Neue Umfrageergebnisse zur Berufsmotivation: Allgemeinmedizin braucht Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying

Ausgehend von den Ergebnissen der bisher größten Umfrage zu diesem Thema möchte die Ärztevertretung einen mehrstufigen Kommunikations- und Entscheidungsfindungs-Prozess mit den wichtigsten Stakeholdern des Gesundheitssystems anstoßen. Unser Wunschziel ist die Einbindung möglichst aller Player, um gemeinsam entsprechende Maßnahmen zu erarbeitet und umzusetzen, damit unser Ausbildungs- und Gesundheitsversorgungs-System zukunftsfit wird.

Die Allgemeinmedizin braucht Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying. Sonst wird sie zu einem bedrohten Fach, und der Beruf des Allgemeinmediziners zum Mangelberuf. Damit würde schon bald eine wichtige Säule der niedergelassenen Gesundheitsversorgung einknicken. Bei einer Umfrage der Hochschülerschaft an der Medizinuniversität Innsbruck zeigten sich gerade einmal 8 Prozent der Medizin-Studierenden an einer Karriere in der Allgemeinmedizin interessiert.

Die Ärztevertretung engagiert sich seit vielen Jahren beim Thema medizinischer Nachwuchs. 2014 haben wir ein World-Café mit Studierenden, Jungmedizinern und ÖH-Vertretern organisiert, bei dem es u.a. um Gesichtspunkte der Berufsentscheidung und der medizinischen und nicht-medizinischen Ausbildung ging. 2015 führte der Meinungsforscher Dr. Peter Hajek auf der Grundlage der Ergebnisse des World Cafe eine Umfrage zum Thema „Ärztenachwuchsmangel in Österreich“ durch.

Und heute haben wir auf einer Pressekonferenz die Ergebnisse einer im Auftrag der Ärztekammer vom „Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung“ der Medizinischen Universität Graz durchgeführten Umfrage zur Berufsmotivation zur Allgemeinmedizin vorgestellt. Diese Erhebung der ist die größte Umfrage dieser Art, die es in Österreich je gegeben hat.

Fazit der bisher größten Umfrage

Fazit in aller Kürze: Es besteht durchaus Interesse am Beruf des Allgemeinmediziners (auch auf dem Lande), der ein positives Image hat und als interessant gesehen wird. Gewünscht wird u. a. eine bessere Vorbereitung auf diesen Beruf, weniger Bürokratie, mehr Zeit für Patienten, eine Vielfalt von Beschäftigungsoptionen (die „klassische“ Einzelpraxis sei keineswegs „out“: fast jeder zweite Befragte bevorzugt diese Arbeitsform), und mehr Wertschätzung durch die Politik.

Die neuen Studienergebnisse bieten uns eine Fülle interessanter Einsichten und sollen auf gar keinen Fall einfach präsentiert und dann schubladisiert werden. Wir verfügen jetzt über eine belastbare, empirisch gestützte Evidenz darüber, was Studierende und Jungmediziner wollen und was nicht. Wo sie Informations- und Aufklärungsbedarf sehen, welche Bedenken sie haben und wie man hier Abhilfe schaffen kann. Diese Evidenz einfach zu ignorieren, wäre schlicht fahrlässig. Und ein Ausbildungs- und Gesundheitsversorgungs-System tut gut daran, die Vorstellungen des medizinischen Nachwuchses aufzugreifen und zu integrieren, und keine Politik gegen diese Vorstellungen zu machen.

Ausbildungs- und Gesundheitsversorgungs-System sollen gemeinsam zukunftsfit gemacht werden

Die Ärztevertretung möchte deshalb, ausgehend von diesen Studiendaten, einen mehrstufigen Kommunikations- und Entscheidungsfindungs-Prozess mit den wichtigsten Stakeholdern des Gesundheitssystems anstoßen. Unser Wunschziel ist die Einbindung möglichst aller Player, zum Beispiel das Gesundheits- und das Bildungsministerium, Medizinische Universitäten, die Hochschülerschaft, den Hauptverband der Sozialversicherungsträger, einzelne Krankenkassen, etc. Gemeinsam sollen, unter bestmöglicher Berücksichtigung der neuen Studienergebnisse, entsprechende Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden, um unser Ausbildungs- und Gesundheitsversorgungs-System zukunftsfit gemacht werden.

Bilaterale Gespräche mit diesen Playern sind bereits im Gange. Die wissenschaftlichen Leiter der Umfrage präsentieren dort die Studie und ausgewählte Studienergebnisse, die für das jeweilige Gegenüber besonders relevant sind. Dabei werden die Gesprächspartner zu weiteren gemeinsamen Aktivitäten eingeladen und es werden weitere mögliche Schritte diskutiert. Das können kleinere oder größere Workshops sein, in denen in unterschiedlichen Konstellationen Lösungen erarbeitet werden, und Symposien, auf denen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.

Details dieses Kommunikations- und Entscheidungsfindungs-Prozesses müssen gemeinsam festgelegt werden. Je mehr Stakeholder dabei mitmachen, je höher die Bereitschaft zu Austausch und Kooperation, je ausgeprägter der Wille, auf die Studienergebnisse konstruktiv und konsequent zu reagieren, desto besser wird das Ergebnis ausfallen.

