In die Jahre gekommen

Die ersten Gespräche mit der ÖGK über den von der Bundeskurie niedergelassene Ärzte erarbeiteten neuen Leistungskatalog haben begonnen. Immerhin: eineinhalb Jahre nach der Fertigstellung dieses Großprojekts. Mehr als 200 Ärztinnen und Ärzte haben engagiert mitgearbeitet und ihre Erfahrungen aus ihrer täglichen Arbeit in den Ordinationen eingebracht.

Es war einfach an der Zeit für eine Überarbeitung: Der aktuelle Honorarkatalog ist in jeder Hinsicht in die Jahre gekommen. Das erleben Ärztinnen und Ärzte andauernd, wenn es darum geht, ärztliche Leistungen, die dem neuesten Stand des medizinischen Wissens entsprechen, den Patienten anzubieten und diese Leistungen dann auch abrechnen zu können. Im neuen Leistungskatalog sind all diese Leistungen nun enthalten. Nicht nur das: Erstmalig ist das Leistungsangebot österreichweit einheitlich. Auch das war schon längst überfällig.

Was der neue Leistungskatalog noch bietet: die Stärkung der Gesprächsmedizin, ein zentraler Aspekt in der Arzt-Patienten-Beziehung. Dass sich der Einsatz der Telemedizin bewährt hat mit der Krankschreibung sowie den telemedizinischen Konsultationen in der Corona-Pandemie muss nicht extra betont werden. Auch telemedizinische Leistungen sind Teil des neuen Leistungskatalogs.

Dabei geht es ganz grundsätzlich um eine völlig neue Herangehensweise, wie ärztliche Leistungen in Zukunft geordnet werden sollen – und in der Folge dann auch um ein vermutlich neues Abrechnungssystem. Die entscheidende Frage dabei ist: Wie soll die Abrechnung in einem solchen neuen Modell erfolgen? Dass damit die Zeit der Beträge wie im derzeit gültigen Honorarkatalog endgültig vorbei ist, sollte auch klar sein. Denn dieser Honorarkatalog ist ja mit ein entscheidender Grund, wieso wir solche Probleme haben, Kassenstellen zu besetzen, weil es für junge Ärztinnen und Ärzte nicht attraktiv ist, einen Kassenvertrag anzunehmen.

Viel Zeit lassen sollten wir uns jetzt allerdings nicht mehr und ich hoffe, dass rasch Bewegung in die Gespräche mit der ÖGK kommt und sich bald erste Erfolge zeigen.

Denn das Gesundheitssystem ist an Grenzen angelangt: sowohl an den physischen – der Ärztinnen und Ärzte – als auch an die des Systems – mit dem in die Jahre gekommenen Honorarkatalog. Wir brauchen dringend einen neuen.