Hausärzte-Knappheit und Unterfinanzierung gefährden Betreuung zu Hause – Sonderprogramm der Regierung soll Problem lösen

Der Hausärzte-Mangel, auf den unser Gesundheitssystem derzeit mit hohem Tempo zusteuert, wird, wenn nicht schnell etwas Wirksames unternommen wird, voraussichtlich nicht nur die bewährte niedergelassene und wohnortnahe ärztliche Versorgung in Arztpraxen gefährden. Er hat schon heute Auswirkungen auf einen oft zu wenig beachteten Bereich: die Betreuung immobiler Menschen zu Hause. Ohne den systematischen Einsatz von Hausärzten ist eine kompetente Betreuung zu Hause nicht möglich. Dabei geht es schließlich auch um medizinische Diagnosen, um das Beobachten von Veränderungen des Gesundheitszustandes und um das Verschreiben und Anpassen von Medikationen – wer sonst als Ärzte sollte das tun?

Eine mögliche Alternative zur Pflege zu Hause ist in der heutigen Versorgungsrealität die Betreuung in einem Krankenhaus – was schon aus Kostengründen unvernünftig ist, Menschen um ihr angestammtes häusliches Umfeld bringt, und für Krankenhäuser eine oft unbewältigbare Zusatzbelastung bedeutet.

Schon heute ist es schwierig, ausreichend viele Hausärzte – in den Arztpraxen stehen immer weniger Kassen-Allgemeinmedizinern immer mehr Patienten gegenüber – zu Hausbesuchen bei zuhause gepflegten Menschen zu motivieren. Zum Zeit- und Ressourcenproblem kommt hier zusätzlich noch die Unterhonorierung solcher Hausbesuche, die sehr oft immens zeitaufwändig sind und durch bürokratischen Aufwand zusätzlich belastet werden. Und schließlich sind die Leistungen im Honorarkatalog der Kassen bzw. der Länder nicht realistisch abgebildet, wodurch vieles unhonoriert bleibt.

Die Mangelsituation wird sich, wenn nicht wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergriffen werden, in Zukunft weiter verschärfen: Von den heute aktiven Allgemeinmedizinern mit GKK-Vertrag wird in 10 Jahren mehr als jeder 2. das Pensionsalter erreicht haben, und der Nachwuchs bleibt weit hinter dem zahlenmäßig Notwendigen zurück.

Wir stehen also auch hier vor einem dramatischen Versorgungsproblem und einer sozialpolitischen Zeitbombe. Altenpflege wurde völlig zu Recht als ein potenzielles Krisenthema erkannt, und unsere Gesellschaft hat ein Recht darauf, dass die Gesundheits- und Sozialpolitik hier die Weichen richtig stellt und geeignete Maßnahmen ergreift. Das bedeutet:

  • Wir brauchen in Zukunft mehr Allgemeinmediziner. Hier sind Bildungspolitik und MedUnis gefordert, geeignete Schritte zu setzen.
  • Allgemeinmediziner müssen endlich ihrem Stellenwert entsprechend honoriert werden, sonst werden sich immer weniger Studierende für diesen Berufsweg entscheiden.
  • Hausärztliche Leistungen im Rahmen der Krankenhaus-ersetzenden Hauskrankenpflege sowie der nicht Krankenhaus-ersetzenden Hauskrankenbetreuung müssen im Honorierungssystem präziser und realitätsnäher geregelt sein, als dass derzeit der Fall ist.
  • Hausärztliche Leistungen im Rahmen der Betreuung und Pflege zu Hause müssen attraktiv honoriert werden und außerdem von überflüssigen bürokratischen Bürden befreit werden.
  • Wir brauchen ein Sonderprogramm der Regierung, um den Finanzierungsbedarf für diese Maßnahmen zu decken. Die Euro-Milliarde, die sich die Regierung von der Kassenreform erwartet, kann eine wichtige Finanzierungsquelle sein.

Diese Maßnahmen müssen sofort beginnen, weil es bei diesem Problem leider schon deutlich später ist als „fünf vor zwölf“. Wenn nichts Wirksames passiert ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der letzte Hausarzt aus der Hauskrankenbetreuung verabschiedet. Das hätte dramatische Konsequenzen für die zu Pflegenden, denn ohne Hausärzte geht es nicht.

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