Darüber hinaus werden die wissenschaftlichen Leiter der Studie künftig relevante Sub-Themen definieren und dazu gezielt Daten auswerten. Diese sollen aus gegebenen Anlässen der Öffentlichkeit oder für das Thema relevanten Teil-Öffentlichkeiten vorgestellt werden und eine zusätzliche Basis für Entscheidungen liefern.

Angebot an Stakeholder: Weichen in einem konstruktiven Prozess optimal stellen

Das Ermöglichen der bisher größten Umfrage zu diesem Thema und die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse sowie die Kontaktaufnahme mit den anderen Stakeholdern verstehen sich als Angebot und Initiative der Ärztekammer, die Weichen für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in einem konstruktiven Prozess optimal zu stellen. Es ist zu hoffen, dass möglichst viele der von uns angesprochenen Stakeholder dieses Angebot annehmen.

 

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Bis zu einem Jahr Wartezeit auf Szintigrafie in Krankenanstalten – Nuklearmedizin im niedergelassenen Bereich muss auf Krankenschein möglich sein.

Etwa jeder dritte Erwachsene hat Knoten in der Schilddrüse. Hinweise, ob diese bösartig oder gutartig sind, gibt eine Szintigrafie. Doch die Wartezeiten darauf können in Wien zwischen sechs Monaten und einem Jahr betragen. Die Krankenkasse hat hier jahrelang weggesehen, während die Patientinnen und Patienten in die Privatmedizin flüchten mussten. Nuklearmedizin im niedergelassenen Bereich muss daher endlich auf Krankenschein möglich sein.

Nuklearmediziner mit Kassenpraxis gibt es in Wien nicht. Dabei könnte angesichts der großen Zahl an Patientinnen und Patienten ein großer Teil der Vordiagnostik außerhalb der Spitäler durchgeführt werden. Ständig wird von der Stärkung des niedergelassenen Bereichs gesprochen, doch stattdessen drängt die Wiener Gebietskrankenkasse ihre Versicherten in überfüllte Krankenhäuser oder lässt sie selbst privat zahlen, bei Kosten von etwa 160 Euro.

Die Ärztekammer fordert daher die sofortige Schaffung von Kassenplanstellen für das Fach Nuklearmedizin. Die Patienten haben lange genug gewartet. Wien braucht den Ausbau des niedergelassenen Bereichs, und das bedingt die Aufnahme neuer Fachgebiete wie eben die Nuklearmedizin. Es muss verhindert werden, dass die Schere zwischen dem Bedarf an nuklearmedizinischer Betreuung und dem Angebot für die Versicherten immer weiter aufgeht.

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„Unabhängige Expertenstudie“ des Sozialministeriums soll nur Machtfülle, nicht die Effizienz der Sozialversicherungen steigern

 

Die von Bundesminister Alois Stöger in höchst problematischer Weise vergebene Auftragsarbeit birgt für die Ärztekammer keine Überraschungen. Wie „Die Presse“ berichtet, soll die sogenannte Studie nur die Machtfülle der Sozialversicherungen steigern.

Angebliches Ziel der Studie war es ursprünglich, Effizienzsteigerungs-Potentiale im SV- Bereich zu analysieren. Herausgekommen ist aber offensichtlich das Wunschergebnis: den Milliarden schweren Machtapparat der Sozialversicherungen weiter zu stärken, zu zentralisieren und auf dem Rücken der Patienten den Freien Beruf der Ärzte weiter zu schwächen.

Jetzt wird hoffentlich auch der Politik klar, was die Absicht hinter dem jüngst verabschiedeten Primärversorgungs-Gesetz von Anfang an war: Zentralistische Medizin à la DDR in der Form von Kassenambulatorien flächendeckend einzuführen. Die Österreichische Ärztekammer hat eindringlich davor gewarnt und deshalb die Anstellung von Ärzten bei Ärzten gefordert, um Patienten-nahe Ambulatorien verwirklichen zu können.

Ich bin zuversichtlich, dass diese Studie weder in der Gesundheitspolitik noch von der Führung des Hauptverbandes ernst genommen wird. Es könnte als Treppenwitz in die Geschichte eingehen, dass uns eine überbezahlte Studie aus England – einem Land mit einem desaströsen staatlichen Gesundheitssystem – zeigen soll, wie wir unser solidarisches Gesundheitswesen organisieren sollten. Ebenso absurd wäre es, daß die teure Studie zwar an eine englische Institution vergeben wurde, dann jedoch ein maßgeblicher Teil der Arbeit an österreichische Wissenschaftler delegiert wurde. Diese Wissenschaftler standen oder stehen mit Sozialversicherungen bzw. dem Sozialministerium in Geschäftsbeziehungen –  Offensichtlich glaubt man, die Ergebnisse so besser kontrollieren zu können.

Wir brauchen konstruktive Lösungen und keine Wunsch-Studien, um die brennenden Themen, wie etwa den echten Ausbau der Primärversorgung, den Ärztemangel oder überlastete Spitalsambulanzen endlich anzugehen. Mit den 680.000 Euro für diese Studie könnte man beispielsweise die Kinder-Gesundenuntersuchung auf alle Kassen ausweiten – das wäre sinnvoll angelegtes Geld.

Nicht mit seltsam anmutenden „Studien“, sondern nur mit der ärztlichen Expertise können Reformprojekte auf Praktikabilität und Patienten-Nutzen geprüft werden.

