der Studie der Medizinischen Universität Graz. Also keine Rede davon, dass Einzelpraxen ein „Auslaufmodell“ seien, wie es gelegentlich von Befürwortern von Versorgungszentren unterstellt wird.

Seitens der Patientinnen und Patienten äußerten in Befragungen 95 Prozent ihre Zufriedenheit mit den in herkömmlichen Kassenarztpraxen gebotenen Leistungen. Es sollte also keine Politik gegen die Bedürfnisse der Bevölkerung gemacht werden, und gerade in Zeiten des Ärztemangels würde sich auch eine Politik gegen die Vorstellungen der künftigen Medizinergeneration fatal auswirken, weil dann noch weniger Ärzte als niedergelassene Kassenärzten arbeiten werden.

Ohne zusätzliche 1.300 Kassenarztpraxen für Österreich und attraktivere Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit werde der steigende medizinische Versorgungsbedarf einer größer und älter werdenden Bevölkerung nicht zu bewältigen sein, wenn die Spitäler wirksam entlastet werden sollen. Nicht zuletzt müssen die Honorare insbesondere in den unterdotierten Fächern zügig angepasst werden.

Mit der Umsetzung dieser Forderungen der Ärztevertretung entspräche die Gesundheitspolitik sogar den Empfehlungen der – nicht unumstrittenen – vom Sozialministerium beauftragten Studie der London School of Economics, die ausdrücklich zur Entlastung der Spitäler einen Ausbau des niedergelassenen Bereichs befürwortet.

 

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