„Aktionsplan Adipositas“ – Ärzteschaft ergreift die Initiative

Das Massenphänomen krankhaftes Übergewicht bzw. Fettleibigkeit ist eine gesundheitliche, gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Zeitbombe. Die WHO fordert deshalb auch von der österreichischen Bundesregierung bis zum Jahr 2020 geeignete Strategien und Konzepte gegen Adipositas: Konkret sollen im nächsten Jahr Präventions- und Therapieprogramme mit dem Ziel der Stagnation von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter bis zum Jahr 2025 vorgelegt werden. Damit den Vorgaben der WHO rechtzeitig entsprochen werden kann, ergreift die Ärzteschaft jetzt die Initiative: Die Österreichische Ärztekammer hat gemeinsam mit Ernährungsmedizinern von der MedUni Wien ein Bündel von strategischen Maßnahmen und gesundheitspolitischer Forderungen erarbeitet, den „Aktionsplan Adipositas“. Ziel ist dessen zügige politische Umsetzung, um die weitere Ausbreitung von Adipositas und deren gefährlichen gesundheitliche Auswirkungen wirksam einzudämmen.

Expertenboard gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium 

Um den Vorgaben der WHO zu entsprechen zu können, empfehlen wir eine Reihe von Sofortmaßnahmen: Zentrales Element soll hier die Gründung eines ernährungsmedizinischen Expertenboards gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium sein. Ein kleines, schlankes und auch kurzfristig entscheidungsfähiges Team von österreichischen und internationalen Experten unter wissenschaftlicher Beteiligung der MedUni Wien soll unabhängig von Partei- und Industrieinteressen das tun, was die WHO fordert: Konzepte zur Eindämmung der Adipositas im Kinder- und Jugendlichenalter entwickeln, deren Umsetzung begleiten und die Ergebnisse evaluieren.

Zahlreiche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Vorgehen wurden bereits geschaffen und müssen gebündelt und strukturiert genützt werden:

  • Die Ärztevertretung hat im Vorjahr nach dem Vorbild des sehr bewährten Mutter-Kind-Passes einen neuen Jugendgesundheitspass erarbeitet, der den Lebensabschnitt vom 7./8. bis zum 16./17. Lebensjahr umfasst und bei dem Fragen des Lebensstils und der Ernährung eine zentrale Rolle spielen. Dieses ausgereifte Projekt liegt dem Gesundheitsministerium vor, jetzt geht es darum, dass die Gesundheitspolitik es aufgreift und umsetzt.
  • Österreichs Schulärzte erheben konsequent wichtige Gesundheitsdaten, zum Beispiel Größe und Gewicht der Schülerinnen und Schüler. Allerdings werden diese Daten bisher nicht konsequent ausgewertet. Das muss in Zukunft unbedingt geschehen, weil wir wertvolles empirisches Material für Präventions- und Interventionsmaßnahmen nicht ungenützt liegen lassen dürfen.
  • Rund 1.600 Ärztinnen und Ärzte haben in Österreich das Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin absolviert. Diese enorme Expertise sollte verstärkt für Ernährungsberatung genützt werden, sowohl in Arztpraxen als auch zum Beispiel im Schulunterricht oder in der Schulung zum Beispiel von Schulärzten oder Lehrern. Was hier geklärt werden muss, ist die Honorierung solcher Leistungen, weil diese im bisherigen Honorarkatalog von Kassenvertragsärzten nicht berücksichtigt sind.

Finanzierung über die Alkohol- und Tabaksteuer – weniger Folgekosten

Die Finanzierung solcher Maßnahmen kann über die Alkohol- und Tabaksteuer erfolgen. Wenn endlich in der Adipositas-Prävention konsequent und auf breiter Basis vorgegangen wird, erspart das nicht nur viel menschliches Leid und vermeidbare Folgeerkrankungen, sondern auch enorme Folgekosten für ernährungsassoziierte Krankheiten bzw. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Diabetes, Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Das ist auch unsere sehr klare Botschaft an die Verantwortlichen der in Gründung befindlichen Österreichischen Gesundheitskasse: Prävention und rechtzeitige Intervention bei krankhaftem Übergewicht im Kinder- und Jugendalter ist ein Paradebeispiel für sinnvolle Investitionen in Gesundheit und die Vermeidung von Folgekrankheiten.

Wir brauchen einen breiten Konsens, dass Adipositas ein prioritär zu behandelndes Gesundheitsproblem ist und auf der gesundheitspolitischen Agenda ganz oben stehen muss.

 

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