 

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Etwas Nachhilfe für Patientenanwalt Bachinger: Arzt-Wartezeiten sind Folge von unnötigen Beschränkungen durch Krankenkassen

Bachinger soll Missstände bekämpfen und nicht Ärzten zum wiederholten Male den Schwarzen Peter zuschieben

Für lange Wartezeiten auf einen Termin bei Kassenärztinnen und -ärzten sind in allererster Linie die von den Sozialversicherungen gewünschten Deckelungen ärztlicher Leistungen verantwortlich. Der Um- und Missstand, dass die Kassen dem Arzt nur eine bestimmte Anzahl von Leistungen honorieren, und zwar unabhängig vom realen Bedarf der Patienten, gehört ersatzlos abgeschafft.

Dem Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger, der im heutigen KURIER zu diesem Thema ein Interview gegeben hat, sind diese Bestrebungen der Kassen, aus Kostengründen einen künstlichen Flaschenhals herzustellen, natürlich sehr wohl bekannt. Es ist deshalb umso bedauerlicher, dass er hier keine seriöse Ursachenforschung betreibt und brauchbare Lösungen anbietet, sondern den Schwarzen Peter einmal mehr den Ärzten zuschiebt.

Ein aktuelles Beispiel: Im März 2017 wurde wegen der medizinisch unzumutbaren Wartezeiten auf einen MRT- oder CT-Termin die Aufhebung der Deckelungen für diese Untersuchungen beschlossen. Und was tut zum Beispiel die Wiener Gebietskrankenkasse? Sie führt per 1. Juni 2017 die Chefarztpflicht für CT und MRT wieder ein. Eine sinnlose bürokratische Schikane, die wohl einzig dem Zweck der Zugangsbegrenzung zu solchen Untersuchungen führt: Eine Deckelung NEU also. Dazu waren kritische Worte des Patientenanwalts wie gewohnt nicht zu vernehmen.

Hier gilt die Forderung der Ärztekammer„weg mit der Deckelung“. Maßstab für die Honorierung von Untersuchungen und Behandlungen durch die Kassen kann einzig der Patientenbedarf sein, und nicht eine Rationierungs-Vorgabe von Kassenbürokraten.

Auch der Hinweis des Patientenanwaltes, dass es in Österreich mit seiner angeblich international höchsten Ärztedichte keine langen Wartezeiten auf einen Arzttermin geben dürfe, geht ins Leere. Viele Ärzte haben dem öffentlichen Gesundheitswesen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und überbordender Bürokratie schlichtweg den Rücken gekehrt. Es liegt in der Verantwortung der Gesundheitspolitik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Arztberuf wieder attraktiv machen, damit die für eine ausreichende niedergelassene Ärzteversorgung erforderlichen 1.300 zusätzlichen Kassenarztstellen auch besetzt werden können. Es wäre schön, wenn Patientenanwalt Bachinger solche Forderungen unterstützen würde. Dann würde der „Anwalt der Patienten“ diesem Titel auch gerecht.

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Im Interesse der Versorgung: Mängelhaftes PHC-Gesetz nicht unter Zeitdruck vom Zaun brechen

Die Gesundheitsministerin hofft also, dass ihr Gesetz zur Primärversorgung noch vor den Nationalrats-Wahlen am 15. Oktober beschlossen wird. Das ist aus ihrer Sicht verständlich. Nicht zuletzt aufgrund der sturen ideologischen und erkennbar machtpolitisch motivierten Position mancher Gesundheitspolitiker, Beamter und Sozialversicherer wurde das Gesetz zu den Primärversorgungs-Einheiten inzwischen zu einer unendlichen Geschichte, die der Professionalität vieler Politiker und Bürokraten kein gutes Zeugnis ausstellt. Und dass die Ministerin einen Erfolg einfahren will, indem sie dieses Projekt zu einem Abschluss bringt, kann man nachvollziehen.

Doch auch hier gilt: Speed kills. Der Gesetzesentwurf bringt zwar gegenüber früheren Primärversorgungseinheits-(PVE)-Konzepten insgesamt eine Reihe von Fortschritten, ist aber von einem wirklich guten Gesetz noch meilenweit entfernt: viele Punkte sind unbefriedigend geregelt und eine Reihe wesentlicher Fragen bleiben unbeantwortet. Das sind gute Gründe, nicht ohne Not ein Gesetz unter Zeitdruck vom Zaun zu brechen, dem Optimierungen sehr gut täten – trotz aller von der Ärztevertretung verhandelten Fortschritte und Erfolge.

Hier ist dem neuen Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungen Alexander Biach zuzustimmen: Er meinte bereits wenige Tage nach seiner Wahl, es sei „kein Drama“, wenn aufgrund der Neuwahlen das PVE-Gesetz doch nicht mehr kommen sollte. Und er betonte, dabei Argumente der Ärztekammer aufgreifend, dass bereits bestehende rechtliche Regelungen die Errichtung von Primärversorgungseinheiten ermöglichen.

In der Tat: Offene Fragen und strittige Punkte des Gesetzesentwurfes sollten noch geklärt werden, bevor der Entwurf Gesetz wird. Kein Gesetz, das vor den Wahlen noch schnell durchgewinkt wird, wäre ebenso wenig ein „Drama“ wie überhaupt kein Gesetz. Schon ein „Drama“ wäre allerdings ein problematisches Gesetz mit negativen Auswirkungen.

