Endlich Durchbruch bei der Finanzierung der Lehrpraxis

Die Lehrpraxis ist ein Hebel, um mehr Ärztinnen und Ärzte in den niedergelassenen Bereich zu bringen. Die Lehrpraxis wird nicht nur zu mehr, sondern auch zu besser ausgebildeten Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner beitragen. Und schließlich wird sie zusätzliche Impulse für die Entscheidung bieten, als Ärztin oder Arzt in ländlichen Regionen zu arbeiten.

Ich denke nicht, dass diese Erwartungen überzogene sind. Es stand stets außer Streit, dass die Lehrpraxis ein eminent wichtiger Ausbildungs-Bestandteil für angehende Allgemeinmediziner ist. Schließlich ist die Allgemeinmedizin die Basis eines guten Gesundheitssystems, und dafür bedarf es ausreichend vieler gut ausgebildeter Allgemeinmediziner.

Ein neuer Stil bei den Verhandlungen

Dass die Lehrpraxis bisher nicht praktisch realisiert werden konnte, und dass wir erst heute auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit Gesundheitsministerin Mag. Hartinger-Klein und Hauptverband-Präsident Dr. Biach von einem Durchbruch in dieser für das gesamte Gesundheitssystem wichtigen Sache berichten können, liegt an der bislang nicht geklärten Finanzierung. Dass wir heute gemeinsam ein Projekt präsentieren, dessen Finanzierung konsensuell vereinbart werden konnte, freut mich ganz besonders. Es zeigt nicht zuletzt, dass sich ein neuer Stil bei Verhandlungen mit dem Ministerium und dem Hauptverband abzeichnet.

Zunächst haben wir innerhalb der Ärztekammer die Vorarbeiten geleistet, indem die Bundeskurie niedergelassene Ärzte mit der Bundeskurie angestellte Ärzte einen Kollektivvertrag abgeschlossen hat. Demnach sollen Jungärzte in der Lehrpraxis bei einem niedergelassenen Arzt gleich viel verdienen wie Jungärzte im Spital.

Wir haben schließlich durchsetzen können, dass die öffentliche Hand finanziell für die Lehrpraxis von Allgemeinmedizinern aufkommt – so wie für die Facharzt-Ausbildung im Krankenhaus. Mit dem Hauptverband wurde ein Gesamtvertrag abgeschlossen, der regelt, dass und wie die Leistungen der Praktikanten mit der Sozialversicherung abgerechnet werden können.

Ärzte, die einen Lehrpraktikanten beschäftigen, werden sich vorerst mit 10 Prozent an den Kosten für den Lehrpraktikanten beteiligen. Dieser Anteil sollte durch die Verrechenbarkeit von Leistungen des Lehrpraktikanten abgedeckt sein.

Lehrpraxis kommt Bedürfnissen von Patienten und angehenden Ärzten entgegen

Die Lehrpraxis kommt nicht nur den Bedürfnissen der Patienten entgegen, die sich mehr und sehr gut ausgebildete Hausärzte wünschen. Die Lehrpraxis orientiert sich auch an den Vorstellungen der Studierenden und schließt eine Informationslücke. Die Medizinische Universität Graz hat kürzlich Studierende und Jungmediziner in einer gleichnamigen Studie über ihre „Berufsmotivation zur Allgemeinmedizin“ befragt. Die Auswertung der mehr als 4.700 beantworteten Fragebögen zeigt, dass nur 2 Prozent der Medizinstudierenden definitiv die Laufbahn des Allgemeinmediziners einschlagen möchten. Das Interesse an diesem Beruf steigt allerdings im Lauf der Ausbildung, bei den Turnusärztinnen und -ärzten sind es bereits 16 Prozent. Allerdings ist bei der Frage, ob man sich gut auf die Hausarzt-Tätigkeit vorbereitet fühlt, die Tendenz gegenläufig: Die Zustimmung fällt von 15 Prozent bei den Studierenden auf 6 Prozent bei den Turnusärzten. Imageprobleme dürfte auch der Landarzt-Beruf keine haben: 44 Prozent der Studierenden und jeder zweite Turnusarzt können sich vorstellen, als Landarzt zu arbeiten

Das zeigt, wie wichtig es ist, durch das Erleben der Ordination, durch das Hineinschnuppern in den Praxisalltag Erfahrungen zu sammeln, das Kassensystem kennen zu lernen und sich besser orientieren zu können. Die Lehrpraxis bietet genau das.

 

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