Der Beruf des Kassenarztes muss attraktiver werden

Der Trend ist eindeutig, Kassenverträge verlieren für immer mehr Ärztinnen und Ärzte ihre Attraktivität: Gegenwärtig gibt es in Österreich 3.880 niedergelassene Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag, um fast 300 weniger als im Jahr 2006. Die Zahl der Kassen-Fachärzte blieb etwa konstant. Gleichzeitig ist die Zahl der Wahlärzte von rund 7.000 auf knapp 10.000 angestiegen. Die Zeiten, als ein Kassenvertrag noch etwas von den meisten Ärzten heiß Begehrtes war, sind also inzwischen Medizingeschichte.

Dass die Krankenkassen – zumindest einige davon – die Verantwortung für diesen Trend selbst tragen, bezeugen die vielen Beschwerden von Kolleginnen und Kollegen. Die Art und Weise, wie niedergelassene Kassenärzte durch Deckelungen und Degressionen behindert, durch immer mehr Bürokratie von der Arbeit abgehalten und durch „Mystery Shopping“ oder in rüdem Stil geführte „amikale Gespräche“ gedemütigt werden, kann einem schon die Freude an der Arbeit nehmen.

Die Kassen sollten also dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit wieder attraktiver werden. Konstruktive Vorschläge dazu haben wir schon oft präsentiert, doch die Gleichgültigkeit des Gegenübers war bisher stärker.

Deckelungen und Degressionen sollten abgeschafft werden. Maßstab für ärztliche Leistung kann nicht eine willkürliche Obergrenze mit dem Ziel des Sparens sein, sondern ausschließlich der reale Bedarf der Patienten. Das Anbieten medizinischer Leistungen jenseits des „Deckels“ zum Nulltarif kann hier keine Lösung sein.

Die Leistungskataloge sind zum Teil von Vorgestern und gehören an den medizinischen Fortschritt angepasst.

Der überbordende bürokratische Aufwand für die Chefarztpflicht, das ABS und Dokumentationen aller Art muss radikal auf ein akzeptables Maß reduziert werden. Bewilligungen und Kontrollen, die Patienten nichts bringen – zum Beispiel durch einen Chefarzt, der den Patienten nie gesehen hat – gehören ersatzlos gestrichen.

Die geforderte Identitätsüberprüfung von Patienten ist immens zeitraubend. Eine E-Card mit Portraitaufnahme würde Ärzten große Erleichterung bringen und Zeit sparen.

Das „Mystery Shopping“ durch von den Kassen eingesetzte Spitzel mit gefälschter E-Card ist nicht nur eine dreiste Zumutung, sondern erzeugt auch Unsicherheit und aufwändige Absicherungsmedizin und verkompliziert den Praxisbetrieb. Also weg damit.

Solche Maßnahmen endlich umzusetzen wäre ein sinnvoller erster Schritt, um den Beruf des Kassenarztes wieder attraktiver zu machen – nicht nur für bereits praktizierende Mediziner, sondern auch für den ärztlichen Nachwuchs.

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