Der Vorstand der Ärztekammer für Wien hat deshalb am Dienstagabend eine Resolution beschlossen, in der die österreichische Bundesregierung in Anbetracht der aktuell schwierigen innenpolitischen Situation aufgefordert wird, das PHC-Gesetz „auf keinen Fall im Schnellverfahren durchzupeitschen“.

Die Resolution im Wortlaut

„Die Ärztekammer für Wien fordert die österreichische Bundesregierung in Anbetracht der aktuell schwierigen innenpolitischen Situation auf, das PHC-Gesetz auf keinen Fall im Schnellverfahren durchzupeitschen. Die Stärkung der Primärversorgung ist ein wesentliches Anliegen der Ärztekammer, vor allem zum Schutz und zur Stärkung der Hausärztinnen und Hausärzte sowie im Interesse der Patientenversorgung.

Der in der Begutachtung stehende Entwurf zeigt zukunftsweisende Wege auf, so sind zum Beispiel gewinnorientierte Ambulatorien in der Primärversorgung nicht vorgesehen. Er hat aber noch viele Schwächen und ist – siehe die weit mehr als 100 eingelangten Stellungnahmen – noch nicht ausgereift. Allein der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger hat mehr als 125 Änderungsvorschläge gemacht.

In Anbetracht der sehr eng geplanten parlamentarischen Abläufe, die für eine Regierungsvorlage beziehungsweise einen Initiativantrag nur wenige Tage Zeit lassen, besteht die eminente Gefahr, dass jetzt im Schnellverfahren ein Gesetz vom Zaun gebrochen wird, das langfristig mehr Probleme verursacht, als es löst.

Für zahlreiche essenzielle Fragestellungen der Ärztekammer liegen noch nicht einmal Lösungsvorschläge auf dem Verhandlungstisch. Dies betrifft zum Beispiel (als wesentlichste Punkte):

• die Absicherung der Vertretungsregelungen im Rahmen der Freiberuflichkeit, neben der Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten

• eine Obergrenze für PHC-Einheiten zur Absicherung der Einzelordinationen als Versorgungsmodell

• kein Zwang zur Bildung von Zentren; die Freiheit der Ärzteschaft, PHC als Netzwerke zu gründen

• das Verbot der finanziellen Besserstellung von Ambulatorien gegenüber freiberuflichen Ärztinnen und Ärzten

• Gesamtverträge auch auf Landesebene

• Wegfall der Altersgrenzen wie bei den Ambulatorien

Die Ärztekammer hat bereits in der Vergangenheit den Beweis erbracht, dass sie erfolgreiche PHC-Projekte zustande bringt, wie zum Beispiel das PHC Mariahilf, das erst diese Woche auch von der Stadt Wien und der Wiener Gebietskrankenkasse positiv evaluiert wurde.

Der Vorstand der Ärztekammer für Wien bietet dem Hauptverband, der Wiener Gebietskrankenkasse und der Stadt Wien an, bis zum Jahr 2021 auch ohne PHC-Gesetz weitere PHC-Projekte in einer Reformpartnerschaft umzusetzen. Gleichzeitig müssen auch Maßnahmen verhandelt werden, die den Beruf der Hausärztin und des Hausarztes attraktiver machen und die bestehenden Hausarztordinationen dabei stärken, die hausärztliche Versorgung weiter zu verbessern.“

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Neue Umfrage: Unzufriedenheit von Ärzten mit ihrem Beruf nimmt massiv zu

Aus meiner Sicht ist der Beruf der Ärztin und des Arztes der interessanteste und vielseitigste, den ich mir vorstellen kann. Würde mich heute ein junger Mensch fragen, ob er Arzt werden soll, so wäre meine Empfehlung ein „Ja“. Es wäre allerdings, anders als früher, kein „Ja ohne Wenn und Aber“. Mein Erklärungsbedürfnis bezöge sich nicht auf die ärztliche Tätigkeit als solche, sondern auf die schlechter werdenden Rahmenbedingungen unseres Berufes.

Und damit sind wir bei einem zentralen Ergebnis einer Befragung von rund 260 Ärzten in Österreich, die heute auf einer Pressekonferenz zum Thema „Herausforderung: Arzt sein heute!“ im Presseclub Concordia vorgestellt wurde – eine idente Umfrage gab es im Jahr 2012. Auf die Frage: „Wie zufrieden sind sie im Allgemeinen mit ihrem Beruf“, antworten heute nur noch 26 Prozent mit „sehr zufrieden“, vor fünf Jahren waren es 40 Prozent. Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte, die schlicht und einfach „unzufrieden“ sind, ist in nur fünf Jahren von 2 Prozent auf 15 Prozent angestiegen.

Dass mit 31 Prozent knapp ein Drittel der Ärzte in Österreich mit ihrem Beruf in unterschiedlichem Ausmaß unzufrieden sind, ist eine Entwicklung, die von den Zuständigen auch versorgungspolitisch sehr ernst genommen werden muss. Eine zunehmende Unzufriedenheit der Ärzte mit ihren beruflichen Rahmenbedingungen wird keinen positiven Einfluss auf die Berufsentscheidung jungen Menschen haben und wird sie vom Arztberuf tendenziell fernhalten. Das kann sich Österreich nicht leisten, denn unsere Gesundheitsversorgung braucht diesen Nachwuchs dringend – hier ist die Politik gefordert, mit Nachdruck gegenzusteuern.

Negative Spitzenreiter: Bürokratie, mangelnde Wertschätzung, EDV samt Kosten, Zeitdruck

Die Ursachen der verbreiteten Unzufriedenheit vieler Ärzte mit ihrer beruflichen Situation liegen nicht in individuellen Faktoren oder persönlichen Problemen, sondern sind struktureller Art. Spitzenreiter unter den Ärgernissen ist mit 88 Prozent der bürokratische Aufwand – er war bereits 2012 die Nummer 1. Das ist mehr als plausibel. Jede Ärztin und jeder Arzt kennt die oft unsinnigen bürokratischen Vorgaben in Krankenhäusern und Arztpraxen, vieles davon bringt Patienten keinerlei Vorteile. Ein Beispiel dafür ist die Formular-Flut, die von Kasse zu Kasse variiert und einen enormen Zeitaufwand erfordert. Die Ärztevertretung fordert schon lange, hier zu entbürokratisieren, damit die Zeit von Ärztinnen und Ärzten den Patienten zu Gute kommt und nicht in sinnloser Bürokratie versickert.

An zweiter Stelle der Ärgernisse steht mit 78 Prozent bereits die fehlende Wertschätzung der ärztlichen Tätigkeit durch Krankenkassen und Politik. Dieser Trend hat sich erst in vergangenen Jahren massiv verschärft, in den Umfrageergebnissen von 2012 war davon noch nicht die Rede. Ein Ergebnis, das wohl niemanden verwundert, der berufsmäßig mit Sozialversicherungen und der Gesundheitspolitik zu tun hat.

Und auf Platz drei der Ärgernisse kommen mit 57 Prozent die Themen EDV und die damit verbundenen Kosten. Ein zentrales Stichwort ist hier die ELGA, bei der wesentliche Aspekte wie die Benutzerfreundlichkeit, der Datenschutz und die Befundvollständigkeit unverändert offen sind und die Frage der Kosten völlig ungeklärt ist. Hier erwarten Patienten und Ärzte von der Politik zufriedenstellende Antworten.

Heute ebenso wie vor fünf Jahren findet sich „Zeitdruck durch hohe Patientenzahl“ unter den Top 5 Ärgernissen. Hier geht es politisch zum einen darum, für ausreichend medizinischen Nachwuchs zu sorgen. Zum anderen wird es nötig sein, die Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit wieder so attraktiv zu gestalten, dass es ausreichend Kassenärzte gibt.

Was Ärzte besonders schätzen: Vielseitigkeit, gute Kontakte zu Patienten, Herausforderung, Vertrauen und Wertschätzung, Patientenbetreuung

Und nun zur Frage, was Ärztinnen und Ärzte an ihrem Beruf besonders schätzen. Nummer 1 ist mit 91 Prozent dessen „Vielseitigkeit“, gefolgt von „guter Kontakt und Beziehungen zu den Patienten (89%), den Herausforderungen (88%), Vertrauen und Wertschätzung (87%), die Betreuung der Patienten (84%) und die Freiberuflichkeit (79 Prozent). Was also im Zentrum unseres Berufes steht, nämlich eine gute und engagierte Beziehung zu Patienten mit dem Ziel einer bestmöglichen Behandlung, das machen Ärztinnen und Ärzte ganz besonders gerne. Das darf auf keinen Fall durch bürokratischen und wirtschaftlichen Druck, unattraktive Rahmenbedingungen unserer Tätigkeit, oder ein das Arzt-Patient-Verhältnis gefährdendes Spitzelunwesen wie das „Mystery Shopping“ aufs Spiel gesetzt werden.

Auch der Gesichtspunkt ständiger Weiterentwicklung und Weiterbildung ist maßgeblich für die Zufriedenheit mit dem Arztberuf. Von Pharma-Unternehmen erwarten sich Ärzte primär die Unterstützung bei der Fortbildung, allerdings unabhängig und nicht interessensgeleitet.

Geeigneter Anlass für Politik und Kassen aktiv zu werden

Für mich sind solche Umfrageergebnisse besonders wertvoll, weil sie Hinweise darauf geben, ob wir als Ärztevertreter mit unserer Politik die Kolleginnen und Kollegen dort abholen, wo sie stehen. Die hier vorliegenden Ergebnisse sehe ich als eine sehr eindeutige Bestätigung der Richtigkeit und Stichhaltigkeit unserer Positionen. Ich hoffe, dass sie von der Gesundheitspolitik und den Sozialversicherungen als Anlass dafür gesehen werden, in die richtige Richtung aktiv zu werden.

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Haupt-Schwachpunkt des PHC-Gesetzesentwurfs: Keine Anstellung von Ärzten bei Ärzten

Das geplante Primärversorgungs-Gesetz ist gegenwärtig in der Begutachtung und die Stellungnahme der Österreichischen Ärztekammer geht noch diese Woche an das Ministerium. Aus diesem Anlass hier eine Zwischenbilanz: Es ist der Ärztevertretung nicht nur gelungen, gemessen am völlig indiskutablen „Technokraten-Papier“ (© Sektionschef Clemens Martin Auer) vom Frühling 2014 die schlimmsten Attacken auf die Gesundheitsversorgung und auf die Ärzteschaft heraus zu verhandeln. Aus heutiger Sicht kann gesagt werden, dass jetzt ein insgesamt gangbarer Weg eingeschlagen wurde. Allerdings enthält der Entwurf noch eine Reihe von problematischen Punkten, die gelöst werden sollten.

Das aktuell ungelöste Hauptproblem des vorliegenden PHC-Gesetzesentwurfs ist aus meiner Sicht,  dass eine Anstellung von Ärzten bei niedergelassenen Ärzten nicht vorgesehen ist. Diese ist allerdings dringend erforderlich, damit im niedergelassenen Bereich optimale Versorgungsangebote implementiert werden können. Das insbesondere vor dem Hintergrund des Ärztemangels und der abnehmenden Bereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen, sich auf einen Kassenvertrag einzulassen.

Es ist bekannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gestützt, dass immer mehr junge und jüngere Ärztinnen und Ärzte aus einer Reihe von Gründen nicht Vollzeit arbeiten möchten oder können – Mutterschaft ist hier ein wichtiges Motiv von vielen. Ärztinnen und Ärzte sollten also unbedingt die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit im niedergelassenen Bereich haben, nicht zuletzt damit sie der Gesundheitsversorgung nicht verloren gehen. Wir brauchen deshalb die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten nicht nach dem Kopf-Prinzip, also ein angestellter Arzt pro niedergelassenem Arzt, sondern nach dem Grundsatz der Vollzeitäquivalenz. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass für einen niedergelassenen Arzt einige Kolleginnen und Kollegen auf Teilzeitbasis arbeiten – nicht zuletzt ist das auch einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschuldet.

Ohne die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten, die zu schaffen ich dem Gesetzgeber mit Nachdruck nahe lege, würde der niedergelassene Ärztebereich Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Anbietern in Kauf nehmen müssen, die wir nicht akzeptieren können.

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Neue Umfrage: Krankmeldung für das Gesundheitssystem

Nach dem „Gesundheitsbarometer“, das bei Public Opinion Strategies von Dr. Peter Hajek in Auftrag gegeben wurde, geht das österreichische Gesundheitssystem für 83 Prozent der Wiener Ärzte in die falsche Richtung.

Die Fieberkurve steigt: Wäre das Gesundheitssystem ein Patient, wäre die Krankmeldung schon lange ausgestellt. Das steigende Misstrauen von Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten zeigt, dass eine große Kluft zwischen dem, was die Politik denkt, und dem, was die Betroffenen denken, besteht. 83 Prozent der Wiener Ärzteschaft finden, dass das Gesundheitssystem in eine falsche Richtung geht.

Das sind alarmierende Zahlen und ein eindeutiges Signal Richtung Gesundheitspolitik.

Der Zustand des Gesundheitssystems verschlechtert sich zunehmend. Dass daran der seit Jahren anhaltende Sparzwang Schuld hat, zeigt das im Auftrag der Wiener Ärztekammer regelmäßig erstellte „Gesundheitsbarometer“, bei dem Ärzte und Nicht-Ärzte die Leistungsfähigkeit ihres Gesundheitssystems regelmäßig einschätzen – mit besorgniserregendem aktuellem Befund.

Eines der Hauptergebnisse: Der oft angekündigten Stärkung des extramuralen Bereichs sind bislang keine Taten gefolgt, stattdessen wird weiter krank gespart. Nicht nur die Ärzteschaft, auch die Patienten merken, dass hier seit Jahren ein gesundes System heruntergefahren wird. Denn auch der ständige Versuch der Politiker den Hausarzt als Auslaufmodell darzustellen, fruchtet nicht. Ganz im Gegenteil: Der Hausarzt bleibt auch in Zukunft der wichtigste Ansprechpartner in Gesundheitsfragen für die österreichische Bevölkerung – für 93 Prozent ist und bleibt er unersetzbar. Denn gerade bei der Wohnort-nahen ärztlichen Versorgung ist der praktische Arzt unverzichtbar, 97 Prozent empfinden ihren Hausarzt in der Nähe als wichtig.

Weniger wichtig sind hingegen die 22 Sozialversicherungsträger. 84 Prozent der Ärztinnen und Ärzte und immerhin 67 Prozent der Bevölkerung finden dieses Konstrukt nicht sinnvoll. Spannend vor allem, weil auch die Österreicher, die meist nur mit einer Kasse zu tun haben, derart negativ eingestellt sind. Auch die Arbeit des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger wird sehr negativ eingestuft. 88 Prozent sehen große Einsparungsmöglichkeiten bei der Verwaltung der Sozialversicherungsträger.

Ebenso kritisch wird die Möglichkeit gesehen, dass auch Nicht-Mediziner Primärversorgungszentren führen dürfen: 91 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte lehnen das strikt ab und werden dabei von 76 Prozent der Bevölkerung unterstützt. Das ist ein klares Nein zu konzerngeführten PHC.

Die Kritik der Ärztekammer am derzeitigen PHC-Entwurf wird von 87 Prozent der Ärzteschaft als gut und wichtig angesehen, eine klare Bestätigung für unseren Kurs. Denn der Politik ist es bisher trotz aller Bemühungen nicht gelungen, der Bevölkerung ihr rundum problematisches PHC-Konzept schmackhaft zu machen.

Die Ärztekammer wird sich weiter für eine moderne Gesundheitsversorgung im Sinne der Patienten einsetzen – und lädt die Gesundheitsministerin ein, es uns gleichzutun. Denn noch laufen die Verhandlungen: Für uns steht fest, dass man bundespolitisch heiße Eisen wie die Weiterentwicklung der Primärversorgung nur gemeinsam mit der Kollegenschaft angehen kann und hoffentlich rasch Lösungen finden wird.

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Bitte gehen Sie wählen – Freitag und Samstag ist noch Gelegenheit dazu

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

in Wien geht der Wahlkampf für die Ärztekammerwahlen 2017 zu Ende, gewählt werden kann noch am Freitag und am Samstag dieser Woche..

Wahlkämpfe sind ja bekanntlich eine Periode besonders ausgeprägter Profilierungs-bereitschaft wahlwerbender Gruppierungen und Personen sowie – leider – einer gewissen Neigung zu politischen und persönlichen Angriffen. Und  bei den Kandidatinnen und Kandidaten ist der Wahlkampf eine Phase oft blank liegende Nerven. Es ist also wohl nachvollziehbar, dass sich auch unter uns Ärztinnen und Ärzten in Wahlkampfzeiten der Ton verschärft und die Umgangsformen rauer werden.

Aus meiner Sicht verlief der jetzt bald zu Ende gehende Wahlkampf im Großen und Ganzen durchaus kollegial und stilvoll, die wenigen Ausnahmen und „Ausrutscher“ seien den besonderen Umständen von Wahlkampfzeiten geschuldet. Besonders wichtig ist allerdings, dass wir nach den Wahlen gemeinsam vorgehen und uns nicht auseinander dividieren lassen.

Aber es geht natürlich nicht nur um Stilfragen, deren Beurteilung von persönlichen Vorstellungen der Betrachterin oder des Betrachters geprägt sein mögen. Auch wenn die eine oder andere Aussage oder der verwendete Ton nicht in Ihrem Sinne gewesen sein mag, auch wenn Sie persönlich finden, die Ärztekammerwahlen seien für Sie ohne jede Bedeutung: Bitte gehen Sie wählen – und sei es trotzdem.

Es geht bei Ärztekammerwahlen – und dieses Mal trifft das in besonderem Maß zu – um die Rahmenbedingungen unseres Berufes sowohl in der Niederlassung als auch in den Krankenhäusern. Und es geht dieses Mal  in bisher nicht erlebter Weise um die Zukunft unseres Berufes. Nicht nur die Art. 15a Vereinbarungen und das darauf beruhende, derzeit als Entwurf vorliegende Primärversorgungsgesetz, auch die diversen Spitalskonzepte der Stadt Wien können unsere berufliche Tätigkeit radikal verändern, und das nicht zu unserem Vorteil.

Das unsägliche Mystery Shopping wird unsere ärztliche Tätigkeit noch massiv behindern, Beschränkungen der wahlärztlichen Tätigkeit stehen immer wieder zur Diskussion, und welche realen Auswirkungen ELGA auf die ärztliche Tätigkeit haben wird, ist noch nicht abzusehen.

Das sind nur einige der gesundheitspolitischen Krisenherde, die – so viel ist sicher – die Ärztevertretung in Zukunft beschäftigen werden. Und mit welchen weiteren Zumutungen Politik und Sozialversicherungen uns künftig konfrontieren werden, bleibt abzuwarten. Ich nenne hier beispielhaft nur eine: Nämlich uns Ärztinnen und Ärzte möglichst zu Facharbeitern zu degradieren, die besser kontrolliert und gesteuert werden können.

All das zeigt, dass eine starke Ärztevertretung in Zukunft wohl wichtiger ist als je zuvor. Aber auch eine konsequent vorgehende und handlungsfähige Ärzteschaft tut sich gegenüber der Politik leichter, wenn sie durch eine möglichst hohe Wahlbeteiligung gestützt und legitimiert ist.

Deshalb meine dringende Bitte an Sie: Machen Sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es geht um nichts weniger als um die Zukunft des Ärzteberufes und der ärztlichen Freiberuflichkeit. Ihre Stimme zählt! 

Mit herzlichen kollegialen Grüßen,

Johannes Steinhart

So können Sie am Freitag und Samstag noch wählen:

Freitag, 24. März: 8 Uhr bis 14 Uhr in der Ärztekammer für Wien (Weihburggasse 10-12, 1010 Wien), Stabsstelle Recht, 6. Stock; Bitte bringen Sie Ihr Wahlkuvert mit.

Samstag, 25. März: 7 Uhr 30 bis 15 Uhr in der Ärztekammer für Wien (Weihburggasse 10-12, 1010 Wien), 1. Stock; Sie bekommen einen Stimmzettel; Bitte nehmen Sie einen Lichtbildausweis mit.

 

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Primärversorgung: Anmerkungen zum Wiener Modell

Auf Facebook wird viel pro und contra PHC diskutiert. Manche einer schmückt sich mit Erfolgen, die er sich oder seiner Fraktion zuschreibt. Ich denke, man sollte sich hier besser an den Fakten orientieren.

Tatsächlich befindet sich der niedergelassene Bereich, genauso wie das gesamte Gesundheitssystem, in einem Umbruch. Das resultiert aus dem einfachen Grund, dass sich auch unsere gesamte Gesellschaft in Entwicklung befindet. Es entstehen neue Ansprüche, aber auch neue Vorstellungen über Qualität und natürlich beeinflussen uns auch neue Möglichkeiten der Technik und der Medizin. Um die Situation weiter zu verkomplizieren, gibt es schon seit über einem Jahrzehnt den Versuch der Sozialversicherung, im Gesundheitssystem die absolute Macht an sich zu reißen und Ärztinnen und Ärzte zu Facharbeitern zu degradieren. Diesen Anspruch erhebt die SV, obwohl sie über weite Strecken hochgradige Finanzierungsdefizite aufweist.

In diese Situation ist die Diskussion um PVE – wie sie jetzt heißen – eingebettet. Für uns Ärztinnen und Ärzte stellt sich hier die Aufgabe, uns richtig zu positionieren. Wir müssen also den Weg der jungen Kolleginnen und Kollegen in die Niederlassung ermöglichen, die allerdings bei dieser Entscheidung zunehmend Zurückhaltung üben. Und wir müssen darauf achten, dass der exzellent funktionierende Teil der Versorgung nicht von wildgewordenen Bürokraten zerstört wird: Das bedeutet Sicherung der Einzelordinationen und bisherigen Gruppenpraxen.

Das Bemühen um diese Sicherung hat auch gezeigt, dass trotz der Erfolge, die wir bereits erringen konnten und für die wir uns auch in Zukunft maximal einsetzen werden, das finanzielle Potential der SV für die kommenden Jahre nicht als sicher zu bewerten ist. Abgesehen von regionalen Situationen wie zu wenig Einzahlern oder zu hohen sozialen Ausgaben hat die SV ein Strukturproblem, das sie seit Jahren sträflicher Weise nicht zu korrigieren versucht: Erstens ist der Hebesatz (Arbeitnehmeranteil bei Pensionisten, den der Staat bezahlt) extrem ungleich zwischen ASVG-, Selbstständigen- und Bauern-Versicherten verteilt – hier hinken die ASVG-Versicherten ungemein hinten nach. Und zweitens die  versicherungsfremden Leistungen.

Daher unsere Verhandlungen mit dem Land, hier zusätzliche Gelder für den niedergelassenen Bereich zu bekommen. Mancher wird fragen, wieso vom Land? Weil das Land die tatsächliche Endverantwortung für die Versorgung trägt. Die SV ist nur ein Inkasso- und Verwaltungsbüro, und sonst gar nichts. Daher war es nur schlüssig, sich an den Endverantwortlichen zu wenden um neue Finanzierungstöpfe für die Ärzte zu erschließen.

Um es noch einmal klar zu stellen: Hier geht es nicht um eine Subvention,  oder wie immer das bereits bezeichnet wurde, sondern um das Erschließen zusätzlicher Finanzierungmittel in Anbetracht der geringen Finanzressourcen der SV.

In der Kurie wurde daher mit klarer Mehrheit beschlossen, zwei Modellprojekte im PVE-Bereich mit zu gestalten unter den Grundvoraussetzungen, dass sich die PVE-Projekte im Gesamtvertrag befinden und dass selbstverständlich das Eigentum und die Führung bei den betreibenden Ärzten liegen. Die Finanzierung beschränkt sich auf 5 Jahre und erfolgt von SV und Land.

In dieser Situation wurden in der Kurie Modelle entwickelt, diese Möglichkeit auch bereits bestehenden Einzelordinationen und Gruppenpraxen zugänglich zu machen. Daraus entstand das „Wiener Modell“, in dem eine modulare Ausgestaltung auf freiwilliger Basis gegeben war. Später sollte daraus ein Gesamtstandard im Bereich der niedergelassenen Allgemeinmedizin entstehen.

Das Land Wien war bereit, dafür 10 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung zu stellen. Unglaublicher Weise hat jedoch die Obfrau der WGKK diese Lösung abgelehnt (also eine Lösung, für die die WGKK nicht mehr Geld hätte aufwenden müssen), da sie offensichtlich Konzerne und Fremdfinanziers als Betreiber von Zentren bevorzugt. So wie sie sich auch ausschließlich zu Zentren bekennt und der Einzelordination den Kampf ansagt.

Ich bin überzeugt, dass es für die Zukunft wichtig ist, PatientInnen die gesamte Möglichkeit der Niederlassung anzubieten. Wir müssen das Gute weiter bewahren, also die Einzelordination und die Gruppenpraxis, aber auch PVE-Lösungen mitgestalten – allerdings alle Lösungen nur unter Führung von Ärzten und innerhalb des Gesamtvertrages. Wir sind nicht die Verhinderer im System, wie man so oft aus SV-Kreisen hört. Sondern wir denken nur mehr und intensiver darüber nach, was für Patienten nützlich ist, wir folgen nicht blind einer Ideologie, sondern setzen Werte und Erkenntnisse um.

Diese Entwicklungen im PVE-Bereich sind auch für die KollegInnen im stationären Bereich von hoher Bedeutung, denn nicht eine ideologisch (DDR 2.0) motivierte Planung wird die Spitäler entlasten. Sondern nur ein mit medizinischer Qualifikation entwickeltes System kann die PatientInnen so versorgen, dass im niedergelassenen Bereich das Potential umgesetzt wird, das zur spitalsentlastenden Patientenversorgung notwendig ist.

Ich hoffe, dass die manchmal sehr emotional und einseitig geführte Diskussion wieder etwas mehr in einen faktischen und strategischen Weg einschwenkt. Nicht Polarisierung hilft uns, sondern nur das konstruktive Miteinander.

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